Öko Business. Greenwashing oder neues Geschäftsmodell?


Facharbeit (Schule), 2017

37 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Maßnahmen zur Förderung der ökologischen Nachhaltigkeit
2.1 OekoBusiness Wien
2.2 Getätigte Maßnahmen und dadurch erzielte Einsparungen

3 Ökologische Verantwortung der Global Player
3.1 Stellungnahme zu aktuellen Geschehnissen
3.2 Implementierung in deren Produktionskette
3.3 Beschreibung der internationalen Auswirkungen

4 Startups
4.1 FlixBus
4.1.1 Erfolgsweg und Geschäftsidee
4.1.2 Nachhaltigkeitsgedanke
4.1.3 Aktuelle Entwicklungen
4.2 Locomore
4.2.1 Gründung und Geschäftsidee
4.2.2 Nachhaltigkeitsgedanke
4.2.3 Aktuelle Entwicklungen

5 Bedeutung des Online-Marketings
5.1 Erklärung der Funktionsweise einzelner Instrumente
5.2 Bedeutung für Startups
5.3 Nutzen und Erfolgspotentiale

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Anhang

1 Einführung

Ökologisches Schaffen wird in unserer heutigen, digitalisierten und vernetzten Welt ein immer bedeutender werdendes Anliegen der Gesellschaft - sei es in Politik und Wirtschaft auf der einen Seite, oder beim Konsumentenverhalten auf der anderen. Die jeweiligen Umweltleistungen der Unternehmen unterscheiden sich grundlegend und sind oftmals sogar entscheidend für deren wirtschaftlichen Erfolg. Allgemein wird in einer Volkswirtschaft stets eine gesellschaftliche Wohlstandsvermehrung angestrebt, was zwangsweise mit dem wirtschaftlichen Wachstum gleichgestellt wird. Der Begriff Wachstum wird konventionell mit einer materiellen, quantitativen Zunahme einer Größe verbunden und lässt sich auf diese Weise nur noch schwer mit einer nachhaltigen Entwicklung vereinbaren, da die natürliche Umwelt in ihren Ressourcen endlich begrenzt ist.1 Nachhaltigkeitsmaßnahmen sollten in erster Linie das jeweilige Unternehmen langfristig auf den Markt ausrichten und die Weichen für ein komplikationsloses Weiterbestehen im Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung stellen.2 Jedoch bereiten solche Investitionen zugleich hohe Kosten und es lassen sich verschiedene Motive für Umweltleistungen in den Unternehmen identifizieren. Allgemein wird zwischen heteronomen und autonomen Beweggründen unterschieden. Letzteres beschreibt hierbei die freiwillige, vorbeugende Entschärfung von Konflikten und wird beispielsweise oft aus Liebe zur Natur oder mit dem Wunsch, die Artenvielfalt und die Schönheit der Natur für die nachfolgenden Generationen zu gewährleisten, betrieben. Da dieses Motiv allerdings sehr kostspielig und auch nur in geringem Maße die kurzfristige Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens fördert, sind überwiegend heteronome Motive Gründe für die Durchsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Diese werden wiederum auf Markt, gesellschaftliche Gruppen und Staat aufgespalten. Der Markt steht hierbei für die Nachfrage nach umweltfreundlichen Gütern oder sowohl für die externen Interessen wie Imageverbesserung, Bildung strategischer Allianzen und Standortsicherung, als auch für die internen Anlässe wie Forschung und Entwicklung, Verbesserung der Motivation und der Förderung von Innovations- und Arbeitsklima. Gesellschaftliche Gruppen bilden beispielsweise Parteien und Gewerkschaften, um zur Teilnahme am Umweltpakt aufzufordern oder um zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen aufzurufen. Staatliche Institutionen erlassen andererseits Gesetze oder fordern höhere Umweltabgaben, um sich auch auf politischer Ebene für eine nachhaltige Entwicklung zu engagieren.3 All diese heteronomen Einflüsse hat jedes Unternehmen umzusetzen, da sonst eine langfristige Beteiligung auf dem Markt nicht möglich wäre. Die autonomen Maßnahmen hingegen werden nicht vom Gesetzgeber verlangt und dienen nur der eigenen Besserstellung gegenüber den Konkurrenten. Explizit auf solche Unternehmen, welche sich mit besonderem Ehrgeiz für die Umwelt einsetzen und auf ökologische Maßnahmen vertrauen, werde ich im späteren Verlauf ganz besonders eingehen. Inwieweit ein solches Leitbild den unternehmerischen Erfolg fördern kann, werde ich anhand von praxisnahen Beispielen aus der Wirtschaft darlegen.

