Das derivative Instrument Futures auf dem Finanzmarkt


Hausarbeit, 2005
27 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ziel der Hausarbeit

2. Derivate
2.1 Kassamarkt
2.2 Terminmarkt
2.3 Motive für den Handel mit Derivaten
2.3.1 Arbitrage
2.3.2 Hedging
2.3.3 Trading
2.4 Hebeleffekt

3. Forward Rate Agreement und Forwards

4. Futures
4.1 Finanz-Futures
4.1.1 Zins-Futures
4.1.1.1 Euribor-Futures
4.1.1.2 Mittel- und langfristige Zins-Futures
4.1.1.2.1 Handel mit Bund-Future
4.1.1.2.2 Spekulation mit Bund-Future
4.1.1.2.3 Hedging mit Bund-Future
4.1.2 Aktienindex-Futures
4.1.2.1 DAX-Future
4.1.2.2 MDAX- und andere Index-Futures
4.1.3 Devisengeschäfte
4.1.3.1 Devisentermingeschäfte
4.1.3.2 Devisen-Futures
4.2 Warentermingeschäfte
4.3 Futures und Risiko
4.4 Futures und Preise

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Ziel der Hausarbeit

Diese Hausarbeit wurde im Rahmen der Veranstaltung „Risikomanagement und Derivate“ (Prof. Dr. Thomas Huth) an der Universität Lüneburg, Fachbereich Wirtschaft, im Wintersemester 2004/2005 verfasst. In dieser Hausarbeit geht es um das derivative Instrument Futures.

Beginnen werde ich mit den Derivaten und den beiden Elementen des Finanzmarktes: dem Kassamarkt und dem Terminmarkt. Im dann folgenden Punkt beschäftige ich mich mit den Motiven für den Handel mit Derivaten. Anschließend gehe ich auf Forward Rate Agreements und Forwards ein. Im Hauptteil dieser Arbeit erkläre ich den Begriff Future und die verschiedenen Formen von Futures. Diese sind Financial Futures und Commodity Futures. Schließlich rundet ein Fazit diese Arbeit ab.

2. Derivate

Derivative Finanzinstrumente werden als Derivate oder Derivative bezeichnet. Das Wort „derivativ“ ist lateinischen Ursprungs. Es bedeutet her- oder abgeleitet.[1] Derivate sind Anlagen, deren Wert von dem Wert des zugrunde liegenden Finanztitels abhängt.[2] Die zugrunde liegenden oder ursprünglichen Geschäfte sind elementare Anlageformen. (Heute gibt es auch Derivate auf Derivate, Hybride oder strukturierte Produkte). Sie werden als Underlying bezeichnet.[3] Dazu zählen Aktien, Anleihen oder Geldmarktpapiere. Aber auch andere Marktgegenstände wie zum Beispiel Devisen, Kredite, Währungen oder Waren ("commodities") können die Grundlage von Derivaten bilden. Diese Geschäfte werden als „originär“ bezeichnet.[4] Der Markt auf dem die zugrunde liegenden Geschäfte getätigt werden ist der Kassamarkt (Spotmarkt).[5]

Die Charakteristika von Derivaten sind:

- eine zukünftig zu erfüllende
- vertragliche Vereinbarung
- zwischen zwei oder mehreren Parteien
- deren Wert sich in Abhängigkeit eines festgelegten Zustandes ergibt
- ohne dass bei Vertragsabschluss nennenswerte Anschaffungszahlungen erforderlich wären.

