Interkulturelle Kompetenz. Ein Erfolgsfaktor für den Handel zwischen Deutschland und Bolivien


Bachelorarbeit, 2017

65 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstrakt

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziele und Vorgehensweise

2 Theoretische Grundlangen
2.1 Was sind Kultur und Interkulturalität?
2.2 Die interkulturelle Kompetenz
2.2.1 Bildung interkultureller Kompetenzen
2.3 Die Kulturdimensionen - Das Ungreifbare greifbar machen
2.3.1 Kulturdimensionen von Geert Hofstede
2.3.2 Kulturdimensionen von Edward Hall
2.3.3 Kulturdimensionen von Fons Trompenaars
2.4 Von der Stereotypenbildung zum Vorurteil

3 Grundlagen Bolivien
3.1 Bolivien - Eine Faszination
3.1.1 Die Wirtschaftsentwicklung Boliviens
3.1.2 Der Handel zwischen Deutschland und Bolivien
3.1.3 Der Boom des Quinoa und die Folgen
3.1.4 El Bioceánico und das Lithium - Die Zukunft Boliviens?

4 ״Unsichtbare“ interkulturelle Handelsbarrieren zwischen Deutschland und Bolivien
4.1 Die Hierarchieorientierung
4.2 Direkte und Indirekte Kommunikation
4.2.1 Das ״sympathische“ Bolivien
4.3 Einstellung zur Zeit
4.4 Zwischenfazit

5 Interviews
5.1 Zustandekommen der Interviews
5.2 Untersuchungsdesign
5.3 Zwischenergebnis

6 Handlungsempfehlungen
6.1 Das Fundament: Bereitschaft, Motivation & eine positive Einstellung
6.2 Das interkulturelle Training
6.2.1 Die drei Säulen des Trainings
6.3 Umgang mit Vorurteilen am Beispiel des Reflective-Loop-Ansatz
6.4 Umgang mit Kritik
6.5 Die Innovationsstrategie - Offen für Neues sein
6.6 Zusammenwirken der Komponenten

7 Zusammenfassung, Kritik und Abschluss

Literaturverzeichnis

Anhang musste aus urheberrechtlichen Gründen entfernt werden

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Modell der ״logischen Ebenen“ nach Robert Dilts

Abbildung 2: Die kulturellen üb erschnei dungs situati onen

Abbildung 3: Darstellung bolivianischer Tänzerinnen beim Karneval von Oruro

Abbildung 4: Ein Blick auf die Innenstadt von La Paz, Regierungssitz Boliviens

Abbildung 5 u. 6: Architektur in El Alto de La Paz

Abbildung 7: Entwicklung des BIP Boliviens zwischen 2007-2017

Abbildung 8: Streckenverlauf der Kontinental-Bahn

Abbildung 9: Bau der chinesischen Anlage zum Abbau von Lithium

Abbildung 10: Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes

Abbildung 11 : Artikel 8 und 9 des zweiten Kapitel der bolivianischen Verfassung

Abbildung 12: Der mentale Weg der Gedanken

Abbildung 13: Praxissituation unter Anwendung des "Reflective-Loop"

Abbildung 15: Zusammenwirken der Komponenten zur interkulturellen Kompetenz

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Individualistische und kollektivistische Eigenschaften

Tabelle 2: Gegenüberstellung der Low Kontext und High Kontext Kommunikation

Tabelle 3: Gegenüberstellung des monochronen und polychronen Verhalten

Tabelle 4: Universalistische und partikularistische Eigenschaften

Tabelle 5: Gegenüberstellung der neutralen und emotionalen Eigenschaften

Tabelle 6: Gegenüberstellung der spezifischen und diffusen Eigenschaften

Tabelle 7: Gegenüberstellung des leistungsorientierten und zugeschriebenem Status

