In dieser Arbeit soll der der Werdegang der DDR innerhalb der WVO erläutert werden. Dabei schließen sich unterschiedliche Fragestellungen an. Wie war das Pakt-System aufgebaut? Welche Position hatte die DDR inne? Und in wieweit hatte die Anbindung an die UdSSR Einfluss auf das Engagement Ostdeutschlandes? Es wird untersucht, ob die DDR ein gleichwertiges Niveau innerhalb des Warschauer Pakts erreichen konnte. Eine aufeinander aufbauende Analyse hat das Ziel, diese Fragen zu beantworten. Es soll geklärt werden, welche Umstände für die Gründung relevant sind und wie stark sich die UdSSR innerhalb dieses Bündnisses präsentierte. Erst im Anschluss daran kann die Beurteilung der DDR erfolgen, wobei zum einen die Militarisierung der Gesellschaft als Grundvoraussetzung illustriert wird, zum anderen sich eine tatsächliche Bestandsaufnahme der Stellung des zweiten deutschen Staates gegenüber seinen Partnerländern in vergleichender Perspektive anreiht. Zuletzt folgt das Thema der Beziehung zum „großen Bruder“ – der Sowjetunion, eine bilaterale Kooperation, die, wie keine andere, Einfluss auf das militärische, politische und gesellschaftliche Leben in Ostdeutschland ausübte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Warschauer Pakt
2.1 Gründung und Entwicklung des Warschauer Paktes
2.1.1 Anfangsjahre
2.1.2 Intensivierung der militärischen Kooperation
2.2 Politisch- rechtlicher Charakter und sowjetische Hegemonie
2.2.1 Vertragslage
2.2.2 Sowjetische Vormachtstellung
3. Die Deutsche Demokratische Republik im Warschauer Pakt
3.1 Die Militarisierung der DDR
3.2 Die Rolle der DDR im Warschauer Pakt.
3.2.1 Gleichberechtigter Partner?
3.2.2 Bilaterale Beziehungen zu anderen Bruderstaaten (Beispiele)
4. Die DDR und die Anbindung an die Sowjetunion
4.1 Rechtliche Bestimmungen und die GSSD
4.2 Unterordnung und Abhängigkeit gegenüber der UdSSR
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, den Werdegang der DDR innerhalb der Warschauer Vertragsorganisation zu untersuchen und dabei die spezifische Position Ostdeutschlands sowie dessen Anbindung an die Sowjetunion zu analysieren. Dabei wird insbesondere geklärt, ob die DDR innerhalb des Pakts ein gleichwertiges Niveau erreichen konnte oder ob die militärische und politische Hegemonie der UdSSR die Rolle der DDR maßgeblich dominierte.
- Struktureller Aufbau des Warschauer Pakt-Systems
- Militarisierung der DDR und Entwicklung der Nationalen Volksarmee (NVA)
- Die Rolle der Gruppe Sowjetischer Soldaten in Deutschland (GSSD) als Machtinstrument
- Bilaterale Beziehungen und Integrationsprozesse der DDR im Ostblock
- Politische Abhängigkeit und völkerrechtliche Einbettung in die sowjetische Allianz
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Sowjetische Vormachtstellung
Wie schon in Kapitel 2.1.1 bemerkt, muss die Gründung des Warschauer Paktes als sowjetische Offensive zur Machtfestigung interpretiert werden. Obwohl die „Bruderstaaten“ de facto einen ebenbürtigen Stand innerhalb der WVO besaßen, kann man eine militärische, institutionelle und politische Hegemonie der UdSSR feststellen.
Anhand der Truppenkontingente der Mitglieder offenbarte sich die erste Dominanz der UdSSR. Mit 5.130.000 Soldaten und 53.000 Kampfpanzern stellte die Sowjetarmee mit Abstand den größten Teil der Vereinten Streitkräfte. Zum Vergleich, die Polnische Volksarmee verfügte als zweitgrößte Militärinstanz lediglich über 402.000 Soldaten und 3.500 Kampfpanzer. Unterstützung fand diese herausragende Stellung mit weiteren Fakten: Nur die UdSSR produzierte und verfügte über Nuklearwaffen und strategische Bomber. Kampfflugzeuge, Kampfpanzer sowie weiteres schweres Kriegsgerät stammte aus sowjetischer Herstellung. Die Kampfmittelproduktionen der osteuropäischen Länder richteten sich zumeist nach dem russischen Vorbild oder wurden lediglich von der Sowjetunion in die Bruderstaaten verlegt.
