Obwohl Ghana lange Zeit als Musterland der Strukturanpassung galt, entkam es nicht der Schuldenfalle und zählte Anfang der 1990er Jahre mit zu den hoch verschuldeten Ländern. Das Konzept der Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP) beinhaltet zum einen makroökonomische Reformen und setzt gleichzeitig auf die Stärkung (dezentraler) Verwaltungsstrukuren - nimmt also politisch-administrative Aspekte von Entwicklung stärker in den Blick als Vorgängerkonzepte. Am Beispiel Ghana wird analysiert, inwieweit die Goverance-Reformen des Konzepts tragen und so der Vorwurf PRSP seien "alter Wein in neuen Schläuchen" entkräftet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Scheitern der Strukturanpassungsprogramme
2.1 Das Entwicklungsverständnis von Weltbank und IFW – der Washington Consensus
2.2 Das Konzept der Strukturanpassung
2.3 Auswirkungen der Strukturanpassung
3 Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP) als neuer Ansatz der Weltbank
3.1 Der Weg zu PRSP
3.1.1 Ein neuer Armutsbegriff – die Integration der politisch-institutionellen Dimension von Armut
3.1.2 Die Entschuldungsinitiative HIPC
3.2 Die Prinzipien von PRSP
3.2.1 Ownership als neues Element der Armutsbekämpfung
3.2.2 Partizipation und Armutsbekämpfung
3.3 Die konzeptionellen Kernbereiche der PRSP
3.3.1 Governance als neues Element der Armutsbekämpfung
3.3.2 Makroökonomische Stabilität und Wachstum in den PRSP
3.4 Vergleich von SAP und PRSP
3.5 Chancen und Grenzen von PRSP
4 Strukturanpassung in Ghana
4.1 Ausgangsbedingungen vor 1983
4.2 Die erste Phase der Strukturanpassung: Das Economic Recovery Programme von 1983-86
4.3 Die zweite Phase der Strukturanpassung mit der Einführung von PAMSCAD 1987-90
5 „An Agenda for Growth and Prosperity“: Ghanas neue Armutsbekämpfungsstrategie
5.1 Relevante Akteure in der neuen Strategie
5.2 Armutsorientierung im Kernbereich Governance
5.2.1 Management des öffentlichen Sektors
5.2.2 Dezentralisierung
5.2.3 Stärkung des Rechtstaates
5.3 Armutsorientierung im Kerbereich makroökonomische Stabilisierung
5.4 Armutsorientierung im Kernbereich human development
5.4.1 Bildung
5.4.2 Gesundheit
6 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern sich die neueren Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP) der Weltbank und des IWF von den bisherigen Strukturanpassungsprogrammen (SAP) unterscheiden und inwieweit sie das Armutsproblem in Entwicklungsländern, illustriert am Fallbeispiel Ghana, effektiv lösen können. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, ob durch die neuen Strategien eine tatsächliche Transformation hin zu politischem empowerment erfolgt oder ob es sich lediglich um ein „alter Wein in neuen Schläuchen“ handelt.
- Kritische Analyse des Scheiterns der klassischen Strukturanpassungsprogramme.
- Untersuchung der konzeptionellen Neuerungen der PRSP-Strategie wie Ownership und Partizipation.
- Bewertung der Rolle von Governance und makroökonomischer Stabilität im PRSP-Prozess.
- Fallstudie Ghana: Analyse der Umsetzung des "Ghana Poverty Reduction Strategy" (GPRS).
- Evaluierung der Möglichkeiten und Grenzen für echtes Empowerment der betroffenen Bevölkerung.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Ownership als neues Element der Armutsbekämpfung
Neben dem erweiterten Armutsbegriff zeigt sich in der Einführung des Prinzips der Eigenverantwortung eine tatsächliche Veränderung der bisherigen Entwicklungsstrategien von Weltbank und IWF. Dennoch lässt sich an dieser Stelle noch nicht feststellen, ob es sich bei PRSP um einen völlig neuen Ansatz handelt oder ob der alten Strategie der Strukturanpassung nicht lediglich einige neue Elemente hinzugefügt wurden.
Dem ersten Prinzip des PRSP Konzepts folgend, sollen die Strategiepapiere in Eigenverantwortung der Staaten erarbeitet werden. Dazu gehört auch eine aktive Beteiligung der Zivilgesellschaft. Die Weltbank nennt dieses Prinzip ownership.
