In dieser Arbeit soll die Technische Aktienanalyse als Alternative zur Fundamentalen Aktienanalyse vorgestellt und ihre Anwendbarkeit in der Praxis untersucht werden. Dabei werden beide Methoden anhand verschiedener Kriterien voneinander abzugrenzen, da beide zwar das gleiche Ziel verfolgen, jedoch auf grundlegend verschiedenen Ansätzen beruhen.
Während die Fundamentale Aktienanalyse bei der Bewertung von Aktien sowie auf unternehmensinterne als auch auf -externe Daten zurückgreift, bedient sich die Technische Aktienanalyse im Wesentlichen der Kursdaten der jeweiligen Aktie, deren Entwicklung sich anhand eines so genannten Charts grafisch darstellen lässt.
Bei der Herausarbeitung von Stärken und Schwächen der Analysemethoden wird ersichtlich, dass zwar beide Verfahren ihren Beitrag zur Aktienanalyse zu leisten im Stande sind, jedoch sowohl der Technischen als auch der Fundamentale Aktienanalyse einige Mängel vorzuwerfen sind.
Die Technische Aktienanalyse geht davon aus, dass sich Aktien gerichtet in so genannten Trends bewegen und die Vorhersage zukünftiger Kursentwicklungen anhand der Deutung des Kursverlaufes möglich ist. Zur Kursprognose bzw. zur Erfassung dieses Trends hält die traditionelle Technische Aktienanalyse - die Chartanalyse - verschiedene Instrumente bereit.
Die moderne Technische Aktienanalyse, deren Instrumente auf stochastischen Ansätzen beruhen, wurde bis auf das Trendfolgemodell der gleitenden Durch-schnitte weitestgehend außer Acht gelassen.
Bei der Anwendung der vorgestellten Instrumente auf praktischer Ebene wird deutlich, dass die Charttechnik durchaus eine hilfreiche Unterstützung bei der Bewertung von Aktien darstellt, jedoch aufgrund zahlreicher Schwächen keineswegs das Allheilmittel für den sicheren Erfolg am Aktienmarkt darstellt.
Aufgrund der Tatsache, dass die Technische Aktienanalyse das Betreiben der Fundamentalen Aktienanalyse voraussetzt, wäre eine Verdrängung der Fundamentalen Aktienanalyse durch die Technische Aktienanalyse nicht möglich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Aktienanalyse im Überblick
2.1 Entstehung und geschichtlicher Hintergrund
2.2 Verfahren der Aktienanalyse
2.3 Gegenüberstellung der Technischen und Fundamentalen Aktienanalyse
3. Annahmen, Ausgangspunkt und Aufgaben/Ziele der Technischen Aktienanalyse
3.1 Ursprung und Annahmen der Technischen Aktienanalyse
3.1.1 Die Dow-Theorie
3.1.2 Der Kurstrend im Mittelpunkt der Analyse
3.2 Aufgaben und Ziele der Technischen Aktienanalyse
3.3 Der Kurschart als Ausgangspunkt und Handwerkszeug des Chartisten
4. Instrumente und theoretische Möglichkeiten der Technischen Aktienanalyse
4.1 Charttechnik - die traditionelle Analysemethode
4.1.1 Unterstützungen und Widerstände
4.1.2 Trendbestätigungsformationen
4.1.3 Trendwendeformationen
4.2 Das Trendfolgemodell der gleitenden Durchschnitte als Vertreter der modernen Technischen Aktienanalyse
5. Prüfung der Anwendbarkeit technischer Instrumente in der Praxis
5.1 Formulierungen bestimmter Analysegesichtspunkte
5.2 Beurteilungen langfristiger Kursbilder verschiedener Aktien
6. Fazit der Untersuchung und der Ausblick für die Technische Aktienanalyse
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Technische Aktienanalyse als methodische Alternative zur weit verbreiteten Fundamentalen Aktienanalyse. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit die technische Analyse einen eigenständigen nützlichen Beitrag zur Aktienbewertung leisten kann oder lediglich eine ergänzende, passive Konkurrenzmethode darstellt, deren praktische Anwendung stark von der Erfahrung des Analysten abhängt.
- Vergleichende Analyse der Philosophien und Methoden von fundamentaler vs. technischer Aktienanalyse.
- Untersuchung der Grundannahmen technischer Methoden, insbesondere der Dow-Theorie und Trendkonzepte.
- Praktische Erprobung charttechnischer Instrumente (Trendlinien, Formationen, gleitende Durchschnitte) an Aktienkursverläufen.
- Kritische Bewertung der Anwendbarkeit technischer Analysen in unterschiedlichen Marktphasen.
- Ableitung der Bedeutung von Erfahrung und subjektiver Einschätzung bei der Chartanalyse.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Der Kurstrend im Mittelpunkt der Analyse
Dow stellte bei seinen Untersuchungen weiter fest, dass sich Aktienkurse in Trends bewegen. Er unterscheidet dabei bezüglich der zeitlichen Ausdehnung zwischen primärem, sekundärem und tertiärem Trend. Der übergeordnete Primärtrend ist dabei langfristiger Natur und umfasst ein bis mehrere Jahre. Der mittelfristige Sekundärtrend dauert von etwa zwei bis drei Monaten bis zu einem Jahr. Der Tertiärtrend, welchem Dow kaum Bedeutung beimisst, fristet von wenigen Tagen bis zu einigen Monaten und ist damit eher kurzfristiger Natur.