Auch institutionell genoss die UdSSR Vorzüge in der WVO. Mit dem vereinigtem Sekretariat saß ein permanentes exekutives Organ in Moskau. Dazu war der Oberbefehlshaber des Vereinigten Kommandos der Streitkräfte immer sowjetischer General und damit ebenso Vorsitzender des 1969 gegründeten Militärrates, der als beratendes Organ dem Komitee der Verteidigungsminister und dem VKS zugeordnet war. Die strategisch wichtige Position als Chef des Stabes der Vereinten Streitkräfte, der primär die Arbeit und Verwaltung des Komitees der Verteidigungsminister übernahm, wurde ebenfalls stets mit einem sowjetischen Militär besetzt. Effekt dieser Besetzungspolitik: Nach dem Komitee der Verteidigungsminister als höchstes Organ des Warschauer Paktes besetzte die zweite, dritte und vierte Position fortwährend ein sowjetischen Führer. In Friedenszeiten unterstanden somit der sowjetischen Spitze alle sowjetischen Truppen in und außerhalb der UdSSR, sowie als Sonderfall alle militärischen Verbände der DDR.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die sicherheitspolitische Ausgangslage im Kalten Krieg und definiert die Forschungsfragen bezüglich der Rolle der DDR innerhalb der Warschauer Vertragsorganisation.
2. Der Warschauer Pakt: Dieses Kapitel behandelt die historische Entstehung, die rechtliche Struktur sowie die dominierende Rolle der Sowjetunion innerhalb des Militärbündnisses.
3. Die Deutsche Demokratische Republik im Warschauer Pakt: Hier wird der Prozess der Militarisierung der DDR beschrieben und untersucht, welche Rolle der ostdeutsche Staat innerhalb des Bündnisses einnahm.
4. Die DDR und die Anbindung an die Sowjetunion: Dieses Kapitel fokussiert auf die rechtliche und politische Abhängigkeit der DDR von der UdSSR, insbesondere durch die Präsenz der GSSD.
5. Resümee: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Integration der DDR im Kontext ihrer begrenzten nationalen Eigenständigkeit gegenüber der sowjetischen Vormacht.
Schlüsselwörter
Warschauer Pakt, DDR, NVA, Sowjetunion, GSSD, Militarisierung, Kalter Krieg, Sicherheitspolitik, Ostblock, Hegemonie, Verteidigungsausgaben, Bündnispolitik, Souveränität, Warschauer Vertragsorganisation, Waffenbrüderschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle der DDR innerhalb des Warschauer Paktes unter besonderer Berücksichtigung der engen militärischen und politischen Anbindung an die Sowjetunion.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Gründung und Struktur des Warschauer Paktes, die Militarisierung der DDR, die Rolle der GSSD sowie die bilateralen Beziehungen der DDR zu anderen sozialistischen Staaten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu erörtern, welche Position die DDR im Bündnis einnahm und inwiefern sie in der Lage war, ein gleichwertiges Niveau innerhalb des Warschauer Paktes zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor führt eine aufeinander aufbauende historische Analyse durch, die auf der Auswertung von Primärliteratur, Vertragstexten und Sekundärstudien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Strukturen des Warschauer Paktes, eine Analyse der Militarisierungsgeschichte der DDR und eine Betrachtung der spezifischen Abhängigkeitsverhältnisse zur Sowjetunion.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Hegemonie, Warschauer Vertragsorganisation, NVA, GSSD, Souveränität und Ost-West-Konflikt charakterisiert.
Welche Rolle spielte die GSSD in der DDR laut dem Autor?
Die GSSD fungierte als "Parallelmacht", die einerseits militärische Sicherheit bot, andererseits aber ein Instrument zur Kontrolle der DDR und zur Sicherung sowjetischer Interessen darstellte.
Wie bewertet der Autor die "Gleichberechtigung" der DDR im Bündnis?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die DDR zwar formell als Partner auftrat, aufgrund der militärischen und politischen Hegemonie der UdSSR sowie ihrer eigenen militärischen Abhängigkeit jedoch faktisch stark in ihrer nationalen Eigenständigkeit eingeschränkt war.
- Quote paper
- Stefan Rausch (Author), 2012, Die Rolle der DDR im Warschauer Pakt mit Blick auf die sowjetische Anbindung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412097