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Abriss, Erhalt oder Rekonstruktion? Die Kontroverse um den künftigen Umgang mit den baulichen Überresten des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes Nürnberg

Title: Abriss, Erhalt oder Rekonstruktion? Die Kontroverse um den künftigen Umgang mit den baulichen Überresten des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes Nürnberg

Bachelor Thesis , 2017 , 72 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: B.A. Alexander Würth (Author)

History of Germany - Modern History
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Summary Excerpt Details

Im Nationalsozialismus hatte die Architektur, die Hitler zur Staatskunst erhoben hatte, herausgehobene propagandistische Funktionen. Die in Nürnberg entstandenen Bauten der nationalsozialistischen Architektur, wurden von Hitler und seinen Architekten als Beleg für den Ewigkeitsanspruch des "Dritten Reiches" entworfen. Sie waren nach wenigen Reichsparteitagen und sechs Kriegsjahren nichts weiter als ein riesiges Aufmarschgelände mit mehreren stillgelegten Großbaustellen vor den Toren des fast vollständig zerstörten Nürnbergs.

Dennoch sind die baulichen Hinterlassenschaften im Kontrast zur sonstigen Bebauung und Infrastruktur so überdimensional, dass sie bis heute den Südosten Nürnbergs optisch prägen. Wie mit dieser Hinterlassenschaft, dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände, umgegangen werden soll, hat die Nürnberger Bevölkerung und auch überregionale Öffentlichkeit seit Kriegsende 1945 schon mehrfach beschäftigt. Mehrere Generationen haben sich mit dem Erbe der baulichen Überreste nationalsozialistischer Selbstinszenierung auseinandergesetzt - und dies geschah über die vergangenen 70 Jahre hinweg auf unterschiedliche Weise: Zunächst herrschten Pragmatismus und Verdrängung vor. Pragmatismus deshalb, weil das Wenige, das nutzbar schien, weitergenutzt wurde - die Zeppelintribüne als das, was sie auch bei den Reichsparteitagen war, als Zuschauertribüne und das Zeppelinfeld als Versammlungs- und Veranstaltungsort für Massenveranstaltungen. Verdrängung deshalb, weil auch Teile des Geländes und der Bauten einfach beseitigt wurden. Von der Luitpoldarena und ihren Zuschauertribünen, vom Märzfeld mit seinen gigantischen Türmen ist nichts mehr zu sehen. Die Kolonnaden der Zeppelintribüne wurden 1967 gesprengt, die Seitentürme abgetragen. Über die Beseitigungen hinaus ist auch die Weiternutzung der Bauten jahrzehntelang ohne jeglichen Hinweis auf die Geschichte und Bedeutung des Geländes geblieben, die "trivialisierte Nutzung" der Bauten außerhalb historischer Einordnung kann auch als Verdrängung interpretiert werden.

So steht Nürnberg und das Reichsparteitagsgelände durchaus symptomatisch für einen nicht nur hier vorzufindenden wechselhaften Umgang mit dem Erbe des Nationalsozialismus.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

I.1 Relevanz

I.2 Fragestellung und Methode

I.3 Forschungsstand und Quellenlage

II Reichsparteitagsgelände – Eine Kontroverse

II.1 Geschichte des Areals bis 1945

II.1.1 Vom Wasserspeicher zum Freizeitpark

II.1.2 Errichtung des Reichsparteitagsgeländes und Erweiterungspläne

II.1.3 Kulisse für die Inszenierung des Nationalsozialismus

II.1.4 Kriegsjahre

II.2 Nutzung nach 1945

II.2.1 Pragmatismus

II.2.2 Verdrängung

II.2.3 Aufarbeitung

II.3 Positionen zum künftigen Umgang

II.3.1 Bestanderhalt

II.3.2 Kontrollierter Verfall

II.3.3 Rückbau

II.3.4 Rekonstruktion

II.3.5 Künstlerische Nutzung

II.3.6 Beseitigung

II.4 Rechts- und Beschlusslage

II.4.1 Denkmalschutz

II.4.2 Stadt Nürnberg

II.4.3 Freistaat Bayern

II.4.4 Bundesrepublik Deutschland

II.5 Aktuelle Maßnahmen

III Schluss

III.1 Bewertung

III.2 Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die vielschichtige Entstehungs- und Nutzungsgeschichte des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg mit Fokus auf die Zeit nach 1945. Ziel ist es, die kontroversen Debatten um den Umgang mit diesen baulichen Überresten des Nationalsozialismus zu analysieren, verschiedene Positionen der Protagonisten aufzuarbeiten und die aktuelle Rechts- sowie Beschlusslage kritisch zu bewerten.

  • Historische Entwicklung des Areals von den Anfängen bis zur NS-Zeit.
  • Die pragmatische, verdrängende und später aufarbeitende Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg.
  • Analyse der verschiedenen Debatten (Bestanderhalt vs. Rückbau/Verfall).
  • Die Rolle der städtischen, landes- und bundesweiten Akteure bei der Entscheidungsfindung.
  • Kritische Würdigung der aktuellen Maßnahmen zur Sanierung und Vermittlung.