Ownership setzt sich ihrer Meinung nach aus vier Komponenten zusammen: • Die Initiative muss in der Regierung verortet liegen, • die relevanten Gesetzgeber müssen von dem Programm überzeugt sein, • die oberste politische Führungsschicht muss das Programm unterstützen und • eine breite Partizipation von allen Stakeholdern muss stattfinden.
Die Partizipation der Stakeholder schließt die Zivilgesellschaft mit ein (vgl. Weltbank 2004:2). Von der Beteiligung der Zivilgesellschaft im Prozess der Strategieformulierung und der Umsetzung von PRSP wird ein großes Potential zur Armutsbekämpfung erwartet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert das anhaltende globale Armutsproblem und stellt die These auf, dass PRSP nur dann einen Fortschritt gegenüber SAP darstellen, wenn sie Empowerment als Kernkomponente begreifen.
2 Das Scheitern der Strukturanpassungsprogramme: Dieses Kapitel analysiert das Washington Consensus-Paradigma und zeigt auf, dass der neoliberale Fokus auf Marktmechanismen ohne soziale Absicherung zu massiven negativen Auswirkungen führte.
3 Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP) als neuer Ansatz der Weltbank: Hier werden die Entstehungskontexte, die neuen Prinzipien wie Ownership und Partizipation sowie die Kernbereiche der PRSP kritisch auf ihre tatsächliche Neuausrichtung geprüft.
4 Strukturanpassung in Ghana: Anhand des Fallbeispiels Ghana wird die historische Anwendung der SAP sowie die Einführung von Abfederungsprogrammen wie PAMSCAD untersucht.
5 „An Agenda for Growth and Prosperity“: Ghanas neue Armutsbekämpfungsstrategie: Dieses Kapitel prüft die tatsächliche Umsetzung der PRSP-Prinzipien in Ghana und analysiert, ob die neue Strategie die alten Mängel überwinden kann.
6 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass PRSP in der Praxis oft hinter dem Anspruch zurückbleiben und der Paradigmenwechsel ausbleibt.
Schlüsselwörter
Strukturanpassungsprogramme, PRSP, Armutsbekämpfung, Weltbank, IWF, Ghana, Ownership, Partizipation, Governance, Empowerment, Wirtschaftswachstum, Neoliberalismus, human development, Makroökonomische Stabilität, Entwicklungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Übergang von klassischen Strukturanpassungsprogrammen zu den neueren Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP) und deren Wirksamkeit bei der Armutsbekämpfung.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Washington Consensus, die neuen Prinzipien von Ownership und Partizipation sowie der praktische Fall Ghana.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Es soll aufgezeigt werden, ob die PRSP-Konzeption ausreicht, um das Armutsproblem nachhaltig zu lösen, oder ob sie hinter den neoliberalen Wirtschaftstheorien zurückbleibt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die theoretische Grundlagen des Neo-Institutionalismus mit einer empirischen Fallstudie (Ghana) verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Strategiewechsel bei Weltbank und IWF sowie eine detaillierte Untersuchung der ghanaischen Armutsbekämpfungsstrategie.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ownership, Partizipation, Empowerment, Governance und das Scheitern von Strukturanpassung maßgeblich geprägt.
Warum wurde Ghana als Fallbeispiel gewählt?
Ghana galt lange Zeit als „Musterschüler“ der Strukturanpassung und ist zudem ein Pilotland für das Comprehensive Development Framework, was es ideal für die Analyse macht.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zu PAMSCAD?
Die Autorin bewertet PAMSCAD als unzureichend, da es lediglich als hastig geschnürtes Paket zur Legitimationssicherung diente, ohne die zugrunde liegenden strukturellen Probleme zu lösen.
Besteht nach Ansicht der Autorin ein echter Paradigmenwechsel?
Nein, die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass trotz verbaler Neuerungen die alten, marktorientierten Instrumente dominieren und kein echter Paradigmenwechsel vollzogen wurde.
- Arbeit zitieren
- Nicola Humpert (Autor:in), 2005, Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP) als neues Instrument der Armutsbekämpfung - am Beispiel Ghana, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41254