Leben und Lernen am Bauernhof. Einbindung einer sozialpädagogischen Wohngruppe für Kinder und Jugendliche in einen biologisch geführten landwirtschaftlichen Betrieb


Akademische Arbeit, 2017

45 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserklärung

3 Der Hof im Überblick
3.1 Der land- und forstwirtschaftliche Betrieb
3.2 Die Wohngruppe
3.2.1 Die Wohnformen - der Wohnraum
3.2.2 Die Wohngruppe als Ort der Begegnung
3.3 Die Menschen am Hof
3.3.1 Das Team der Wohngruppe
3.3.2 Die Zielgruppe

4 Betreuungsmodus, Arbeitsweisen und Angebote
4.1 Empowerment
4.2 Bindungs und Fürsorgeverhalten
4.2.1 Bindung
4.2.2 Fürsorgeverhalten
4.3 Bezugsbetreuung
4.4 Die Ziel- und Hilfeplanung
4.5 Tiergestützte Aktivität
4.5.1 Tiergestützte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
4.5.2 Tiergestützte Arbeit mit Erwachsenen
4.5.3 Tiergestützte Arbeit mit Familien
4.6 Elternarbeit
4.7 Berufsorientierung, fähigkeitsorientierte Aktivität und Tagesstruktur
4.7.1 Fähigkeitsorientierte Aktivität
4.7.2 Arbeitsbereich Landwirtschaft (Fürsorgebauernhof)
4.8 Erlebnispädagogik

5 Fallbeschreibung und Dokumentation von tiergestützten Einheiten

6 Resümee und Ausblick

Literaturverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Bücher

Internet

Gesetzesauszüge

Kurzfassung

Ziel dieser Arbeit ist es darzulegen, welche Vorteile sich für die Gesellschaft, derländlichen Struktur und vor allem den Menschen ergeben, wenn einesozialpädagogische Wohngruppe für junge Menschen in einenlandwirtschaftlichen Betrieb inkludiert ist. Durch die Inklusion einersozialpädagogischen Wohngruppe in einen landwirtschaftlichen Betrieb kanndurch ein Zusatzeinkommen für die Landwirtschaft zur Erhaltung derkleinbäuerliche Struktur bzw. deren Förderung beigetragen werden.

In der Arbeit wird ein mittelständiger Hof beschrieben und welche Bereiche dersozialen Arbeit neben einer „normalen“ Wohngruppe möglich sind. Am Hof gibt esdie Tiere, mit denen tiergestützt gearbeitet werden kann und die de KlientInnenjederzeit zum Streicheln zur Verfügung stehen. Neben dem Lebensraum Naturfallen auch viele Arbeiten an, die in der Natur zu erledigen sind, welche wiederumim engen Zusammenhang mit den Tieren stehen. Neben den landwirtschaftlichenTätigkeiten gibt es auch noch eine Holz- und Metallwerkstatt sowie dieVerarbeitungsbereiche, in denen Produkte weiterverarbeitet und veredelt werden.In der Landwirtschaft und den Arbeitsbereichen können Kinder schon im frühenAlter ihren eigenen Interessen nachgehen und bei kleinen Tätigkeiten mithelfen.Für Jugendliche, die Probleme am Arbeitsmarkt haben, bieten die Werkstätteneinen geschützten Raum zum Arbeitstraining, sowie die Möglichkeit einer Lehre.Am und um den Hof finden auch erlebnispädagogische und freizeitpädagogischeAktivitäten statt, die sowohl von externen Menschen als auch von denBewohnerInnen der Wohngruppe genützt werden können.

