Provokative Therapie nach Frank Farrelly. Eignet sich diese Therapie in dem Feld der Beratung, spezialisiert auf Einzelgesprächsführung?


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frank Farrelly

3. Provokative Therapie
3.1. Entstehung der Provokativen Therapie
3.2. Annahmen und Hypothesen der Provokativen Therapie
3.3. Die Rolle des Provokativen Therapeuten
3.3.1 Rückkopplung
3.3.2 Spezifische Techniken
3.4. Umstrittene Methode
3.5. Humor in der Provokativen Therapie
3.6. Der provokative Stil und sein Einsatz
3.6.1 Die Stadien des Prozesses in der Provokativen Therapie
3.7. Kritische Betrachtung

4. Sozialpädagogische Beratung

5. Fazit – Provokative Therapie als Methode in der Beratung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit, orientiert an der Frage: „Eignet sich die Methode der Provokativen Therapie von Frank Farrelly in dem Feld der Beratung, spezialisiert auf Einzelgesprächsführung?“, handelt von der Methode „Provokative Therapie“ von Frank Farrelly und beinhaltet zwei wesentliche Komponente. Zum einen die Entstehung der Methode und deren Aspekte sowie die Anwendung der Methode der Provokativen Therapie, des Provokativen Stils in der Beratung, im Fokus der Einzelgesprächsführung. Auf meine Motivation, die Hausarbeit über diese Methode der Beratung in der Sozialen Arbeit zu schreiben sowie zu der Gliederung meiner Arbeit wird in den folgenden Abschnitten eingegangen.

Meine Motivation, mich mit dem Thema der Provokative Therapie von Frank Farrelly auseinander zu setzten, ziehe ich aus meinen eigenen erfolgreichen Erfahrungen mit dieser Methode in dem Bereich der Beratung sowie meine Neugierde auf mehr Wissen. Ich interessiere mich sehr für die Hintergründe und Funktionen der so unüblichen aber äußerst effektiven Methode der Provokativen Therapie.

Ziel dieser Arbeit soll sein, die Methode der Provokativen Therapie in der Beratung offen und korrekt darzustellen, sich von dem psychotherapeutischen Kontext loszulösen und klare Abgrenzungen vorzunehmen sowie die Zweifel und die Bedenken die dazu führen, dass diese Methode so umstritten ist, niederzulegen.

Im ersten Abschnitt werde ich auf die Biographie von Frank Farrelly eingehen, die es erleichtern wird, seine Ansätze der Provokativen Therapie besser nachvollziehen zu können.

Im zweiten Abschnitt beschäftige ich mich mit der Provokativen Therapie, wobei ich in den Unterabschnitten 3.1. auf dieEntstehungder Provokativen Therapie, 3.2. dieAnnahmen und Hypothesender Provokativen Therapiesowie in 3.3. aufdie Rolle des provokativen Therapeuteneingehen werde. Des Weiteren werde ich mich im Unterabschnitt 3.4. darauf beziehen, warum die Methode der Provokativen Therapie als so umstritten gilt. Um hervorzuheben, welche wichtige Rolle der Humor in der Provokativen Therapie spielt, gehe ich detailliert im Unterabschnitt 3.5. ein. Den Erfolg der Therapie und die daraus folgende Reaktion der Klienten, lassen sich in vier Sprachen/ Stufen separieren. Im Unterabschnitt 3.6. werde ich auf den Provokative Stil und seinen Einsatz in der Provokativen Therapie näher eingehen. Um zu vertiefen welche Wirkung der provokative Stil auf die Klienten hat, vertiefe ich dies in Unterabschnitt 3.6.1Die Stadien des Prozesses in der Provokativen Therapie.Im Folgenden gehe ich in kritischer Betrachtung auf zwei wesentliche Punkte ein, weswegen die Provokative Therapie als Beratungsmethode so umstritten ist.