Tabelle 8: Gegenüberstellung des Umgangs mit der Zeit

Tabelle 9: Gegenüberstellung der Zeitorientierung

Tabelle 10: der drei Komponenten der Trainingsziele

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstrakt

Das Ziel der vorliegenden Bachelorthesis ist es, die psychologischen kulturellen Barrieren der bilateralen Handelsbeziehung zwischen Deutschland und Bolivien theoretisch aufzuzeigen und zu überprüfen, ob auf Basis der interkulturellen Kompetenz eine gesunde und intakte Handelsbeziehung zwischen beiden Ländern möglich ist. Dazu wurden zwei Interviews geführt, zum einen mit Herrn Dr. Miguel Buitrago von Bolivia- Vision, zum anderen mit dem bolivianischen Honorarkonsul von Bolivien für Bayern und Baden Württemberg. Die Ergebnisse sollen die Hypothesen zum großen Teil bestärken. Aufgrund der bevorstehenden Projekte, wie dem Abbau des Lithiums und dem Bau der transkontinentalen Eisenbahnstrecke, in das auch deutsche Unternehmen involviert sind, ist die Thematik der interkulturellen Kompetenz als Erfolgsfaktor der Handelsbeziehungen zwischen Bolivien und Deutschland äußerst aktuell. Insbesondere für deutsche, wie bolivianische Unternehmer, die bilateral zwischen beiden Ländern agieren, ist diese Bachelorarbeit interessant.

Vorwort

An dieser Stelle möchte ich all jenen, insbesondere meiner Verlobten Nadine Knoche, danken, die durch Ihre persönliche Unterstützung zum Gelingen dieser Bachelorthesis beigetragen haben.

Des Weiteren danke ich meiner Erstprüferin, Frau Bianca Celis Maure. Sie Stand während der gesamten Phase an meiner Seite und half mir bei der Themenfindung.

Ohne meinen Interviewpartnern, dem bolivianischem Konsulat und insbesondere Herrn Dr. Miguel Buitrago, wäre das Ergebnis nicht in diesem Maße der Aussagekraft mög- lieh gewesen.

Ein ganz besonderer Dank geht an meinem verstorbenen Vater, Iván Guillen Sardón, denn er zeigte mir stets die schönen Seiten Boliviens, sodass mein Interesse für das Land von klein auf präsent war. Diese Bachelorthesis stellt meinen persönlichen Hintergrund dar.

1 Einleitung

Das Aufeinandertreffen von fremden Kulturen, privat- wie auch beruflich, ist heutzutage zur Normalität geworden. Das ist jedoch oft mit Irritationen und Missverständnissen verbunden, denn die eigenen Verhaltensmuster können ganz anders gestrickt sein, als die der fremden Kultur. Folgedessen kann die Verwirrung im Extremfall zu einer Ab­Wertung führen, die sich zu einer Negativstereotypisierung entwickeln kann (Vgl. Kap. 2.4) (Schugk 2014: 1).

In Zeiten der modernen Globalisierung hat die interkulturelle Kompetenz, aus berufli- eher Sicht, enorm an Priorität gewonnen. Sie ist eine wichtige Fähigkeit um Z.B. eine Geschäftsbeziehung zwischen zwei kulturell unterschiedlichen Geschäftspartnern aufrecht zu erhalten. Die meisten interkulturellen Konflikte ergeben sich nämlich aus der Folge von kulturabhängig unterschiedlichen Handlungs- und Kommunikationsweisen, die auf mangelndem Wissen über die fremde Kultur zurückzuführen sind (ebd.). Entgegen der kulturellen Unterschiede, zieht es immer wieder Deutsche nach Bolivien, sei es zum Studieren oder beruflich bedingt. In den letzten 10 Jahren sind knapp 1900 Deutsehe in Bolivien emigriert (Harmening 2017). Zudem Stehen in naher Zukunft internationale Projekte an, wie Z.B. der Abbau des wertvollen Rohstoffes Lithium, das als Roh­Stoff der Zukunft für die Automobilindustrie gilt. Darin involviert ist u.a. das deutsche Unternehmen K-Utec. Zudem wird die Eisenbahnstrecke von Deutschen wie von Schweizer Unternehmen gebaut, das sich vom brasilianischen Hafen in Santos zum pe- manischen Hafen in Ilo erstreckt und dabei quer durch Bolivien führen wird. Die bolivianische Regiemng steht tatkräftig hinter dem Projekt, da sich dadurch neue Distributionswege für das Binnenland ergeben, die die Wirtschaft ankurbeln könnten (Buitrago 2017: Interview; Honorarkonsul 2017: Interview).

1.1 Problemstellung

Marktbarrieren stellen für internationale Geschäfte stets ein Risiko dar. Dabei wird zwi- sehen den ökonomischen und den psychologischen Marktbarrieren differenziert. Bei den ökonomischen Markbarrieren handelt es sich u.a. um Kostendegressionseffekte, die den Markteintritt erschweren. Die psychologischen Marktbarrieren sind verhaltensrelevanter Natur und i.d.R. viel schwieriger zu bezwingen (Stark 2005: 45).

