Globalisierte Haushaltsarbeit. Chancen und Herausforderungen

Perspektiven der westlichen Frau und von Arbeitsmigrantinnen


Hausarbeit, 2017
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Definition Globalisierung
2.1Haushaltsarbeit der Migrantinnen in Deutschland
2.2 Irregularität der Hausarbeit der Migrantinnen in Deutschland

3. Fallstudie
3.1 Arbeitsmigrantinnen aus aller Welt in Deutschland und Zypern
3.2 Philippinische Frauen in Nordamerika

4. Gewinner/Verlierer der Globalisierung
4.1 Die westliche Frau oder die Arbeitsmigrantin?
4.2 Die Wirtschaft

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Frauen in Afrika "Ohne uns geht gar nichts!" (Hanak 1995:1). So lautet der Titel eines Buchs des Evangelischen Vorstandsmitglieds Ilse Hanak. Der Titel des Buchs bezog sich spezifisch auf die afrikanische Frau. Heute ist stark davon auszugehen, dass der Titel auf alle Frauen dieser Welt zutrifft. Besonders hervorzuheben sind die Arbeitsmigrantinnen, die ihre Heimat verlassen um die Haushaltsarbeit anderer Frauen zu erledigen. In dieser Arbeit soll die Haushaltsarbeit der Migrantinnen, ihre Beweggründe, die hervorgebrachten Leistungen, die Irregularität der Arbeit und ihre Folgen dargestellt werden. Die Haushaltsarbeit der Migrantinnen hat eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die Wirtschaft und die Globalisierung, schließlich fungieren diese Frauen als Katalysatoren für die Karrieremutter und Frau in der westlichen Hemisphäre.

Der erste Teil widmet sich der terminologischen Klärung der Globalisierung. Darauf aufbauend wird die Haushaltsarbeit der Migrantinnen in den Industrieländern und deren Folgen auf die Gesellschaft und die Wirtschaft untersucht. Ferner wird im Kapitel zwei die Irregularität der Haushaltsarbeit der Migrantinnen in den Industrieländern diskutiert und ob alles gesetzmäßig abläuft. Im Fokus des dritten Kapitels werden zwei Fallstudien am Beispiel von Arbeitsmigrantinnen aus aller Welt in Deutschland und auf Zypern, die Haushaltsarbeiten verrichten und am Beispiel von Filipinas in Nordamerika, die ebenfalls Tausende Kilometer von der Heimat entfernt Haushaltstätigkeiten ausüben, um die Familie auf den Philippinen monetär unterstützen zu können, aufgezeigt. Kapitel vier hingegen ist den Gewinnern und den Verlierern der Haushaltsarbeit, die durch die Globalisierung forciert wird, gewidmet. Kapitel 4.1 zeigt die Perspektive der westlichen Frau, die durch die Tätigkeit der Arbeitsmigrantinnen im Haushalt sich ihrer Karriere und sonstige Unternehmungen widmen kann und die Perspektive der Arbeitsmigrantin, die Familie in der Heimat zurückließ, um durch die Tätigkeit im Westen der Familie finanziell helfen zu können aufgezeigt. Kapitel 4.2 zeigt den wirtschaftlichen Beitrag der Arbeitsmigrantin, die durch die Tätigkeit der Haushaltsarbeit global erzielt wird auf. Ein Fazit und ein kurzer Ausblick auf die Problematik der Haushaltsarbeit der Arbeitsmigrantinnen und eine kurze Evaluierung der aufgezeigten Punkte der Arbeit beschließen die Arbeit.

