Resource Dependency Theory des strategischen Managements. Wie kann die Abhängigkeit zwischen Unternehmen reduziert werden?


Seminararbeit, 2017
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Methodische Vorgehensweise

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Organisationskonzept der Resource Dependency Theory

3. Zusammenführung
3.1 Maßnahmen zur Reduktion der Abhängigkeit
3.1.1 Anpassung an die Umwelt
3.1.2 Kontrolle der Umwelt
3.1.3 Kooperation und Verhandlung mit der Umwelt
3.1.4 Kooptation
3.1.5 Lobbyismus
3.2 Show Case

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Eigene Darstellung „Drei Ebenen der Umwelt einer Organisation“

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Keine Organisation kann ihre Unternehmenstätigkeit unabhängig von Lieferantengestalten. Organisationen stehen in wechselseitigen Beziehungen zu Ihrer Umwelt. JedesUnternehmen benötigt Ressourcen als Input um, mit diesen Ressourcen einen Outputherstellen zu können. Es besteht eine Abhängigkeit zwischen Organisationen und den fürSie relevanten Umweltakteuren, welche nicht zwingend in einem ausgeglichenen Verhältnis stehen muss (Pfeffer, Salancik, 1978, S. 41). Durch diese Ressourcenabhängigkeit zwischen Unternehmen herrscht ein, nicht immer vorhersehbares, Abhängigkeitsverhältnis. Die Unternehmen müssen zukunftsorientiert denken und handeln um auf Dauer ihre Existenz am Markt zu festigen. Aufgrund einer globalisierten Wirtschaft und eines meist stark ausgeprägten Wettbewerbs, bemühen sich die Organisationen immer mehr darum Ihre Unabhängigkeit zu steigern. Je wichtiger die Ressource für die Organisation ist, desto mehr Macht hat der Ressourcengeber gegenüber dem Ressourcennehmer, und umso abhängiger ist die Organisation.

1.2 Zielsetzung

Die Zielsetzung der Resource Dependency Theory ist es, die eigeneRessourcenabhängigkeit einer Organisation zu minimieren und somit weitestgehendunabhängig von anderen Umweltakteuren zu gestalten. Hinsichtlich dieserGrundannahme befasst sich diese Ausarbeitung mit möglichen Ansätzen um dieRessourcenabhängigkeit von Organisationen zu reduzieren und demzufolge eineBeeinflussung durch die Umwelt in einem vertretbaren Rahmen zu halten.

1.3 Methodische Vorgehensweise

Im Verlauf dieser Hausarbeit wird das Thema der Resource Dependency Theory, basierend auf dem Buch „The External Control of Organization - A Resource Dependence Perspective“ von Jeffrey Pfeffer und Gerald R. Salancik, unter Berücksichtigung des Aspektes der Reduktionsmöglichkeiten der Ressourcenabhängigkeit, behandelt. Um ein allgemeines Verständnis zu schaffen, wirdzu Beginn des ersten Abschnitts der Begriff der Resource Dependency Theory definiert.Im Anschluss folgt die Darstellung des Organisationskonzepts der Resource DependencyTheory. Der zweite Abschnitt dieser Hausarbeit behandelt fünf unterschiedliche Ansätze,um die Ressourcenabhängigkeit von Organisationen zu minimieren. Im Anschluss an dieaufgeführten Reduktionsmaßnahmen wird anhand eines Fallbeispiels der VolkswagenAG deutlich gemacht, welche Auswirkungen die Abhängigkeit von Zulieferbetriebenhaben kann und wie gegen die vorhandene Abhängigkeit hätte vorgegangen werdenkönnen. Abschließend befasst sich der dritte Abschnitt mit einem Fazit der vorherbehandelten Ansätze, vor dem Hintergrund, wie die Ressourcenabhängigkeit vonOrganisationen bestmöglich minimiert werden kann.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Begriffsdefinition