Die Weltökonomie der Gegenwart kann nicht mehr auf das reine Wirtschaftswissen vertrauen. Der Kontakt mit kultureller Vielfalt, Bräuchen, Verschiedenheit von Korn- munikationsformen und Heterogenität, erschweren die Zusammenarbeit der global agierenden Unternehmen (Stark 2015: 13). Im Bezug auf das eigene Verhalten und Erleben, bietet die Interaktion mit Angehörigen derselben Kultur eine gewisse Sicherheit. Es ist vorausschaubar, welche Normen und Handlungen angemessen sind und welche nicht. Im Umgang mit fremden Kulturen verfügt man über eine solche Sicherheit nicht. Viele Verhaltensweisen des Gegenübers erscheinen einem fremd und erklärungsbedürftig, da das Verhalten nicht in das zur Verfügung stehende Schema passt. Doch was ist im Worst-Case zu tun? Wie agiert man entsprechend, damit aus einem Missverständnis kein negatives Vorurteil wird (Georg et. al. 2015: 15)?

Diese Bachelorthesis befasst sich mit dem interkulturellen Aspekt des Handels zwischen zwei kulturell sehr unterschiedlichen Ländern. Das eine ist eine Weltmacht und das Andere ein Land der Dritten Welt. Um der konkreten Fragestellung nachzukommen, sind folgende Hypothesen zu klären:

Haupthypothese:

1 Die interkulturelle Kompetenz kann als Erfolgsfaktor für den Handel zwischen beiden Ländern gesehen werden
Nebenhypothesen:
2 Die psychologischen kulturellen Marktbarrieren können mit einfachen Methoden bezwungen werden
3 Der Abbau des Lithiums hat in Verbindung mit dem bis zu 14 Mrd. Dollar teuren Eisenbahnprojekt das Potential den Handel zwischen Deutschland und Bolivien zu stärken
4 Der Abbau des Lithiums ist mit keinen ökologischen Konsequenzen verbunden

1.2 Ziele und Vorgehensweise

Das Ziel ist eine tragfähige und gesunde Handelsbeziehung, basierend auf einer intakten interkulturellen Kompetenz zwischen Handelspartnern beider Länder, unter Bezug der genannten Hypothesen, darzulegen. Um die Thematik zu klären, ist die Bachelorarbeit wie folgt aufgebaut:

In Kapitel zwei sind die kulturellen Grundlagen definiert, die für den weiteren Verlauf relevant sind.

Im dritten Kapitel ist das Land Bolivien vorgestellt. Im näheren Zusammenhang sind die Kultur und die Wirtschaft des Landes, wie der Handel mit Deutschland und die Geschichte des Quinoa dargestellt.

In Kapitel vier sind konkrete psychologische Handelsbarrieren anhand der Hierarchie­Orientierung, der Kommunikation, der Sympathieorientierung und dem Umgang mit der Zeit charakterisiert, die auf die Kulturdimensionen aufbauen (Vgl. Kap. 2).

Im fünften Kapitel sind das Zustandekommen, der Aufbau und die Ergebnisse der Interviews mit Herrn Dr. Miguel Buitrago von Bolivia-Vision und dem bolivianischen Honorarkonsul für Bayern und Baden Württemberg dargestellt.

In Kapitel sechs sind die Handlungsmaßnahmen dargelegt, die zum Ziel haben, dass die interkulturelle Kompetenz als Erfolgsfaktor des Handels zwischen Deutschland und Bolivien fungieren kann.

Im siebten Kapitel hat der Autor dieser Bachelorthesis ein Fazit und die Zukunftsaussichten, im Bezug auf den bilateralen Handel zwischen beiden Ländern zusammengefasst.