1 Einleitung

Seit meiner Arbeit am Erlenhof, einer Therapiestation für suchtmittelkrankeErwachsene, welche auf einem biologisch geführten Bauernhof betrieben wird,wurde mir die Wirkung der Tiere auf die Menschen erst so richtig bewusst. Abdiesem Zeitpunkt beschäftigte ich mich mit der Methode der tiergestütztenArbeit mit landwirtschaftlichen Nutztieren. Während meiner Ausbildung zurtiergestützten Intervention mit landwirtschaftlichen Nutztieren über das ÖKL(Österreichisches Kuratorium für Landtechnik) wurde mir das Spektrum derMöglichkeiten für den Einsatz von Tieren im pädagogischen und auchtherapeutischen Kontext eröffnet. Während meiner beruflichen Tätigkeit imSozialbereich habe ich bemerkt, dass mit unterschiedlichem Klienteltiergestützt gearbeitet wird. Selten jedoch kommen, Kinder und Jugendliche,die in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe untergebracht sind, undderen Eltern oder Erziehungsberechtigten in den Genuss diese Erfahrungenzu machen.

Das Anliegen des Autors dieser Arbeit ist es das Land Oberösterreich, dieKinder- und Jugendhilfe die verschiedenen Vereine und Firmen, welchesozialpädagogische Wohngruppeen betreiben die Gesellschaft für densozialen und kulturellen Mehrwert von sozialpädagogischer Arbeit auf einemBauernhof zu sensibilisieren, eine Wohngruppe in einen Bauernhof zuintegrieren. Daraus ergibt sich folgende Fragestellung für diese Arbeit Wie kann eine sozialpädagogische Wohngruppe in einen landwirtschaftlichen Betrieb integriert werden, um Kindern Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine naturnahe Lebensführung, sowie einen adäquaten Lebens- und Entwicklungsraum zu ermöglichen?

Aus der Fragestellung werden folgende Unterfragen abgeleitet:

1. Wie soll ein Bauernhof aufgestellt sein um dem Klientel einennaturnahen Lebensraum zu ermöglichen und dennochgewinnbringende soziale Kontakte im Außen pflegen.
2. Welche Möglichkeiten gibt es nach Beendigung der KJH Maßnahme,die jungen Erwachsenen weiter am Hof zu betreuen.
3. Wie kann ein Konzept, für eine sozialpädagogische Wohngruppe amBauernhof verfasst sein, um eine Betriebsbewilligung der KJH zubekommen.

Ziel dieser Arbeit soll die Förderung von sozialpädagogischen Wohngruppeen sein, die in landwirtschaftliche Betriebe inkludiert sind. Ein weiterer Vorteil einer Wohngruppe am Bauernhof wird darin gesehen, dass nicht nur laufende Betriebe eine Wohngruppe unterhalten, sondern auch leer stehende Bauernhäuser, die in Projekten mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen saniert werden, und später Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit bieten in einer sicheren Umgebung aufzuwachsen.

Da es sich in dieser Arbeit um den Abschluss einer Ausbildung für die Kinder- und Jugendhilfe handelt und junge Erwachsene nicht als Klientel für die Kinder- und Jugendhilfe in Frage kommen, richtet sich das Hauptaugenmerk auf Kinder und Jugendliche. In Ausnahmefällen wird von der Kinder- und Jugendhilfe eine Verlängerung bis zum vollendeten 21. Lebensjahr genehmigt. Der Grund für die Differenzierung befindet sich darin, dass ab Volljährigkeit die Sozialabteilung des Landes Oberösterreich für eine Kostenübernahme zuständig ist.

Durch die angestrebte Revitalisierung von stillgelegten Bauernhöfen wird dieAbwanderung der jüngeren Bevölkerung in Städte aufgehalten, die regionaleWirtschaft belebt, das ländliche Landschaftsbild gepflegt, kleinbäuerlicheStrukturen erhalten, neue Arbeitsplätze geschaffen und schließlich der Region zurVersorgung mit hochwertigen regionalen Lebensmitteln dient. In dieservorliegenden Arbeit wird vorrangig auf die sozialpädagogischen Aspekte, vor allemaber auf die Einbindung von tiergestützter Arbeit und fähigkeitsorientierter Aktivität in den Alltag einer solchen Wohngruppe eingegangen, da ein dementsprechender Businessplan den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

„ So ist der Bauernhof mit seinen vielf ä ltigen Lernsituationen ein idealer Lernort f ü r das Aneignen von Kompetenzen, die jeder Mensch ben ö tigt, um im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung gemeinschaftlich und individuell umwelt- und sozialgerecht handeln zu k ö nnen “ (Schokem ö hle 2013, S.66).

