Grin logo
de en es fr
Boutique
GRIN Website
Publier des textes, profitez du service complet
Aller à la page d’accueil de la boutique › Psychologie - Divers

Über die (Un)Natürlichkeit der Geschlechter. Zeit für eine neue Betrachtungsweise von Geschlechtlichkeit

Titre: Über die (Un)Natürlichkeit der Geschlechter. Zeit für eine neue Betrachtungsweise von Geschlechtlichkeit

Dossier / Travail , 2017 , 16 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Saskia Drapart (Auteur)

Psychologie - Divers
Extrait & Résumé des informations   Lire l'ebook
Résumé Extrait Résumé des informations

Nicht nur in den Diskursen der Gender Studies um sexuelle Identität und Geschlechtlichkeit werden in letzter Zeit immer wieder Stimmen laut, die sich gegen die Einteilung in das traditionelle Geschlechtermodell „weiblich“ und „männlich“ aussprechen, auch in der Biologie gibt es immer mehr Befunde, die darauf hinweisen, eine binäre Geschlechtereinteilung wäre wohlmöglich zu simpel. Doch obwohl schon die alten Griechen das dritte Geschlecht kannten, etablierte sich in Europa das heterosexuelle Geschlechtermodel und dies auf Kosten einiger, die durch Operationen zwangsweise einem der beiden Geschlechter zugeordnet werden und anderen, die ihre Geschlechtsidentität außerhalb der Heteronormativität gefunden haben.

In diesem Essay möchte ich für eine differenziertere, aber offene Betrachtung der Geschlechtlichkeit im Allgemeinen plädieren. Zunächst soll anhand der gesellschaftlichen Entwicklungen und der Forschungsfortschritte seit dem 18. Jahrhundert mit Einbezug Foucault’s Machtmodell die Entstehung der Heteronormativität erklären. Im Anschluss darauf soll kurz erklärt werden, was die sexuelle Befreiung der 1968er Jahre geschafft hat und wo es anzusetzen gilt. In Anbetracht des heutigen Forschungsstands von Biologie soll schließlich gezeigt werden, warum es tatsächlich mehr als zwei Geschlechter gibt und welche Chancen es unserer Gesellschaft bieten könnte, offener mit peripheren sexuellen Identitäten umzugehen.

Extrait


Gliederung

1. Einleitung

2. Viktorianisches Zeitalter: Vom Eingeschlecht – zum Zweigeschlechtermodell

2.1 Entstehung einer neuen Sexualmoral: Die Repressionshypothese

2.2 Foucault’s Machtmodell und das Sexualdispositiv

2.3 Die Pathologisierung des Anderen oder „die Psychiatrisierung der perversen Lust“

2.4 Die Konstruktion von >>Natürlichkeit<<

3. Die sexuelle Revolution – Freiheit für die Geschlechter ?

3.1 Das Dilemma der Frauenbewegung

3.2 Butler: Das Potential von Dekonstruktion

4. Erkenntnisse der Biologie: Wider die Natürlichkeit

4.1 Wer bestimmt unser Geschlecht? Chromosome, Hormone & Genetik

4.2 Anne Faust-Sterling: Wie viele Geschlechter gibt es? Ein Vorschlag

4.3 Ausblicke und Chancen: Mehr(wert) Queer

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die historische, soziale und biologische Konstruktion von Geschlecht und stellt die binäre Einteilung in „männlich“ und „weiblich“ in Frage. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Machtdiskurse sowie wissenschaftliche Erkenntnisse eine differenziertere Sichtweise auf geschlechtliche Identitäten jenseits der Heteronormativität ermöglichen.

  • Historische Analyse des viktorianischen Geschlechtermodells
  • Foucaults Machtmodell und die Rolle des Sexualdispositivs
  • Die Rolle der Frauenbewegung und Judith Butlers Dekonstruktion
  • Biologische Perspektiven auf Intersexualität und genetische Vielfalt
  • Kritik an der sozialen Normierung von Geschlechtsidentitäten

Auszug aus dem Buch

2.4 Die Konstruktion von >>Natürlichkeit<<

Im Folgenden möchte ich weiter eingehen, wie sich der Diskurs über die Sexualität auf den politischen, religiösen und gesellschaftlichen Umgang mit Sexualität auswirkte. Dabei soll auch geklärt werden, warum wir heute das binäre Geschlechtermodell als >>natürlich<< gegeben hinnehmen.

Im weiteren zeitlichen Verlauf wich das staatliche Interesse an heteronormativer Sexualität immer mehr dem an peripheren Sexualitäten. Während einerseits ein großer Druck auferlegt wurde, andersartige Sexualitäten zu unterdrücken, wurde andererseits nachgefragt bis ins kleinste Detail, erforscht, untersucht, kategorisiert und anschließend pathologisiert. Interessant ist – so Foucault – der Doppelmechanismus dieser Macht: Wo einerseits klassifiziert wird, wird andererseits der Unordnung eine Ordnung gegeben, die als „natürlich“ gegeben gesetzt wird. Wo Menschen kategorisiert und klassifiziert werden, nehmen sich Menschen auch Kategorien an und passen sich ihnen an. Dies sagt nicht nur Foucault, dieser Effekt ist auch in der heutigen Psychologie als Looping – Effekt bekannt. Dies führt jedoch dazu, dass immer dort, wo ein sexueller Diskurs gehalten wird, nicht nur unterdrückt wird, sondern gleichzeitig auch eine Lust geschürt wird, die den verbotenen Anreizen des Diskurses entspringt. (Foucault, 1977)