2 Theoretische Grundlangen

2.1 Was sind Kultur und Interkulturalität?

Kultur stellt den Inbegriff der Sinngebung dar, nach dessen Prinzipien das menschliche Individuum seine Erfahrungen deutet und sein Handeln lenkt (Berninghausen / Hecht-El Minshawi 2009: 26). Kultur kann somit als eine Art Filter gesehen werden, denn sie beeinflusst neben der Sprache und dem Denken, auch die Sicht, den Geschmack, das Hören und die Art und Weise wie man etwas fühlt (Müller 2015: 22). In dieser Hinsicht, lässt sich die Kultur in zwei Kategorien aufteilen. Zum einen hat man den bewussten Teil, dieser betrifft Z.B. die Benimmregeln einer Kultur und den unbewussten Teil, dieser ist viel größer und beinhaltet die Werte und Normen und bestimmte, dem Kulturkreis angepassten, Denk- und Wahrnehmungsweisen. Das menschliche Individuum ist so konstruiert, dass die eigenen Werte und Normen erst dann bewusst werden, wenn man auf eine andere Kulturgruppe trifft und dabei die persönlichen kulturellen Vorstellungen verletzt werden (Müller 2015: 22 f). Das Modell der logischen Ebenen von Gregory Batson, das von Robert Dilts weiterentwickelt wurde, verdeutlicht die sichtbare und die unsichtbare Fläche der Kultur, bezogen auf das Lernen, die Kommunikation und die Wahrnehmung der Mensehen (Berninghausen / Hecht-El Minshawi 2009: 27 f).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Modell der „logischen Ebenen“ nach Robert Dilts [online]weisefrau.de/wp-content/uploads/2011/03/eisbergmodell.jpg [01.08.2017]

Das Modell kann als Eisberg betrachtet werden. Auf den ersten Blick macht sich nur die Spitze erkenntlich. Der unter Wasser liegende Teil, der viel größer ist, erschließt sich dem ״Besucher“ einer fremden Kultur erst nach und nach.

Die höher liegenden Ebenen beeinflussen die darunterliegenden und umgekehrt (ebd.).

״Das Leben in einer fi'emden Kultur kann als Spiel betrachtet werden, zu dem man die Regeln nicht kennt. Die Begrüßung, das Essen, die eigenen Gefühle zeigen, der Körperabstand, die Gestik und Mimik, bis hin zur Kleidung. Alles kann am Anfang fremdartig erscheinen “ (Dilts 1997).

2.2 Die interkulturelle Kompetenz

Der Großteil der Weltbevölkerung betrachtet die eigene Kultur als die, mit den ״richti- gen“ Werten und Normen. Das Bewusstsein darüber, dass kulturelle Unterschiede existieren, ist jedoch das Fundament für die Entwicklung einer gesunden interkulturellen Kompetenz (Knapp 2003: 127). Zwischen der eigenen und der fremden Kultur existiert nämlich ein Zwischenraum, der sehr vage und gleichzeitig neuartig ist. Genau hier entsteht das Interkulturelle. Es treffen verschiedene Denk- und Handlungsweisen, wie auch verschiedene Weltbilder aufeinander. Dabei kann das ״Fremde“ als etwas Neues und Aufregendes oder als etwas Gefährliches oder Bedrohliches [onlmeJslideplayer.org/slide/647476 [05.08.2017] empfunden werden (IKUD- Seminare).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Eigene Darstellung der kulturellen Überschneidungssituationen zwischen der Eigen- und der Fremdkultur in Anlehnung an [online]slideplayer.org/slide/647476 [05.08.2017]

Den Mut zu haben, einen Fehler zu machen, ähnlich wie beim Erlernen einer Sprache, ist ausschlaggebend, denn die interkulturelle Kompetenz ist kein Ergebnis, sondern ein sich vollziehender Prozess (Berninghausen / Hecht-El Minshawi 2009: 253), der für die Anpassung an eine fremde Kultur sorgt und der Vermeidung von Konflikten und Irritationen dient (Schiffmann 2017: 73).

Das Institut für interkulturelles Management in Bremen definiert interkulturelle Kompetenz wie folgt: ״Interkulturelle Kompetenz ist die Fähigkeit, sich in einer fremden Kidtur so zu verhalten, dass die eigenen Absichten verstanden werden und die Verhaltensweisen der Umgebung richtig interpretiert werden können“ (ZIM-Bremen; in Berninghausen 2009: 258). Die interkulturelle Kompetenz ist somit nichts anderes, als die soziale Fähigkeit, sich mit der fremden, wie mit der eigenen Kultur auseinandersetzen zu können, Verständnis für andere Sichtweisen der Werte und Normen zu akzeptieren, zu tolerieren und die eigene Handlung bei interkulturellen Kontakten zu integrieren. Die interkulturelle Kompetenz ist die Erweiterung der sozialen Kompetenz auf interkul- türeller Ebene (Wang 2008: 32).