Im nächsten und vorletzten Abschnitt beschäftige ich mich mit der sozialpädagogischen Beratung im Wesentlichen, bevor ich mich auf die mögliche Anwendung der Provokativen Therapie in dem Feld der Beratung in der Sozialen Arbeit beziehe und zu meinem Fazit meiner Hausarbeit gelange.

2. Frank Farrelly

Frank Farrelly wurde am 26. August 1931 als neuntes von zwölf Kindern in Missouri in den Vereinigten Staaten von Amerika geboren. Er studierte Klinische Sozialarbeit an der Catholic University in Washington DC und war über 30 Jahren lang im klinischen Bereich als Psychotherapeut tätig. Es war stieß während seines Studiums in den 50er Jahren, auf die Werke der Methode von Carl Rogers. Farrelly und Rogers waren beide der Auffassung, dass die Klienten die eigene Stärke und somit auch die Möglichkeit besitzen, ihr Leben zu ändern. Fortan machte Farrelly sich die Methode des klientenzentrierten Ansatzes von Carl Rogers zu Nutze, welche schon sehr bald großen Erfolg bei den Klienten zeigte. Der klientenzentrierte Ansatz bedeutet, dem Klienten konstant wohlwollend und würdigend gegenüberzutreten. Die Methode des klientenzentrierten Ansatzes war mit einer der ausschlaggebenden Schritte für die professionelle Arbeitsweise Farellys.

In zahlreichen Supervisionen, Therapiesitzungen und Therapiebesprechungen bemerkte Farrelly, dass die seit Jahren von ihm praktizierte Methode des klientenzentrierten Vorgehens, in Hinsicht auf die Reaktionen und Verhaltensweisen der Klienten, nicht mehr angemessen erscheint. Er stellte fest, dass gerade bei psychisch erkrankten Klienten die Vorgehensweise des passiven, verständnisvollen Therapeuten wirkungslos war, um bei den Klienten die gewünschte Wirkung zu erzielen. Daraufhin änderte er seine Vorgehensweise und wurde gegenüber den Klienten aktiver und provokativer, welches sich nach und nach als Erfolg entpuppte. In kürzester Zeit verhalf Farrelly seinen Klienten mit Hilfe der Provokativen Therapie zur Besserung, ja sogar zur Heilung deren Zustandes. Sein Erfolg sprach sich schnell herum und er erlangte weltweite Beachtung. Zur Entstehung der Provokativen Therapie, werde ich in Punkt 3.1. noch weiter eingehen.

Frank Farrelly gab sein Wissen als Dozent an der Universität von Wisconsin, die Schule für Soziale Arbeit weiter, arbeitete jedoch nebenbei jahrelang am Mental Health Hospital in Madison mit schwer depressiven, drogenabhängigen und chronisch schizophrenen Patienten sowie mit kriminellen Psychopathen. 1974 veröffentlichte Frank Farrelly das Buch "Provokative Therapie“, welches er mit Unterstützung seines Kollegen Jeffrey M. Brandsma schrieb und seine jahrelange Erfahrung festhielt. 25 Jahre lang machte er es sich zur Aufgabe, Therapeuten auszubilden und sein Wissen weiter zu geben. Er reiste jedes Jahr nach Europa, Australien und Neuseeland, um Seminare abzuhalten (vgl. Hein 2001, 2. 61). Farrelly leitete bis zu seinem Tod am 10. Februar 2013 das von ihm gegründete Institut in Madison/Wisconsin (USA).

Bis heute findet man die Provokative Therapie“in vielen therapeutischen und psychologischen Handlungsansätzen wieder, wie z.B. bei dem Neurolinguistischen Programmieren (NLP) oder der Gestalttherapie.

3. Provokative Therapie

Das folgende Kapitel soll einen Einblick von der Entstehung der Provokative Therapie bis hin zur Praktizierung geben, sowie die damit verbundenen Aufgaben- und Kenntnisbereiche des Beraters und des Therapeuten hervorheben.