Sekundäre Trendbewegungen gelten als Korrekturbewegungen innerhalb des Primärtrends, wobei die Kurse etwa ein bis zwei Drittel der vorangegangenen Kursbewegung kompensieren.
Für Hans-Dieter Schulz, einer der bekanntesten deutschen Chartisten und Herausgeber der bekannten Hoppenstedt-Charts, existiert noch ein dem Primärtrend übergeordneter so genannter 'Basistrend', welcher den Haupttrend der Entwicklung angibt und durch technischen Fortschritt, Absatzausweitung und Zunahme des Realeinkommens entsteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Aktienanalyse ein und definiert das Ziel, die Technische Aktienanalyse als ernstzunehmende Konkurrenz und Alternative zur klassischen Fundamentalanalyse zu bewerten.
2. Die Aktienanalyse im Überblick: Dieses Kapitel liefert einen geschichtlichen Abriss der Entstehung der Aktienanalyse und grenzt die verschiedenen einzelwert- und kapitalmarktorientierten Verfahren voneinander ab.
3. Annahmen, Ausgangspunkt und Aufgaben/Ziele der Technischen Aktienanalyse: Hier werden die philosophischen Fundamente, wie die Dow-Theorie, sowie das Konzept der Trendanalyse und die Rolle des Kurscharts als zentrales Arbeitsinstrument erläutert.
4. Instrumente und theoretische Möglichkeiten der Technischen Aktienanalyse: Das Kapitel detailliert charttechnische Werkzeuge wie Unterstützungen, Widerstände, diverse Trendbestätigungs- und -wendeformationen sowie die Methode der gleitenden Durchschnitte.
5. Prüfung der Anwendbarkeit technischer Instrumente in der Praxis: Anhand historischer Kursdaten von Siemens und Adidas wird kritisch geprüft, wie effektiv die vorgestellten Instrumente in realen Marktsituationen funktionieren.
6. Fazit der Untersuchung und der Ausblick für die Technische Aktienanalyse: Abschließend wird konstatiert, dass die Chartanalyse zwar wertvolle Signale liefern kann, aber stark subjektiv geprägt und keine absolute Wissenschaft, sondern eher eine Kunst ist, die keine vollständige Verdrängung der Fundamentalanalyse ermöglicht.
Schlüsselwörter
Technische Aktienanalyse, Fundamentale Aktienanalyse, Charttechnik, Dow-Theorie, Kurstrend, Trendwendeformationen, Trendbestätigungsformationen, gleitende Durchschnitte, Marktanalyse, Kurschart, Handelsvolumen, Anlagestrategie, Marktpsychologie, Börsenkurs, Kaufentscheidung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Diplomarbeit vergleicht die Technische Aktienanalyse (TAA) mit der Fundamentalen Aktienanalyse (FAA) und untersucht deren jeweilige Eignung und Anwendbarkeit für die Praxis der Aktienbewertung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die historischen Ursprünge der Analyse, die theoretischen Annahmen der technischen Analyse (Dow-Theorie, Trends), die technische Instrumente (Charts, Formationen) sowie eine empirische Überprüfung anhand praktischer Beispiele.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Technische Aktienanalyse einen nützlichen Beitrag zur Aktienbewertung leisten kann und ob sie eine ernstzunehmende Alternative zur klassischen Fundamentalanalyse darstellt.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Literaturanalyse sowie auf eine empirisch-praktische Untersuchung historischer Kurscharts von Siemens und Adidas, um die Wirksamkeit der Instrumente zu demonstrieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Vorstellung der Konzepte und Instrumente der Technischen Analyse (Charttechnik, Formationen, Indikatoren) und deren anschließende Anwendung auf konkrete Aktienkursverläufe zur Beurteilung der Praxistauglichkeit.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Technische Analyse, Charttechnik, Kursformationen, Trendverläufe, Fundamentalanalyse und Börsenindikatoren.
Wie bewertet der Autor die Zuverlässigkeit der Charttechnik?
Der Autor ordnet die Charttechnik eher als "Kunst" statt als exakte "Wissenschaft" ein, da der Erfolg stark von der Erfahrung und dem Fingerspitzengefühl des Analysten sowie der richtigen Interpretation der subjektiven Kursmuster abhängt.
Warum ist eine vollständige Verdrängung der Fundamentalanalyse nicht möglich?
Da die Technische Aktienanalyse in ihrer Logik auf den durch fundamentale Faktoren geprägten Marktteilnehmerentscheidungen basiert und diese teilweise voraussetzt, ist sie als komplementäre Methode, nicht jedoch als Ersatz zu betrachten.
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- Steffen Heinrich (Author), 2004, Die Technische Aktienanalyse als Alternative zur Fundamentalen Aktienanalyse und ihre Anwendbarkeit in der Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41142