Die bekanntesten Derivate sind Forwards, Financial Futures, Optionen und Swap-Geschäfte.[6]

2.1 Kassamarkt

Am Kassamarkt werden Geschäfte durchgeführt, bei denen die Finanzinstrumente „unmittelbar“ (das heißt innerhalb einer Frist von zwei Tagen, Zug um Zug)[7] ausgetauscht und bezahlt werden. Dieser Markt lässt sich in den Geldmarkt (kurzfristig) und den Kapitalmarkt (langfristig) einteilen.[8]

2.2 Terminmarkt

Der Terminmarkt dient dem Handel von Waren, Devisen und Finanzinstrumenten „auf Termin“. Daher bezeichnet man den Markt auch als Zukunftsmarkt. Das heißt, der Vertragsabschluss und die Erfüllung finden zu verschiedenen, vertraglich fixierten Zeitpunkten statt.[9] Derivate sind grundsätzlich Termingeschäfte.[10]

Diese Geschäfte wurden in Deutschland lange stiefmütterlich behandelt. Aber seit Anfang der neunziger Jahre gewannen diese Instrumente zunehmend an Bedeutung.

Im Januar 1990 startete die Deutsche Terminbörse (DTB) den vollelektronischen Handel mit Optionen und Futures.

Jeder Marktteilnehmer stellt seine Aufträge in das System ein. Wenn Kauf und Verkauf aufgrund eines Limits zusammenpassen, wird die Order automatisch ausgeführt.[11] Die Zusammenführung von Aufträgen und Quoten bezeichnet man als Matching.[12] Der Handel an der europäischen Terminbörse EUREX ist anonym. Die Clearingstelle bringt übereinstimmende Kontrahenten zusammen, ohne dass diese direkt miteinander in Kontakt treten. Durch diese Anonymität kann diskriminierendes oder manipulierendes Verhalten am Markt ausgeschlossen werden.[13]

Heute existiert die DTB nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form. Seit der Fusion im Jahr 1998 mit der schweizerischen SOFFEX firmiert sie als EUREX.[14] SOFFEX stand für Swiss Options and Financial Futures Exchange.[15] Die European Derivatives Exchange ist inzwischen die weltgrößte Terminbörse und stellt sogar London International Financial Futures and Options Exchange (LIFFE) und die US-Amerikaner (Chicago Mercantile Exchange, CME und Chicago Board of Trade, CBoT) in den Schatten.[16] Zwischen der EUREX und der Londoner Terminbörse bestehen hinsichtlich des Börsensystems und der Handelsorganisation wichtige Unterschiede. Die LIFFE vertraut weiterhin auf das Prinzip der Präsenzbörse und der überwiegende Teil des Handels findet auf dem Parkett statt. Aber auch in London kann nicht vollständig auf ein Computerhandelssystem verzichtet werden.[17] Am 22. September 2000 fusionierten die Amsterdamer, Brüsseler und Pariser Terminbörsen zur EURONEXT. Inzwischen gehören auch die Britten (LIFFE) und die portugiesische BVLP (Bolsa de Valores de Lisboa e Porto) zur EURONEXT-Gruppe.[18] Die US-Amerikaner bieten Computer- und Präsenzhandel an.[19]

Beim Kauf auf Termin spricht man vom Eingehen einer Long-Position, beim Verkauf entsprechend vom Eingehen einer Short-Position.[20]

Am Terminmarkt unterscheidet man bedingte und unbedingte Termingeschäfte. Die bedingten und unbedingten Geschäfte lassen sich wiederum in „Börslich“ und „Außerbörslich“ einteilen. Financial Options gehören zu den börslichen, Caps, Floors und Collars zu den ausserbörslichen bedingten Termingeschäften.[21]

Bei diesen bedingten Geschäften hat der Käufer die Wahl, das Geschäft auszuüben oder es verfallen zu lassen. Nur für den Verkäufer (Stillhalter) besteht eine Liefer- oder Abnahmepflicht.[22] Diese bedingten Geschäfte bezeichnet Bitz als Options-geschäfte.[23]

Futures, auf die ich im Rahmen dieser Hausarbeit noch näher eingehe, ordnet man den unbedingten Instrumenten zu. Auch diese Geschäfte lassen sich wieder in „Börslich“ und „Ausserbörslich“ unterteilen. Zu den börslichen Geschäften zählt man Financial Swaps und Forward Rate Agrements. Börsliche Geschäfte sind Financial Futures.[24] Bei unbedingten Termingeschäften besteht für den Käufer und Verkäufer Erfüllungszwang.[25] Somit werden diese Geschäfte auch als Fixgeschäfte bezeichnet.[26]