3.1. Entstehung der Provokativen Therapie

Es war die 91. Therapiesitzung der Einzelgesprächsführung bei seinem chronisch schizophrenen Klienten namens „Bill“, als Farrelly der Geduldsfaden riss. Farrelly versuchte immer wieder, dem Klienten drei wichtige Botschaften mitzugeben: 1) Sie sind wertvoll und wichtig. 2) Sie können sich ändern. 3) Ihr ganzes Leben kann anders werden. „Bill“ bemitleidete sich jedoch immer wieder aufs Neue und sagte selbst noch in der 91. Sitzung, er sei wertlos, hoffnungslos und er könnte sich niemals ändern. Nun war der Punkt erreicht, an dem Farrelly seine Emotionen nicht länger zurückhalten konnte und sagte mit emotionsgeladener Stimme zu „Bill“: „In Ordnung, ich stimme mit Ihnen überein, Sie sind ein hoffnungsloser Fall. Nun lassen Sie es uns weitre 91 Gespräche lang versuchen. Lassen Sie uns versuchen, von dieser Stelle aus einen gemeinsamen Nenner zu finden.“ (vgl. Farrelly / Brandsma, 1986, S.34).

Daraufhin wandelte sich „Bill‘s“ Verhalten sofort. Es hat keine Wochen oder Monate gedauert, um bei dem Klienten eine Reaktion hervorzurufen, es handelte sich hierbei nur um Sekunden und Minuten. Innerhalb kürzester Zeit wandelte sich „Bill‘s“ Einstellung und Sichtweise. Farrelly beschreibt die Veränderung von „Bills“ Verhalten in seinem Buch „Provokative Therapie“ (vgl. Farrelly / Brandsma, 1986, S.34), wie er sich während der Therapie immer mehr begann, zum Positiven zu verändern. Er wurde offener, seine Redebeteiligung nahm deutlich zu, sein Redefluss wurde schneller, nicht einschläfernd und langsam wie zuvor, und seine Stimmlage veränderte sich von einem schwachen langsamen Geflüster zu einer normalen Stimmlage mit Selbstbewusstsein. Nach und nach zeigte „Bill“ immer mehr Spontanität, Reizbarkeit, Verlegenheit und vor allem Humor. Er brachte eine komplett neue Seite in ihm zum Vorschein. Auf Grund der harten und unerwarteten Aussagen von Farrelly war der Klient so verwundert, dass er bei den provokativen Äußerungen Farrelly´s rot anlief und sich vor Lachen kaum halten konnte. Jedoch im gleichen Atemzug meinte „Bill“, Farrelly sollte nicht zu viel erwarten, da es trotzdem noch ein paar Jahre dauern würde, bis er aus der geschlossenen Station heraus kommt.

Hier ein Ausschnitt aus dem Buch „Provokative Therapie“ von Farrelly und Brandsma (vgl. 1986, S.35), einem Sitzungsprotokoll von Farrelly, um die Anwendung des provokativen Stils noch einmal an einem Beispiel zu verdeutlichen.

„Ja, ich kann jetzt sehen, wie wir die zweiten 91 Gespräche fortführen. Sie werden wahrscheinlich mehr und mehr ꞌregredierenꞌ, wie Sie sagen, bis ich Sie wie ein kleines Baby füttere.“ Dann fügte ich in einem süßen Ton hinzu: „Komm Billy, nimmꞌ Dein Süppchen.“ Er lief knall rot an und barst beinahe vor Lachen. Ich fuhr fort: „Dann werden Sie wahrscheinlich die Kontrolle über Ihre großen und kleinen Geschäfte verlieren.“ Jetzt wurde er feuerrot und explodierte fast vor Lachen. „Ich muß Ihre Windeln wechseln, die wir mit Betttüchern machen müssen, weil Sie so einen fetten Popo haben. Bis wir endlich die nächsten 91 Gespräche absolviert haben, werden Sie Medizingeschichte gemacht haben.“ Der Patient schaute verdutzt und fragte vorsichtig: „Was meinen Sie?“ Ich antwortete: „Gut, Teufel, Bill, wenn Sie mit dieser ꞌRegressionꞌ fortfahren, wie Sie zu sagen belieben, dann werden Sie der erste Neugeborene mit Schamhaaren sein, der urkundlich belegt ist.“ Sehr müde und erschöpft fügte ich hinzu, daß er vermutlich auf dem richtigen Weg war und wahrscheinlich den Rest seines Lebens in der psychiatrischen Klinik verbringen würde.“