Als pädagogische Grundlagenliteratur wird das Handbuch Soziale Arbeit von Tiersch (2015) verwendet und bei verschiedenen Themen wie Bindung mit Literatur von Julius (2014) untermauert.

Im zweiten Kapitel werden die Begrifflichkeit so erklärt wie sie der Autor dieser Arbeit versteht.

Im dritten Kapitel wird ein mittelständiger Hof beschrieben, wie es ihn auch indieser Form gibt und bewirtschaftet wird, sowie die Wohngruppe in ihrer baulichenAusführung. Die Wohngruppe soll nicht nur den Mindeststandard der Kinder- undJugendhilfe erfüllen, sondern den KlientInnen in verschiedenen Bereichen mehrMöglichkeiten einer positiven psychischen und physischen Entwicklung im Kindes-und Jugendalter bieten. Zum Hof und der Wohngruppe gehören nicht nur dieGebäude, sondern auch die Menschen die auf dem Hof leben. In Kapitel 3.3beschäftigt sich der Autor genauer mit dem Betreuungsteam und der Zielgruppeder sozialpädagogischen Wohngruppe.

In Kapitel 4 Betreuungsmodus und Arbeitsweisen werden als erstes dieHandlungsfelder der sozialen Arbeit auf dem Land, wie Beetz & Funk (2015) imHandbuch für soziale Arbeit beschreiben, dargelegt und die Vorteile einerWohngruppe auf dem Land gegenüber der Stadt hervorgehoben.In Kapitel 4.1 wird kurz die Wichtigkeit von Empowerment umschrieben, um derWichtigkeit der Änderung von Machtverhältnissen in der Gesellschaft Nachdruckzu verleihen. Wie Seckinger (2015) beschrieben ist ein ungleiches Machtverhältnisin der Gesellschaft mit Leid für das Individuum verbunden. Im Kapitel 4.2 wirdversucht die Zusammenhänge zwischen Binde- und Fürsorgeverhalten und dertiergestützten Pädagogik darzustellen.

In den Kapiteln 4.5 bis 4.7 werden die möglichen Angebote dessozialpädagogischen Bauernhofes, wie z.B tiergestützte Pädagogik mitlandwirtschaftlichen Nutztieren, und den Tätigkeitsfeldern am Bauernhof wie sieeben nur am Land möglich sind, genauer betrachtet. Hier dienen dieSammelbände von Greifenhagen & Buck-Werner (2012), Olbrich & Oterstedt(2003) und Buchner-Fuhs & Rose (2012) als Grundlagenliteratur. Als Erweiterungund für die Einbringung von Erfahrungsberichten wird mit den Sammelbänden vonHaubenhofer & Strunz (2013) und Simantke & Fölsch (2000) gearbeitet. Dasfünfte Kapitel enthält die Dokumentation von einem Projekt mit neun geplantenEinheiten.

2 Begriffserklärung

Zum besseren Verständnis für den Leser werden in diesem Kapitel dieBegrifflichkeiten in dieser Arbeit so definiert, wie sie vom Autor verstandenwerden.

