Wie gelingt die Integration von Flüchtlingen? Eine Analyse der Kontakthypothese in Bezug auf den Wohnungsmarkt


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Integration und Kultur
2.2 Ziele von Integration
2.3 Die Kontakthypothese

3. Analyse der Kontakthypothese
3.1 Die Auswirkung von Intergruppenkontakt
3.2 Schlussfolgerungen für die Unterbringung von Flüchtlingen

4. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Zahl der Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl suchen, ist seit dem letzten Jahr wesentlich höher als in den vergangenen 20 Jahren. Im Vergleich zum Jahr 2014 (Vergleichszeitraum Januar bis einschließlich Oktober) stieg die Asylantragszahl von Januar bis einschließlich Oktober 2015 um 144 Prozent (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2015). Dieses Jahr stiegen die Zahlen weiter an: während beispielsweise im Juli 2015 insgesamt 34.385 Asylanträge gestellt wurden, liegt die Zahl der Asylanträge im Juli 2016 bei 72.984 (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2016). Dies bedeutet eine Verdopplung der Anzahl von gestellten Asylanträgen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass immer mehr Menschen aus anderen Ländern in Deutschland leben. Deutschland steht nun vor der Herausforderung, mit den wachsenden Flüchtlingszahlen umzugehen. Mit den steigenden Flüchtlingszahlen wächst jedoch nicht nur die Hilfsbereitschaft unter den Deutschen, sondern auch die Ausländerfeindlichkeit und die Angriffe auf Geflüchtete und Flüchtlingsheime. Vorurteile gegenüber geflüchteten Menschen verhindern die Integration und oft entsteht kein Kontakt zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Zugewanderten.

Eine grundsätzliche Frage, die sich bei der Integration von Asylsuchenden stellt, ist, wie diese Menschen untergebracht werden sollen. Abgesehen von Wohnungsknappheit und Zeitmangel, der aufgrund des schnellen Anstiegs der Anzahl von Flüchtlingen auftritt, muss geklärt werden, ob die Menschen in separaten Unterkünften untergebracht werden sollten, oder ob eine Integration besser funktioniert, wenn sie möglichst verteilt in den Städten wohnen und dadurch in direkten Kontakt mit den Einheimischen kommen.

Um diese Frage zu diskutieren werden im ersten theoretischen Teil dieser Hausarbeit die Begriffe „Integration“ und „Kultur“ erläutert und für diese Arbeit definiert. Zudem werden die Ziele von Integration dargelegt und die Kontakthypothese wird vorgestellt. Im Anschluss erfolgt eine Analyse der Kontakthypothese, die verschiedene Sichtweisen auf die Auswirkungen von Kontakt zwischen unterschiedlichen Gruppen diskutiert. In einem Fazit werden die aus der Analyse gewonnenen Schlussfolgerungen für die Unterbringung von Flüchtlingen zusammengefasst. Am Ende der Arbeit folgt ein kurzer Schlussteil, der zu beantwortende Frage aufgreift und ein Ausblick.

2. Theoretischer Hintergrund

2.1 Integration und Kultur

Integration und Kultur sind Begriffe, die im alltäglichen Sprachgebrauch regelmäßig benutzt werden. Trotzdem gibt es unzählige, leicht unterschiedliche Definitionen der beiden Begriffe. Um die Frage, wie Integration erfolgreich gelingt, zu beantworten, soll vorab klar definiert werden, wie Integration und Kultur in dieser Arbeit verstanden werden.

