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Das mögliche Ganzsein des Daseins und das Sein zum Tode. Eine Analyse des Todes in "Sein und Zeit"

Titel: Das mögliche Ganzsein des Daseins und das Sein zum Tode. Eine Analyse des Todes in "Sein und Zeit"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2018 , 18 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Sebastian Rieger (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Todesanalyse Heideggers findet sich im ersten Kapitel des zweiten Abschnitts von „Sein und Zeit“. Insofern kann ihr eine Scharnierfunktion zugesprochen werden: Sie nimmt einerseits Probleme, die im ersten Abschnitt auftauchen, auf und bereitet ihre Lösung vor. Andererseits ist die Analyse selbst von einiger Bedeutung, da sie einen neuartigen Blick auf den Tod liefert. Mit einer gewissen Berechtigung könnte behauptet werden, dass diese Analyse zwar eine Analyse des Todes ist, sie aber eigentlich als ein Zentralstück einer Philosophie des Lebens dienen könnte. Dies erklärt die Motivation für die vorliegende Arbeit. Da die Analyse des Todes sich in der Mitte von „Sein und Zeit“ findet, scheint eine kurze Zusammenfassung des ersten Teiles wie auch der Einleitung unumgänglich, um sie wirklich zu verstehen. Verschärft wird das Verständnisproblem noch dadurch, dass Heidegger Neologismen bildet, die sich häufig nicht von selbst verstehen. Insofern sei zunächst ein kurzer Abriss von „Sein und Zeit“ gegeben, in welchem die wichtigsten Begriffe in ihrem Gesamtzusammenhang vorgestellt werden. Heideggers zentrales Anliegen ist, die Frage nach dem Sinn von Sein zu stellen, d. h., eine neuartige Ontologie, die er Fundamentalontologie nennt, zu gründen. Die Frage nach dem Sinn von Sein könnte im ersten Moment als Frage: Was ist das Sein? verstanden werden. Gleichwohl verbietet sich dieses Verständnis, da „ist“ eine Konjugation des Infinitivs „sein“ ist. Folglich würde man eine petitio principii begehen, wenn die letztgenannte Frage gestellt würde. Sofern nun eine Frage gestellt wird, muss der Blick auf denjenigen gerichtet werden, welcher die Frage stellt, auch darum, weil derjenige, welcher die Frage stellt, natürlich über ein gewisses Vorverständnis des Fragebereichs verfügen muss. Der Fragesteller sind zunächst wir oder allgemeiner der Mensch. Heidegger spricht nun allerdings nicht vom Menschen, sondern stattdessen vom Dasein, vor allem, weil er vermeiden will, dass seine Schrift als Anthropologie verstanden wird. Wie schon gesagt, zeichnet sich das Dasein dadurch aus, dass es über ein Vorverständnis des Seins, was Heidegger auch durchschnittliches Seinsverständnis nennt, verfügt. Dieses Vorverständnis drückt sich darin aus, dass es dem Dasein in seinem Sein um sein Sein geht. Dem Dasein ist sein Sein nicht gleichgültig, es kümmert sich um sich.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 DER TOD IN SEIN UND ZEIT

2.1 DER TOD DER ANDEREN

2.2 DIE ANALYSE DES TODES AUS DER PERSPEKTIVE DER VERFALLENHEIT UND WAS VON EINER EXISTENZIALEN ANALYSE DES TODES NICHT ZU ERWARTEN IST

2.3 DIE EXISTENZIALE ANALYSE DES TODES

2.3.1 DER TOD IST DIE EIGENSTE MÖGLICHKEIT

2.3.2 DER TOD IST DIE UNBEZÜGLICHE MÖGLICHKEIT

2.3.3 DER TOD IST DIE UNÜBERHOLBARE MÖGLICHKEIT

2.3.4 DER TOD IST DIE GEWISSE MÖGLICHKEIT

2.3.5 DER TOD IST DIE UNBESTIMMTE MÖGLICHKEIT

3 RESÜMEE

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, Heideggers Analyse des Todes innerhalb seines Werkes Sein und Zeit zu untersuchen und aufzuzeigen, wie das Dasein durch das Sein zum Tode zu einem eigentlichen Ganzsein gelangen kann. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, ob und wie das Dasein existenzial als ganzes Seinkönnen existieren kann, und inwiefern der Tod hierbei eine notwendige Bedingung darstellt.