- Empowerment: „Denn Empowerment ist - im ursprünglichen Sinne gesehen - ein gesellschaftliches Korrektiv zur Gewinnung von mehrMenschlichkeit und sozialer Gerechtigkeit“ (Theunissen u. Schwalb 2012,S.33).
- Inklusion: Im Gegensatz zur Integration steht die Inklusion, der Begriffstammt vom lateinischen „includere“, was einschließen bedeutet, alleMenschen mit oder ohne Einschränkungen haben das Recht auf die volleZugehörigkeit in den unterschiedlichsten Gemeinschaften der Gesellschaft(vgl. Schwab & Theunissen 2009, S. 16).
- Integration: Als Integration wird die Eingliederung verstanden, was imBereich von KJH-Einrichtungen bedeutet, dass Wohngruppen sich nichtirgendwo am Ortsrand sondern im Ort befinden sollten. Was bringt das,wenn zwar die Wohngruppe räumlich integriert ist, aber die Bewohner Begriffserklärung Seite 5 keinen Kontakt zur Gesellschaft haben (vgl. Schwab & Theunissen 2009, S. 13) und die eigentliche Integration noch bevorsteht.
- Jugendliche: minderjährige Menschen bis zur Vollendung des 18 Lebensjahres, im Oö. Jugendschutzgesetz 2001 - Oö. JSchG 2001 wirdlaut Paragraph 2 nicht zwischen Kindern und Jugendlichen unterschieden.
- Junge Erwachsene: Menschen ab Vollendung des 18. Lebensjahres bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres.
- Kinder: minderjährige Menschen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Im Oö. Jugendschutzgesetz 2001 - Oö. JSchG 2001 wird laut Paragraph 2 nicht zwischen Kindern und Jugendlichen unterschieden.
- KlientInnen: „ Klient, im deutschsprachigen Raum im Zuge der Professionalisierung und Modernisierung von Sozialarbeit und Sozialp ä dagogik etablierter Begriff zur Bezeichnung der Adressaten sozialer Arbeit “ (Stimmer, 2000, S. 386).
- Land: Land stellt in dieser Arbeit den Gegenpart zu Stadt und meint damit
-en ländlichen Raum als soziales Umfeld.
- Tiergestützte Therapie: tiergestützte Therapie bedeutet pädagogische, psychologische und sozialintegrative Angebote mit Tieren für Klientel mit emotionalen und kognitiven Verhaltensauffälligkeiten oder Einschränkungen anhand integrativer, verhaltens- und lösungsorientierter Trainingskonzepte und Ansätze für verschiedene Zielgruppen bewusst zu planen, auszuführen, zu dokumentieren und zu reflektieren. Die Maßnahmen können im Einzel- oder Gruppensetting stattfinden und haben nachfolgend genannte Ziele (vgl. ESAAT, 2017).

- Erhalten oder Wiederherstellen von kognitiven, körperlichen undemotionalen Funktionen
- Erhalten und Verbessern der Fähigkeit der Selbstregulation und derKommunikation
- Förderung von motorischen Fähigkeiten für die Umsetzung vondiversen Tätigkeiten

Der Hof im Überblick Seite 6

- Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens

- Tiergestützte Pädagogik: Zum Unterschied zur tiergestützten Therapiewerden die Tiere in der tiergestützten Pädagogik z.B. zur Förderung desSozialverhaltens als Lernsubjekt (Lernen am Modell) und zum Erlernen derSelbstregulation und Kommunikation eingesetzt. Weiters kann das Tier denpädagogischen Prozess sowie den Beziehungsaufbau zwischenPädagoginnen und Pädagogen Klientel vermitteln und beschleunigen (vgl.Saumweber 2009, S.47 f).

- Gesellschaft: ein Gefüge aus Individuen, die untereinander in sozialerBeziehung stehen, und nach gleichen Normen und Werten handeln.

3 Der Hof im Überblick

Der typische Innviertler Vierseithof befindet sich in Gutensham, Gem. Pramet imInnviertel und liegt ca. 9 km südlich von Ried im Innkreis. Die nächsteBushaltestelle befindet sich ca. 5 Gehminuten in Pramet. Der nächste Bahnhofbefindet sich ca. 3 km in Richtung Eberschwang. In der Gemeinde sind nebenKindergarten und Volksschule viele Betriebe in den verschiedensten Spartenangesiedelt, in den denen die Möglichkeit einer Lehre besteht. Auch für dieFreizeitgestaltung hat die Gemeinde mit ihren Vereinen und dem nahe gelegenenBadesee einiges zu bieten.