2.2.1 Bildung interkultureller Kompetenzen

Es ist wichtig, die Welt ״mit den Augen des Anderen zu sehen und mit dem Herzen des Anderen zu bewerten“ (Kirsch 1988: 8). Allein durch das Interesse mit einer fremden Kultur in Kontakt zu treten, die Bereitschaft zu besitzen sich einigermaßen anzupassen und gleichzeitig die Eigenheiten der eigenen Kultur aufrechtzuerhalten, sind die Basis einer konstruktiven kulturellen Integration. Das Aneignen von interkulturellem Wissen, wie Z.B. der Landessprache oder der Kultur eines Landes, ist ohne großen Aufwand möglich. Weitaus schwieriger sind die darauffolgenden beiden Punkte, die Motivation und die positive Einstellung. Diese Komponenten betreffen die veränderungsresistenten affektiven Eigenschaften des menschlichen Individuums (ebd.). Es muss jedoch klargestellt werden, dass die Kulturwahrnehmung nicht beim Menschen angeboren ist, sondem sich mit der Zeit durch Interaktionen mit der sozialen Umgebung entwickelt.

Bevor interkulturelle Kompetenz durch zunehmende interkulturelle Kontakte erworben wird, können diese auch gezielt gebildet und entwickelt werden (Wang 2008: 33). Der deutsche Psychologe und Kommunikationswissenschaftler F. Schulz von Thun, entwi- ekelte das Modell: ״Die Straße des Lemens“, mit dessen Hilfe das Erlernen interkultu- relier Kompetenz in drei Dimensionen dargestellt ist (Berninghausen, J.; Hecht-El Minshawi 2009: 253).

Die Dimensionen der Straße des Lernens nach Schulz von Thun:

Affektive (gefühlsmäßige)-Ebene: Auf der Gefühlsebene muss ein Bewusstseinsprozess beginnen, durch den sich die eigene kulturelle Hemmung erkennen und abmildern lässt. Man benötigt ein Maß an Empathievermögen und Ambiguitätstoleranz um unscharfe und widersprüchliche Situationen, aushalten zu können. Zudem braucht man Respekt vor verschiedenartige Sichtweisen und Interesse für neue Herausforderungen (Beminghausen, J.; Hecht-El Minshawi 2009: 254).

Kognitive (verstandsmäßige)-Ebene: Auf der kognitiven Ebene befinden sich das Wissen und die Kenntnisse über die fremde Kultur, Landeskunde, Sprache, Geschichte und Politik, aber auch der unterschiedlichen Werte und Normen (ebd.).

Verhaltensorientierte - Handlungsebene: Die Handlungsebene beansprucht die Fähigkeit, anderen Menschen aktiv zuzuhören und sich immer wieder zu vergewissern, dass man den Gegenüber richtig verstanden hat. Zudem bedeutet es auch, über die Normen der gemeinsamen Verständigung zu reden, Abstand zur eigenen Rolle aufzubauen, einen Perspektivwechsel vorzunehmen und fremd erscheinende Zustände in einen neuen Zusammenhang stellen zu können (ebd.).

2.3 Die Kulturdimensionen - Das Ungreifbare greifbar machen

Jede Gruppierung von Menschen hat Konflikte zu lösen. Hinter jeder Problemlösungs­Strategie steckt ein kulturelles Verhaltensmuster. Die Art und Weise wie das Problem angegangen wird, ist von Land zu Land, von Kulturkreis zu Kulturkreis unterschiedlich. Wenn man das zentrale Wertemuster, hinsichtlich der Grundproblemeinstellung durchschaut, hat man ein Instrument zur Verfügung das hilft, kulturelle Unterschiede zu erfassen und Problemstellungen zu minimieren und zu lösen (Voigt 2009: 29). Dabei muss beachtet werden, dass jede Kulturdimension anhand von zwei Extrempolen dargestellt ist, zwischen denen unterschiedliche Abstufungen präsent sind (Schiffmann 2017: PP. Folie 5).

Es ist zu erwähnen, dass im folgenden Kapitel nicht alle, sondern nur die für diese Arbeit relevanten Kulturdimensionen, nach Geert Hofstede, Edward Hall und Fons Trompenaars zusammengetragen sind.

