Nach einigen methodischen Vorüberlegungen zu den Anforderungen beim Aufstellen einer Definition werde ich die Satzdefinition(en) der Dudengrammatik vorstellen und anschließend unter Einbezug realer Beispielsätze kritisch beleuchten. Aus Platzgründen wird es nicht möglich sein, auf alle Kritikpunkte einzugehen, weshalb sich diese Arbeit auf die zentralen Punkte beschränken muss. Im abschließenden Fazit erörtere ich neben einer Zusammenschau der Ergebnisse die Frage, inwieweit eine zukünftige Beschäftigung mit dem Problem der Satzdefinition überhaupt sinnvoll ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Das Problem der Satzdefinition
2. Hauptteil
2.1. Methodische Vorüberlegungen: Kriterien für eine korrekte Definition
2.2. Die Satzdefinition der Duden-Grammatik
2.3. Kritische Betrachtung
2.4. Anwendung
3. Fazit: Quo vadis, Satzdefinition?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die in der Duden-Grammatik enthaltenen Satzdefinitionen, um deren theoretische Konsistenz, praktische Anwendbarkeit und wissenschaftliche Präzision im linguistischen Kontext zu bewerten.
- Analyse der methodischen Anforderungen an eine wissenschaftliche Satzdefinition
- Gegenüberstellung und Prüfung der drei in der Duden-Grammatik angeführten Definitionsansätze
- Kritische Beleuchtung der logischen Zirkularität und der terminologischen Unschärfe
- Anwendung der Duden-Definitionen auf reale Sprachbeispiele aus dem Korpus "Das Wetter vor 15 Jahren"
Auszug aus dem Buch
2.4. Anwendung
Bei aller Kritik an Aufbau, Wortwahl und Logikfehlern darf nicht außer Acht geraten, dass Definitionen erst in ihrer Anwendung wirksam werden. Nur durch Konfrontation mit Beispielen wird ersichtlich, ob sie sich bewähren und wie sie in Zweifelsfällen entscheiden, in diesem Fall zwischen Satz und Nicht-Satz. Aus Platzgründen kann die Anwendung nur skizziert werden, es wird jedoch deutlich, dass jeder der Definitionsansätze hierbei auf eigene Weise problematisch ist.
Abgesehen von eigenen Beispielen dient als Korpus der Roman „Das Wetter vor 15 Jahren“ von Wolf Haas. Durch die besondere Form des (fiktiven) Interviews enthält das Buch zahlreiche elliptische Sätze und andere Sonderfälle. Im Folgenden sind für die Beispiele aus dem Buch jeweils die Seitenzahlen in Klammern angegeben. Eigene Beispiele werden nicht markiert.
Erste Definition
„Ein Satz ist eine Einheit, die aus einem Prädikat mit finitem Verb und allen zugehörigen Satzgliedern besteht.“
Bei „prototypischen“ Sätzen ist die Anwendbarkeit gegeben. Man kann mit dieser Definition als „Schablone“ den Text absuchen und findet viele Beispiele, so etwa: „Ich habe Herrn Kowalski zum ersten Mal bei seinem Fernsehauftritt gesehen“ (S. 11). Das Prädikat besteht aus dem finiten Verb „habe“, das mit „gesehen“ ein vollständiges Prädikat ausbildet. Gefordert werden eine Nominativ-Ergänzung (Subjekt) und eine Akkusativ-Ergänzung (direktes Objekt), die durch „ich“ und „Herrn Kowalski“ realisiert sind. Die beiden Angaben zu Zeit und Ort („zum ersten Mal“ und „bei seinem Fernsehauftritt“) sind ebenfalls als Satzglieder (in diesem Fall adverbiale Bestimmungen) zu bezeichnen, sodass die Definition hier ideal passt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Problem der Satzdefinition: Die Einleitung beleuchtet die langjährige Schwierigkeit der Linguistik, eine konsensfähige Satzdefinition zu etablieren, und führt den Ansatz der Duden-Grammatik als zentralen Untersuchungsgegenstand ein.