Heckmann (2015: 69-70) gibt folgende Definition für einen allgemeinen Integrationsbegriff: „Als allgemeines und formales Konzept bezeichnet Integration einen Zustand der Stabilität von Beziehungen zwischen Elementen in einem als interdependentem System verstandenen » Ganzen «, das Grenzen zu seiner Umwelt hat“. In der Migrationsforschung wird Integration konkret als die Eingliederung von Menschen mit Migrationshintergrund in die bestehende Gesellschaft verstanden (ebd.: 71-72). Dies bedeutet, dass „die zugewanderten Menschen die volle gesellschaftliche Mitgliedschaft erworben haben und dass ihre Herkunft für die Strukturierung sozialer Beziehungen und für den Erwerb und die Zuweisung gesellschaftlicher Positionen irrelevant geworden ist“ (ebd.: 78). Dabei meint der Begriff der Integration in Abgrenzung zum Begriff der Assimilation, dass sowohl Einheimische, wie auch Menschen mit Migrationshintergrund Lernprozesse durchlaufen, durch die sich beide einander annähern und öffnen. Der Begriff Assimilation wurde lange Zeit als Synonym des Begriffs Integration verwendet, da von einer Anpassung seitens der Einwanderer an die bestehende Kultur ausgegangen wurde (Caballero 2009: 49). In dieser Arbeit wird jedoch bewusst unterschieden, zwischen Assimilation, die eine einseitige Anpassung der Zugewanderten meint und Integration, worunter eine wechselseitige Anpassung seitens der Zugewanderten und der Aufnahmegesellschaft verstanden wird.

Eine Voraussetzung für die Annäherung verschiedener Kulturen ist ein dynamischer, prozessbezogener Kulturbegriff, der Veränderung einer Kultur zulässt. So wird Kultur in dieser Arbeit aufgefasst, als „das, was sich Individuen vor dem Hintergrund ihrer lebensweltlichen Wahrnehmungen und Erfahrungen in ihrem Denken und Handeln zu eigen machen“ (Bolscho / Hauenschild 2000: 232). Franz Hamburger definiert Kultur als ein anpassungs- und wandlungsfähiges System, das mehrere Ebenen vorweist und keine eindeutigen Grenzen hat. Die Kulturen der Gesellschaften überschneiden sich zum Beispiel in Sozialisation, Politik oder Ökonomie (Hamburger 2012: 108). Die Auffassungen, dass die eigene Kultur sich verändert und verschiedene Kulturen in bestimmten Punkten übereinstimmen, sind die Voraussetzungen dafür, dass sich unsere Gesellschaft in Folge von Zuwanderung und Integration verändert und eine pluralistische Gesellschaft entsteht. Somit ist das Verständnis von Kultur als ein prozessfähiges, wandelbares Konstrukt eine Grundlage für die folgende Arbeit.

2.2 Ziele von Integration

In der Soziologie wird zwischen Integration als Systemintegration und Integration als Sozialintegration unterschieden. Die vorliegende Arbeit bezieht sich auf den Begriff der Sozialintegration, welcher vier verschiedene Dimensionen des Individuums abdeckt und der somit vier verschiedene Dimensionen von Integration zum Ziel hat (siehe z.B. Heckmann 2015: 72): die strukturelle, die kulturelle, die soziale und die identifikative Integration. Die strukturelle Integration hat die Mitgliedschaft und Teilhabe in Institutionen, wie Schule, Arbeitsmarkt und Wirtschaftssystem, sowie die Integration in den Wohnungsraum zum Ziel. Damit verbunden ist die kulturelle Integration, die die Akzeptanz und Aneignung der Werte, Normen und Gesetzte der bestehenden Gesellschaft beinhaltet. Außerdem spielt hierbei die sprachliche Kompetenz eine wichtige Rolle. Die soziale Integration zielt auf die Interaktion mit Einheimischen einer Gesellschaft ab und lässt sich durch Freundschaften, Eheschließungen und den Kontakt zu Einheimischen erkennen. Eng damit verknüpft ist die identifikative Integration, die die persönliche Identifizierung mit dem neuen Heimatland zum Ziel hat (siehe z.B. Heckmann 2015: 72-73).