Durch die gute Erreichbarkeit der verschiedenen Institutionen und Einrichtungenzu Fuß ergibt sich für die KlientInnen neben der Tatsache, dass Dingeselbstständig erledigt werden können, durch den Kontakt mit anderen Menschenund der Peergroup ein soziales Lernfeld (vgl. Grundmann, 2015, S.1550). Damitsind ideale Voraussetzungen gegeben, dass die BewohnerInnen der Wohngruppeauch außerhalb der häuslichen Situation soziale Kontakte und Beziehungenaufbauen und festigen, sowie ihre Potentiale entfalten können. Dies stärkt die

Wahrscheinlichkeit, dass die BewohnerInnen nach Auszug nachhaltig in die Gesellschaft integriert werden können.

3.1 Der land- und forstwirtschaftliche Betrieb

Die Landwirtschaft wird biologisch nach ÖPUL (Förderprogramm der EU fürbiologische Landwirtschaft) geführt. Die Flächen teilen sich in 18 ha Wiese, 17 haAcker und 4,5 ha Wald auf. Bei den Wiesenflächen wird darauf geachtet, dasstrotz Bewirtschaftung eine bestmögliche Erhaltung der Artenvielfalt gesichert wird.Auf den Äckern wird durch die schonende Bodenbearbeitung, einem ganzjährigenBewuchs und der optimalen Fruchtfolge für die Erhaltung eines gesunden Bodensgesorgt.

Im Wald werden für die Lage und Umgebung typische Bäume bevorzugt, wodurch sich ein gesunder und stabiler Mischwald entwickeln kann.

Um eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung zu ermöglichen, soll auch ein Fischteich in natürlicher Form und mit natürlichen Materialien angelegt werden, um auch hier möglichst autark zu sein.

Sämtliche Arbeiten, welche einen Maschineneinsatz erfordern, werden von landwirtschaftlichem Fachpersonal unter teilweiser Mithilfe von Hilfskräften erledigt. Arbeiten, die händisch anfallen, werden wie in Kapitel 4.6 Berufsorientierung, fähigkeitsorientierte Aktivität und Tagesstruktur umfangreicher beschrieben, im Zuge der fähigkeitsorientierten Aktivität mit den KlientInnen gemeinsam erledigt. Ausgenommen sind jene, die eine Lehre als landwirtschaftlicher Facharbeiter machen. Diese dürfen nach Vorgabe im Lehrplan auch Maschinen und Geräte bedienen. Ein gewichtiger Aspekt ist die Arbeit mit den Tieren und um die Tiere, wie in Kapitel 5 Fallbeschreibung mittels eines Ablaufes einer tiergestützten Einheit kurz umrissen wird.

Die Bereiche der fähigkeitsorientierten Aktivität gliedern sich in

- Grünland
- Feldwirtschaft
- Waldwirtschaft
- Tierhaltung
- Obst- und Gemüsebau
- Milch- und Fleischverarbeitung
- Hofladen
- Vereinslokal
- Holz- und Metallwerkstätten
- Seminar- und Bildungsbetrieb

Die einzelnen Bereiche des bäuerlichen Betriebes sind untereinander und in der Region kooperativ verflochten, so dass neben den persönlichen Lernaufgaben, auch fachlich betriebswirtschaftliches Wissen, Kenntnisse, Folgebewusstsein durch praktisches Handeln erworben werden.

3.2 Die Wohngruppe

Die Wohngruppe ist trotz der räumlichen Trennung in den landwirtschaftlichenBetrieb integriert, somit gehören die Tiere zum Alltag der KlientInnen, derBetreuerInnen, der BesucherInnen, und der Eltern, die die BewohnerInnen derWohngruppe besuchen kommen. Die Eltern erleben nicht nur den Kontakt zu denSozialpädagogInnen, sondern auch zu den anderen MitarbeiterInnen am Hof, wiez.B. den landwirtschaftlichen Fachkräften, den TiertrainerInnen undTierpflegerInnen. Natürlich gibt es auf dem Hof die Möglichkeit, dass die Elternüber längere Zeit am Hof mit(er)leben und mithelfen können. Zu diesem Zweckgibt es im Gebäude der Wohngruppe wie in Kapitel 3.2.1 Die Wohnformen derWohnraum angeführt zwei eigene Besucherzimmer für Eltern.

