Der Deutsche Orden als Landesherr und der Preußische Bund


Seminararbeit, 2005

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Außensituation des Deutschen Ordens nach dem Jahr 1410

III. Die Ursachen des Preußischen Bundes
III. 1 Einschränkung ständischer Privilegien
III. 2 Herrschaftswillkür und Verweltlichung des Ordens
III. 3 Politik des Ordens und die historische Rolle der Stände im Ordensland

IV. Schlussbemerkungen

V. Quellen- und Forschungsliteraturverzeichnis

I. Einleitung

Die folgende Arbeit mit dem Titel „Der Deutsche Orden und der Preußische Bund“ versucht anhand der Analyse der Quelle „Orsachen des bundes“[1] darzustellen, dass die finanzielle Krise des Deutschen Ordens die Ursache für den Widerstand der Stände war, der sich in der Gründung des Preußischen Bundes manifestierte. Auch in Preußen gab es eine Ständekonstellation, die sich aus dem Klerus, dem Adel, dem Stadtbürgertum und den freien Bauern zusammensetzte. Wenn in der folgenden Arbeit von den Ständen gesprochen wird, so sind damit lediglich der Adel, das Stadtbürgertum und die freien Bauern gemeint. Allerdings spielten die Bauern nur eine unwesentliche Rolle im Preußischen Bund, werden aber in Quellenbeispielen oft erwähnt. Der Klerus bestand im Ordensland zwar nicht nur aus dem Orden, denn neben ihm gab es noch vier bischöfliche und vier domkapitularische Gebiete, doch waren die Domherren meistens Priesterbrüder des Ordens und die Bischöfe konnten kaum eigenständig agieren.[2]

Bei der von Max Toeppen edierten Quelle „Orsachen des bundes“ aus dem Jahr 1453 handelt es sich um eine Sammlung von 66 Punkten, welche Gewalttätigkeiten und Ungerechtigkeiten des Ordens gegen Personen und Gemeinden aufzählen und die Ursachen für die Gründung des Preußischen Bundes waren. Der zeitliche Verlauf der Quelle beginnt mit den Amtsjahren des Hochmeisters des Deutschen Ordens, Heinrich von Plauen (1410-1413), und endet mit der unmittelbaren Entstehung der Quelle im Jahr 1453. Gliedern lässt sich die Quelle in Sachgebiete: 1. Einschränkung ständischer Privilegien, die sich in Form der rabiateren Finanzpolitik, Änderung des Erbrechts, Eingriffe in Angelegenheiten des städtischen Rates und verändertes Münz-, Mahl- und Fischereirecht äußert; 2. Herrschaftswillkür, die sich in Gerichtswillkür und Rechtsverletzungen ausdrückt sowie in Verweltlichungserscheinungen von Ordensmitgliedern; 3. Politik des Ordens und die historische Rolle der Stände in der Geschichte des Ordens. Um die geschilderte Situation richtig einordnen zu können, wird im zweiten Kapitel kurz die außenpolitische Lage des Ordenlandes skizziert. Die nachfolgende Analyse hält sich dann an die Reihenfolge der geschilderten Sachgebiete.

Hinsichtlich des Forschungsstandes muss als wesentliches Datum das Jahr 1861 genannt werden, in der erstmals fundierte Forschungen in dem Werk „Scriptores Rerum Prussicarum“[3] veröffentlicht wurden. Es folgte eine Analyse gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Prozesse des Ordens, hauptsächlich von deutschen und polnischen Historikern, welche im Ergebnis aber zum Teil durch national-ideologische Interessen beeinträchtigt wurden. Deshalb war erst nach dem Jahr 1945 eine objektivere Herangehensweise polnischer und deutscher Wissenschaftler möglich.[4]

Die vorliegende Quelle wurde im Rahmen eines vor dem kaiserlichen Gerichtshof im Jahr 1453 stattfindenden Prozesses, in dem der Orden die Legitimität des Bundes angreift, für den Anwalt des Bundes bestimmt.[5] So heißt es: „Item an unsern doctor zu bringen, umb zu dirforschen, wie die rechte sich leiden wellen [...]“.[6] Dieser Umstand muss bei der Einschätzung und Interpretation der Quelle berücksichtigt werden, da davon auszugehen ist, dass in einer Verteidigungsschrift eventuell einzelne Fakten dramatisiert oder nicht objektiv dargestellt sind. Interessant zu wissen ist noch, dass im Vorfeld dieses Prozesses die Gesandtschaft des Bundes überfallen und sämtliche mitgeführte Papiere und Geldmittel geraubt wurden. Darum ist anzunehmen, dass das Original der Quelle auch verloren ging und es sich bei der vorliegenden lediglich um eine Abschrift oder einer neuen Zusammenstellung handelt.[7]