Die vier erläuterten Dimensionen verdeutlichen die verschiedenen Ziele, die Integrationsprozesse haben. Dabei ist zu beachten, dass alle vier Dimensionen miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig bedingen. Zudem ist die Aufnahmebereitschaft der einheimischen Gesellschaft eine Voraussetzung für das Gelingen von Integrationsprozessen (ebd.). Die Ziele von Integration sind also nicht nur einseitig auf die Zugewanderten zu beziehen, sondern auch auf die Aufnahmegesellschaft. Somit ist der Abbau von Vorurteilen und Stereotypen sowohl der Zuwanderer als auch der Einheimischen eine notwendige Bedingung damit Integration gelingt.

Von gelungener Integration spricht Caballero (2009: 57) „wenn hinsichtlich der Verteilung bestimmter Merkmale zwischen den (ethnischen) Gruppen kaum systematische Unterschiede feststellbar sind. Schlicht auf den Punkt gebracht zeigt sich eine gelungene Integration dann, wenn Migranten und Einheimische faktisch in gleicher Weise an den Rechten und Ressourcen einer Gesellschaft partizipieren“.

2.3 Die Kontakthypothese

Im vorherigen Kapitel wurde herausgearbeitet, dass eine Offenheit und ein Abbau von Vorurteilen der Aufnahmegesellschaft gegenüber der Zugewanderten sowie der Zugewanderten gegenüber der Aufnahmegesellschaft eine grundlegende Voraussetzung für erfolgreiche Integration ist. Der Psychologe Gordon W. Allport hat in Bezug auf den Kontakt zwischen verschiedenen Gruppen folgende Hypothese aufgestellt:

Vorurteile können (wenn sie nicht tief in der Persönlichkeit des Einzelnen verwurzelt sind) durch gleichberechtigten Kontakt zwischen Majorität und Minorität beim Verfolgen gemeinsamer Ziele verringert werden. Die Wirksamkeit ist sehr viel größer, wenn der Kontakt durch institutionelle Unterstützung sanktioniert wird (z.B. durch Gesetze, Sitten und die örtliche Atmosphäre) und so beschaffen ist, dass er zur Entdeckung gemeinsamer Interessen und der gemeinsamen Menschlichkeit beider Gruppen führt (Allport, 1954, übersetzt in Stürmer 2006: 281).

Die Kontakthypothese legt demnach nahe, dass vermehrter Kontakt zwischen verschiedenen Gruppen Vorurteile reduziert und die kulturelle und soziale Integration fördert. Außerdem geht die Kontakthypothese davon aus, dass räumliche Segregation verschiedener Gruppen, also die „Konzentration bestimmter sozialer Gruppen auf bestimmte Teilräume eines Gebietes, einer Stadt oder einer Stadtregion“ (Häußermann/ Siebel 2001: 28), den Kontakt mit der dominierenden Kultur erschwert und dadurch die Integration behindert (ebd.: 45).

3. Analyse der Kontakthypothese

Im vorherigen Kapitel wurde die Kontakthypothese vorgestellt. Nun soll diskutiert werden, ob der Kontakt zwischen Mitgliedern verschiedener Gruppen den Abbau von Vorurteilen fördert und zu gegenseitigem Verständnis führt, also die Kontakthypothese zutrifft, oder ob genau das Gegenteil eintritt und Kontakt zwischen Mitgliedern verschiedener Gruppen zu einer Verschärfung der Vorurteile und Konflikte führt (Stürmer 2008: 283). Daraus resultierende Empfehlungen für die Unterbringung von Flüchtlingen sollen in einem zweiten Teil der Analyse formuliert werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Wie gelingt die Integration von Flüchtlingen? Eine Analyse der Kontakthypothese in Bezug auf den Wohnungsmarkt
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V412264
ISBN (eBook)
9783668646254
ISBN (Buch)
9783668646261
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Flüchtlinge, Kontakthypothese, Integration
Arbeit zitieren
Lea Pohlmann (Autor), 2016, Wie gelingt die Integration von Flüchtlingen? Eine Analyse der Kontakthypothese in Bezug auf den Wohnungsmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412264

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