Landnutzungskonflikte in Lateinamerika am Beispiel des Sojaanbaus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
31 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung

2. Die Sojapflanze

3. Der Sojagürtel

4. Die Sojaproduktion

5. Der Sojaboom
5.1 Der Sojakomplex
5.2 Entwicklung zum Sojaboom

6. Probleme der „Sojaisierung“

7. Folgen des „Sojaisierung“
7.1 Gesundheitliche Folgen
7.2 Ökologische Folgen
7.3 Gewinner der „Sojaisierung“

8. Soja-Supermacht-Brasilien
8.1 Zahlen und Fakten Brasiliens
8.2 Klima und Vegetation
8.3 Geschichtliche Grundlagen der brasilianischen Sojaexpansion
8.4 Heutige brasilianische Sojaanbaugebiete
8.5 Globale und Regionale Bedeutung des Sojas in Brasilien
8.6 Auswirkungen auf die brasilianische Infrastruktur
8.7 Aktuelle Situation
8.8 Blick in die Zukunft
8.9 Produktionskette des Sojaanbaus am Beispiel Brasilien
8.9.1 Düngemittel
8.9.2 Brasiliens Böden

9. Zusammenfassung

10. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Der Sojagürtel Lateinamerikas

Abb. 2: Ernteentwicklung sowie Handelsquote von Soja, Weizen, Reis sowie Mais im Vergleich von 1961 bis 2011

Abb. 3: Globale Sojaproduktionsmenge in Tonnen sowie Sojaimport im Jahr 2015

Abb. 4: Jährliche Sojabohnenproduktion in Brasilien zwischen 1961 und 2012

Abb. 5: Anteil der globalen Sojabohnenproduktion aus dem Jahr 2013

Abb. 6: Sojabohnenproduktion in 100-Tausend-Tonnen

Abb. 7: weltweilte Sojabohnenproduktion von 1961 bis 2013

Abb. 8: Diagramm der Klimastation Taguatinga

Abb. 9: Räumliche Expansion des Sojaanbaus in Brasilien mit ihrer dazugehörigen Erntemenge von 1973 bis 2013 auf Gemeindeebene

Abb. 10: Entwicklung der Sojawirtschaft weltweit von 1970/71 bi 2015/16 in den fünf wichtigsten Produktions-, Export- und Importländern

Abb. 11: Entwaldungsgebiete und Kapazitäten der Getreidesilos (in Tonnen) in den Biomen Amazonien und Cerrado

Abb. 12: Sojaproduktionskette

1. Hinführung

Global stehen 14 Mrd. ha eisfreie Fläche zur Verfügung, von denen 35% landwirtschaftlich genutzt werden. Davon werden wiederum 10% für Getreide- und Ölsaatenprodukte verwendet und 25% für die Weidewirtschaft. Zwischen 1960 und 2012 stieg die landwirtschaftliche Nutzfläche lediglich um 11%, von 1,35 Mrd. ha auf 1,4 Mrd. ha. Allerdings gilt es zu beachten, dass im gleichen Zeitraum die Weltbevölkerung von drei auf sieben Mrd. wuchs, sodass sich letztlich die landwirtschaftliche Nutzfläche pro Kopf halbiert hat (Krottenthaler, 2017, S. 107). Die noch zur Verfügung stehende andere Hälfte liegt zumeist in den Tropen, welche somit nur kostenintensiv sowie unter enormen Eingriffen in die natürlichen Ökosysteme genutzt werden kann (Krottenthaler, 2017, S.107).

Mit der persönlichen Annahme, unerschöpflicher Bodenschätze, sah sich Lateinamerika lange Zeit als „Kontinent der Zukunft“ (Werz, 2013, S. 33). Doch auch Lateinamerika erlebte in den letzten Jahrzehnten verschiedene „politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformationsprozesse“ (Graf; Stehnken, 2008, S.11). Gerade der ländlich geprägte Raum sowie die Landwirtschaft haben in den letzten drei Jahrzehnten einen zwar ökonomisch erfolgreichen, aber sozial und ökologisch problematischen, grundlegenden Strukturwandel durchlaufen (Kohlepp, 2008, S. 135). Mit der enormen Erweiterung von Anbauflächen sowie der Mechanisierung des Landes vor allem durch Großbetriebe oder auch mit dem Anbau gentechnisch veränderten Saatgutes seien an dieser Stelle nur einige der Umstrukturierungen genannt (ebd.).

