Selbstständigkeit im Sportunterricht


Hausarbeit, 2004
10 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Selbstständigkeit im Sportunterricht
- Szenarium 1
- Szenarium 2
- Die Störung- Grenzen und Chancen selbstständigen Handelns
- Die Superstunde- Möglichkeiten und Gefahren im offenen Unterricht
- Selbstständigkeit als allgemeines Erziehungsziel in der Schule
- Was verstehen wir unter Selbstständigkeit im Sportunterricht?
- Merkmale und Ziele von Selbstständigkeit in drei Grundsituationen des 5 Sportunterrichts
- Orientierungshilfen für die Praxis
- Selbstständigkeitserziehung und Inhalte
- Selbstständigkeitserziehung und Lehrerverhalten
- Mädchen und Selbstbestimmung

Selbstständigkeit im Sportunterricht

Selbstständigkeit ist der erste Schritt zum Erwachsenwerden, deshalb sollte neben dem Vermitteln von Fachwissen die Schule auch dazu beitragen, die Selbstständigkeit des Schülers zu fördern. Im folgenden Text sollen nun die Möglichkeiten und Grenzen, die Vorteile und auftretenden Probleme der Erziehung zur Selbstständigkeit im Sportunterricht erörtert werden.

Ich möchte zu Beginn an Hand zweier Praxisszenen zu erklären versuchen, was Selbstständigkeit von Schülern und Schülerrinnen im Sportunterricht bedeutet und wie sie sich als pädagogische Leitidee in der Praxis realisieren lässt.

Szenarium1

In einer 8. Klass wird die Technik des oberen Zuspiels beim Volleyball wiederholt besprochen. Über zahlreiche methodische Übungsreihen und Bewegungsanweisungen versucht der Lehrer seinen Schülern die Sache zu vermitteln.

Die Schüler weigern sich nach einiger Zeit sich ausdauernd mit den Übungen auseinander zu setzen. Auf die Frage eines Schülers „Wann spielen wir denn endlich richtig?“ begegnet der Lehrer genervt mit dem Argument, sie sollen doch erst einmal die Technik beherrschen um erfolgreich spielen zu können.

Doch anstatt sich den Anweisungen des Lehrers unterzuordnen, bewerfen sich die Schüler mit den vorhandenen Volleybällen und stoßen sie mit dem Kopf.

Szenarium2

Schüler einer 6. Klasse versammeln sich freudig mit der Sportlehrerin in der Halle und sprechen darüber, welche sportlichen Aktivitäten sie betreiben wollen und welche Geräte dazu benötigt werden. Es wird versucht, möglichst alle Wünsche zu realisieren. Es bilden sich 3 Gruppen. Eine Turn-, eine Federball- und eine Fußballgruppe. Nach dem Öffnen der Geräteräume bauen die Schüler selbstständig auf und beginnen selbstorganisiert zu spielen. Die Turngruppe schwingt mit Seilen über Kästen und Hindernisse. Die Federballgruppe spielt Rundlauf, da diese Variante mehr Spaß macht. Jungs und Mädchen werden gleichermaßen in das Spiel mit einbezogen. Gruppenwechsel werden von den Schülern selbst organisiert und abgesprochen. Auch Konflikte werden selbst gelöst. Die Lehrerin ist Beobachterin und Beraterin. Nach dem Abbau wird in einer gemeinsamen Versammlung kurz über die Stunde gesprochen. Fast alle Schüler fanden die Stunde „Super“.

Die Störung- Grenzen und Chancen selbstständigen Handelns

In unserem ersten Szenarium nimmt der unterrichtende Lehrer die Aktionen und Äußerungen als störend war. Er bangt um die Realisierung seiner Unterrichtsplanung und wird verunsichert. Er möchte die Störungen beseitigen und nutzt hierfür die ihm zur Verfügung stehenden Belohnungs- und Bestrafungsmöglichkeiten. Er fordert die Schüler auf sich unterzuordnen. Für die Schüler stellt die Unruhe eine Art Protest dar, da sie den Unterricht für sich als nicht sinnvoll erleben. Könnte diese Störung jetzt nicht Anlass dafür geben einen Moment inne zu halten und vom vorgesehenen Pfad abzuweichen?

Was ist geschehen?