2 Maßnahmen zur Förderung der ökologischen Nachhaltigkeit

In nahezu jedem Betrieb sind Kosteneinsparungen durch umweltschonende Maßnahmen möglich. Dabei wird in den meisten Fällen der Abfall reduziert, und sowohl der Energie- als auch der Ressourcenaufwand minimiert.4 Solche Investitionen bringen viele Vorteile mit sich. Zum einen wird das für den Wettbewerb essentielle Image verbessert, steigert zugleich die eigene Rechtssicherheit und vereint damit die Ziele für das Unternehmen. Zum anderen aber profitieren zugleich Umwelt und Wirtschaft, da schädliche Umweltauswirkungen verringert werden und das Wirtschaftswachstum vom ansteigenden Ressourcenverbrauch entkoppelt wird. Im Folgenden soll zunächst auf ein erfolgreiches Beratungsprogramm der Stadt Wien näher eingegangen werden, welches sich es als Ziel setzt, saubere Gewinne für Umwelt und Unternehmen durch ökologisches Wirtschaften zu erzielen.5

2.1 OekoBusiness Wien

OekoBusiness Wien ist eines der Leitprojekte der Wiener Nachhaltigkeitskoordinationsstelle und ist eng mit vergleichbaren Initiativen auf der ganzen Welt vernetzt, um den Wissenstransfer zu Stadt- und Regionalverwaltungen im In- und Ausland voranzutreiben. Über 1.100 Wiener Betriebe sind Teil des Netzwerks und haben sich bereits einmal oder mehrmals von OekoBusiness Wien beraten lassen und erkannt, dass sich umweltschonende Maßnahmen auch wirtschaftlich rechnen.6 Um der Vielfalt der Wiener Unternehmen gerecht zu werden, gibt es bei OekoBusiness Wien Angebote für unterschiedliche Betriebsgrößen und Branchen. Ziel ist es, die Effizienz und Sparsamkeit durch nachhaltiges Wirtschaften zu fördern. Im Rahmen des Projektes zeichnet die Stadt Wien alljährlich Unternehmen aus, die sich durch besonders innovative Umweltprojekte auszeichnen. Damit würdigt die Stadt betriebliche Projekte und Ideen, mit denen Energie, Abfall und Ressourcen eingespart werden. Von diesen Wettbewerben und Preisen profitieren alle teilnehmenden Unternehmen ganz besonders, da diese Auszeichnungen sowohl von Politik und Wirtschaft, als auch von den Verbrauchern geschätzt werden und indirekt für Marketingzwecke benutzt werden können.7

2.2 Getätigte Maßnahmen und dadurch erzielte Einsparungen

„ Umwelt und Wirtschaft sind längst kein Widerspruch mehr. Im Gegenteil, es handelt sich um eine Win-Win-Situation für beide Seiten “ 8 - so die Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima. Sie ist eine von vielen, die das Angebot von OekoBusiness Wien nur gutheißen kann. Die Neuerungen in den einzelnen Unternehmen reichen hierbei von Systemoptimierungen, über wiederverwendbare Ressourcen bis hin zu intelligenten Heizungsverfahren. Jedes einzelne der über 10.000 Umweltprojekte, welche bereits von den Betrieben umgesetzt wurden, hat einen positiven Einfluss auf unsere Umwelt und zugleich auf die Betriebskosten. Beispielsweise hat sich eine Druckerei aus Melk in Österreich dieses Anliegen ganz besonders zu Herzen genommen und setzt vor allem auf Recycling, abbaubare Materialien und nachhaltiges Wirtschaften. So konnten 2004 rund 258 Tonnen CO2 eingespart werden, indem das Unternehmen ausschließlich Ökostrom aus Wasser-, Wind-, Biomasse- und Sonnenkraft einsetzte. Die Büroräume werden mit Abluft aus der Maschinenhalle beheizt, bei der Produktion vorzugsweise Papiere mit Umweltzeichen sowie biologisch abbaubare Druckfarben und Lacke auf pflanzlicher Basis eingesetzt. Auch bei der Reinigung der Maschinen wird darauf geachtet, biologisch abbaubare Reinigungsmittel und Mehrwegtücher zu verwenden. Selbst in der Betriebsküche werden Zutaten aus regionalem, kontrolliert- biologischem Anbau sowie Fair-Trade-Produkte verwendet. Dieses ganzheitliche Konzept wurde im April 2005 sogar mit dem Golden Pixel Award ausgezeichnet.9