Seit dieser Sitzung erhielt Farrelly wichtige Informationen von seinem Klienten, mit denen er zielfördernd arbeiten konnte, aber auch ausschlaggebende Erfahrungen für die Entwicklung und Ausübung der Therapie. Diese 91. Therapiestunde mit „Bill“ war die Geburtsstunde der danach von Farrelly entwickelten Provokativen Therapie.

Farrelly’s These: „Patienten können sich verändern, wenn sie sich dazu entschließen – und wie!“ (vgl. Farrelly / Brandsma, 1986, S.12). Weiter meinte er noch, dass jeder Mensch über genügend eigene Ressourcen verfüge, um sich aus jeder Lebenslage zu helfen.

3.2. Annahmen und Hypothesen der Provokativen Therapie

Jeder Mensch hat die unterbewusste, insgeheime und natürliche Vorstellung, wie er sich zu seinem Gegenüber verhalten sollte, oder wie man miteinander umzugehen hat, um ein gewisses gewünschtes Verhalten bei dem jeweils anderen hervorzurufen. Da dies unterbewusst passiert, kann dies auch nicht unterbunden werden.

Während der Arbeit von Farrelly haben sich neun zentrale Annahmen hervorgetan, welche wichtig sind, um die Ansätze der Provokativen Therapie vollständig verstehen zu können. Gleichzeitig spiegeln diese die gesammelte Erfahrung von Frank Farrelly wider und bilden die Basis für die Arbeit des provokativen Vorgehens.

Die vorher erwähnten neun Annahmen der Provokativen Therapie sind demnach (vgl. Farrelly / Brandsma, 1986, S.46ff):

1. „Menschen verändern sich - Sie wachsen innerlich, wenn sie auf eine Herausforderung reagieren“
2. „Patienten können sich ändern, wenn sie wollen“
3. „Patienten haben weit mehr Möglichkeiten, eine schöpferische und angepasste Art des Lebens zu entwickeln, als sie oder die meisten Kliniker es annehmen“
4. „Die psychische Zerbrechlichkeit der Patienten wird in hohem Maße überschätzt - von ihnen selbst und von anderen“
5. „Die schlecht angepassten, unproduktiven, antisozialen Haltungen und Verhaltensweisen eines Patienten können drastisch verändert werden, auch bei ernsten Störungen und chronischem Verlauf“
6. „Der Umgang des Patienten mit dem Therapeuten spiegelt relativ genau sein normales Verhalten in sozialen und zwischenmenschlichen Beziehungen wider“
7. „Menschen machen Sinn. Das menschliche Wesen ist besonders logisch und verstehbar“
8. „Der Ausdruck des therapeutischen Hasses und des fröhlichen Sadismus gegen den Patienten kann für ihn sehr wohltuend sein“
9. „Die bedeutendsten Botschaften zwischen Menschen sind nicht sprachlicher Natur“

Diesen neun Annahmen von Farrelly sind mit zwei weiteren Hypothesen (vgl. Farrelly / Brandsma, 1986, S.68f) zu ergänzen, welche jedoch von Klient zu Klient abweichen können.