  • Grundlagen der Fundamentalontologie und des Begriffs Dasein
  • Differenzierung zwischen Existenzialen und Kategorien sowie Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit
  • Kritische Analyse des Todes als eigenste, unbezügliche, unüberholbare, gewisse und unbestimmte Möglichkeit
  • Die Rolle der Angst als existenzielle Befindlichkeit im Sein zum Tode
  • Existenzielle Interpretation der formalen Todesanalyse anhand historischer Beispiele

Auszug aus dem Buch

2.3.1 Der Tod ist die eigenste Möglichkeit

Der grammatikalisch falsche Superlativ „eigenste“ weist darauf hin, dass, wie soeben schon gesagt, der eigene Tod nicht von anderen abgenommen werden kann. Der Tod erschließt dem Dasein sein eigenstes Seinkönnen (vgl. Hügli und Han, 2001, S. 140): „Im Sein zum Tode verhält sich das Dasein zu ihm selbst als einem ausgezeichnetem Seinkönnen“ (SuZ, S. 252). Dieses Seinkönnen unterscheidet sich auf fundamentale Weise von dem Man, also dem Selbst der Alltäglichkeit. Während für diesen der Nächste, der Fernstehendste oder der Unbekannte sterben und so der Tod als ein bekanntes innerweltliches Ereignis auftritt (vgl. SuZ, S. 253), erwacht, wenn das Dasein den Bevorstand des eigenen Todes erkennt, ein emphatisches Selbst-sein-Können (vgl. Hügli und Han, 2001, S. 140). Die Folge hiervon ist, dass nicht nur der Tod je mein eigenster ist, sondern auch mein Sein und mein Seinkönnen sich als mein je Eigenstes erweisen. In diesem Sinne schreiben Hügli und und Han (2001, S. 140), dass die Emphase bzw. die Entschlossenheit zum eigenen Selbst sich als Re-Aktion auf den Tod deuten ließe. Heidegger fasst dies als Vorlaufen in die Möglichkeit (vgl. SuZ, S. 262), was bedeutet, dass hiermit nicht ein „Denken an den Tod“ gemeint ist, sondern vielmehr, dass mit dem tatsächlichen Aufscheinen des Todes als eigenste Möglichkeit zugleich dem Dasein andere (eigenste) Möglichkeiten aufscheinen, also solche, die nur ihm zukommen und nicht anderen Dasein.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Dieses Kapitel führt in die Bedeutung der Todesanalyse für Heideggers Fundamentalontologie ein und erläutert die Grundbegriffe sowie das Vorhaben der Arbeit.

2 DER TOD IN SEIN UND ZEIT: Hier wird der theoretische Rahmen für die Analyse des Todes als Ende des Daseins abgesteckt und von anderen Todesvorstellungen abgegrenzt.

2.1 DER TOD DER ANDEREN: Dieses Kapitel erörtert, warum der Tod der anderen keinen Zugang zum eigenen Seinsverlust und zur ontologischen Ganzheit des Daseins bietet.

2.2 DIE ANALYSE DES TODES AUS DER PERSPEKTIVE DER VERFALLENHEIT UND WAS VON EINER EXISTENZIALEN ANALYSE DES TODES NICHT ZU ERWARTEN IST: Es wird geklärt, dass der Tod nicht als ein Ende im Sinne eines Aufhörens oder Fertigwerdens begriffen werden kann und welche wissenschaftlichen Erklärungsansätze Heidegger ausschließt.

2.3 DIE EXISTENZIALE ANALYSE DES TODES: Dieses zentrale Kapitel entwickelt die fünf wesentlichen Charakteristika des Todes auf Basis der Sorgestruktur des Daseins.

2.3.1 DER TOD IST DIE EIGENSTE MÖGLICHKEIT: Erläutert, dass der Tod als unvertretbares Seinkönnen das Dasein auf sein eigenes Selbst zurückwirft.