Die Resource Dependency Theory ist ein Ansatz von Jeffrey Pfeffer und Gerald R.Salancik, welcher in dem im Jahr 1978 veröffentlichten Buch “The External Control ofOrganization - A Resource Dependence Perspective“ (Pfeffer, Salancik, 1978), aus einerexternen Perspektive, Organisationen und deren Handlungen anhand der gegenseitigenAbhängigkeiten analysiert. Die Ressource Dependency Theory basiert auf Theorieelementen aus verschiedenen verhaltenswissenschaftlichen Organisationstheorien wie zum Beispiel der Koalitionstheorie von Cyert und March, sowie der Beitrags-Theorie von March und Simon (Steimle, 2008, S. 144).

2.2 Organisationskonzept der Resource Dependency Theory

Die Hauptannahme der Resource Dependency Theory ist, dass jede OrganisationRessourcen aus der Umwelt für die eigene Existenzsicherung benötigt. Die ResourceDependency Theory sieht die Umwelt als einen beeinflussbaren Faktor an, welchem dieObjektivität genommen werden kann (Nienhüser, 1998, S. 244). Ein wichtigerBestandteil für die Gewährleistung derr Versorgung mit den benötigten Ressourcen istdie Anerkennung der Unternehmenstätigkeit durch die beteiligten Umweltakteure (Pfeffer, Salancik, 1978, S.24). Als Ressourcen werden nicht ausschließlich Gütermaterieller Natur gesehen, sondern „Resources can be almost anything that is perceivedas valuable“ (Pfeffer, 1992, S. 87), worunter auch die Qualifikationen und Fähigkeitender Mitarbeiter einer Organisation zu verstehen sind. In der Resource Dependency Theorygibt es einen Akteur, welcher die Kontrolle über eine Ressource hat, sowie einen Akteurwelcher auf die Ressource angewiesen ist. Durch dieses Ungleichgewicht verfügt derRessourcengeber über einen Einfluss gegenüber dem Ressourcennehmer, welcher durchdie Wichtigkeit der Ressource definiert wird (Pfeffer, Salancik, 1978, S. 45ff). Wer indieser wechselseitigen Tauschbeziehung mehr Macht aufgrund der Ressourcengewaltbesitzt, hat eine bessere Chance seine Interessen gegenüber der anderen Organisationdurchzusetzen (Pfeffer, 1987, S. 27). Zudem spielt es eine wichtige Rolle, wie vieleAnbieter einer Ressource am Markt vorhanden sind, beziehungsweise ob es verschiedeneMöglichkeiten gibt einen Zugang zu der benötigten Ressource zu erlangen. DieRessourcenabhängigkeit wird durch die Verfügungsgewalt beeinflusst. Die drei Arten derVerfügungsgewalt über eine Ressource sind der Besitz einer Ressource, die Kontrolle desZugangs zu einer Ressource (Pfeffer, Salancik, 1978, S 48) sowie die tatsächlicheNutzung einer Ressource (Knyphausen-Aufseß, 1997, S. 466). Organisationen sindeingebunden in einem Konstrukt von diversen Interaktionen, in denen Ressourcenuntereinander getauscht werden. Für wirtschaftliche Transaktionen bedeutet dies, dass dieOrganisationen sowohl Ressourcengeber als auch Ressourcennehmer sind (Kloyer, 1995, S. 12), und somit einen Input beziehen um einen Output zu erstellen. Der Erfolgsmaßstabder Resource Dependency Theory nach Pfeffer und Salancik ist die Effektivität. AlsEffektivität ist das Verhältnis zwischen Input und Output zu verstehen. DieVoraussetzung für diese Annahme ist, dass eine langfristig bestehende Existenz einerOrganisation nicht als Selbstverständlichkeit gesehen werden kann, und diese somitgezwungenermaßen effektiv sein muss, um die Existenz der Organisation zu sichern(Pfeffer, Salancik, 1978, S. 2). Die neutrale Bewertung der Effektivität ist relativ, da dieseim Zusammenhang mit den jeweiligen Anspruchsgruppen steht, welche unterschiedlicheKriterien zur Bewertung der Effektivität haben können. Es ist nicht nur der Output zubewerten, sondern auch die Art und Weise wie der Output hergestellt wird. DieAnerkennung der Organisation spielt hierbei wiederum eine wichtige Rolle, da dieLegitimität nicht auf Dauer verliehen wird, jedoch als eine Grundlage zur Sicherung des Ressourcenbezugs gesehen wird und unter ständiger Kontrolle der Ressourcengeber steht (Pfeffer, Salancik, 1978, S. 194). Das Organisationsverständnis im Zusammenhang mit der Resource Dependency Theory, betrachtet die Handlungen der Organisationen, anstatt der Angestellten, als grundlegendes Element. Die Angestellten einer Organisation können jederzeit durch andere Mitarbeiter ersetzt werden, welche die Handlungen der Organisation fortführen können (Pfeffer, Salancik, 1978, S. 30f.). Die Umwelt kann auf die Leistungsergebnisse der Organisationen einen Einfluss haben ohne einen direkten Kontakt zu der Organisation zu haben. Hierbei werden drei unterschiedliche Ebenen unterschieden, welche anhand der Wahrnehmungsmöglichkeit der Organisation differenziert werden (Pfeffer, Salancik, 1978, S. 63).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Eigene Darstellung „Drei Ebenen der Umwelt einer Organisation“