Der einzige Unterschied zum Kassageschäft liegt in der zukünftigen statt sofortigen Erfüllung. Alle anderen Parameter sind identisch. Dabei wird zwischen individuell ausgehandelten, außerbörslichen Geschäften (Over the counter, kurz OTC) und homogenen börsengehandelten Kontrakten unterschieden.[27]

2.3 Motive für den Handel mit Derivaten

Die Marktteilnehmer des Marktes für Derivate haben verschiedene Bedürfnisse, Erwartungen, Interessen und Risikopräferenzen. Es werden drei Arten von Marktteilnehmern unterschieden. Der Arbitrageur, der Hedger und der Trader (offene Positionen).[28] Termingeschäfte kann der Anleger in unterschiedliche Weisen einbeziehen. Sie können risikosteigernd oder risikobegrenzend wirken.[29]

2.3.1 Arbitrage

Arbitrageure nutzen Preisunterschiede auf verschiedenen Märkten aus, um risikolos Gewinn zu erzielen.

Das Arbitragegeschäft verspricht einen sicheren Gewinn. Schon zum Zeitpunkt des Kaufs steht fest, dass der Finanztitel nach kurzer Zeit, (im Extremfall auch im gleichen Zeitpunkt) wieder verkauft wird.[30] Der Kerngedanke ist die gewinnbringende Nutzung von Preisdifferenzen zwischen Kassa- und Terminmarkt. In Zeiten des Computers und schneller Nachrichtenübermittlung hat die Arbitrage viel von ihrer Bedeutung verloren.[31]

Der Arbitrageur trägt einen wesentlichen Teil zur Effizienz des Marktes bei. Er bringt Preisungleichgewichte zum Verschwinden und verbessert gleichzeitig durch seine zahlreichen Transaktionen die Marktqualität.[32]

2.3.2 Hedging

Hedging bedeutet Absicherung gegen Risiken aus erwarteten Preisänderungen.[33] In der Regel werden Risiken aus offenen Finanzpositionen, so genannte Primärgeschäfte durch Gegengeschäfte (Sekundärgeschäfte) abgesichert. Die Verluste aus der einen Position sollen durch die Gewinne aus der anderen Position ausgeglichen werden.[34] Dieser Effekt wird immer dann erreicht, wenn die Sekundärgeschäfte in Abhängigkeit zum maßgeblichen Geschäft, zum Beispiel Entwicklung der Aktienkurse in entgegengesetzter Weise wirken.[35] Wird der günstigste Fall einer Wertänderung von null erreicht, so spricht man von einem Perfect Hedge.[36] Hedging soll den Marktteilnehmer vor ungünstigen Markbewegungen schützen.[37] Erwartet ein europäisches Unternehmen aus einem Warenverkauf auf Ziel (drei Monate) einen Betrag von 900.000 US-Dollar und rechnet mit fallenden Wechselkursen, so dass der Betrag der heute am Kassamarkt 1.000.000 € wert ist, dann nur noch 950.000 € wert ist,

kann das Unternehmen die erwarteten US-Dollar zum heute gültigen Terminkurs verkaufen. Es geht eine Short-Position ein. Das Unternehmen legt heute per Vertrag den Wechselkurs fest, muss die Dollar aber erst in 90 Tagen beibringen.

Müsste das Unternehmen selbst Dollar zahlen und will sich gegen steigende Kurse absichern, kann es eine Long-Position einnehmen.[38]

[...]


