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Willensfreiheit. Grundlegende und weiterführende Ansätze der Freiheitsdebatte

Title: Willensfreiheit. Grundlegende und weiterführende Ansätze der Freiheitsdebatte

Diploma Thesis , 2016 , 77 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Emanuel Schmidt (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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Folgenden Hauptanliegen soll in dieser Arbeit nachgegangen werden: Zunächst beabsichtige ich, die unterschiedlichen Positionen des Freiheitsdiskurses zu prüfen, um mich anschließend einer Position anzuschließen und diese um weitere Elemente zu erweitern. Dabei ist es mir wichtig, einen Freiheitsbegriff zu formulieren, der wenige Kompromisse eingehen muss. Außerdem habe ich vor zu zeigen, dass uns trotz vielfältiger Bedingungsfaktoren weiterhin Freiheit zur Verfügung steht, wir aber Verantwortung für sie übernehmen sowie uns Fähigkeiten aneignen müssen, um diesen Freiheitsspielraum nutzen und erweitern zu können. Welche Kompetenzen wir uns aneignen können, um einen selbstbestimmten und freien Willen ausbilden zu können, ist ein weiteres Anliegen dieser Untersuchung. Wenn wir Freiheit wollen, müssen wir uns diese nicht nur gestatten, sondern auch erlernen und Verantwortung für sie übernehmen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

1.2 Vorgehensweise

2. Freiheitsbegriffe

3. Determinismus

3.1 Arten und Auffassungen des Determinismus

3.2 Bereichsdeterminismus

3.3 Determinismus und Kausalität

3.4 Ist der Determinismus wahr?

4. Kompatibilismus

4.1 Freiheit und Determinismus

4.2 Der klassische Kompatibilismus John Lockes

4.3 Moderne Positionen des Kompatibilismus

5. Inkompatibilismus

5.1 Harter Determinismus

5.2 Libertarismus

5.2.1 Eckpfeiler des Libertarismus

5.2.2 Probleme des Libertarismus

5.2.3 Der fähigkeitsbasierte Libertarismus Geert Keils

6. Der freie Wille und die Hirnforschung

6.1 Der freie Wille, eine Illusion?

6.2 Schuld und Strafe - Moral und Verantwortung

6.3 Konsequenzen der Erkenntnisse der Hirnforschung

6.4 Das Libet-Experiment

6.5 Kritische Anmerkung

7. Das naturwissenschaftliche Paradigma

8. Mein vorläufiger Begriff von Willensfreiheit

9. Von der bedingten zur angeeigneten Freiheit

9.1 Nur ein eigener Wille ist ein freier Wille

9.2 Flucht vor der Freiheit

9.3 Entscheidungsfreiheit

9.4 Willensfreiheit durch Selbststeuerung

9.5 Freiheit trotz Fremdbestimmung

9.6 Freiheit vom Willen

10. Mein erweiterter Begriff von Willensfreiheit

11. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Willensfreiheit und Determinismus. Das Hauptziel besteht darin, die libertarische Position – insbesondere den fähigkeitsbasierten Libertarismus nach Geert Keil – zu prüfen, zu verteidigen und um eigene Elemente der Selbststeuerung zu erweitern, um eine ganzheitliche Antwort auf die Frage nach der Freiheit des Willens zu geben.

  • Kritische Analyse von Determinismus und Kompatibilismus.
  • Untersuchung der Herausforderungen durch die Hirnforschung.
  • Entwicklung eines erweiterten Begriffs der Willensfreiheit durch Selbststeuerungsfähigkeiten.
  • Bedeutung der praktischen Umsetzung von Freiheit im Alltag.
  • Die Rolle der "Freiheit vom Willen" als ergänzende Perspektive.

Auszug aus dem Buch

3.3 Determinismus und Kausalität

In der Literatur werden das Kausalitätsprinzip und das Determinismusprinzip nicht selten synonym verwendet. Das passiert dann, wenn von einer nomologischen d.h. gesetzesartigen Kausalität ausgegangen wird.49 So setzte Kant die Aussage, dass jedes Ereignis notwendig eine Ursache erfordere, mit der Aussage gleich, dass alle Ereignisse allgemeinen Gesetzen unterliegen.50 Mittlerweile gibt es hingegen Kausalitätstheorien, die sich nicht auf strikte Kausalgesetze stützen. Das ergibt vor allem in zweierlei Hinsicht Sinn: Einerseits spricht gegen die Gleichsetzung vom Kausalitätsprinzip und dem universalen Determinismus die logische Folgerung, dass beim Kausalitätsprinzip frühere Ereignisse zwar spätere verursachen, aber nicht umgekehrt. Ein universaler Determinismus wirkt hingegen in beide Zeitrichtungen.

Andererseits ist vor allem eine Nichtgleichsetzung beider Prinzipien für den Libertarismus wichtig, denn viele Libertarier sind zwar der Ansicht, dass Freiheit mit Determinismus nicht vereinbar ist, mit einem nichtdeterministischen Kausalitätsprinzip allerdings schon. Man ist sich demnach im Klaren darüber, dass Gedanken, Handlungen und Entscheidungen auf Ursachen beruhen, nicht aber auf deterministischen Ursachen.51 Markus Gabriel unterscheidet deswegen explizit zwischen „Gründen“ und sogenannten „harten Ursachen“. Er stützt sich dabei auf Leibniz, der den „Satz vom zureichenden Grund“ formulierte. Dieser besagt, dass es für alles, was geschieht, eine Reihe an Gründen gibt, dass es geschieht.52 Für die Entscheidung, am Montag ins Kino zu gehen, gibt es demnach viele Gründe: weil montags Kinotag ist, das Wetter, das Interesse für den Film, genügend Geld, ein fußläufiges Kino, etc. Man kann diese Liste unendlich fortsetzen, zumal man nicht bestimmen kann, welche Gründe alle an der Entscheidung, am Montag ins Kino zu gehen, beteiligt waren.

