Die wachsenden internationalen Verflechtungen der Wirtschaft führen bei deutschen Unternehmen zu einer Ausweitung der Geschäftstätigkeit über die nationalen Grenzen hinweg. Wirtschaftlichen Vorteilen aus der Globalisierung stehen eventuell steuerrechtliche Probleme gegenüber. Beispielsweise Wettbewerbsverzerrungen durch steuerliche Doppelbelastungen von Unternehmen aufgrund der Kollision von Steuersystemen verschiedener Staaten. Das Internationale Gesellschaftsrecht steht ebenfalls vor neuen Herausforderungen. Die im Zuge der Globalisierung steigende Anzahl von Gesellschaftsgründungen in Steueroasenländern, grenzüberschreitenden Sitzverlegungen und internationalen Verflechtungen hebt die Bedeutung von Kollisionsregeln hervor. In einem Fall mit Auslandsbezug erklärt die Kollisionsnorm ein bestimmtes Recht für anwendbar. Im Vordergrund stehen die Fragen nach der Rechtsfähigkeit, Entstehung, „Leben“ und Vergehen von Kapitalgesellschaften.
Das Ziel der Arbeit ist die Darstellung der wichtigsten Grundlagen und aktuellen Fragestellungen des Internationalen Gesellschafts- und Steuerrechts. Der Rechtsraum der Europäischen Gemeinschaft wird bei der Betrachtung weitestgehend ausgeklammert. Im Rahmen der Darstellung des Internationalen Steuerrechts steht die Körperschaftsteuer im Vordergrund.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Einführung in das Internationale Gesellschafts- und Steuerrecht
2. Gang der Untersuchung
II. Grundlagen des Internationalen Kapitalgesellschaftsrechts
1. Begriff des Internationalen Gesellschaftsrechts
2. Gesellschaftsstatut
a. Begriff des Gesellschaftsstatus
b. Geltungsbereich des Gesellschaftsstatuts
3. Gründungstheorie
a. Vorteile der Gründungstheorie
b. Nachteile der Gründungstheorie
4. Sitztheorie
a. Vorteile der Sitztheorie
b. Nachteile der Sitztheorie
5. Abkehr von der Sitztheorie in Deutschland
III. Grundlagen des Internationalen Steuerrechts von Kapitalgesellschaften
1. Begriff des Internationalen Steuerrechts
2. Struktur der Steuerpflicht einer Kapitalgesellschaft
a. Unbeschränkte Steuerpflicht
b. Beschränkte Steuerpflicht
3. Doppelbesteuerungen im Internationalen Steuerrecht
a. Begriff der Doppelbesteuerung
b. Ursachen der Doppelbesteuerung
c. Konsequenzen der Doppelbesteuerung
d. Möglichkeiten zur Vermeidung von Doppelbesteuerungen
4. Unilaterale Maßnahmen zur Vermeidung von Doppelbesteuerungen (Nicht-DBA-Fall)
a. Direkte Anrechnung
b. Abzugsmethode
5. Bilaterale Maßnahmen zur Vermeidung von Doppelbesteuerungen (DBA-Fall nach OECD-Modell)
a. Begriff und Funktion des Doppelbesteuerungsabkommens
b. OECD-Musterabkommen
c. Besteuerung der Unternehmensgewinne nach dem OECD-Modell
d. Besteuerung der Dividenden nach dem OECD-Modell
IV. Schlussfolgerungen und Ausblick
V. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die grundlegenden Konzepte und aktuellen Herausforderungen des Internationalen Gesellschafts- und Steuerrechts für Kapitalgesellschaften, wobei der Schwerpunkt auf der Problematik von Kollisionsnormen und der Vermeidung von Doppelbesteuerung liegt.
- Internationale Verflechtungen und die Bedeutung von Kollisionsregeln für Kapitalgesellschaften.
- Gegenüberstellung von Gründungs- und Sitztheorie im Gesellschaftsrecht.
- Analyse von Strukturen der unbeschränkten und beschränkten Steuerpflicht.
- Methoden zur Vermeidung von Doppelbesteuerung auf unilateraler und bilateraler Ebene.
- Einfluss der Rechtsprechung des EuGH auf die Sitztheorie.
Auszug aus dem Buch
a. Vorteile der Sitztheorie
Die Theorie bringt das Recht des Staates zur Anwendung, welcher in der Regel am stärksten von der Tätigkeit der Gesellschaft betroffen ist. Sie ermöglicht diesem Staat den präventiven Schutz von Anteilseigner, Arbeitnehmer und Gläubiger. Zugleich soll die in der Gründungstheorie unvermeidbare Flucht der Gesellschaften in regelungsärmere Rechtsordnungen unterbunden werden. Die Sitztheorie verhindert zudem das praktische Problem der Typenvermischung (siehe Anhang V.1.).