Darüber hinaus ist in den letzten 30 Jahren der Konsum von Fleisch pro Kopf, vor allem in den Industrie- sowie Schwellenländern massiv angestiegen (web1). Gerade in den Schwellenländern ist dieser vor allem mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und einer sich daraus ergebenen, veränderten Esskultur zu erklären. Diese führen letztlich zu ökologischen, ökonomischen sowie sozialen Auswirkungen, welche es zu ergründen gilt. Hierbei spielt der Sojaanbau eine entscheidende Rolle.

Das Thema ist somit ungemein im Bereich der geographischen Risikoforschung1 verankert, da es sich unter anderem mit der Verwundbarkeit (Vulnerabilität) sozialer Gruppen beschäftigt.

Die Arbeit beginnt mit einer kurzen Vorstellung der Sojapflanze an sich sowie dem

Anbaugebiet der Pflanze (2.Sojapflanze; 3. Sojagürtel). Im Anschluss wird sich mit der Sojaproduktion (4. Sojaproduktion) sowie einem sich darauf ergebenen Sojaboom (5. Der Sojaboom) beschäftigt (6. Probleme der „Sojaisierung“; 7. Folgen der „Sojaisierung“). Das Land Brasilien, mittlerweile größter Sojaexporteur, soll exemplarisch genau vorgestellt werden (8. Soja-Supermacht-Brasilien).2 Die Arbeit wird kurz zusammengefasst (9. Zusammenfassung), bevor sie mit einem abschließenden Fazit (10. Fazit) endet.

Grundlage der Arbeit bildet die Literatur BLUMENSCHEINS „Landnutzungsveränderungen in der modernisierten Landwirtschaft in Mato Grosso Brasilien“. Diese wird unter anderem ergänzt durch die jüngste Publikation Stefan KROTTENTHALERs zum „brasilianischen Soja- Mais-Komplex im globalen Kontext“, welche gerade aufgrund ihrer Aktualität neuste Zahlen, Fakten und Probleme sowohl in ökologischer, als auch sozialer Hinsicht aufzeigt. Darüber hinaus bilden zahlreiche weitere wissenschaftliche Publikationen über Lateinamerika sowie Literatur, wie beispielsweise die WERZ´ oder GRAF und STEHNKENs über Lateinamerika, die Grundlage der Arbeit.

2. Die Sojapflanze

Die Sojabohne, in der Wissenschaft als Glycine max bezeichnet, hat ihren Ursprung in Ostasien, der koreanischen Halbinsel und dem nordöstlichen China, wo sie seit Jahrtausenden als Nahrungspflanze angebaut wird (Krottenthaler, 2017, S.108). Sie ist eine Nutzpflanze und gehört zu den Gewächsen der Leguminosen3. Eine erste Erwähnung findet die Pflanze im Jahr 2838 v. Chr. In einer alten chinesischen Handschrift (Stietz, 1931 in ebd.). Die Sojabohne wächst in nur 100 Tagen an der einjährigen, strauchigen Sojapflanze und bevorzugt warme Regionen wie die Asiens bzw. Nord- und Südamerikas. Sie ist dementsprechend beheimatet in den wechselfeuchten Tropen und immerfeuchten Subtropen (Schulz, 2016, 210ff.). Lateinamerika bietet daher gute klimatische Bedingungen, Soja anzubauen. Auch die Größen der zur Verfügung stehenden Landflächen sind von Vorteil. Die Haupterntezeit (maschinell) liegt in den Monaten November bis März (web2). Da sie vielfältig einsetzbar ist, entwickelte sich die Pflanze zu einer beliebten Kulturpflanze. Neben ihrem Einsatz als Futtermittel, ist das Mehl als Klebe- und Bindemittel sowie das Öl als Speiseöl einsetzbar. Der größte Anteil wird zu Sojamehl bzw. -schrot verarbeitet. Aufgrund ihres hohen Eiweißgehalts mit 39% eignet sie sich sehr gut für die Eiweißversorgung von Mensch und Tier (Jalil, 1971 in Mahlknecht, 2007, S 9). Darüber hinaus weist das Sojaprotein eine hohe biologische Wertigkeit auf und wird in seiner Aminosäurezusammensetzung durch Umweltfaktoren nur unwesentlich beeinflusst (Marquard, 1980, S. 163).

3. Der Sojagürtel

Der Sojagürtel Lateinamerikas4 umfasst die Länder Brasilien, Bolivien, Paraguay, Uruguay sowie Argentinien (Abb.1) und erstreckt sich auf 50 Mio ha2, was in etwa der Fläche von Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden entspricht(web2).