2 Definition Globalisierung

Eine einheitliche Definition für das Wort Globalisierung ist nicht vorhanden. Es stellt sich abermals die Frage, was darunter zu verstehen ist. Um die Terminologie der Globalisierung verstehen zu können, braucht es einen geschichtlichen Exkurs. Die Geschichte weist immer wieder auf, dass es lange vor der Entdeckung der Neuen Welt durch die europäischen Seefahrer, schon Vorläufer der Globalisierung gab. Vor circa 4000 Jahren unternahm der akkadische König Sargon I. den Versuch aus dem heutigen Irak die damalige Welt zu globalisieren, dies bedeutete eine hegemoniale Herrschaft in der Waren- und Handelswirtschaft für das Reich des Königs (vgl. Böge 2011: 23). Ferner haben die Griechen ihr Glück mit der Globalisierung versucht, welches auf der Mathematik, Philosophie etc. basierte. Die Griechen gründeten in der Antike Städte an allen Küsten vom Schwarzen Meer bis Ägypten und bis zum heutigen Spanien und breiteten ihre Kultur aus (Böge 2011: ebd.). Die Unternehmung der Griechen war äußerst erfolgreich, schließlich sind wir bis heute noch von ihrer Demokratie geprägt. Eine beispiellose Globalisierung, die kulturell, politisch, sprachlich und eine Expansionspolitik diente, war die des römischen Reichs, die über 1200 Jahre hinweg dauerte. Die Römer waren darauf aus ihre Gebiete, Handel und die römische Kultur auszubreiten (vgl. Böge 2011: ebd.). Trotz all der Ereignisse in der Geschichte, die unter dem Begriff der Globalisierung unterzuordnen wäre, ist die Globalisierung als Fachausdruck in der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Mögen es Früchte aus Lateinamerika, Kleidungsstücke und Elektronik aus Asien oder gar Blumen aus Afrika sein. Die genannten Grundbedürfnisse für die mehrheitlich westliche Hemisphäre fallen unter die Globalisierung. Nach dem Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler Klaus Müller ist die Globalisierung eine ,,raum-zeitliche Ausdehnung sozialer Praktiken über staatliche Grenzen, die Entstehung transnationaler Institutionen und Diffusion kultureller Muster beschreiben’’ (Müller 2002:8). Christoph Scherrer und Caren Kunze hingegen behaupten, dass die Globalisierung für den Schwund nationaler Grenze verantwortlich sei und zudem wird die Globalisierung durch menschliche Aktivitäten forciert (vgl. Scherrer; Kunze 2011:12). Wie auch immer die Globalisierung zu definieren ist, ob sie maschinell, menschlich oder kulturell forciert ist, sie löst Mechanismen bei Personen aus, die an ihr zu verlieren scheinen. Durch den gezwungenen Mechanismus kommt es zu einer Mobilisierung von Frauen und Mädchen, die ihre Häuser und Familien, teils von den Familien gezwungen, teils aus Eigeninitiative verlassen, um für die Familie bei fremden Familien in den Industrieländern arbeiten zu dürfen.

2.1 Haushaltsarbeit der Migrantinnen in Deutschland

Immer mehr Frauen in den Entwicklungsländern sehen die Industrieländer wie Deutschland, Amerika, Großbritannien etc. als eine Arbeitsoase der Haushaltsarbeit. Die Aufnahme der Migrantinnen über die Industrieländer wird durch die Globalisierung und steigende Zahlen der westlichen Frau, die in der Arbeitswelt jährlich zunimmt bestätigt. Dies hat zur Folge, dass die Versorgung der Kinder und die Haushaltsarbeit auf der Strecke bleiben.

Die Weitergabe der Haushaltsarbeit ist nicht erst seit der Globalisierung in den letzten dreißig Jahren als ein Phänomen zu kennzeichnen. Schon im 18. Und 19. Jahrhundert gab es eine Form der Arbeitsmigration in der sich junge Frauen als Dienstmägde und Kindermädchen im Hause der Aristokraten versuchten (vgl. Lutz: 2002: 87). Durch das Fortbestehen der Praktiken hat die Haushaltsarbeit im Laufe der Jahrhunderte sich zu einem ,bi-, multi- oder transnationale’ Geschäft entwickelt (vgl. Lutz: 2002: ebd.).