Im Gegensatz zur Gründungstheorie benötigt die Sitztheorie weitestgehend keine Sonderanknüpfungen und den „ordre public“ (§ 6 EGBGB). Es wird ein einheitliches Gesellschaftsstatut begünstigt und die internationale Rechtssicherheit gefördert. Eine international verträgliche Ausgestaltung des Rechts liegt auch im Interesse des Sitzstaats. Dieser übt ein „Wächteramt“ auch zugunsten weniger betroffener Staaten aus. Das Inland spricht ausländischen Gesellschaften die Rechtsfähigkeit zu, im Vertrauen auf eine gleichwertige Kontrolle dieser Gesellschaften in deren Sitzstaat. Damit wird die Vertrauensgrundlage internationaler Liberalität gesichert.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Problematik internationaler Verflechtungen der Wirtschaft und Vorstellung des Untersuchungsziels.
II. Grundlagen des Internationalen Kapitalgesellschaftsrechts: Erläuterung der Grundkonzepte wie Gesellschaftsstatut sowie Vergleich von Gründungs- und Sitztheorie.
III. Grundlagen des Internationalen Steuerrechts von Kapitalgesellschaften: Darstellung der Steuerpflichtstrukturen sowie Methoden zur Vermeidung von Doppelbesteuerungen.
IV. Schlussfolgerungen und Ausblick: Zusammenfassung der Gemeinsamkeiten der Rechtsgebiete und Prognose zur weiteren Entwicklung unter Einfluss des EuGH.
V. Anhang: Detaillierte Beispiele und Zusatzinformationen zu den behandelten gesellschafts- und steuerrechtlichen Themen.
Schlüsselwörter
Internationales Gesellschaftsrecht, Internationales Steuerrecht, Kapitalgesellschaften, Gründungstheorie, Sitztheorie, Doppelbesteuerung, Doppelbesteuerungsabkommen, OECD-Musterabkommen, Gesellschaftsstatut, Niederlassungsfreiheit, Unbeschränkte Steuerpflicht, Beschränkte Steuerpflicht, Anrechnungsmethode, Abzugsmethode, EuGH.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die rechtlichen Rahmenbedingungen für Kapitalgesellschaften im internationalen Kontext, insbesondere im Bereich der gesellschaftsrechtlichen Anknüpfung und der steuerlichen Behandlung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung des Gesellschaftsstatuts, der Vergleich zwischen Gründungs- und Sitztheorie sowie die Vermeidung von Doppelbesteuerungen durch unilaterale und bilaterale Maßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung der wichtigsten Grundlagen und aktuellen Fragestellungen des Internationalen Gesellschafts- und Steuerrechts unter Ausklammerung des EU-Rechtsraums.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche Darstellungsarbeit, die aktuelle Literatur und Rechtsprechung, insbesondere EuGH-Urteile, auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die gesellschaftsrechtlichen Grundlagen (Theorien der Anknüpfung) und die steuerrechtlichen Grundlagen (Besteuerungsprinzipien und Abkommen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind u.a. Doppelbesteuerung, Gründungstheorie, Sitztheorie, OECD-Musterabkommen und internationale Unternehmensbesteuerung.
Wie beeinflusst der EuGH die Sitztheorie?
Durch jüngste Urteile wie Centros oder Überseering wird die Vereinbarkeit der deutschen Sitztheorie mit der europäischen Niederlassungsfreiheit in Frage gestellt, was zu einer wahrscheinlichen Abkehr hin zur Gründungstheorie führt.
Was ist der Unterschied zwischen rechtlicher und wirtschaftlicher Doppelbesteuerung?
Die rechtliche Doppelbesteuerung zeichnet sich durch Identität des Steuersubjekts aus, während bei der wirtschaftlichen Doppelbesteuerung dieses Merkmal fehlt, aber dennoch eine zweifache steuerliche Belastung vorliegt.
Welche Funktion hat das OECD-Musterabkommen?
Es dient der Harmonisierung bilateraler Abkommen zwischen Staaten durch einheitliche Begriffsbestimmungen und Systematik zur Vermeidung von Doppelbesteuerung.
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- Diplom-Kaufmann David Korbel (Author), 2005, Kapitalgesellschaften im Internationalen Gesellschafts- und Steuerrecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41053