Ebene 1 umfasst alle Organisationen, welche in einer direkten oder indirektenTransaktionsbeziehung zu der Organisation stehen. In der Ebene 2 befinden sich dieOrganisationen, welche direkt mit der Organisation interagieren. Auf dieser Ebene kanndie Umwelt bewusst wahrgenommen werden, jedoch beeinflusst die Umwelt das Handelnder Organisation nicht zwangsläufig. Grundlegend für Ebene 3 des Modells, ist dietatsächliche Wahrnehmung der Umwelt sowie der aktive Prozess der Beeinflussung des Handelns der Organisation. Diese Ebene beeinflusst das Handeln einer Organisationdirekt (Pfeffer, Salancik, 1978, S. 73). Pfeffer und Salancik gehen im Zusammenhang mitder Resource Dependency Theory davon aus, dass es vier idealtypischeUmweltkonstellationen gibt, in welchen die Organisationen in komplexenWechselwirkungen sowie immer stärker werdenden Abhängigkeiten zu der Umweltstehen (Pfeffer, Salancik, 1978, S. 63ff). Die vier Umweltsituationen sind eine ruhige undzufällig zerstreute Umwelt, eine ruhige und gruppierte Umwelt, eine unruhige undreaktive Umwelt sowie ein turbulentes Feld. Letzteres entspricht der aktuellenUmweltkonstellation. Das turbulente Feld ist durch eine hohe Komplexität sowie einehohe Unsicherheit hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen gekennzeichnet. Die ResourceDependency Theory geht davon aus, dass aufgrund der wahrgenommenenRessourcenabhängigkeit sowie der vorhandenen Unsicherheit, Maßnahmen zurReduktion der Abhängigkeit ergriffen werden (Pfeffer, 1987, S. 27).