Es lässt sich die These aufstellen, dass die Haushaltsarbeit in den Industrienationen aufgrund der Globalisierung eine Lücke hinterlässt, die es zu füllen gilt. Diese Lücke scheint durch die Arbeitsmigrantinnen besetzt zu werden. Die Entstehung der Lücke begann schon im Zweiten Weltkrieg, als die Männer an der Front kämpften und die Arbeitsstellen, die einst von Männern besetzt wurden waren, nun von Frauen zu besetzen waren. Somit kam die Hausarbeit, für die Frauen ursprünglich tätig waren, zu kurz. Ihren Zenit erreichte die Lücke der Haushaltsarbeit in den sechziger Jahren, bei der Frauen mit Männern am Arbeitsmarkt konkurrierten. Zudem vertritt die Werbung in der westlichen Welt heutzutage die unangestrengte Superfrau die Karriere und das Muttersein problemlos bewältigt und außerdem attraktiv scheint (vgl. Lutz: 2002: 30). Dass dies nicht der Wahrheit entspricht, zeigt uns die stets vorhandene Diskussion und Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Politik.

Nach Lutz hat sich die Haushaltsarbeit der Arbeitsmigrantinnen zu einer Transnationalität im Haushalt entwickelt. Es wird von 1,4 bis 2,4 Millionen sozialversicherungsfreien Beschäftigungsverhältnissen in Privathaushalten ausgegangen (Lutz 2002: 87). Ferner nehmen die undatierten Beschäftigungsverhältnisse weiterhin zu. Die Haushaltsarbeit der Migrantinnen besteht meist aus Tätigkeiten wie Aufräumen, Putzen, Waschen und Bügeln, darüber hinaus muss gekocht werden und die Kinder und alte Menschen müssen entsprechend versorgt werden (vgl. Lutz 2008: 202). Die Arbeitgeberinnen sind dementsprechend in einer Machtposition über die Arbeitsmigrantinnen, die fernab der Heimat den Haushalt einer bis dato fremden Person erledigt. Die Abhängigkeit des Jobs der Migrantinnen bringt des Weiteren einige Problematik mit sich. Die Haushaltsarbeiterin muss die Topographie des privaten Raumes beachten, die je eigene Ordnung der Dinger respektieren, die, so Kaufmann, auch eine metaphorische Bedeutung hat, weil sie ein wichtiger Teil des menschlichen individuellen Koordinatensystems ist (vgl. Lutz 2008: ebd.).

Durch die zu verrichtende Arbeit und das Beachten der Topografie des Arbeitgebers, kommen nicht nur physikalische, sondern auch bürokratische, soziale und psychische Faktoren auf die Arbeitsmigrantinnen zu. Diese Faktoren sind dadurch entstanden, dass im Laufe der Jahre durch die Modernisierungsprozesse, die von der Gesellschaft und der Wirtschaft vonstattenging ,,die Nachfrage nach häuslicher, pflegerischer und betreuender Beschäftigung in den letzten Jahren immer mehr zunahm (vgl. Heubach 2002: 168). Die Veränderung ist auf die veränderte Familienstruktur zurückzuführen, die Müttern und Frauen im Westen ermöglichte erwerbstätig zu sein. Der Aufenthalt der Arbeitsmigrantinnen meist aus Mittel- und Osteuropa ist durch Vorsicht geprägt, da viele von ihnen sich illegal aufhalten. Der illegale Aufenthalt der Frauen kommt durch ein Verwehren des legalen Zugangs zum Arbeitsmarkt zustande (vgl. Heubach 2002: ebd.).

Für Frauen, die im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis und Arbeitserlaubnis sind, gestaltet sich das Arbeiten weiterhin als problematisch, da die aus dem Ausland mitgebrachten Qualifikationen auf dem deutschen Arbeitsmarkt als nicht ausreichend für eine Tätigkeit abseits der Haushaltsarbeit angesehen werden. Dementsprechend bleibt die Putz- und Haushaltsarbeit, die von der westlichen Frau vernachlässigt wird, vakant. Die freie Stelle wird meist von Arbeitsmigrantinnen übernommen. Angekommen im privaten Haushalt der Arbeitgeber gehen die Arbeitsmigrantinnen ihrer Arbeit nach. Der Haushalt bietet Schutz auf der einen Seite, aber birgt auf der anderen Seite auch Gefahren. Da in privaten Haushalten Schutz vor Arbeitskontrollen gewährt ist, können die Migrantinnen sexueller Nötigung ausgesetzt sein und trauen sich nicht zu den Behörden zu gehen, denn dies hätte eine Abschiebung zur Folge (vgl. Heubach 2002: 172).