In Brasilien beispielsweise hat sich der Anbau in den letzten Jahren stark verlagert. Während der Anbau früher von europäischen Einwanderern bzw. ihren Nachkommen im subtropischen Waldland von Rio Grande do Sul angebaut wurde, findet sich Soja seit Anfang der 1970er Jahre über den randtropischen Nord-Paraná hinweg bis in die tropischen- wechselfeuchten Savannen des zentralbrasilianischen Hochlandes gen Norden (Coy; Lücker, 1993 in Kohlepp, 2008, S.137). Seit den 1980er Jahren entwickelt sich vor allem im Mato Grosso ein „agroindustrieller Sojakomplex“ (Kohlepp, 2008, S.138), welcher Sojaanbau, Sojamühlen, Sojaöl-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Der Sojagürtel Lateinamerikas (eingerahmt nach eigener Darstellung (web3).

Raffinerie, Pellet-Produktion, Handel, agrochemische Betriebsmittel, Agrarberatung, Kreditbanken sowie Transport-Infrastruktur und Lagerkapazitäten umfasst (Ebd.). Derzeit liegt der größte Flächenzuwachs neben den Cono Sur-Staaten Brasiliens, in Uruguay, Paraguay und im südlichen Teil Boliviens (Krottenthaler, 2017, S. 109).

4. Die Sojaproduktion

Soja wird in Form der Direktsaat gesät. Dies bedeutet, dass die Pflanze ohne Bearbeitung des Grundbodens bzw. Bereitstellung des Saatbeetes, wie beispielsweise Pflügen, bestellt wird. Der Boden wird hierbei weder gelockert, noch durchmischt. Darüber hinaus muss sich das Saatgut in der optimalen Saattiefe befinden. Dies bedeutet, dass es mit genügend Feinerde bedeckt ist, allerdings nicht von Rückständen vorheriger Ernten umgeben bzw. bedeckt ist. Es ist dabei essentiell, dass die Ernterückstände lediglich an der Bodenoberfläche zurückbleiben, wodurch der Boden ausnahmslos von einer Mulchschicht bedeckt bleibt. Diese Form der Saat ist speziell erosionsarm. Zudem schützt der Mulch so vor einem gewissen Anteil an Austrocknungen (Krottenthaler, 2017, S.112).

Der Vorteil bei der Direktsaat liegt, im Vergleich zur konventionellen Bestelltechnik, bei einer bis zu siebenfach geringeren Erosionsrate und zudem bei einem niedrigeren Nährstoff- sowie Biomassenverlust (Blumenschein, 2001, S. 126).

Der Nachteil bei der Direktsaat ist allerdings, dass diese lediglich unter Einsatz von starken Herbiziden erfolgen kann, wodurch bei der Direktsaat ausschließlich genetisch verändertes Saatgut zum Einsatz kommt (ebd.).

5. Der Sojaboom

Diese Tage gibt es wohl kaum ein anderes Agrarprodukt, dass derart stark von Unternehmensstrategien transnationaler Konzerne geprägt ist. Bei der Sojapflanze handelt es sich heutzutage weniger um eine landwirtschaftliche Pflanze, als um ein treibendes Gut für die Transformation der Nahrungsmittelproduktion hin zu einem komplexen, finanzmarktgetriebenen Business (Coy und Rainer, 2017, S.123). Es kann daher von einem Sojaboom gesprochen werden, den es genauer zu untersuchen gilt.

5.1 Der Sojakomplex

Der komplette Sojakomplex beschäftigt global mehr als 1,5 Mio. Menschen und macht sie nicht nur dadurch, sondern auch hinsichtlich Anbaufläche und erwirtschafteter Erträge zu einem der wichtigsten agrarischen Nutzpflanze (Krottenthaler, 2017, S. 108). Die Pflanze macht nach dem Export von Eisenerz mit 12,9% am Gesamtexport die zweitwichtigste Produktgruppe aus (ebd.).

Seit jeher ist die Agrarwirtschaft ein wichtiger Bestandteil der globalen Wirtschaft. Aus geographischer Sicht ist es von großer Bedeutung neben der Entwicklung der Weltmarktpreise unterschiedlicher Erzeugnisse oder auch der quantitativen Ertragsentwicklungen verschiedener Länder, gerade die Entwicklung des Flächenverbrauchs zu betrachten. Gerade hinsichtlich des Flächenverbrauchs ist Soja in den letzten Jahrzehnten in die öffentliche Diskussion geraten - massive Landnutzungsveränderungen in tropischen Gebieten stehen hier im Fokus der Diskussionen (Krottenthaler, 2017, S. 108). Global sind die globalen Ertragszahlen zwischen 1961 und 2014 um etwa das 14fachte gestiegen.