Als günstige Ökoenergie vermarktet seit 2004 die Firma Stallinger ihre Holzbriketts. Als Rohstoffe werden dafür ausschließlich reine Hobelspäne aus mitteleuropäischem Nadelholz verpresst und ohne Bindemittel verarbeitet. Holzbrennstoffe wie dieser liegen derzeit immerhin um bis zu 50 Prozent unter dem Preisniveau von Erdöl. Damit schont Ökoenergie nicht nur die Umwelt, sondern auch das Budget.10 Damit gehen die Ziele aller Beteiligten auf - sowohl für die Umwelt, als auch für das investierende Unternehmen. Dabei bleibt jedoch noch immer ungeachtet: der ideelle Imageeinfluss, der für das Konsumentenverhalten und somit für den wirtschaftlichen Erfolg grundlegend von großer Bedeutung ist.

„ Die von den Betrieben erarbeiteten freiwilligen Maßnahmen rechnen sich. Bereits im Zeitraum von zwei Jahren haben sich die meisten Investitionen in den Umweltschutz für den Betrieb amortisiert. “ 11

3 Ökologische Verantwortung der Global Player

Die Globalisierung ist in der heutigen Zeit ein Themengebiet, das in der öffentlichen Diskussion und in den Medien sehr präsent ist. In den letzten Jahren haben sich jedoch in Deutschland verstärkt Ängste und Sorgen unter der Bevölkerung verbreitet. Globalisierung wird häufig mit steigendem internationalen Konkurrenzdruck, Mehrarbeit und Arbeitsplatzverlust in Verbindung gebracht.12 Der steigende Konkurrenzdruck für kleine und mittelständische Unternehmen bewirkt eine zunehmende Herausbildung weltweit agierender multinationaler Unternehmen13, da oftmals das notwendige Kapital für Standortverlagerungen oder Outsourcing-Programme fehlt. Aus diesem Grund kommt es vermehrt zu feindlichen Übernahmen.14 Seit den 1970er-Jahren hat sich die Zahl der transnationalen Unternehmen mehr als verfünffacht. Allein zwischen 1990 und 2008 stieg die Gesamtzahl der TNK15 von rund 35.000 auf 82.000, während zeitgleich die Anzahl der Tochterunternehmen der TNK sogar von 150.000 (1990) auf mehr als 800.000 (2008) emporschoss. Im Zuge von zahlreichen Fusionen nimmt die Zahl der multinationalen Unternehmen weiter zu. Zwei Drittel des Weltmarktes werden durch die TNK beherrscht. Eine Gruppe von Firmen aus 16 Staaten wickelt mehr als 70 % aller Exporte ab. Diese Gruppe setzt sich ausschließlich aus Unternehmen westeuropäischer, nordamerikanischer und asiatischer Staaten zusammen. Die fünf weltweit größten Global Player sind Apple, Exxon Mobil, Berkshire Hathaway, Google und Microsoft - deutsche Firmen sind mit Volkswagen auf dem 49. und Bayer auf dem 50. Platz vertreten.16 Die daraus entstehenden Folgen, wie beispielsweise Standortverlagerungen in andere Länder, bewirken gravierende Missstände für alle Beteiligten (Menschen, Unternehmen, Staat) in den Ländern der Dritten Welt. Des Weiteren gibt es sowohl in den Industriestaaten wie auch in den armen Regionen nichtökonomische Auswirkungen (vor allem soziale und ökologische) in zahlreichen Lebensbereichen, die letztlich bis zu einer Bedrohung der Menschheit durch eine Klimakatastrophe sowie Armut, Krankheit und Hunger für Millionen Menschen reichen.17