Auszug aus dem Buch

II.1.1 Vom Wasserspeicher zum Freizeitpark

Das Gelände um den im späten Mittelalter angelegten Dutzendteich im Nürnberger Südosten war bereits früh ein verkehrstechnisch gut erschlossenes und damit aus der nah gelegenen Stadt Nürnberg leicht erreichbares Naherholungs- und Freizeitgebiet. Am heutigen Standort der Kongresshalle stand seit dem Jahr 1713 für etwa 185 Jahre das erste Wirtshaus am Dutzendteich, zuvor hatte der städtische Seewärter bereits 1690 das Schankrecht erhalten. Hier wurde im Jahr 1912 der 20 Hektar große Nürnberger Tiergarten eröffnet, mit künstlich modellierten Landschaften und langen, idyllischen Promenaden am Dutzendteichufer. Dieser Tiergarten musste allerdings 1939 den Ausbauplänen des Reichsparteitagsgeländes weichen und wurde geschlossen. Das benachbarte, parkähnliche Areal des Luitpoldhains entstand zunächst als Ausstellungsgelände für die Bayerische Jubiläums-Landesausstellung für Gewerbe, Industrie und Kunst, die im Jahr 1906 abgehalten wurde. Neben der neu angelegten, weitläufigen Parkanlage überdauerte die Ausstellung auch die im modernen Jugendstil errichtete Maschinenhalle (Luitpoldhalle) welche bald auch Stadthalle für diverse Großveranstaltungen fungierte.

Am 28. August 1909 landete auf dem südlichen Dutzendteichgelände der Zeppelin III des Grafen Zeppelin, das Areal wurde – auch wegen der immer wieder stattfindenden Luftschifflandungen – Zeppelinwiese genannt. Dieser Bereich des Dutzendteichgeländes war seit Beginn der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts für die Errichtung eines Sportgeländes mit Stadion für 50.000 Zuschauer vorgesehen, der Baubeginn erfolgte im Jahr 1926. Das im modernen Bauhausstil errichtete, achteckige Stadion wurde 1928 fertiggestellt.

Zusammenfassung der Kapitel

I Einleitung: Einführung in die Thematik der baulichen Hinterlassenschaften des Nationalsozialismus in Nürnberg und Vorstellung der methodischen Vorgehensweise.

II Reichsparteitagsgelände – Eine Kontroverse: Analyse der historischen Entwicklung, der wechselhaften Nachkriegsnutzung und der verschiedenen Positionen zum künftigen Umgang mit den Bauten.

III Schluss: Kritische Bewertung der bisherigen Auseinandersetzung mit dem NS-Erbe und ein Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen bei der Erhaltung und Vermittlung.

Schlüsselwörter

Reichsparteitagsgelände, Nationalsozialismus, Nürnberg, Zeppelintribüne, Kongresshalle, Denkmalpflege, Erinnerungskultur, NS-Architektur, Nachkriegszeit, Dokumentationszentrum, Kontroverse, Städtebau, Instandsetzung, Gedenkstätte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte und dem aktuellen Umgang mit den baulichen Überresten des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg, insbesondere im Hinblick auf die Debatte zwischen Erhalt, Verfall und Rekonstruktion.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentral sind die historische Nutzung des Areals, der Wandel der Erinnerungskultur nach 1945 sowie die aktuellen politisch-baulichen Strategien der Stadt Nürnberg und des Bundes.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Im Zentrum steht die Untersuchung, wie mit den baulichen Relikten des Nationalsozialismus unter Berücksichtigung ihrer historischen Bedeutung und ihres baulichen Zustands umgegangen werden sollte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Arbeit, die auf der Analyse von Fachliteratur, Dokumentationen, amtlichen Leitlinien und zeitgenössischen Quellen basiert.

Was behandelt der Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse bis 1945, die Betrachtung der pragmatischen und verdrängenden Nachkriegsnutzung sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit den verschiedenen Positionen zum künftigen Umgang.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Reichsparteitagsgelände, NS-Erbe, Denkmalschutz, Erinnerungskultur und Transformation der Nutzung.

Wie hat sich die Nutzung des Zeppelinfelds nach dem Krieg verändert?

Das Gelände wurde zunächst pragmatisch genutzt, etwa für Motorsport-Veranstaltungen wie das Norisring-Rennen oder als Austragungsort für Großkonzerte, oft unter Inkaufnahme des fortschreitenden Verfalls der Bausubstanz.

Welche Rolle spielt die Zeppelintribüne in der aktuellen Diskussion?

Die Zeppelintribüne ist das prominenteste Beispiel für die Debatte um Instandsetzung versus Verfall. Sie wird heute als Teil der Erinnerungskultur betrachtet, wobei die Kosten für eine Sanierung und die Art der musealen Vermittlung intensiv debattiert werden.

Was ist das Ziel des aktuellen Konzepts der Stadt Nürnberg?

Ziel ist es, das Gelände als authentischen Lernort zu begreifen, der den NS-Kontext vermittelt, ohne ihn zur Kulisse für neue Inszenierungen verkommen zu lassen.

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Details

Title
Abriss, Erhalt oder Rekonstruktion? Die Kontroverse um den künftigen Umgang mit den baulichen Überresten des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes Nürnberg
College
Catholic University Eichstätt-Ingolstadt  (Lehrstuhl für Neuere/Neueste Geschichte)
Grade
1,0
Author
B.A. Alexander Würth (Author)
Publication Year
2017
Pages
72
Catalog Number
V412335
ISBN (eBook)
9783668634831
ISBN (Book)
9783668634848
Language
German
Tags
Reichsparteitagsgelände Reichsparteitag Nationalsozialismus Baugeschichte Denkmalschutz Sanierung Zeppelintribüne Kongresshalle Nürnberg Norisring Zeppelinfeld Albert Speer Pragmatismus Aufarbeitung Verdrängung Erinnerungskultur Kulturelles Gedächtnis Kollektives Gedächtnis Abriss Verfallen lassen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Alexander Würth (Author), 2017, Abriss, Erhalt oder Rekonstruktion? Die Kontroverse um den künftigen Umgang mit den baulichen Überresten des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes Nürnberg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412335
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