Prozesse des Lernens sind vielschichtig, nicht immer transparent oder evaluierbar. Heutzutage ist die Fähigkeit über das Aneignen von Wissen im Rahmen von Globalisierung, Mediatisierung und Technisierung wichtiger denn je. Die Floskel, nicht für die Schule, sondern für das Leben zu lernen, wird zur Maxime. Im Kontext dieses lebenslangen Lernens steht die Entwicklung einer ausgeprägten Lesekompetenz. Lesemotivation sowie Lese- und Lernstrategien sind Grundstein und Zielkriterium sowohl des schulischen als auch außerschulischen Lernens. Spätere Leseaktivitäten werden durch sie initiiert und ermöglichen es, an der kulturellen Praxis teilzunehmen. Der Grundstein für die Aneignung und Erschließung von Wissen, Können und Verstehen wird in der Schule gelegt.
Mag man Bourdieus Worten Glauben schenken, Wissen sei das kulturelle Kapital einer Gesellschaft und bedenkt sogleich, dass der Wissenszuwachs im 21. Jahrhundert weiter fortschreiten wird, kann dem Stellenwert von Schule und Unterricht – hier speziell dem Literaturunterricht – nie genügend Bedeutung beigemessen werden. Literaturunterricht klassisch-analytischer Natur wird jedoch vielen Schülerinnen und Schülern nicht gerecht, was aus verschiedenen Untersuchungen hervorgegangen und nicht erst seit kurzem bekannt ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Vorüberlegungen
2.1 Schule in der Wissens- und Informationsgesellschaft
2.2 Unterrichtsentwicklung
3 Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht
3.1 Wissenschaftstheoretischer Hintergrund
3.2 Vertreter und Konzepte des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts
3.2.1 Gerhard Haas
3.2.2 Kaspar H. Spinner
3.2.3 Günter Waldmann
3.2.4 Harro Müller-Michaels
3.2.5 Gerhard Rupp
3.2.6 Karlheinz Fingerhut
4 Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht – Kritik, Möglichkeiten und Grenzen
5 Schluss
6 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Möglichkeiten und Grenzen handlungs- und produktionsorientierter Unterrichtskonzeptionen im Literaturunterricht kritisch zu beleuchten und verschiedene didaktische Ansätze miteinander zu vergleichen, um ihre Relevanz für moderne Lernprozesse zu bewerten.
- Theoretische Grundlagen und Entwicklung von Schule in der Informationsgesellschaft
- Wissenschaftstheoretische Fundierung des produktionsorientierten Literaturunterrichts
- Vergleich zentraler Vertreter (Haas, Spinner, Waldmann, Müller-Michaels, Rupp, Fingerhut)
- Kritische Auseinandersetzung mit den Chancen, Risiken und Grenzen dieser Methodik
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Gerhard Haas
Gerhard Haas gilt als einer der Vorreiter und somit Mitbegründer handelnd-produktiver Umgänge mit Literatur. Ihm geht es vorrangig um den konkreten Schüler und dessen literarisches Lernen. Schüler, die keinen Zugang zu Texten durch klassisch-analytische, rational geplante Prozesse finden können, stehen für Haas im Vordergrund. Die Erkenntnis, „dass alle Didaktik immer auf den relativ begabten, sprachlich beweglich-raschen, vor allem aber kognitiv strukturierten Schüler ausgerichtet ist“, sorgte dafür, dass sich Haas noch intensiver mit dieser Thematik beschäftigte und folglich seinen handlungs- und produktionsorientierten Ansatz stets weiterentwickelte. Für Haas sind einzelne Schüler mitsamt ihrer Schwächen und Stärken von Bedeutung, die wenig am Unterricht partizipieren können oder wollen. Ihnen soll die Möglichkeit geboten werden, durch aktives und produktives Handeln in affektiven und emotionalen Kontakt mit dem Text zu treten.
„Hauptziel ist immer zuerst die Herstellung eines engen, intensiven Kontakts mit dem Text durch handelndes Reagieren auf ihn und produktives Agieren mit ihm – nicht aber primär eine bestimmte Erkenntnis oder Einsicht.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des lebenslangen Lernens und der Lesekompetenz ein und skizziert die Problematik klassisch-analytischer Literaturvermittlung.