Wird also wirklich Sexualität unterdrückt, wenn doch dazu angeregt wird sich seinem scheinbar abweichenden sexuellen Handeln hinzugeben? Foucault erklärt dies als Doppeleffekt der Macht:

„Durch die Isolierung, Intensivierung und Verfestigung der peripheren Sexualitäten verästeln und vermehren sich die Beziehungen der Macht zum Sex und zur Lust, durchmessen den Körper und durchdringen das Verhalten. (...) Fortpflanzung der Sexualitäten durch Ausdehnung der Macht. (...) Lust und Macht heben sich nicht auf, noch wenden sie sich gegeneinander, sondern übergreifen einander, verfolgen und treiben sich an. Sie verketten sich vermöge komplexer und positiver Mechanismen von Aufreizung und Anreizung. (...) Zweifellos also muß man die Hypothese fallenlassen, wonach die modernen industriellen Gesellschaften ein Zeitalter verschärfter Sexualunterdrückung eingeleitet haben. Wir wohnen nicht nur einer sichtbaren Explosion der häretischen Sexualitäten bei. Sondern vor allem – und das ist der Punkt, auf den es ankommt – sichert hier ein Dispositiv, das sich – selbst wenn es sich örtlich auf Verbotsprozeduren stützt – erheblich vom Gesetz unterscheidet, durch ein Netz untereinander verketteter Mechanismen die Wucherung der Lustarten und die Vermehrung disparater Sexualitäten“. (Foucault, 1977, S.52f)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik der binären Geschlechterordnung und stellt die Forschungsfrage nach den historischen und gesellschaftlichen Hintergründen sowie dem Potenzial für eine Neubetrachtung.

2. Viktorianisches Zeitalter: Vom Eingeschlecht – zum Zweigeschlechtermodell: Dieses Kapitel analysiert, wie im 19. Jahrhundert durch Diskurse und Machtstrukturen das binäre Modell als normative Ordnung etabliert und abweichendes Verhalten pathologisiert wurde.

3. Die sexuelle Revolution – Freiheit für die Geschlechter ?: Hier wird der gesellschaftliche Wandel ab 1968 thematisiert, wobei insbesondere die feministische Perspektive und Judith Butlers Theorie der Performativität zur Dekonstruktion von Geschlecht diskutiert werden.

4. Erkenntnisse der Biologie: Wider die Natürlichkeit: Das abschließende Kapitel nutzt aktuelle biologische Erkenntnisse zu Genetik und Hormonen, um die biologische Stabilität der Geschlechterbinarität zu hinterfragen und den Bedarf für einen offeneren Umgang mit Intersexualität aufzuzeigen.

Schlüsselwörter

Geschlecht, Heteronormativität, Foucault, Machtdispositiv, Sexualität, Geschlechtermodell, Judith Butler, Biologie, Intersexualität, Gender Studies, Dekonstruktion, Normierung, Diskurs, Queer, Identität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entstehung und sozialen Konstruktion des binären Geschlechtermodells und hinterfragt dessen heutige Geltung durch wissenschaftliche und gesellschaftliche Analysen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die viktorianische Sexualmoral, Foucaults Machtmodelle, die feministische Theorie und die biologische Diversität des menschlichen Geschlechts.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, das Verständnis von Geschlechtlichkeit zu erweitern und aufzuzeigen, warum eine Öffnung gegenüber peripheren sexuellen Identitäten gesellschaftlich notwendig ist.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um einen reflektierenden Essay, der auf einer Literaturanalyse historischer, soziologischer und naturwissenschaftlicher Quellen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?

Der Hauptteil gliedert sich in die historische Analyse der Machtstrukturen, die Diskussion der sexuellen Revolution sowie die biologische Widerlegung einer starren Zweigeschlechtlichkeit.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Geschlechtermodell, Heteronormativität, Foucault, Dekonstruktion und biologische Vielfalt geprägt.

Wie definiert die Autorin die Rolle von Foucaults Machtmodell?

Foucaults Machtmodell dient als Erklärungsansatz dafür, wie Diskurse über Sexualität nicht nur unterdrücken, sondern gleichzeitig Wissen produzieren und Normen als „natürlich“ etablieren.

Warum spielt die Biologie eine zentrale Rolle in der Argumentation?

Die Biologie wird herangezogen, um die wissenschaftliche Basis für die Behauptung zu entziehen, dass es biologisch zwingend nur zwei Geschlechter gebe, indem Erkenntnisse zu Genetik und Intersexualität angeführt werden.

Fin de l'extrait de 16 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Über die (Un)Natürlichkeit der Geschlechter. Zeit für eine neue Betrachtungsweise von Geschlechtlichkeit
Université
University Lübeck  (Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung)
Cours
Geschichte - Theorie - Ethik
Note
1,3
Auteur
Saskia Drapart (Auteur)
Année de publication
2017
Pages
16
N° de catalogue
V412229
ISBN (ebook)
9783668634282
ISBN (Livre)
9783668634299
Langue
allemand
mots-clé
Foucault Butler Sterling Geschlechter Geschlechtermodelle Repressionshypothese Sexualdispositiv 68er Revolution Frauenbewegung sexuelle Revolution LGBTI Queer
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Saskia Drapart (Auteur), 2017, Über die (Un)Natürlichkeit der Geschlechter. Zeit für eine neue Betrachtungsweise von Geschlechtlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412229
Lire l'ebook
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
Extrait de  16  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Expédition
  • Contact
  • Prot. des données
  • CGV
  • Imprint