Die Arbeitsbedingungen der Arbeitsmigrantinnen sind von langen Arbeits- und flexiblen Stunden gekennzeichnet. Es ist nicht unüblich für eine Arbeitsmigrantin zwischen 12 – 15 Stunden am Stück zu arbeiten. Viele Arbeitsmigrantinnen pendeln zwischen Haushalten und Büros, die einige Kilometer auseinanderliegen, gar ungewöhnliche Arbeitszeiten werden akzeptiert (vgl. Heubach 2002: ebd.). Selbst Frauen, die eine Arbeitsstelle hatten, bei der sie auch wohnten, beklagten sich über zu lange Arbeitszeiten, aber sich dagegen zu wehren war nicht möglich (vgl. Heubach 2002: ebd.). Nicht nur die Arbeitszeit verärgerte die Arbeitsmigrantinnen, auch die Betreuung der Kinder bereitete ihnen Probleme, wenn die Eltern/ Arbeitgeberinnen nicht zur vereinbarten Zeit zurückkamen. Für die Frauen bedeutet dies nach der vereinbarten und bezahlten Arbeitszeit nicht gehen zu können (Heubach 2002: ebd.). Die Lohnzahlungen unter den Arbeitsmigrantinnen variierten nach dem Herkunftsland der Frauen und richtete sich nach dem Lohnniveau des Landes (vgl. Heubach 2002: ebd.). Während polnische Frauen zwischen 12 bis 15 DM*[1] verdienten, bekamen Arbeitsmigrantinnen aus der ehemaligen Sowjetunion und Bulgarien etwa 5 bis 8 DM Stundenlohn (vgl. Heubach 2002: ebd.). Ferner bekamen die Arbeitsmigrantinnen keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder bei Beurlaubung. Da viele eine Kündigung fürchteten oder nichts von der Materie wussten, hakten sie auch nicht nach (vgl. Heubach 2002: 173). Außerdem kam noch Lohnbetrug auf Arbeitsstellen vor, bei denen sich die Frauen selten wehren konnten. Für die geleistete Arbeit erhielten die Frauen nur einen Teil des Lohns. Das mangelnde Wissen über das Arbeitsrecht der Frauen wird dementsprechend ausgenutzt (vgl. Heubach 2002: ebd.). Weitere Problemzonen sind die Ausnutzung der Frauen, besonders durch die Arbeitgeberinnen, wenn nach einer Zeit die Arbeitsbeziehung in eine freundschaftliche Beziehung hinübergeht. Die Arbeitgeberinnen baten dadurch um Extraarbeit, die nicht monetär vergütet wurde, sondern durch Geschenke an die Arbeitsmigrantinnen (vgl. Heubach 2002: ebd.). Hinzu kommt noch sexuelle Nötigung des Arbeitgebers, bei der sich die Frauen aufgrund der Drohung einer Kündigung eine Anzeige nicht gestatten. Eine Anzeige bedeutete für die Arbeitsmigrantinnen eine Offenlegung ihrer Person (vgl. Heubach 2002: ebd.).

[...]


[1] Es wird aufgrund der fehlenden Aktualität der Zahlen die Währung in DM angegeben

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Globalisierte Haushaltsarbeit. Chancen und Herausforderungen
Untertitel
Perspektiven der westlichen Frau und von Arbeitsmigrantinnen
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V412591
ISBN (eBook)
9783668640603
ISBN (Buch)
9783668640610
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Arbeit zitieren
Ayebatonyeseigha Christ (Autor), 2017, Globalisierte Haushaltsarbeit. Chancen und Herausforderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412591

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