II. Außenpolitische Situation des Deutschen Ordens

Ideelle Grundlage der Existenz des Deutschen Ordensstaates an der Ostsee war die Aufgabe, christliche Länder zu verteidigen und das Christentum unter den Heiden zu verbreiten. Der Staat Preußen galt demnach als militärische Basis im Kampf gegen die Heiden in Litauen. Ab dem Jahr 1385 wurde die Ideologie mit der Christianisierung Litauens durch Polen zunehmend erschüttert. Auch der Papst entzog dem Orden seine Unterstützung, indem er die Christianisierung Litauens durch Polen im Jahr 1388 anerkannte.[8] Nachdem Polen mit Litauen zu einer Personalunion gelangte, wuchsen die Spannungen zwischen dem Orden und dem nun wieder mächtigen Polen. Seinen Höhepunkt fand der Konflikt am 15. Juli 1410 in der Schlacht von Tannenberg in Südpreußen, in welcher der Orden eine schwere Niederlage erfuhr. Der Hochmeister Ulrich von Jungingen (1407-1410) fiel im Kampf und der Orden hat hohe Verluste erlitten. Doch gelang es Polen nicht, Preußen zu erobern. Dies lag einerseits an der erfolgreichen Verteidigung der Marienburg, andererseits an Konflikten innerhalb des polnisch-litauischen Heeres.[9] Das nun folgende Friedensabkommen wurde im Jahr 1411 im Frieden von Thorn festgehalten, doch das Verhältnis zwischen dem Ordensstaat und Polen-Litauen blieb gespannt. Auch ein aus diesem Grund einberufenes Konzil (Konzil von Konstanz) mit König Sigismund als Schiedsrichter änderte nichts an dieser Situation. Der König verfolgte eigene Interessen und versuchte dem Orden seine Lehenshoheit aufzuzwingen. Das Konzil sowie Papst Martin IV. untersagten dem Orden ein weiteres Vorgehen gegen Litauen. Die Konflikte eskalierten in weiteren Kriegen, weiteren Verlusten für den Orden, bis zum Frieden von Brest im Jahr 1435.[10]

[...]


[1] Orsachen des bundes, ed. v. Max Toeppen (Hrsg.), in: Acten der Ständetage Preussens unter der Herrschaft des Deutschen Ordens., Bd. 4, Leipzig 1878, Artikel 17, S. 21-31. Die Quelle ist in zwei Fassungen überliefert: 1. im Ordensfoliant 112, Folge 17b – dessen gedruckte Fassung von Max Toeppen hier verwendet wird; 2. in: Die Danziger Chroniken vom Bunde, herausgegeben von Hirsch, Theodor; Strehlke, Hans, u.a., in: Sriptores Rerum Prussicarum – Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergange der Ordensherrschaft, Bd. 4, Leipzig 1870, S. 471-476.

[2] Vgl. dazu: Bookmann, Hartmut: Der Deutsche Orden – Zwölf Kapitel aus seiner Geschichte, 4. Aufl., München 1994, S. 183.

[3] Hirsch, Theodor; Strehlke, Hans, u.a. (Hrsg.): Sriptores Rerum Prussicarum – Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergange der Ordensherrschaft, Bd. 1-5, Leipzig 1861-1874.

[4] Vgl. dazu: Bookmann, wie Anm. 2, S. 35-41.

[5] Vgl. dazu: Toeppen, wie Anm. 1, (Rückblick), Bd. 4, S. 194.

[6] Orsachen, wie Anm. 1, Artikel 22, S. 35.

[7] Vgl. dazu: Toeppen wie Anm. 1, (Rückblick), Bd. 4, S. 194 und Weise, Erich: Das Widerstandsrecht im Ordenslande Preussen und das mittelalterliche Europa, in: Veröffentlichungen der Niederländischen Archivverwaltung, Heft 6, Göttingen 1955, S. 177.

[8] Vgl. dazu: Biskup, Marian u. Labuda, Gerard: Die Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen – Wirtschaft, Gesellschaft, Staat, Ideologie, Osnabrück 2000, S. 410f. und Demurger, Alain: Die Ritter des Herrn – Geschichte der geistlichen Ritterorden, München 2003, S. 283.

[9] Vgl. dazu: Demurger, wie Anm. 8, S. 284.

[10] Vgl. dazu: Bookmann, wie Anm. 2, S. 203ff.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Deutsche Orden als Landesherr und der Preußische Bund
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V41218
ISBN (eBook)
9783640192519
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Anhand einer Quellenanalyse wird dargestellt, dass die finanzielle Krise des Deutschen Ordens nach dem Jahr 1410 die Ursache für den Widerstand der Stände im Ordensland Preußen war. Anmerkung vom Dozenten: "Klar gegliederte, überzeugend argumentierende Arbeit mit wirtschaftlichen Schwerpunkt."Anhand einer Quellenanalyse wird dargestellt, dass die finanzielle Krise des Deutschen Ordens nach dem Jahr 1410 die Ursache für den Widerstand der Stände im Ordensland Preußen war. Anmerkung vom Dozenten: "Klar gegliederte, überzeugend argumentierende Arbeit mit wirtschaftlichen Schwerpunkt."Anhand einer Quellenanalyse wird dargestellt, dass die finanzielle Krise des Deutschen Ordens nach dem Jahr 1410 die Ursache für den Widerstand der Stände im Ordensland Preußen war. Anmerkung vom Dozenten: "Klar gegliederte, überzeugend argumentierende Arbeit mit wirtschaftlichen Schwerpunkt."Anhand einer Quellenanalyse wird dargestellt, dass die finanzielle Krise des Deutschen Ordens nach dem Jahr 1410 die Ursache für den Widerstand der Stände im Ordensland Preußen war. Anmerkung vom Dozenten: "Klar gegliederte, überzeugend argumentierende Arbeit mit wirtschaftlichen Schwerpunkt."
Schlagworte
Deutsche, Orden, Landesherr, Preußische, Bund, Proseminar
Arbeit zitieren
Henning Zühlke (Autor), 2005, Der Deutsche Orden als Landesherr und der Preußische Bund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41218

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