Jeder Grund ist für sich genommen eine notwendige Bedingung für die Entscheidung. Keine der Bedingungen ist für sich genommen hinreichend. Erst wenn mehrere Bedingungen auf der Liste zusammenfallen, kommt es zu der Entscheidung. „Nur zusammengenommen sind die notwendigen Bedingungen dafür hinreichend“53, dass ich entschließe, am Montag ins Kino zu gehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Willensfreiheit und Skizzierung der methodischen sowie inhaltlichen Vorgehensweise der Arbeit.

2. Freiheitsbegriffe: Untersuchung und Spezifizierung des Begriffs der Willensfreiheit und dessen Abgrenzung zur Handlungsfreiheit.

3. Determinismus: Detaillierte Betrachtung verschiedener Formen des Determinismus sowie das Verhältnis zwischen Kausalität und Determinismus.

4. Kompatibilismus: Kritische Auseinandersetzung mit der These, dass Determinismus und Willensfreiheit vereinbar seien, inklusive klassischer und moderner Positionen.

5. Inkompatibilismus: Diskussion der Unvereinbarkeitsthese und detaillierte Erläuterung des Libertarismus als Gegenspieler zum harten Determinismus.

6. Der freie Wille und die Hirnforschung: Kritische Analyse der neurowissenschaftlichen Argumente gegen die Existenz eines freien Willens.

7. Das naturwissenschaftliche Paradigma: Fortgeführte Kritik an der materialistisch-reduktionistischen Herangehensweise der Neurowissenschaften.

8. Mein vorläufiger Begriff von Willensfreiheit: Synthese der zuvor erörterten Positionen und Einnahme einer eigenen libertarischen Perspektive.

9. Von der bedingten zur angeeigneten Freiheit: Praktische Untersuchung von Freiheitseinschränkungen und Entwicklung von Bewältigungsstrategien für ein selbstbestimmtes Handeln.

10. Mein erweiterter Begriff von Willensfreiheit: Zusammenfassende Darstellung der erweiterten Bestimmungskriterien für einen ganzheitlichen Freiheitsbegriff.

11. Fazit und Ausblick: Abschließende Bewertung der Thematik und Aufzeigen potenzieller weiterer Forschungsfelder.

Schlüsselwörter

Willensfreiheit, Determinismus, Libertarismus, Kompatibilismus, Hirnforschung, Selbststeuerung, Kausalität, Entscheidung, Handlungsvermögen, Autonomie, Selbstbestimmung, Neurodeterminismus, Praktische Philosophie, Verantwortung, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Debatte über die Willensfreiheit und prüft die Vereinbarkeit von menschlicher Freiheit mit deterministischen Weltbildern.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Felder sind die Analyse von Freiheitsbegriffen, die Auseinandersetzung mit deterministischen Theorien sowie der Einfluss der modernen Hirnforschung auf das Verständnis des freien Willens.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, einen libertarischen Freiheitsbegriff zu formulieren, der trotz der Bedingtheit unseres Wollens und Handelns ein hohes Maß an Selbstbestimmung und Verantwortung ermöglicht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philosophische Diskursanalyse, kombiniert mit interdisziplinären Erkenntnissen aus der Psychologie, Soziologie und den Neurowissenschaften.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Prüfung verschiedener Freiheitskonzepte und einen praxisorientierten Teil zur Stärkung der persönlichen Selbststeuerungsfähigkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Willensfreiheit, Determinismus, Libertarismus, Selbststeuerung und Verantwortung.

Wie bewertet der Autor die Thesen der Hirnforschung?

Der Autor steht den neurowissenschaftlichen Thesen, die den freien Willen als bloße Illusion darstellen, kritisch gegenüber und weist auf methodische Schwachstellen sowie Perspektivenprobleme hin.

Warum ist der "fähigkeitsbasierte Libertarismus" zentral für die Arbeit?

Dieses Konzept dient als Ausgangspunkt, da es Freiheit nicht als bloße Abwesenheit von Zwang sieht, sondern als aktive Fähigkeit zur überlegten und hindernisüberwindenden Willensbildung.

Was versteht der Autor unter "Freiheit vom Willen"?

Dies beschreibt einen Zustand der Achtsamkeit und Distanz gegenüber repetitivem Wollen, der es ermöglicht, sich aus kollektiven und gesellschaftlichen Konditionierungen zu befreien.

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Details

Title
Willensfreiheit. Grundlegende und weiterführende Ansätze der Freiheitsdebatte
College
RWTH Aachen University  (Philosophische Fakultät)
Grade
1,0
Author
Emanuel Schmidt (Author)
Publication Year
2016
Pages
77
Catalog Number
V412293
ISBN (eBook)
9783668637931
ISBN (Book)
9783668637948
Language
German
Tags
Freier Wille Willensfreiheit Determinismus Kompatibilismus Inkompatibilismus Libertarismus Hirnforschung Neurophilosophie Libet-Experiment Geert Keil Wissenschaftskritik Erich Fromm Flucht vor der Freiheit Fremdbestimmung Freiheit vom Willen Selbststeuerung Kant Joachim Bauer Peter Bieri Markus Gabriel Thomas Metzinger Thomas Nagel Michael Pauen Wolf Singer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Emanuel Schmidt (Author), 2016, Willensfreiheit. Grundlegende und weiterführende Ansätze der Freiheitsdebatte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412293
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