Der oder die Betreiber der Wohngruppe können ein Verein, eine Firma oder dasLand OÖ sein. Die Wohngruppe soll Kindern, Jugendlichen und jungenErwachsenen, welche Aufgrund sozialer, psychischer und/oder familiärer Schwierigkeiten über einen längeren Zeitraum nicht zu Hause leben können, einensicheren und geschützten Raum bieten. Diese sozial benachteiligten Menschenfinden hier auf dem Bauernhof in einer gemischten Wohnform ein neues Zuhause.Die Einrichtung steht Kindern ab dem 6. Lebensjahr, Jugendlichen und jungenErwachsenen bis zum erreichten 25. Lebensjahr zur Verfügung. Ausnahmen sind,wenn Geschwister aufgenommen werden. In diesem Fall ist das Alter derGeschwister unwichtig. Wichtig ist, dass die Geschwister gemeinsamaufgenommen werden, um nicht auch noch hier einen Beziehungsbruch zuvollziehen. Angebote aus einer Hand erleichtern die Koordination und bieten hoheFlexibilität für die individuellen Hilfsangebote. Darüber hinaus seivorweggenommen, dass das primäre Ziel die Selbstständigkeit undSelbsterhaltungsfähigkeit der KlientInnen ist.

3.2.1 Die Wohnformen - der Wohnraum

Geplant sind 8 Einbettzimmer mit einer Wohnfläche von 12 - 15 m², die mit einerGrundausstattung wie Bett, einem absperrbaren Schrank für persönlicheGegenstände und einem Schreibtisch entsprechend der Zielgruppe eingerichtetsind. Eine individuelle Gestaltung ist den KlientInnen, in Absprache mit demBetreuerteam, selbst überlassen, um sich in ihrem neuen Zuhause wohl fühlen zukönnen. Durch die sich am Hof befindliche Holzwerkstatt besteht die Möglichkeitdass die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter Anleitung desFachpersonals je nach Fähigkeit selbst Einrichtungsgegenstände tischlern,mithelfen oder nur dabei sein und beobachten können. Erfahrungen des Autorshaben gezeigt, dass es gerade Kindern Freude bereitet mit Erwachsenen mit zu„werkeln“ und dabei geholfen haben, etwas geschaffen zu haben. In Kapitel 4.6.2Fähigkeitsorientierte Aktivität und Tagesstruktur wird näher darauf eingegangen.Die Schlafräume sowie WC´s und Duschen befinden sich im ersten Obergeschoß.Für etwaige Krisenunterbringungen stehen noch einmal 2 Zimmer zur Verfügung.Für eine gute Elternarbeit stehen auch zwei Eltern-Kind-Zimmer bereit, welches die Eltern auch für längere Aufenthalte am Hof nützen können. DasNachtdienstzimmer befindet sich im ersten Obergeschoß. Im Erdgeschoß sindWC´s und Duschen auch für die Betreuer vorhanden, sowie Büro und dieAufenthaltsräume der MitarbeiterInnen. Eine große Gemeinschaftsküche, in derdas Esszimmer integriert ist, sowie ein großes Wohnzimmer das Platz zumSpielen und Fernsehen bietet. Des weiteren sind drei kleine Wohnungen geplant,die in der Region angemietet werden, in der die jungen Erwachsenen ihreSelbständigkeit testen können und trotzdem immer die Möglichkeiten haben Hilfein Anspruch zu nehmen. Im Kellergeschoß befindet sich ein Erdkeller für Obst,Gemüse und weitere lagerfähige Nahrungsmittel, eine Waschküche und weitereLagerräume. Für Fahrräder udgl. steht ebenfalls ein Raum zur Verfügung (vgl.Jugendwohlfahrt 2013, S. 73 ff.).