1. Die Einstellung des Klienten

Der Therapeut versucht, den Klient durch humorvolles, eindeutiges überspitztes Antworten und wiedergegebenen Aussagen des Klienten aus den ständigen pessimistischen Gedankengängen zu befreien. Der Klient soll dem Therapeuten direkt antworten und vorher nicht über seine Antwort und derer möglichen Konsequenzen nachdenken. Damit soll erreicht werden, dass sich der Klient in die entgegengesetzte Richtung des von ihm zuvor Gesagten bewegt, und dies so noch einmal überdenkt.

2. Abgezielt auf das offene, selbstverteidigende Handeln

Durch die humorvollen und übertrieben wiederholten Aussagen des Klienten vom Therapeuten, und erneutes Betonen dieser, soll dem Klienten klar werden, dass dieser mit dem eigenem Verhalten nicht einverstanden ist und sich so selbst verteidigt. Durch die eigene Verteidigung vom Klient entsteht Selbstverantwortung. Er soll auf der Basis des Humors versuchen, seinen eigentlichen Wunsch und sein Vorhaben klar zu formulieren. Solange noch keine klare Aussage vom Klienten getroffen worden ist, versucht der Therapeut den Klienten in seiner klaren Formulierung herauszufordern, indem er diese mit humorvollen und überspitzten Aussagen unterstützt.

3.3. Die Rolle des Provokativen Therapeuten

Der Ausdruck „Teufels Advokat“ ist wohl am aussagekräftigsten für die Rolle des Therapeuten. Der Therapeut hat die Aufgabe, die negative Seite der Ambivalenz des Klienten zu ergreifen, in härteren Fällen selbst dazu zu werden, um die Ambivalenz, die der Klient gegenüber sich selbst, seinen Lebenswerten und Zielen sowie anderen Menschen gegenüber spürt, aufzudecken. Dem Klient soll durch das fortgeführte provokative Ausmalen seiner Verhaltensweisen, die Absurdität seines Verhaltens vor Augen geführt werden. Dadurch versucht der Therapeut, den Klienten in den Widerstand zu seinem eigenen Handeln zu bringen, um ihn zu einem günstigen Verhalten für ihn selbst und seine Lebenssituation zu bringen. So soll erreicht werde, dass die zu der Zeit vorhandenen Verhaltens- und Denkweisen aufgebrochen werden. Die Provokative Therapie ist dazu da, dass der Therapeut dem Klienten auf verschiedene Art und Weisen, direkt oder verschlüsselt verdeutlicht, welche sozialen Konsequenzen sein Handeln und benehmen hat oder haben kann. Der Therapeut spricht gegenüber dem Klienten die Themen an, die sich Menschen in der Gesellschaft, gerade wenn man die Person kaum oder gar nicht kennt, auf Grund des gesellschaftlichen Kontextes, nicht traut anzusprechen oder auszusprechen. Er arbeitet darauf hin, mit dem Klienten das Undenkbare zu denken, das nicht Fühlbare zu fühlen und das Unaussprechliche auszusprechen. Die Zweifel des Klienten sollen ausgesprochen und seine schlimmsten Ängste und Gedanken über sich selbst, die Reaktion seiner Mitmenschen auf ihn oder auf sein Getanes mit dem Therapeuten zusammen noch einmal durchlebt und aufgearbeitet werden. Dadurch wird ihm unweigerlich klar, dass all diese Vorfälle ihn nicht zu Fall gebracht haben und er stärker ist als er denkt.