2.3.1 Kulturdimensionen von Geert Hofstede

Die bekanntesten kulturvergleichenden Forschungen und Studien stammen vom niederländischen Wissenschaftler Geert Hofstede. Sie liefern eine bedeutende Struktur zur Veranschaulichung kultureller Unterschiede bei Geschäftsaktivitäten. Seine Herangehensweise ist quantitativ und statistisch geprägt. Im Rahmen seiner Forschungen, die ihren Anfang Ende der 60er Jahre nahmen, spezialisierte sich Hofstede auf die interkul- türellen Unterschiede von Grundwerten und Verhahensarten im Berufsalhag (Schugk 2014: 168). Hofstede forschte zu dieser Thematik innerhalb des Konzernes IBM ״Inter- national Business Machines Corporation“ und befragte anhand eines Fragebogens 116.000 Mitarbeiter aus 40 Ländern. Darauffolgend wurde im Jahr 1972 die Befragung auf 72 Länder ausgedehnt. Aus den Ergebnissen leitete er seine Kulturdimensionen ab (Müller 2015: 29).

Machtdistanz

Mittels dieser Dimension wird ausgedrückt, wie die Individuen einer Kultur mit Machtunterschieden umgehen, d.h. in was für einem Ausmaß die schwachen Mitglieder (Familien, Arbeit, Organisationen) eine asymmetrische Verteilung der Macht akzeptieren, hinnehmen oder sogar erwarten. Die Machtdistanz ist ein Ergebnis einer Ungleichheit zwischen einzelnen Personen hinsichtlich des Status, der Macht, des Prestiges, des Einflusses und des Reichtums. Diese Dimension beschreibt die Art des Umgangs eines Kulturkreises mit dieser Ungleichheit und Autorität. Eine geringe Machtdistanz bringt die Eigenschaft mit sich, dass hierarchische Strukturen und soziale Klassen eher nicht akzeptiert werden, während bei einer hohen Machtdistanz, eine unterschiedliche Verteilung der Macht als normale Charakteristik anzusehen ist. In einer solchen Gesellschaft ist den Mächtigeren somit Respekt und Aufmerksamkeit von den weniger Mächtigen entgegenzubringen (Schugk 2014: 169). In Kulturen, in denen eine hohe Machtdistanz üblich ist, erfolgt Z.B. schon die Kindererziehung auf Basis von Gehorsamkeit und Respekt, sogar den älteren Geschwistern wird eine höhere Autorität zugestanden. In Kuhu- ren mit einer geringen Machtdistanz, wird die persönliche Entwicklung des Kindes gestärkt und zur eigenen Willensbildung angeregt. Die Eltern haben dabei eher die Rolle eines Partners (ebd.).

Die Ausprägung der Kulturdimension ״Machtdistanz“ hat Hofstede durch die folgenden Fragen ermittelt:

״ Angst des Mitarbeiters, dem Vorgesetzten gegenüber zu zeigen, dass er nicht seiner Meinung ist “

״ Wahrnehmung des Mitarbeiters, dass der Vorgesetzte Entscheidungen autókra- tisch bzw. patriarchi sch trifft“

״ Wunsch des Mitarbeiters, dass der Vorgesetzte Entscheidungen autokrati sch bzw. patriarchisch fällen sollte “ (Kutschker 2011: 720)

Kollektivismus VS. Individualismus

Etwa 70% der gesamten Weltbevölkerung ist kollektivistisch geprägt. Diese Kulturdimension zeichnet sich dadurch aus, dass das allgemeine Wohlbefinden von Gruppen oder einer Gemeinschaft einen hohen Stellenwert, im Gegensatz zu individuellen Bedürfnissen oder Interessen, genießen. Diese werden hierbei untergeordnet. Die Mensehen sorgen sich umeinander, Stehen zu ihrer Gruppenzugehörigkeit und die Entscheidungen werden gemeinsam getroffen (Losche 2005: 28). Individualistisch geprägte Kulturkreise zeichnen sich durch ihre lockere Umgangsweise untereinander aus. Es wird viel Wert auf Selbständigkeit und Eigenverantwortung gelegt. An erster Stelle ist jeder für sich selbst oder für seinen engen Familienkreis verantwortlich. Die Unabhängigkeit führt zu einem Wohlempfinden in individualistischen Gesellschaften. Das allgemeine Wohlbefinden von Gruppen oder Gemeinschaften ist dabei von nachrangiger Bedeutung (ebd.). Beruflich hat die Ausrichtung der Kulturdimensionen Kollektivismus VS. Individualismus auch seine Folgen. So werden in individualistisch geprägten Kulturkreisen, die Sachaufgaben oder die Pflichterfüllungen als vorrangig gegenüber Zwischenmensch- liehen Beziehungen betrachtet. Auch die Bindung zum Unternehmen, die ein Mitarbeiter empfindet, ist eine geringere. Wichtig ist, dass das Unternehmen modern ausgerichtet und erfolgreich ist. Es wird versucht die Arbeit dahingehend zu organisieren, dass die Interessen des Unternehmens, mit denen des Arbeitnehmers in Einklang kommen. In kollektivistisch geprägten Kulturkreisen ist die zwischenmenschliche Beziehung genauso wichtig, wie die Aufgabenerfüllung.