3.1 Stellungnahme zu aktuellen Geschehnissen

Seit dem Jahr 2015 spitzt sich die Diesel-Affäre immer weiter zu - auf Kosten der deutschen Autobauer. Im September 2015 hatte der VW-Konzern eingestanden, bei Abgastests mithilfe einer Software die Ergebnisse für Dieselwagen manipuliert zu haben. Diese Software erkennt, wenn ein Auto auf dem Prüfstand getestet wird und schaltet den Motor dann in einen Modus um, in dem er deutlich weniger Stickoxide ausstößt. Weltweit ging es um etwa elf Millionen Autos der Konzernmarken VW-Pkw, VW-Nutzfahrzeuge, Audi, Seat und Skoda. Ungefähr eineinhalb Jahre später kommen nun auch Autobauer wie Daimler, BMW und Porsche ins Visier des Kartellamtes und müssen sich vor Gericht wegen zu hohen Abgaswerten rechtfertigen. Der Skandal um manipulierte Abgaswerte hat dem Volkswagen-Konzern allein im dritten Quartal 2015 Milliardenverluste eingebracht. Deren EBIT-Kennzahl18 vermerkte ein Minus von rund 3,5 Milliarden Euro, unter dem Strich lag das Ergebnis bei minus 1,7 Milliarden Euro. Dies war der erste Quartalsverlust für Volkswagen seit mehr als 20 Jahren. Nur durch den Verkauf der gehaltenen Suzuki-Anteile konnte VW 1,5 Milliarden Euro als positiven Sondereffekt im Finanzergebnis aufweisen und dadurch die Diesel-Folgen ein wenig lindern.19 „ Bereits ohne die Sammelklagen könnten auf Volkswagen Kosten von rund 50 Milliarden Euro zukommen, im schlimmsten Falle müsse VW sogar mit bis zu 100 Milliarden Euro rechnen “ - so der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Marcel Fratzscher, „ allerdings würde die Summe nicht auf einen Schlag fällig. “ 20

Auch an der Börse hat VW innerhalb weniger Tage einen großen Absturz in Kauf nehmen müssen, was darauf schließen lässt, dass sich Aktionäre hintergangen fühlten und kein Vertrauen mehr in die Marke hatten. Somit stürzte der Unternehmenswert von 167,90 € auf 130,30 € innerhalb von rund 50 Stunden (vgl. Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Absturz der VW-Aktie im Hintergrund des Diesel-Skandals (Quelle: SPIEGEL, aufgerufen am 30.08.2017)

Der Skandal rund um die Diesel-Affäre hat VW dabei nicht nur im materiellen Sinne - wie bisher beschrieben - geschadet, sondern er hat noch einen viel größeren, immateriellen Schaden angerichtet: das Vertrauen der Kunden in die deutschen Autobauer. Jahrzehntelang wurde mit sehr viel Ehrgeiz und Sorgfalt die Marke „Made in Germany“ herausgebildet, welche seither allen möglichen Ansprüchen in Qualität und Kundenzufriedenheit gerecht geworden ist. Angefangen mit Carl Benz, welcher bereits 1886 die Grundsteine mit dem ersten patentierten Automobil21 gelegt hatte, über die vielen erfolgreichen Entwicklungsjahre, bis hin zum größten Industriezweig der deutschen Wirtschaft. Dieser fatale Imageschaden wird, wenn überhaupt, nur über einen sehr großen Zeitraum wieder aufgehoben werden können. Dieser Vorfall betrifft also nicht nur die Autobauer, sondern die gesamtdeutsche Wirtschaft. Vor allem im Hintergrund des Klimawandels und dem steigenden Öko-Interesse, verliert Deutschland immer mehr an Glaubwürdigkeit und nimmt somit schwere Einbußen in Kauf.

In Hinsicht auf die Manipulation der Diesel-Abgaswerte bei weltweit elf Millionen Fahrzeuge bekräftigte der neue Vorstandschef Matthias Müller, dass Volkswagen die Abgaswerte seiner Fahrzeuge in Zukunft von externen, unabhängigen Forschern prüfen und bestätigen lassen wolle. Auch sollten Fahrzeuge stichprobenweise unter realen Straßenbedingungen getestet werden. Der Konzern mit seinen zwölf Marken werde bis 2020 rund 20 weitere Modelle mit Elektro- oder Hybridantrieb auf den Markt bringen, kündigte Müller an. Jedoch müsse die Politik die Unternehmen unterstützen, um die von den Kunden bisher kaum gefragten Elektroautos zum Erfolg zu machen. So brauche Europa schnellstmöglich ein flächendeckendes Netz an Schnell-Ladestationen. Das Vertrauen der Kunden werde nur wachsen, wenn es eine sichtbare und funktionierende Infrastruktur gebe.22