2 Theoretische Vorüberlegungen: Das Kapitel beleuchtet gesellschaftliche Herausforderungen für Schüler sowie die Notwendigkeit einer zeitgemäßen Unterrichtsentwicklung.
2.1 Schule in der Wissens- und Informationsgesellschaft: Hier werden die steigenden Anforderungen an das Individuum in einer wissensbasierten Gesellschaft und die Bedeutung von Sozialkompetenz diskutiert.
2.2 Unterrichtsentwicklung: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Prinzipien und Ausgangspunkte für eine qualitätsorientierte Unterrichtsgestaltung, die über standardisierte Anforderungen hinausgeht.
3 Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht: Einführung in das Konzept, das den Fokus vom Lerngegenstand auf die Subjektivität des Lernenden und eine aktive Textaneignung verschiebt.
3.1 Wissenschaftstheoretischer Hintergrund: Darstellung der theoretischen Verankerung in der Rezeptionsästhetik, dem Poststrukturalismus und dem Konstruktivismus.
3.2 Vertreter und Konzepte des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts: Systematischer Überblick über verschiedene Ansätze, die Lesemotivation und Kreativität durch handelnde Zugänge fördern wollen.
3.2.1 Gerhard Haas: Fokus auf den leistungsschwächeren Schüler und die Etablierung eines affektiven Textkontakts.
3.2.2 Kaspar H. Spinner: Betonung der kognitionspsychologischen Aspekte, des Selbstverstehens und der Imaginationsfähigkeit.
3.2.3 Günter Waldmann: Vorstellung seines didaktischen Phasenmodells für eine produktive Hermeneutik.
3.2.4 Harro Müller-Michaels: Fokus auf ein Drei-Phasen-Modell, bei dem die Reflexion das eigentliche Ziel des Unterrichts bildet.
3.2.5 Gerhard Rupp: Bedeutung der Verfremdung von Texten zur Steigerung der Leseintensität und Nachhaltigkeit.
3.2.6 Karlheinz Fingerhut: Plädoyer für die vorhergehende Textanalyse als notwendige Basis für produktives Arbeiten.
4 Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht – Kritik, Möglichkeiten und Grenzen: Zusammenfassende kritische Betrachtung der Chancen sowie der Einwände von Gegnern wie Hans Kügler.
5 Schluss: Abschließende Bewertung, die das Potenzial betont, aber auch die Notwendigkeit ständiger Evaluation der gewählten Methoden fordert.
6 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Literaturunterricht, Handlungs- und Produktionsorientierung, Lesekompetenz, Rezeptionsästhetik, Lesemotivation, Konstruktivismus, Unterrichtsentwicklung, Schülerzentrierung, Kreativität, Textverständnis, Literaturdidaktik, Reflexion, Sprachunterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen von handlungs- und produktionsorientierten Ansätzen im Literaturunterricht im Vergleich zu traditionell analytischen Methoden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Lesemotivation, die Rolle des Schülers in der Wissensgesellschaft und die theoretische Fundierung kreativer Lernprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Vergleich unterschiedlicher didaktischer Konzepte, um zu klären, wie ein intensiver Kontakt zwischen Schüler und literarischem Text hergestellt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und den Vergleich verschiedener didaktischer Modelle und Konzepte führender Literaturdidaktiker.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den wissenschaftstheoretischen Hintergrund, stellt verschiedene Expertenansätze vor und diskutiert die Kritik an diesen Modellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Literaturunterricht, Handlungs- und Produktionsorientierung, Lesekompetenz und Rezeptionsästhetik.
Wie argumentieren Gegner wie Hans Kügler gegen diesen Unterricht?
Hans Kügler kritisiert den handlungs- und produktionsorientierten Unterricht als respektlosen Eingriff in die Textautonomie und als „Gruselkabinett“, das echtes Textverständnis eher verhindert als fördert.
Welche Bedeutung hat das Modell von Günter Waldmann?
Waldmanns Modell ist für ein allgemeingültiges Phasenmodell bekannt, das eine produktive Hermeneutik darstellt und darauf abzielt, Schüler schrittweise zum Textverstehen zu leiten.
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- Michael Forchner (Author), 2012, Handlungs- und produktionsorientierter Umgang mit Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/411969