Mitunter übersteigt die Bedeutung der zwischenmenschlichen Beziehungen die Pflichterfüllung sogar, Z.B. wenn ein neuer Mitarbeiter eingestellt werden soll, wird nicht der am besten geeignete Kandidat ausgewählt, sondern eine Person, die besser in die Gruppe der Angestellten passt und hinter den Interessen des Kollektivs steht (Küsters 1998: 377).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Eigene Darstellung: Gegenüberstellung der individualistischen und kollektivistischen Eigenschaften in Anlehnung an: (Berninghausen 2009: 42)

2.3.2 Kulturdimensionen von Edward Hall

Ebenfalls große Beachtung haben die kulturvergleichenden Studien und Forschungen vom US-Anthropologen Edward Hall genossen. Angefangen hat Hall mit der Analyse des Verhaltens der Bewohner der pazifischen Inseln, später erweiterte er seine Forschungen auf den wirtschaftlichen Bereich, mit dem Hintergedanken, Gründe für die häufige Ablehnung von US-Amerikanern im Ausland aufzudecken. Er identifizierte in seinen Arbeiten drei grundlegende Dimensionen menschlichen Zusammenlebens, mit denen sich jeder Mensch, völlig gleichgültig welchen Kulturkreis man angehört, auseinandersetzt. Nämlich Raum, Zeit und Kontext (Voigt 2009: 30). Hall definiert die Kultur als ein System, dass dazu dient, Informationen zu schaffen, weiterzugeben, aufzubewahren und zu verarbeiten. Dem Begriff Kommunikation schenkt Hall viel Aufmerksamkeit, denn die Kommunikation zieht sich, nach Hall, wie ein roter Faden durch alle Kulturen. Dabei geht er so weit, dass er die Kultur als Kommunikation und die Korn- munikation als Kultur darstellt. (Schugk 2014: 149).

High-Kontext und Low-Kontext

Unter dem Begriff Kontext, versteht sich nach Hall die Informationen, die ein Ereignis umgeben. Die Dimension beschreibt in welchem Umfang die Kommunikation, beein- flussi durch das Umfeld, die Beziehungen und die Art und Weise in der sie stattfmdet, an Bedeutung gewinnt. Dabei differenziert Hall zwischen High-Kontext und Low- Kontext (Beminghausen, J.; Hecht-El Minshawi 2009: 32). In High-Kontext-Kulturen ist die Kommunikationsweise sehr stark implizit und verschlüsselt. Die verbalen Ausdrücke machen nur einen kleinen Teil der Botschaft aus. Die Atmosphäre in der das Gespräch stattfmdet und die Körpersprache sind ein wesentlicher Bestandteil des Gesprächsverlaufes (Voigt 2009: 31). Die Wortwahl als Ausdrucksweise ist vieldeutig und lässt somit Spielraum für Interpretation. Kritik wird nicht direkt und offen kommuniziert (Beminghausen, J.; Hecht-El Minshawi 2009: 32). In Low-Kontext-Kulturen wird die Kommunikation überwiegend über das ״gesprochene Wort“ ausgedrückt. Für den Empfänger bleibt wenig Spielraum für Interpretation (Voigt 2009: 31). Die Inhalte werden unverschlüsselt und direkt übertragen (Beminghausen, J.; Hecht-El Minshawi 2009: 32).