Im Außenbereich wird es genügend Platzangebot zum Spielen, Toben und zum „Kreativ sein“ geben. Neben der Unterbringung ist es dem Autor ein Anliegen, verschieden Methoden und Techniken über die Medien, Natur, Tier und Mensch, wie im vierten Kapitel erläutert, intensiv miteinander zu verknüpfen.

„ Also machen wir die Natur zu einem Erziehungsinhalt in unserem Leben und erheben wir die Naturbegegnungen in unserem p ä dagogischen Handeln zu einem Grundprinzip! “ (Montessori 2012, S.141).

3.2.2 Die Wohngruppe als Ort der Begegnung

Das Team legt viel Wert darauf, dass die Wohngruppe und der Hof als Umfeldals Ort der Begegnung fungieren. Dadurch, dass diverse sozial- undfreizeitpädagogische Projekte auch für externe KlientInnen und Einrichtungenwie Schulen, Jugendzentren, pädagogischen und therapeutischenWohngruppen angeboten werden, bestehen für alle TeilnehmerInnen dieGelegenheiten sich untereinander auszutauschen. Auch am Hof stattfindendeFeste und Feiern dienen dazu, den Kontakt zu MitarbeiterInnen, Eltern,KlientInnen und externen Menschen untereinander zu stärken. Um das Wirgefühl noch mehr zu fördern, sind alle Beteiligten eingeladen, bei den verschieden Aktionen auch aktiv bei der Planung und den Vorbereitungen von Veranstaltungen mitzuwirken (vgl. Günder, 2007, S. 83 ff.).

Beispiele solcher Aktivitäten sind:

- gemeinsame Spaziergänge in der Natur, mit oder ohne Tiere
- Hausflohmärkte
- gemeinsames Zelten
- gemeinsames Basteln in den Werkstätten
- gemütliche Lagerfeuerrunden
- gemeinsames Musizieren

Auf das Thema Eltern und der Kontakt zur Wohngruppe wird im Kapitel 4.5 Elternarbeit noch intensiver eingegangen.

3.3 Die Menschen am Hof

Das Team am Hof besteht aus verschiedenen Professionen, die Kontakt mit denBewohnerInnen haben. Ob es nun die Reinigungskräfte, die landwirtschaftlichenFachkräfte, die TierpflegerInnen, die SozialpädagogInnen die TherapeutInnenusw. sind, sie haben dieselbe Grundhaltung gegenüber der Natur, den Tieren undMenschen.

Der Vorteil des multiprofessionellen Teams wird darin gesehen, dass jedeProfession ein andere Sichtweise aufbringt und somit verschiedene Zugänge fürdie Bearbeitung der diversen Themen, ob es um die Anliegen und Bedürfnisse derMitbewohnerInnen, organisatorische Belange oder auch um Aspekte des täglichenLebens geht, vorhanden sind. Je mehr MitarbeiterInnen an einer Entscheidungbeteiligt sind, umso eher ist es der Fall, dass die getroffenen Entscheidungen imGesamten moralischer und für alle Beteiligten erträglicher und akzeptabler sind.

„ Die Beteiligung vieler steigert nicht nur die Akzeptanz der zu treffenden Entscheidung, sondern erh ö ht auch die G ü te der Entscheidung selbst.

[...]

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Leben und Lernen am Bauernhof. Einbindung einer sozialpädagogischen Wohngruppe für Kinder und Jugendliche in einen biologisch geführten landwirtschaftlichen Betrieb
Hochschule
Fachhochschule OberÖsterreich Standort Linz
Note
3,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
45
Katalognummer
V411864
ISBN (eBook)
9783668636811
ISBN (Buch)
9783668636828
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leben, lernen, bauernhof, einbindung, wohngruppe, kinder, jugendliche, betrieb
Arbeit zitieren
Christian Haas (Autor:in), 2017, Leben und Lernen am Bauernhof. Einbindung einer sozialpädagogischen Wohngruppe für Kinder und Jugendliche in einen biologisch geführten landwirtschaftlichen Betrieb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/411864

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