Dagegen fielen die prozentualen Ertragssteigerungen von Weizen, Reis und Mais im gleichen Zeitraum geringer aus. Unterschied des Sojas im Vergleich zu eben genannten Agrarprodukten ist allerdings, dass die Sojapflanze in der Humanernährung nur sechs Prozent Anwendung findet. Der Rest, 94%, dient in Form von Sojaschrot und -mehl vorwiegend der Versorgung von Tieren (Krottenthaler, 2017, S. 108). Betrachtet man die Situation lediglich aus dieser Perspektive, so erscheint der Soja keine herausragende Rolle einzunehmen. Allerdings verweist die Handelsquote5 (Abb.2) auf die Unterschiede des Sojas zu den Anbauprodukten wie Weizen, Reis, Mais. Es ist auffällig, dass der Weizen (21%), der Reis (5%) und der Mais (12%) geringer Werte aufweisen als das Soja, welches mit einem Wert von 35% hervorsticht. Soja stellt dementsprechend ein hochgradig gehandeltes Agrargut dar. Allerdings wird die Frucht noch nicht als globale Feldfrucht abgebildet, was auf eine unzureichende Handelsquote schließen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Ernteentwicklung sowie Handelsquote von Soja, Weizen, Reis sowie Mais im Vergleich von 1961 bis 2011 (FAO in Krottenthaler, 2017, S. 108).

lässt. Dies ist damit zu erklären, dass die Handelsquote von Soja lediglich Sojaderivate wie Sojaschrot oder -mehl berechnet, trotz dessen, dass auch dieses weltweit gehandelt wird.

Darüber hinaus beachtet die Handelsquote nicht die „Veredelung“ der Bohne im Binnenmarkt, wie beispielsweise für die Tierhaltung. Die Bohne ist gerade in der Tiermast unverzichtbar geworden (Mottet et al., 2017 in Krottenthaler, 2017, S. 109), weswegen der Faktor der Sojaderivate nicht vernachlässigt werden sollte.

Die Abbildung (Abb.3) zeigt sowohl die Sojaproduktionsmengen in Tonnen, als auch die Mengen an importiertem Soja in Tonnen pro Jahr 2015 in den weltweit wichtigsten Ländern. Global wird Soja auf einer Fläche von ca. 1,15 Mio. km2 angebaut, was etwa 2% der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche entspricht (Krottenthaler, 2017, S. 109). Mit der produzierten Menge, könnte der Äquator in einer umspannt werden. Zusammen produzieren die drei Hauptproduzenten USA, Brasilien und Argentinien etwa 250 Mio. Tonnen Soja. Dadurch stellen sie zusammen 80% des Sojas für den Weltmarkt bereit (Krottenthaler, 2017, S. 109).

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Abb.3: Globale Sojaproduktionsmenge in Tonnen sowie Lastwagenkolonne dreimal Sojaimport im Jahr 2015 (FAO in Krottenthaler, 2017, S.109)

Allgemein lässt sich sagen, dass die lateinamerikanischen Länder, in denen Soja produziert wird, eine eng vernetzte Produktionsregion darstellen. Hierbei handelt es sich um die Länder Argentinien, Paraguay, Uruguay, Bolivien und Brasilien. So wird beispielsweise die paraguayische Sojaproduktion durch brasilianische Farmer kontrolliert oder Landkäufe von Argentiniern in Brasilien (Coy und Rainer, 2017, S.125). Turzi spricht sogar von einer „einzigen geoökologischen Einheit: der Sojabohnen-Republik“ (Turzi, 2011, S. 61) und begründet dies u.a. mit der ähnlichen Regionalentwicklung durch die Dominanz Soja.

Lateinamerika produziert auf 57 Mio. ha Land Soja und ist damit für 54% der globalen Produktion sowie 58 der weltweiten Exporte zuständig (Coy und Rainer, 2017, S. 125).

5.2 Entwicklung zum Sojaboom

Gerade ab dem Jahr 2000 (Abb.4) ist ein enormer Anstieg der Sojaproduktion zu verzeichnen. Nachdem im Zuge der BSE6 -Krise im Jahr 2000 die Verfütterung von Tiermehl in der EU verboten wurde, bedurfte es einer Alternative. Aufgrund des sehr hohen Eiweißgehalts der Bohne, konnte die Bohne als Ersatz für den Einsatz von Tiermehl dienen.

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Abb.4: Jährliche Sojabohnenproduktion in Brasilien seit 1961 bis 2012, dargestellt in Millionen Tonnen (web4).