In der folgenden Tabelle sind Eigenschaften beider Kulturdimensionen gegenüberge-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Eigene Darstellung: Gegenüberstellung der Low Kontext und High Kontext Kommunikation in Anlehnung an: (f1t4russland.com/russland-kennen-lernen/business/320-low-context-high-context)

Verhältnis zur Zeit

Neben der Kontext Orientierung ist für Hall die Kulturdimension der Zeitorientierung, ein wichtiges Kulturmerkmal. Ein grundsätzliches Problem des Menschen, stellt die Frage nach der Strukturierung des Tagesablaufs dar. Die Zeitstrukturierung kommt im Rhythmus des Menschen zum Ausdruck. Dieser Rhythmus hängt mit der Entwicklung der Persönlichkeit zusammen. Diese Kulturdimension, auch Chronemics genannt, ist in zwei Arten des Elmgangs mit der Zeit eingeteilt. Zum einen hat man Kulturen mit fester Zeitplanung, monochrone Kulturkreise und zum anderen Kulturen mit flexibler Zeitplanung, die polychronen Kulturkreise. In monochronen Kulturkreisen erledigen die Mensehen ihre Aufgaben nacheinander und sehr durchstrukturiert. In polychronen Kulturkreisen werden die eingehenden Aufgaben des öfteren gleichzeitig erledigt. Die Beendigung der Aufgabe und die Zuneigung zum Gegenüber sind dabei wichtiger als das Einhalten von Fristen oder Terminen (IKUD-Seminare).

Folgende Tabelle veranschaulicht typische Charakteristiken der monochronen und

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3:Eigene Darstellung: Gegenüberstellung des monochronen und polychronen Verhalten in Anlehnung an: (Shugk: quelle Hall 1983, s, 31: s 161)

Beziehung zum Raum

Folgende Kulturdimension, auch Proxemics genannt, stellt die Nutzung des Raumes durch eine Person einer jeweiligen Kultur dar, d.h. wie nah sich die Menschen beim Kommunizieren kommen oder ob sie sich beim miteinander Sprechen berühren (Müller 2015: 31). Nach Hall ist der Raum, der Ort des Gefühls für Verortung, der Distanz und der Nähe, das in vielen Kulturen sehr unterschiedlich voneinander ausgeprägt ist.

Es existieren vier unterschiedliche Distanzsphären: die private, die intime, die öffentliche und die soziale Distanz (Schiffmann 2017: 20).

2.3.3 Kulturdimensionen von Fons Trompenaars

Trompenaars, einst Schüler von Hofstede, erforschte die kulturellen Eigenschaften verschiedener Kulturen innerhalb von Wirtschaftsunternehmen. Er bezog seine Ergebnisse auf die Unternehmen skul turen; nicht wie G. Hofstede, der seine Ergebnisse auf die Nationalkulturen bezog. Heutzutage finden seine Kulturdimensionen nicht nur auf Unternehmensebene ihren Gebrauch, sondern auch bei der Erklärung nationaler Eigenschaften. Trompenaars kam nach 15 Jahren Forschung und Untersuchungen in 50 Ländern auf 7 Kulturdimensionen, die sich in drei Problemkategorien einteilen lassen: Die Be­Ziehung zu anderen Menschen, zeitbezogene und umweltbezogene Probleme. Dabei fallen fünf der sieben Dimensionen in die erste Kategorie (Müller 2015: 31).

Universalismus VS. Partikularismus

Die beiden gegenüberliegenden Pole sind in dem Fall die Regel Orientierung und die Beziehungsorientierung. Inwieweit wird sich an Regeln gehalten? Und unter welchen Gegebenheiten werden Ausnahmen gemacht (ebd.)? Der regel ori enti erte Kernsatz lautet vereinfacht: ״ Was gut und richtig ist, kann definiert werden und ist allgemein gültig" (Beminghausen, J.; Hecht-El Minshawi 2009: 39). Die Ausnahme zählt nicht, die Regeln sind wichtiger als zwischenmenschliche Beziehungen und werden befolgt. Im Wirtschaftsleben genießt derjenige das Vertrauen, der das erteilte Wort anerkennt. Beziehungsorientierte Menschen ziehen die Beziehungen zu anderen Menschen dem ״sich an Gesetze halten“ vor. Für beziehungsorientierte Menschen steht Loyalität, Vertrauen und Flexibilität im Vordergrund (Schiffmann 2017: Folie 7).

[...]

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Details

Titel
Interkulturelle Kompetenz. Ein Erfolgsfaktor für den Handel zwischen Deutschland und Bolivien
Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1,5
Autor
Jahr
2017
Seiten
65
Katalognummer
V412234
ISBN (eBook)
9783668661035
ISBN (Buch)
9783668661042
Dateigröße
1939 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interkulturelle, kompetenz, erfolgsfaktor, handel, deutschland, bolivien
Arbeit zitieren
Mauricio Guillen Sardon (Autor), 2017, Interkulturelle Kompetenz. Ein Erfolgsfaktor für den Handel zwischen Deutschland und Bolivien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412234

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