„ Anständiges Verhalten ist Voraussetzung dafür, wirtschaftlich nachhaltig erfolgreich zu sein “ 23 - so ein Zitat der früheren Bundesverfassungsrichterin Hohmann-Dennhardt. Genau diese Bedingung ist auch Voraussetzung dafür, dass ein Geschäftsmodell nicht unter Greenwashing fällt. Dies bezeichnet nämlich sämtliche Unternehmen, welche diesem in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image verleihen, ohne dass es dafür eine hinreichende Grundlage gibt.24 Volkswagen muss sich also dieses Vertrauen wieder Stück für Stück erarbeiten. Doch eine solche Versprechung ist in der Wirtschaft kein Einzelfall. Im Anhang finden Sie einen Artikel, welcher implizit dieses Problem veranschaulicht.

Im Hintergrund des Skandals hat Konzernvorstand Matthias Müller eine komplette Neuorientierung eingeleitet. Mit der „TOGETHER - Strategie 2025“ soll VW zu einem weltweit führenden Anbieter nachhaltiger Mobilität aufsteigen. Investitionen in Höhe von über 20 Milliarden Euro sind den Angaben zufolge geplant. Außerdem wurde eine Elektrifizierungsoffensive eingeläutet. Bis zum Jahre 2025 soll diese über alle Konzernmarken mehr als 30 neue Stromfahrzeuge auf den Markt bringen. Bereits 87 von rund 340 Modellvarianten sollen unter dem ab 2021 gültigen Grenzwert von 95 Gramm CO2/Kilometer liegen. Ferner wird seit Ende 2016 ein hauseigenes Nachhaltigkeitsmagazin veröffentlicht, welches in regelmäßigen Abständen über die Lehren aus dem Skandal und Zukunftsaussichten berichtet.25

3.2 Implementierung in deren Produktionskette

Aufgrund des schwerwiegenden Vorfalls baut Volkswagen die Produktion grundlegend um. Die bis 2018 gesetzten Einsparziele wurden bereits im zweiten Quartal 2017 erreicht und wurden deshalb erhöht. In den nächsten Jahren sollen Fahrzeuge und Komponententeile insgesamt um 45 Prozent umweltverträglicher gebaut werden als noch in 2010 - dem Referenzjahr des laufenden Umweltprogramms.26 Deren Ziel besteht darin, durch eine nachhaltige Umstellung von Produkt-Planung und Produktion und weiteren Maßnahmen Energie in all ihren Formen einzusparen.27 Seit 2010 wurden weltweit 5.300 Maßnahmen zur Verringerung von Emissionen und einer noch effizienteren Nutzung von Ressourcen umgesetzt. Dabei wurden beispielsweise 16 bestehende Lackierereien optimiert und der Grundenergiebedarf der Fabriken in produktionsfreien Zeiten im Schnitt um 15 Prozent gesenkt. Außerdem beziehen acht internationale Standorte bereits Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energiequellen - allerdings keiner davon in Deutschland. Innerhalb von sechs Jahren sollen insgesamt schon mehr als 130 Millionen Euro eingespart worden sein.

Bei der Verarbeitung von Kunststoffen in den neueren Modellen können besonders viele Energien und Werkstoffe, wie beispielsweise verschiedene Metalle, eingespart werden, da sich der Kunststoff-Anteil bei Automobilen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht hat. Da dieser Werkstoff leichter als die meisten Metalle ist, trägt es zu einem wesentlich niedrigeren Kraftstoffverbrauch bei.28

In Wolfsburg weist die Lackiererei gleich mehrere Neuerungen für einen sparsamen Betrieb auf29 - zu diesen zählen eine wasserfreie Reinigung der Bauteile, effiziente Strahldüsen, eine effektive Abscheidung von Stäuben aus der Abluft sowie eine energieeffiziente Zwischentrocknung der Bauteile bei tiefen Temperaturen um die 50 Grad. Die Einsparungen, welche von der neuen Lackiererei gegenüber der herkömmlichen Technik hervorgerufen wurden, sind beträchtlich: VW zufolge sind in zwei Jahren insgesamt 86.600 Kubikmeter Wasser (Einsparung von 91 Prozent), rund 77.000 Megawattstunden Strom (minus 51 Prozent), 7.800 Tonnen an Kohlenwasserstoffen (minus 17 Prozent), 285 Tonnen VOC- Abgase (minus 94 Prozent) sowie etwa 20,7 Tonnen Feinstaub (minus 99 Prozent) eingespart worden.