3. Zusammenführung

3.1 Maßnahmen zur Reduktion der Abhängigkeit

3.1.1 Anpassung an die Umwelt

Um die Abhängigkeit einer Organisation zu reduzieren gibt es verschiedene Strategien.Die erste mögliche Strategie ist die Anpassung an die Umwelt. Dieser Strategietyp fasstdie Vorgehensweisen zusammen, welche auf die Reduzierung derRessourcenabhängigkeit abzielen, in denen kein direkter Einfluss auf die Umweltakteureausgeübt wird (Hermesch, 2002, S. 98). Die ressourcenabhängige Organisation geht indiesem Fall auf die Forderungen des Ressourcengebers ein, mit dem Ziel, die Bereitschaftfür eine permanente und andauernde Geschäftsbeziehung herzustellen. Jedoch birgt dieBereitschaft des Ressourcennehmers auf die Forderungen des Ressourcengeberseinzugehen starke Risiken. Der Ressourcengeber kann in dieser Konstellation dazuneigen, weitere Forderungen zu stellen, da durch die Einwilligung auf die gestelltenForderungen eine bewusste Abhängigkeit an den Ressourcengeber signalisiert wird,welche wiederum bewusst ausgenutzt werden kann. Zudem besteht die Gefahr, dassandere Umweltakteure, welche in einer Beziehung zu der Organisation stehen, den soeben beschriebenen Prozess mitbekommen haben. Durch das Verhalten der ressourcenabhängigen Organisation können weitere Ressourcengeber auf ein ähnliches Verhalten spekulieren (Nienhüser, 2004, S. 96). Neben dem ausführlich beschriebenen Szenario gibt es noch weitere, überwiegend strukturelle Ansätze bezüglich der Anpassung an die Umwelt.

Eine Möglichkeit ist die Gründung eines Lagers für die benötigte Ressource. Durch dieBevorratung der benötigten Ressource, ist zumindest eine zeitliche Überbrückung desRessourcenbedarfs denkbar. Dieser Ansatz ist auf Dauer jedoch keine sinnvolleAlternative um die Ressourcenabhängigkeit auf langfristige Sicht zu minimieren.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit nach einer anderen Organisation zu suchen, welchedie benötigten Ressourcen ebenfalls herstellt beziehungsweise bereit ist, diese in einerAustauschbeziehung der von dieser Ressource abhängigen Organisation zur Verfügungzu stellen. Dieser Lieferantenwechsel setzt voraus, dass es andere Anbieter dieserRessource am Markt gibt. Für den Fall, dass es mehrere Anbieter am Markt gibt, kann einLieferantenwechsel positive Auswirkungen für die ressourcenabhängige Organisationhaben. In der Wirtschaft sind Unternehmen permanent auf der Suche nach neuenGeschäftspartnern, um die eigenen Umsatzziele zu erreichen und die Gewinne zumaximieren. Dies kann für eine Organisation die Gelegenheit eröffnen, die benötigteRessource in gleichbleibender Güte bei einer anderen Organisation für einen geringeren,beispielsweise monetären Input zu erhalten. In diesem Zusammenhang kann das Beispieleines Handwerkbetriebs, ein Malereibetrieb, in Abhängigkeit zu seinemMateriallieferanten genannt werden. Die Ressource Farbe ist für einen Malereibetriebimmens wichtig, jedoch hat kein Farbhersteller oder Lieferant eine Monopolstellung amMarkt. Durch diese Konstellation hat die Organisation die Möglichkeit, denRessourcengeber selbst auszuwählen und dreht somit das Verhältnis der Abhängigkeit ingewisser Hinsicht um. Der Malereibetrieb benötigt Farbe für die tägliche Arbeit, jedochbenötigt auch der Lieferant den Malereibetrieb als Abnehmer seiner Farbe. Die letzteMöglichkeit der Anpassung einer Organisation an die Umwelt ist die Schließung einesGeschäftsbereichs, welcher von einer bestimmten und zum Erhalt der Existenznotwendigen Ressource abhängig ist (Hermesch, 2002, S. 98). Grundlegend für dieKonsequenz der Aufgabe eines Geschäftsbereichs ist,

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Resource Dependency Theory des strategischen Managements. Wie kann die Abhängigkeit zwischen Unternehmen reduziert werden?
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V412390
ISBN (eBook)
9783668635647
ISBN (Buch)
9783668635654
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
resource, dependency, theory, managements, abhängigkeit, unternehmen
Arbeit zitieren
Robin Lange (Autor), 2017, Resource Dependency Theory des strategischen Managements. Wie kann die Abhängigkeit zwischen Unternehmen reduziert werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412390

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