Nicht nur die Korrespondenz zwischen Richard Wagner und Franz Liszt macht deutlich, dass es sich beim Tragödienchor um ein Konzept handelt, das über die Jahrhunderte immer umstrittener wurde. Ungeachtet der Tatsache, dass auch moderne Dramatiker den Chor erfolgreich in ihren Stücken einsetzen, kommt häufig die Frage auf, ob diese Konstruktion aus der Antike nicht überholt ist und in jüngeren Dramen nur stört.
Um zu verstehen, welche Funktionen der Chor innerhalb der Tragödie erfüllen kann, lohnt es sich, zu den Ursprüngen zurückzugehen. Sophokles Antigone ist eines der frühesten Zeugnisse des Choreinsatzes im Drama, und die Analyse des Stücks gewährt unter anderem Einsichten in die Doppelrolle des Chores, die wir in jeder späteren Konzeption ebenfalls finden. Der Chor ist kein bloßer Mitspieler, und das macht die Betrachtung interessant.
Diese Arbeit befasst sich also mit den Ursprüngen des Chorpraxis bzw. -konzeption in der Antike und, davon ausgehend, mit dem Weiterwirken des antiken Chores in späteren Epochen. Hierbei sind besonders zwei Autoren zu berücksichtigen, die sich explizit auf die Antike beziehen; Schiller, indem er Sophokles und Aischylos zu seinen Vorbildern ernennt, und Brecht, indem er die Antigone einer neuen Bearbeitung unterzieht.
Um die Entwicklung des antiken Tragödienchores durch die Geschichte festzumachen, bedarf es freilich weit mehr als dieser drei Stationen, wofür der Rahmen dieser Arbeit jedoch deutlich zu knapp ist. Selbst bei den drei ausgewählten Autoren ist nicht der Raum für alle Details der Verwendung des Chores in der Tragödie gegeben, weshalb ich mich hauptsächlich auf folgende Leitfragen beschränke: Welche Funktion erfüllt der Chor in der Handlung der Tragödie? Welche Identität (z. B. Ältestenrat) nimmt er innerhalb des Stückes ein Welche Rolle hat der Chor für den Zuschauer bei der Aufführung?
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Der Chor der antiken Tragödie – Ursprünge und Weiterwirken
- 2.1. Der Chor der antiken Tragödie im 5. Jh. – eine Einführung
- 2.2. Erste Station: Sophokles - Antigone
- 2.3. Zweite Station: Friedrich Schiller - Die Braut von Messina
- 2.4. Dritte Station: Bertolt Brecht - Die Antigone des Sophokles
- 3. Fazit: Quo vadis, xopóç?
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Ursprünge und die Weiterentwicklung des Chores in der antiken Tragödie, mit besonderem Fokus auf die Werke von Sophokles, Schiller und Brecht. Sie befasst sich mit der Funktion des Chores innerhalb der Handlung, seiner Identität und Rolle für den Zuschauer sowie mit der Frage, ob der antike Chor in modernen Inszenierungen noch umsetzbar ist.
- Funktion des Chores in der Handlung
- Identität des Chores im Stück
- Rolle des Chores für den Zuschauer
- Entwicklung des Chores in der Geschichte
- Relevanz des antiken Chores in der Gegenwart
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung: Diese Einleitung führt das Thema des Chores in der antiken Tragödie ein und beleuchtet die historische Entwicklung des Konzepts. Sie stellt die Relevanz des Themas heraus und definiert die Leitfragen der Arbeit.
- Kapitel 2: Der Chor der antiken Tragödie - Ursprünge und Weiterwirken: Dieses Kapitel bietet einen Einblick in den Ursprung des Chores in der antiken Tragödie, erklärt seine Funktion und Rolle im Theaterraum.
- Kapitel 2.1: Der Chor der antiken Tragödie im 5. Jh. - eine Einführung: Dieser Abschnitt liefert eine grundlegende Erklärung des Chores im antiken Theaterraum, einschließlich seiner etymologischen Bedeutung und seiner Position in der antiken Theaterarchitektur.
- Kapitel 2.2: Erste Station: Sophokles - Antigone: Dieses Kapitel analysiert den Chor in Sophokles' Antigone und untersucht seine Funktionen in der Handlung sowie seine Beziehung zu den Figuren und dem Zuschauer.
- Kapitel 2.3: Zweite Station: Friedrich Schiller - Die Braut von Messina: Dieses Kapitel untersucht Schillers Interpretation des Chores in Die Braut von Messina und stellt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum antiken Modell heraus.
- Kapitel 2.4: Dritte Station: Bertolt Brecht - Die Antigone des Sophokles: Dieses Kapitel untersucht Brechts Bearbeitung der Antigone und analysiert, wie er den Chor in seiner Inszenierung einsetzt und wie er sich von den antiken und klassischen Interpretationen des Chores unterscheidet.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Themenbereiche antike Tragödie, Chor, Sophokles, Schiller, Brecht, Theaterraum, Dramaturgie, Funktion des Chores, Identität des Chores, Rolle des Chores für den Zuschauer, historische Entwicklung des Chores, Relevanz des Chores in der Gegenwart.
- Quote paper
- Lisa Maria Koßmann (Author), 2013, Der Chor in der antiken Tragödie. Ursprünge und Weiterwirken bei Friedrich Schiller und Bertolt Brecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412098