Die Grafik (Abb.5) zeigt den Anteil an der weltweiten Sojaproduktion aus dem Jahr 2013. Die Grafik verdeutlicht, dass Brasilien sowie Argentinien neben den USA die größten, weltweiten Sojaexporteure sind. Paraguay besitzt einen nennenswerten Anteil am globalen Sojaexport. Argentinien exportiert 94% ihres produzierten Sojas, Brasilien 79% (WWF, 2014, S. 26). Argentinien, als dritt größter Sojaproduzent, orientiert sich im Export v.a. auf China, innerhalb der EU ist Dänemark der größte Importeur, da sich dort die größte Schlachterei Europas befindet.

Das in Argentinien angebaute Soja ist zu 90% gentechnisch verändert (ebd.).

Es kann also gesagt werden, dass Argentinien, Brasilien und Paraguay eine Schlüsselrolle im Sojaanbau für Lateinamerika einnehmen. Gerade in den letzten 40 Jahren ist ein enormer Anstieg des Sojaanbaus zu verzeichnen (Abb.6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5: Anteil der globalen

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Abb.6: Sojabohnenproduktion in 100-Tausend-Tonnen (Eigene Darstellung, Datenquelle: FAO, 2016 (web7).

Seit den 1970er Jahren steigt die Sojaproduktion in den Ländern Brasilien, Argentinien sowie Paraguay kontinuierlich an. Auch in den Ländern Bolivien und Uruguay ist ein Anstieg zu verzeichnen, welcher allerdings geringer ausfällt und daher aufgrund des Umfanges der Arbeit nicht weiter erwähnt werden soll.

Während im Jahr 1970 beispielsweise die Produktion von Soja in Argentinien bei 20.000 Tonnen lag, so waren es 2013 bereits 49 Millionen Tonnen, Tendenz steigend (Abb.6).

Die steigende Zahl der Sojaproduktionen ist mit der erhöhten Nachfrage des Sojas als Futtermittel erklärbar. 75% der global produzierten Sojas werden als Futtermittel genutzt. Einleuchtend ist die Zahl, bedenkt man, dass die Schweinefleischproduktion von 1967 bis 2007 um 294% sowie die Geflügelfleischproduktion um 711% gestiegen sind. Lediglich 6% der Sojaproduktion werden für die Nahrungsmittelbranche für beispielsweise Tofu oder Sojasoße benötigt und gerade einmal 2% für die Biodieselproduktion (WWF, 2014, S.14f.).

[...]


1 Die geographische Risikoforschung befasst sich primär mit den Risikoaspekten in den Wechselbeziehungen zwischen Natur und Gesellschaft und geht davon aus, dass Gefährdungen nicht unabhängig von gesellschaftlichen Prozessen betrachtet werden können (Dikau; Weichselgartner, 2005, S. 19f.). Für weitere Informationen siehe Dikau; Weichselgartner (2005): Der unruhige Planet. Der Mensch und die Naturgewalten. Darmstadt: Primus Verlag.

2 Die genaue Darstellung aller lateinamerikanischen Sojaproduzenten würde den Rahmen der Arbeit sprengen, es wird sich daher lediglich mit Brasilien genau beschäftigt.

3 Leguminosen sind Hülsenfrüchtler und gehören zu den Schmetterlingsblütenartigen Pflanzen.

4 Geographisch unterscheidet man zwischen Süd- und Mittelamerika sowie der Karibik, während man bei der Betrachtung aus politischer und kultureller Sicht von Lateinamerika spricht (Werz, 2013, S.23).

5 „Die Handelsquote ist der prozentuale Anteil einer produzierten Menge, welcher exportiert wird“, je höher der Wert, desto weniger wird von der jeweiligen Ware im eigenen Land konsumiert. Vielmehr wird für den Weltmarkt in diesem Falle produziert. (Krottenthaler, 2017, S. 108).

6 BSE steht für Bovine Spongiforme Enzephalopathie. Es handelt sich hierbei um den sog. Rinderwahn, einer Erkrankung des Nervensystems bei Kühen, welche durch infektiöses Tiermehl hervorgerufen wird (web5).

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Landnutzungskonflikte in Lateinamerika am Beispiel des Sojaanbaus
Hochschule
Universität Passau
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
31
Katalognummer
V412413
ISBN (eBook)
9783668638198
Dateigröße
1372 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
landnutzungskonflikte, lateinamerika, beispiel, sojaanbaus
Arbeit zitieren
Sonja Zeuke (Autor), 2017, Landnutzungskonflikte in Lateinamerika am Beispiel des Sojaanbaus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412413

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