Darüber hinaus ist Wasser unabdingbar für eine nachhaltige und energieeffiziente Produktion. Viele Werke des VW-Konzerns befinden sich in Gegenden, die von akuter Wasserknappheit betroffen sind, beispielsweise Uitenhage in Südafrika, Cordoba in Argentinien oder Palmela in Portugal. Volkswagen ist es seit dem Jahr 2010 durch diverse Maßnahmen gelungen, den Gesamtbedarf an Frischwasser pro Fahrzeug von durchschnittlich 4,13 Kubikmeter auf knapp unter 3 Kubikmeter zu vermindern. Die Neuerungen sind teilweise simpel, führen in der Masse jedoch zu sehr großen Einsparungen. Im spanischen Werk Puebla wird beispielsweise mittels der Umkehrosmose30 Regenwasser für die Produktion genutzt und Abwasser gereinigt, in Salzgitter in Niedersachsen bereitet eine Recyclinganlage Abwasser als Nachsatzwasser für die Kühltürme des Werks auf und im indischen Pune bereitet ein moderner Biomembranreaktor Abwasser auf.31

Wie man den aufgeführten ökologischen Maßnahmen entnehmen kann, verwirklicht der VW- Konzern schon seit dem Jahr 2010 das Umweltprogramm „Think Blue. Factory.“ in deren Produktion und investiert mehr als nie zuvor in umweltschonende Produktionsverfahren.32 Diese Investitionen sind andererseits nötig, um das Vertrauen zu allen Beteiligten wiederherzustellen und um den Bezeichnungen als Greenwashing-Konzern endgültig ein Ende zu machen.

3.3 Beschreibung der internationalen Auswirkungen

Riesige Konzerne wie Volkswagen, Daimler und Co. haben die Möglichkeit, über den Grenzen hinweg auf freien Märkten zu agieren, und wiederum dies ermöglicht es, fernab der Regelungen der Demokratie Entscheidungen zu treffen. Sie haben sich lediglich an die Vorgaben der Staaten, in denen sie agieren, zu halten. Natürlich versuchen die Gesetzgeber, die Interessen ihrer Bevölkerung zu wahren, jedoch stehen sie in Abhängigkeit zu den Unternehmen. Die Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Kraft eines Staates hängt direkt von den Unternehmen ab, die in seinen Grenzen produzieren und der Bevölkerung Arbeit geben. Seitdem die Globalisierung eingetreten ist, stehen sie dabei in Konkurrenz mit den anderen Staaten. Setzt nun ein Staat besonders harte Vorschriften durch, so kann ein Unternehmen seinen Sitz einfach in ein anderes Land verlegen, welches somit wiederum von diesem Unternehmen profitiert. Des Weiteren sorgt der Konkurrenzkampf zwischen den multinationalen Unternehmen dafür, dass diese dazu gezwungen sind, ihre Effektivität zu maximieren.33 Dies geschieht somit zwangsweise durch niedrige Löhne für die Arbeiter sowie teilweise gewissenlosem Umgang mit der Erde und ihren Ressourcen. Auf der Suche nach maximalem Profit lassen Global Player Fabriken in Schwellenländern errichten, in denen sie die Hilflosigkeit der dortigen Arbeiter ausnutzen. Sie zerstören die lokalen Strukturen und bieten der arbeitslosen, hungernden Bevölkerung eine Möglichkeit, ihr Überleben zu sichern - unter niedriger Bezahlung. Ein Schutz für die Arbeitnehmer existiert nicht oder wird durch die Konzerne umgangen, wodurch die Arbeiter oft zwölf Stunden am Tag für einen Euro Verdienst arbeiten.34 Außerdem werden Wälder gerodet, um Platz für Ackerbau zu schaffen, Böden durch Chemikalien unbrauchbar gemacht und Meere leergefischt, weil moralische Aspekte ebenso wie die Kontrolle von Institutionen oder Staaten in den riesigen Konzernen kaum zum Tragen kommen.35

Lediglich eine Instanz kann den aufsteigenden Konzernen Einhalt gebieten: die Nachfrage. Das zunehmende Bewusstsein der Menschen über die Probleme der laufenden Globalisierung hat dazu geführt, dass die Global Player stark auf den Ruf bei ihren Kunden achten müssen. Käme es in die Schlagzeilen, dass ein Unternehmen besonders schlechte Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken tolerieren lässt, so würde sich dies negativ auf den Umsatz niederschlagen. Das Unternehmen müsste nun reagieren und ihren Kurs im Umgang mit den Arbeitern neu überdenken.36