2.3.2 DER TOD IST DIE UNBEZÜGLICHE MÖGLICHKEIT: Analysiert, wie der Tod alle innerweltlichen Bezüge aufhebt und das Dasein auf seine individuelle Existenz vereinzelt.

2.3.3 DER TOD IST DIE UNÜBERHOLBARE MÖGLICHKEIT: Beschreibt den Tod als die äußerste, dem Dasein bevorstehende Möglichkeit, durch deren Vorlaufen eine eigentliche Freiheit gewonnen wird.

2.3.4 DER TOD IST DIE GEWISSE MÖGLICHKEIT: Begründet, warum die Gewissheit des Todes keine logische, sondern eine existenziale Seinsgewissheit ist, die zur Selbstvergewisserung führt.

2.3.5 DER TOD IST DIE UNBESTIMMTE MÖGLICHKEIT: Untersucht das unbestimmte „Wann“ des Todes und die Rolle der Angst bei der Erschließung dieser äußersten Möglichkeit.

3 RESÜMEE: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und verdeutlicht die Notwendigkeit der existenziellen Interpretation der formale Todesanalyse.

Schlüsselwörter

Dasein, Sein zum Tode, Sein und Zeit, Martin Heidegger, Eigentlichkeit, Uneigentlichkeit, Existenziale, Vorlaufen, Sorge, Existenzialontologie, Ganzheit, Angst, Freiheit, Seinkönnen, Fundamentalontologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Heideggers Analyse des Todes in Sein und Zeit, um zu verstehen, wie das Dasein trotz seiner alltäglichen Verfallenheit zu einem eigentlichen, bewussten Ganzsein gelangen kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Struktur des Daseins (Sorge), die Unterscheidung zwischen Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit sowie die existenziale Interpretation des Todes als die konstitutive Möglichkeit des Daseins.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass der Tod nicht als bloßes Ende des Lebens, sondern als existenziale Bedingung zu verstehen ist, die das Dasein dazu befähigt, sein eigenstes Seinkönnen zu ergreifen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine phänomenologische und existenzialanalytische Methode, um Heideggers Begrifflichkeiten und Argumente aus Sein und Zeit exegesisch zu interpretieren und systematisch aufzubereiten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Abgrenzung von alltäglichen Todesvorstellungen sowie die detaillierte Darlegung der fünf existenzialen Charakteristika des Todes: eigenste, unbezügliche, unüberholbare, gewisse und unbestimmte Möglichkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Dasein, Sein zum Tode, Eigentlichkeit, Vorlaufen, Sorge, Existenzialontologie und Seinkönnen sind die zentralen Begriffe, die diese philosophische Analyse prägen.

Wie unterscheidet sich der Tod in der Analyse von einer naturwissenschaftlichen Sichtweise?

Heidegger lehnt naturwissenschaftliche, ontische Ansätze ab, da diese den Tod als innerweltliches Ereignis betrachten, während er den Tod als eine Weise des Seins des Daseins selbst interpretiert.

Welche Rolle spielt die Angst im Zusammenhang mit dem Tod?

Die Angst ist laut Heidegger die Grundbefindlichkeit, die das Dasein vor die Möglichkeit seines eigenen Nichtmehrseins stellt und es dadurch aus der unreflektierten Alltäglichkeit des „Man“ herausreißt.

Warum wird das Beispiel von Martin Luther herangezogen?

Das Beispiel dient der existenziellen Interpretation, um zu zeigen, dass das radikale Vorlaufen in den Tod keine rein theoretische Konstruktion ist, sondern eine existenzielle Konversion auslösen kann, die das gesamte Leben neu ausrichtet.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das mögliche Ganzsein des Daseins und das Sein zum Tode. Eine Analyse des Todes in "Sein und Zeit"
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Autor
Sebastian Rieger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V411967
ISBN (eBook)
9783668637504
ISBN (Buch)
9783668637511
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heidegger Sein und Zeit Tod Ganzsein
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sebastian Rieger (Autor:in), 2018, Das mögliche Ganzsein des Daseins und das Sein zum Tode. Eine Analyse des Todes in "Sein und Zeit", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/411967
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  18  Seiten
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