3.3.1 Rückkopplung

Viele Therapeuten deuten in ihren Therapiesitzungen nur an, was sie eigentlich sagen wollen, anstatt dem Klienten offen und klar zu sagen, was er ehrlichsten sagen sollte. Es ist nicht furchtbar zu sagen, was zu sagen ist, es ist nur wichtig den richtigen Umgang mit dem Gesagten zu finden und im Hier und Jetzt zu leben. Die Ehrlichkeit des Therapeuten, die Anerkennung oder Zurückweisung ist therapeutischer als eine unaufrichtige Annahme. Es lässt sich vielleicht manchmal mit Lügen oder einer verzerrten Wahrheit einfacher leben. Auf Dauer aber holt einen irgendwann die Wahrheit ein. Es kann anfangs sehr schmerzhaft sein offen und ehrlich darüber zu reden, jedoch am Ende ist es ein sehr bereinigendes Gefühl. Am wichtigsten in jeder Therapie ist, dass der Therapeut den Klienten das Gefühl von Respekt entgegen bringt. Denn nur aus Respekt kann eine Grundlage des Vertrauens hervorgehen. Der Klient kann sich daraufhin dem Therapeuten öffnen und hat nicht das Gefühl, dass der Therapeut ihn unterdrücken möchte oder er ihn nicht interessiert.

3.3.2 Spezifische Techniken

Die meisten Techniken der Provokativen Therapie sind in ihrer Anwendung nicht neu. Aus dem Zusammenspiel der einzelnen Techniken und Methoden, deren Stils und die Intensität ihrer Anwendung geht der unverwechselbare Stil der Provokativen Therapie hervor. Die Herangehensweise des Stils, welche vom Therapeuten angewendet wird, soll für den Klienten nicht nur als Spiel oder Spaß aufgenommen werden. Damit dies nicht passiert, ist es wichtig, dass der Therapeut auf das Wertesystem des Klienten eingeht und daran ansetzt um ihn zu erreichen. Der Therapeut muss die Selbsteinstellung des Klienten und die damit verbundenen Verhaltensweisen analysieren, sowie die Erfahrungsbereiche und die dadurch resultierenden Entwicklungsmöglichkeiten für den Klienten verdeutlichen. Damit der Klient versteht, gerade wenn er psychisch erkrankt ist oder sich eigentlich ganz wohl in der Opferrolle fühlt, was der Therapeut eigentlich ausdrücken möchte, überspitzt der Therapeut und macht alles zu einer größeren Angelegenheit, als es in Wirklichkeit ist. Er muss scharfsinnig und einfühlsam zu gleich sein. Seine Aussagen unterstreicht er indem er, mit lauterer Stimme als normal für eine Unterhaltung spricht.

3.4. Umstrittene Methode

Die Provokative Therapie ist teilweise sehr umstritten wenn nicht sogar in manchen Augen der Menschen skandalös, da die Herangehensweise sehr unkonventionell zu anderen Therapieansätzen ist. Provokative Therapie „[…] beschreibt eine Beeinflussungsmethode, die mit Humor und Herausforderung arbeitet. Es kommt vor allem darauf an, Gelächter und Widerstand - und zwar in die gewünschte Richtung - zu provozieren.“ (vgl. Höfner/Schachtner 2004, S.27).

Ziel ist es, den Klienten in eine aktive Verteidigung seiner selbst zu führen, anstatt dass dieser sein Leben bemitleidet und sein Umfeld versucht zu überzeugen, dass sein Leben wertlos wäre. Farrellys Ansatz der Provokativen Therapie ist bis heute einzigartig in der Psychotherapie. Sie bewegt Menschen emotional aus sich herauszukommen, und sich mit Humor ihren Problemen zu stellen und zu lachen: über sich selbst, über die gegebenen Umstände und sogar über den Therapeuten. Auf den Humor der Provokativen Therapie wird im Punkt 3.5. näher eingegangen.

In der Provokative Therapie wird der Klient nicht als Opfer gesehen, als welches sich dieser oft darstellt. Er wird als normaler Mensch angesehen, der für sein Handeln selbst verantwortlich ist. Bei der Ausübung der Provokativen Therapie begibt sich der Therapeut zunächst auf die Seite des Klienten, und geht auf seine verzerrte Weltansicht ein. Dann überspitzt und überbetont der Therapeut die von dem Klienten selbst ausgesagte Prognose, wie das Leben des Klienten in der Zukunft, nach eigener Aussage aussehen wird. Der Therapeut hat die Aufgabe, den Klienten auf die Folgen seines verstrickten Verhaltensmusters aufmerksam zu machen, indem er den Klienten immer wieder herausfordert. Er hat die Aufgabe, den Klienten aus seinem alten Verhaltensmuster herauszuholen, und mit ihm Neues, Positives, zu erarbeiten. Frank Farrelly ist mit der Methode der Provokativen Therapie schneller bereit als andere Therapeuten und Therapieformen, mit dem Klienten über die belastenden und zentralen Themen zu sprechen und diesen damit zu konfrontieren. Er vertraut auf die innere Selbstheilungskraft des Klienten.