Die Nachfrage ist außerdem der Grundbaustein, auf dem jede noch so kleine und unbedeutende wirtschaftliche Aktion basiert. Sie ist des Weiteren Grundlage für die Existenz eines Wettbewerbs. Deswegen ist es umso wichtiger, dass jeder einzelne Marktteilnehmer ehrlich und zugleich transparent agiert, sodass jedem dieselben Chancen und Möglichkeiten geboten werden.37 Dies wurde im Fall der Diesel-Affäre keineswegs berücksichtigt und es stellte sich hierbei ein klarer Verlierer heraus: die Kunden. Da mittlerweile noch andere Autobauer hinters Licht geführt wurden, steigt die Anzahl der betroffenen Menschen immer weiter. Letzten Endes nehmen alle Beteiligten Schaden daran, da durch die Manipulation unsere Umwelt beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen wird.

Abschließend kann man sagen, dass die Entscheidungen der Global Player für alle Menschen weltweit Auswirkungen haben und jeder dies zu spüren bekommt - sei es über die Politik, im Konsumgüterkauf oder eventuell sogar im eigenen Arbeitsleben.38

4 Startups

Der folgende Abschnitt wird sich um alles Wissenswerte aus dem Bereich der Startups drehen, welche sich die ökologische Nachhaltigkeit zum Leitsatz ihres Geschäftsmodells gemacht haben. Immer mehr junge Unternehmer vertrauen auf dieses Modell und wollen so eine vernetzte, digitale und vor allem grüne Welt schaffen. Im Folgenden werden die beiden Startups FlixBus und Locomore genauer unter die Lupe genommen - vor allem in Hinsicht auf Geschäftsidee, Nachhaltigkeitsgedanke und deren Bestehen auf dem Personenbeförderungsmarkt, welcher sich ja ganz besonders den Hürden des stärker werdenden Ökologiedenkens stellen muss.

4.1 FlixBus

Die FlixMobility GmbH, welche unter dem Namen FlixBus bekannt ist, wurde 2011 unter dem Namen GoBus von Jochen Engert, Daniel Krauss und André Schwämmlein gegründet, welche schon vor ihrer Gründung in dieser Branche Erfahrungen sammeln haben können und sich während ihres Studiums kennengelernt haben. Anfang 2013 wurde das Unternehmen in FlixBus unbenannt.39

4.1.1 Erfolgsweg und Geschäftsidee

Die Erfolgsgeschichte des Fernbus-Startups begann mit einer Gesetzesänderung. Über 70 Jahre lang hatte die Deutsche Bahn die Monopolstellung auf Fernreisen inne. Als sich die Gesetzeslage im Jahr 2013 änderte, drängten gleich mehrere junge Unternehmen auf den Fernbus-Markt. Bereits im Jahr 2011 hatten die drei FlixBus-Gründer auf die Lockerung der Gesetzgebung spekuliert und haben sich deswegen schon zwei Jahre lang vorbereiten können. Trotzdem brachte der Konkurrent MeinFernbus mit einer Ausnahmeregelung schon 2012 die ersten Busse auf die Straße und konnte so schon frühzeitig auf die Liberalisierung des Marktes mit weiteren Streckenangeboten reagieren. FlixBus zog erst im Februar 2013 mit seiner ersten Buslinie nach.40

Die Fahrtabwicklung erfolgt hierbei durch lokale mittelständische Busunternehmen. Einige Strecken werden über ein dem Codesharing41 vergleichbares Verfahren von diversen anderen Anbietern ins eigene Buchungssystem übernommen, d. h. Fahrtrouten und -ziele werden in einem ganzheitlichen Pool zusammengeführt. Ende 2016 wurde bekannt, dass FlixBus unter seiner Flagge rund 1.000 Busse fahren lässt. Diese sind, bis auf einen einzigen eigenen Bus, Eigentum von rund 250 mittelständischen Partnerbetrieben, davon 150 in Deutschland. FlixBus selbst entwickelt dabei das Netz, organisiert den Betrieb und wickelt die Buchungen ab. Das Unternehmen verbindet Groß- und Mittelstädte über täglichen Linienverkehr mit einem flächendeckenden Liniennetz. FlixBus wirbt des Weiteren mit komfortablen Bussen inklusive Bord-WC, dem Verkauf von Snacks und Getränken und kostenlosem WLAN. Tickets werden primär über die eigene Onlineplattform vertrieben sowie über zahlreiche Reisebüros und in einzelnen Städten auch über eigene FlixBus-Stores. 2013 präsentierte FlixBus als erster Anbieter am deutschen Markt seine eigene Mobile App. Anhand dieser wird eine Buchung mittels mobiler Endgeräte ermöglicht und informiert zugleich über Verspätungen, die nächsten Abfahrtszeiten und die Lage der Haltestellen.42

Etwas später trat mit der Deutschen Post ein finanzstarker Konkurrent in den Markt ein.