Eine Schülergruppe meint von sich aus den Zweck der Übung erreicht zu haben und variiert die Übung. Ist den Schülern die Übung nicht schwierig genug?

Sie schaffen unabhängig vom Lehrer eine neue Handlungssituation und versuchen den Unterricht zu verändern. Dieser Protest der Schüler kann als Ausdruck von Selbstständigkeit gewertet werden und bietet dem Lehrer einen möglichen Ansatzpunkt seinen Unterricht zu verändern. Einen ersten Ansatzpunkt böte sicherlich der erste Teil der Stunde. Die Übungsreihen müssten so ausgewählt werden, dass sie dem unterschiedlichen Könnensstand einer Klasse entsprechen. Die Schüler müssten sich nun auf Grund einer realistischen Selbsteinschätzung bestimmten Gruppen zuordnen.

Sich entsprechend seinem Könnensstand einer Gruppe zuzuordnen beinhaltet selbstständiges handeln. Dies macht unabhängig von der Zuordnung durch den Lehrer. Im Anschluss könnte der Lehrer den weiteren verlauf der Stunde mit den Schülern abstimmen. Die Schüler könnten nun versuchen ihre Interessen in den weiteren Verlauf der Stunde einzubringen und auch gegen Widerstände eigene Handlungsvorstellungen zu entwickeln.

„Handlungskompetenz beweisen, heißt selbstständig handeln.“

Die Superstunde- Möglichkeiten und Gefahren im offenen Unterricht

Unser zweites Szenarium scheint eine Unterrichtsstunde zu sein, in der die Selbstständigkeit der Schüler einen hohen Ausprägungsgrad erreicht hat. Die Schüler können den Sport betreiben, den sie wollen. Es wird ihnen Raum zur freien Entfaltung ihrer Initiativen und Vorstellungen gelassen. Konflikte werden allein oder mit Hilfe der Lehrerin gelöst. Aber spiegelt dieser Unterricht tatsächlich den Grad an Selbstständigkeit wider, den wir zu erreichen versuchen oder verbergen sich auch Gefahren im offenen Unterricht?

Eine Gefahr kann z.B. sein, dass häufig die Mädchen ihre Interessen in der Versammlung nicht einbringen können und in den Entscheidungsprozessen der Gruppe nicht einbezogen werden. Greift der Lehrer an dieser Stelle nicht ein, so kann dieser Unterricht auch dazu führen, dass selbstständiges Handeln und Entscheiden für einen Teil der Schüler eher verhindert als gefördert wird. Eine weitere Gefahr könnte auftreten, indem immer wieder einige Schüler ihre Interessen durchsetzen. Es könnte eine subtile nicht offene Form von Unterdrückung und Bevormundung unter den Schülern produziert werden. Außerdem könnten viele Schüler mit der offenen Unterrichtssituation überfordert sein.

Sie wiederholen deshalb lediglich Bekanntes, lernen also nichts Neues.

Die zuvor genannten Beispiele haben gezeigt, dass der Vermittlung große Bedeutung zukommt. Wie lassen sich Prozesse zum Selbstständig werden initiieren?

Welche Bedingungen oder Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Wie können Situationen arrangiert werden?

Worauf muss der Lehrer achten?

Bevor diese Fragen beantwortet werden können muss geklärt werden, warum der Selbstständigkeit als Erziehungsziel in der Schule ein so großer Stellenwert beigemessen wird.

Selbstständigkeit als allgemeines Erziehungsziel in der Schule

Alle erzieherischen Einwirkungen zielen darauf, das Kind selbstständig zu machen. Sich in möglichst vielen Lebensbereichen selbst helfen zu können und nicht unbedingt auf andere angewiesen zu sein.

Piaget behauptet, dass das Kind eine Autoritätsmoral besitzt und die Entwicklung zur Autonomie bereits in früher Kindheit beginnt und anschließend im Jugendalter in größere Unabhängigkeit mündet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Selbstständigkeit im Sportunterricht
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Spezielle Themen der Sportdidaktik
Autor
Jahr
2004
Seiten
10
Katalognummer
V41133
ISBN (eBook)
9783638394642
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Praxisorientierte Arbeit
Schlagworte
Selbstständigkeit, Sportunterricht, Spezielle, Themen, Sportdidaktik
Arbeit zitieren
Christian Bellinger (Autor), 2004, Selbstständigkeit im Sportunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41133

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