Es gibt einen wichtigen Unterschied in den Begriffen der Provokativen Therapie. Der Begriff „Provokative Therapie“ und „Provokativer Stil“ bedeuten nicht das Gleiche. „Provokative Therapie“ drückt den psychologischen Therapietyp als solches aus. Der „Provokative Stil“ dagegen, stellt das Verhalten gegenüber dem Klienten dar, und bezieht sich auf die Haltung und die stilistischen Vorgehensweise des Therapeuten.

3.5. Humor in der Provokativen Therapie

Farrelly war der festen Auffassung, dass eine Therapiesitzung, ohne dass nicht wenigstens einmal gelacht worden war, keine erfolgreiche Anwendung der Provokativen Therapie sei. Humor sei die wesentliche Schlüsselrolle der Provokativen Therapie. Viele Klienten möchten gerade in ihren ersten Therapiestunden lachen, um die Ernsthaftigkeit herauszunehmen und sich dem Therapeuten gegenüber leichter öffnen zu können. Die meisten Therapeuten und Menschen deuten dieses Verhalten jedoch als unangemessen und als Abwehrmechanismus, welches mit einem „angemessenen“ Kommentar neutralisiert werden soll. Aber nach Farrelly ist genau das das falsche Vorgehen. Denn wie in dem Buch von Farrelly und Brandsma (S.134f.) „Provokative Therapie“ (1986) beschrieben: „In der Provokativen Therapie bedeutet das insbesondere, daß der Therapeut über sich selbst, seine schwachen Seiten, Überzeugungen und Lebensweisen lachen kann, um zu demonstrieren, daß es ihn nicht zerstört. Das ist etwas, das Patienten und viele Therapeuten offensichtlich vergessen haben.“

Humor ist zudem ein wichtiger Ausdruck, um „Gleichgewicht und Perspektive zu behalten“, „Leute lachen, um nicht zu weinen“ (vgl. Farrelly / Brandsma, 1986, S.128) verdeutlicht diese Aussage. Er kommt nicht nur zum Vorschein, wenn Leute versuchen, die Traurigkeit in sich zu verbergen oder zu unterdrücken. Humor gibt uns auch die Möglichkeit, das „[…] Gleichgewicht, Augenmaß und die psychologische Distanz in der Vielfalt unseres Lebens zu behalten.“ (ebd. Farrelly / Brandsma, 1986, S.128). Dieses Verhalten kommt oft zum Vorschien, wenn man sich lange an eine Idee, Glaubenssatz oder eine Vorstellung geklammert hat, von der man am Ende aber enttäuscht wird. Unsicherheit kann den Klienten auch dazu bringen, seine Einstellung oder die Vorstellung seiner Wirklichkeit noch einmal mit mehr Sorgfalt zu prüfen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Provokative Therapie nach Frank Farrelly. Eignet sich diese Therapie in dem Feld der Beratung, spezialisiert auf Einzelgesprächsführung?
Hochschule
Hochschule Fresenius; Hamburg
Note
1,7
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V412004
ISBN (eBook)
9783668637177
ISBN (Buch)
9783668637184
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frank Farrelly, Provokative Gesprächsführung, Beratung, Einzelgesprächsführung
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Provokative Therapie nach Frank Farrelly. Eignet sich diese Therapie in dem Feld der Beratung, spezialisiert auf Einzelgesprächsführung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412004

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