2. Hauptteil: Der Hauptteil umfasst die methodischen Grundlagen, die Darstellung der drei Duden-Definitionen, deren kritische Reflexion hinsichtlich logischer Konsistenz sowie ihre praktische Überprüfung anhand eines literarischen Korpus.
2.1. Methodische Vorüberlegungen: Kriterien für eine korrekte Definition: Dieses Kapitel definiert die Anforderungen an wissenschaftliche Begriffsbestimmungen, insbesondere die Notwendigkeit begrifflicher Klarheit sowie die Vermeidung von Zirkularität und logischen Regressen.
2.2. Die Satzdefinition der Duden-Grammatik: Hier werden die drei verschiedenen Ansätze der Duden-Grammatik vorgestellt, die von der Bestimmung über das finite Verb bis hin zur Beschreibung als "größte Einheit" der Syntax reichen.
2.3. Kritische Betrachtung: Das Kapitel analysiert die Schwächen der Duden-Definitionen, insbesondere die mangelnde Differenzierung von Begriffen und die Problematik der Zirkularität, bei der das Definiendum bereits im Definiens vorausgesetzt wird.
2.4. Anwendung: In diesem Kapitel werden die theoretischen Ansätze der Duden-Grammatik anhand von Beispielsätzen aus Wolf Haas' Roman "Das Wetter vor 15 Jahren" auf ihre praktische Tauglichkeit geprüft.
3. Fazit: Quo vadis, Satzdefinition?: Das Fazit resümiert die Unzulänglichkeiten der untersuchten Definitionen und erörtert, ob eine rein linguistische Bestimmung des Satzes in Anbetracht der intuitiven Sprecherkompetenz und sprachlicher Vielfalt überhaupt erstrebenswert oder möglich ist.
Schlüsselwörter
Satzdefinition, Duden-Grammatik, Syntax, Linguistik, Zirkularität, Satzglieder, finites Verb, Sprachwissenschaft, Definitionskritik, Ellipse, grammatikalische Beschreibung, Sprachnorm, Satzbegriff, Satzäquivalente, theoretische Modellierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Analyse der Satzdefinitionen, wie sie in der Duden-Grammatik dargestellt werden, und untersucht deren theoretische Belastbarkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Methoden der Begriffsdefinition in der Grammatik, die formale Syntax sowie die praktische Anwendung linguistischer Kategorien auf elliptische und nicht-prototypische Sprachstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Qualität und Anwendbarkeit der Duden-Definitionen zu prüfen und herauszufinden, ob sie den wissenschaftlichen Ansprüchen an Präzision und logische Konsistenz gerecht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine kritische Literaturanalyse in Kombination mit einer empirischen Überprüfung anhand eines Sprachkorpus aus der Gegenwartsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in methodische Vorüberlegungen, die detaillierte Vorstellung der drei Duden-Satzdefinitionen, deren theoretische Kritik und die exemplarische Anwendung auf Texte des Romans "Das Wetter vor 15 Jahren".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Satzdefinition, Duden-Grammatik, Syntax, Zirkularität, Satzglieder, Sprachwissenschaft und linguistische Definitionen sind die zentralen Begriffe.
Warum wird die Duden-Definition als zirkulär kritisiert?
Die Autorin weist darauf hin, dass die Duden-Grammatik Begriffe zur Definition des Satzes heranzieht, die ihrerseits nur verständlich sind, wenn man bereits ein Vorverständnis vom Satz besitzt.
Welche Rolle spielt das "finite Verb" in den Definitionen?
Das finite Verb fungiert als wichtigstes, aber problematisches Kriterium, da es prototypische Sätze zwar gut beschreibt, jedoch bei Ellipsen oder satzwertigen Fügungen versagt.
- Citation du texte
- Lisa Maria Koßmann (Auteur), 2013, Die Satzdefinition der Duden-Grammatik. Eine kritische Betrachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412096