[1] Vgl. Beike, Rolf / Barckow, Andreas: Risk-Management, 2002, S. 1

[2] Vgl. Uszczapowski, Igor: Optionen und Futures, 1999, S. 38

[3] Vgl. Rudolph, Bernd: Derivative, 1995, S. 6

[4] Vgl. Beike, Rolf / Barckow, Andreas: Risk-Management, 2002, S. 1

[5] Vgl. Uszczapowski, Igor: Optionen und Futures, 1999, S. 38

[6] Vgl. Beike, Rolf / Barckow, Andreas: Risk-Management, 2002 S. 2

[7] Vgl. Fugger, Horst: Kapitalanlage, 1999, S. 81

[8] Vgl. Deutsch, Hans-Peter: Derivate, 2001, S. 48

[9] Vgl. Fugger, Horst: Kapitalanlage, 1999, S. 134

[10] Vgl. Grill, Hannelore / Perczynski, Hans: Wirtschaftslehre Kreditwesen, 2002, S.294

[11] Vgl. Klotz, Antonie: Optionsscheine, 2000, S. 175

[12] Vgl. Heiring, Werner: Bankbetriebslehre, 1996, S. 427

[13] Vgl. Uszczapowski, Igor: Optionen und Futures, 1999, S. 199

[14] Vgl. Klotz, Antonie: Optionsscheine, 2000, S. 177

[15] Vgl. Uszczapowski, Igor: Optionen und Futures, 1999, S. 6

[16] Vgl. Klotz, Antonie: Optionsscheine, 2000, S. 177

[17] Vgl. Steiner, Manfred / Bruns, Christoph: Wertpapier, 1996, S. 426

[18] Vgl. Euronext, 2005

[19] Vgl. Steiner, Manfred / Bruns, Christoph: Wertpapier, 1996, S. 427

[20] Vgl. Beike, Rolf / Barckow, Andreas: Risk-Management, 2002 S. 2

[21] Vgl. Kalhöfer, Christian: Derivate, 2001, S. 3

[22] Vgl. Deutsch, Hans-Peter: Derivate, 2001, S. 56

[23] Vgl. Bitz, Michael, Finanzdienstleistungen, 1998, S. 265

[24] Vgl. Kalhöfer, Christian: Derivate, 2001, S. 3

[25] Vgl. Grill, Hannelore / Perczynski, Hans: Wirtschaftslehre Kreditwesen, 2002, S. 294

[26] Vgl. Bitz, Michael, Finanzdienstleistungen, 1998, S. 267

[27] Vgl. Müller-Möhl, Ernst: Optionen und Futures, 1995, S. 22

[28] Vgl. Rudolph, Bernd: Derivative, 1995, S. 15

[29] Vgl. Bitz, Michael, Finanzdienstleistungen, 1998, S. 278

[30] Vgl. Besser, Axel: Finanzinnovationen, 1996, S. 19

[31] Vgl. Beike, Rolf / Barckow, Andreas: Risk-Management, 2002 S. 12

[32] Vgl. Müller-Möhl, Ernst: Optionen und Futures, 1995, S. 138

[33] Vgl. Grill, Hannelore / Perczynski, Hans: Wirtschaftslehre Kreditwesen, 2002, S. 295

[34] Vgl. Besser, Axel: Finanzinnovationen, 1996, S. 18

[35] Vgl. Bitz, Michael, Finanzdienstleistungen, 1998, S. 292

[36] Vgl. Kalhöfer, Christian: Derivate, 2001, S. 13

[37] Vgl. Conrad, Christian: Risikomanagement, 2000, S. 183

[38] Vgl. Beike, Rolf / Barckow, Andreas: Risk-Management, 2002, S. 10-11

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Das derivative Instrument Futures auf dem Finanzmarkt
Hochschule
Universität Lüneburg
Veranstaltung
Risikomanagement und Derivate
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
27
Katalognummer
V41137
ISBN (eBook)
9783638394673
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Futures, Risikomanagement, Derivate
Arbeit zitieren
Hendrik Wilhelm (Autor), 2005, Das derivative Instrument Futures auf dem Finanzmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41137

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