[...]


1 Vgl. GÜNTHER u.a. 2000, S. 21

2 Vgl. TERRA INSTITUTE, aufgerufen am 31.10.2017

3 Vgl. STAHLMANN u.a. 2004, S. 33

4 Vgl. UMWELTBERATUNG, aufgerufen am 31.10.2017

5 Vgl. OEKOBUSINESS WIEN, aufgerufen am 30.10.2017

6 Vgl. OEKOBUSINESS WIEN, aufgerufen am 29.08.2017

7 Vgl. OEKOBUSINESS WIEN, aufgerufen am 29.08.2017

8 RIEGLER 2005, S. 33

9 Vgl. RIEGLER 2005, S. 32

10 Vgl. RIEGLER 2005, S. 33

11 RIEGLER 2005, S. 33

12 Vgl. SCHEIDE 2008/09, S. 1

13 Vgl. ELLRICH u.a. 2004, S. 2

14 Vgl. GLOBALISIERUNG FAKTEN, aufgerufen am 30.10.2017

15 TNK: transnationale Konzerne; arbeiten unabhängig von nationalen Grenzen

16 Vgl. ELLRICH u.a. 2004, S. 3

17 Vgl. KUBISS, aufgerufen am 30.08.2017

18 EBIT (engl. earnings before interest and taxes): Gewinn vor Zinsen und Steuern

19 Vgl. ZEIT ONLINE, aufgerufen am 30.08.2017

20 ZEIT ONLINE, aufgerufen am 30.08.2017

21 Vgl. DAIMLER, aufgerufen am 14.10.2017

22 Vgl. REUTERS 2016, S. 4

23 WISCHNIEWSKI 2016, S. 7

24 Vgl. PWC, aufgerufen am 30.08.2017

25 Vgl. WISCHNIEWSKI 2016, S. 9

26 Vgl. DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN, aufgerufen am 30.09.2017

27 Vgl. VERKEHRSRUNDSCHAU, aufgerufen am 31.10.2017

28 Vgl. DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN, aufgerufen am 30.09.2017

29 Vgl. WAZ ONLINE, aufgerufen am 31.10.2017

30 Umkehrosmose: physikalisches Verfahren zur Konzentrierung von in Flüssigkeiten gelösten Stoffen

31 Vgl. DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN, aufgerufen am 30.09.2017

32 Vgl. AUTOMOBIL INDUSTRIE, aufgerufen am 31.10.2017

33 Vgl. GLOBALISIERUNG FAKTEN, aufgerufen am 30.08.2017

34 Vgl. BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG, aufgerufen am 31.10.2017

35 Vgl. GLOBALISIERUNG FAKTEN, aufgerufen am 30.08.2017

36 Vgl. GLOBALISIERUNG FAKTEN, aufgerufen am 02.09.2017

37 Vgl. WIRTSCHAFTSLEXIKON24, aufgerufen am 31.10.2017

38 Vgl. GLOBALISIERUNG FAKTEN, aufgerufen am 02.09.2017

39 Vgl. FLIXBUS, aufgerufen am 31.08.2017

40 Vgl. WEIMER 2017, S. 1

41 Codesharing: ursprünglich ein Verfahren im Luftverkehr; Fluggesellschaften teilen sich Linienflug

42 Vgl. BERLINER MORGENPOST, aufgerufen am 18.10.2017

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Öko Business. Greenwashing oder neues Geschäftsmodell?
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
37
Katalognummer
V412007
ISBN (eBook)
9783668641792
ISBN (Buch)
9783668641808
Dateigröße
921 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Öko Business, Greenwashing, Geschäftsmodell, Unternehmen
Arbeit zitieren
Jonas Rosenberger (Autor), 2017, Öko Business. Greenwashing oder neues Geschäftsmodell?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412007

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