Gegenstand dieser Arbeit stellen die von IWF und Weltbank in Entwicklungsländern durchgeführten Strukturanpassungsprogramme und die darauf bezogene Kritik dar. In den 80er und 90er Jahren wurden zahlreiche Entwicklungsländer zunehmend durch Wachstums- und Schuldenkrisen belastet. IWF und Weltbank sahen vor, durch wirtschaftliche Liberalisierung und Deregulierung in diesen Ländern ein Wirtschaftswachstum zu erwirken. Infolge von abrupter Marktöffnung kam es jedoch zu einem Anstieg der Armut statt zu erhofften wirtschaftlichen Erfolgen. Die Kritik an der Idee der Strukturanpassung und den durchgeführten Maßnahmen nahm damit stetig zu. Beide Institutionen hätten eine fragwürdige Wirtschaftspolitik betrieben und hätten es vor allem vernachlässigt, die ärmere Bevölkerung der betroffenen Länder vor den negativen Folgen der Strukturanpassung abzusichern.
Anhand einer näheren Betrachtung des Wandels von IWF und Weltbank hinsichtlich ihrer Strukturanpassungspolitik soll zunächst gezeigt werden, dass man zwar Ambitionen zeigte, die geäußerte Kritik zu bearbeiten, jedoch dahingehend nicht konsequent genug agierte, um diese zu beheben und die Strukturanpassung zu einem Erfolg werden zu lassen. Erst das 1999 eingeführte Konzept der Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP) versprach eine Kehrtwende in der Politik beider Institutionen. Es sieht vor, dass Bevölkerungsgruppen in einem Entwicklungsland eigenständig Strategien zur Armutsbekämpfung entwerfen und diese mithilfe von Hilfsgeldern umsetzen. Abschließende Frage dieser Arbeit soll sein, inwieweit IWF und Weltbank mit Poverty Reduction Strategy Papers ein Konzept geschaffen haben, das die damalige Kritik an der Strukturanpassung behebt.
Die Arbeit skizziert dazu zunächst Konzept und Durchführung der Strukturanpassungsprogramme. Anschließend wird betrachtet, welche Kritik an diesem Konzept geäußert wurde und wie sich der darauf folgende Wandel in der Strukturanpassungspolitik von IWF und Weltbank gestaltete. Den Abschluss der Arbeit bildet die Untersuchung des aus diesem Wandel entstandenen PRSP-Ansatzes hinsichtlich theoretischer und praktischer Beschaffenheit für das Beheben der damaligen Kritik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wandel in der Strukturanpassungspolitik von IWF und Weltbank
2.1. Strukturanpassungsprogramme im Washington Consensus
2.2. Neuausrichtung in der Strukturanpassungspolitik
2.2.1. Kritik am Washington Consensus
2.2.2. Reaktion und Wandel zur Armutsbekämpfung
3. Poverty Reduction Strategy Papers
3.1. Idee und Prinzipien des PRSP-Ansatzes
3.2. Kritik an der praktischen Umsetzung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die Wirksamkeit der Strukturanpassungspolitik von IWF und Weltbank, insbesondere den Übergang von den klassischen Strukturanpassungsprogrammen hin zu den Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP), um zu klären, inwieweit das neue Konzept die frühere Kritik an mangelnder Partizipation und fehlendem Ownership adressiert.
- Historische Analyse der Strukturanpassungsprogramme im Kontext des Washington Consensus.
- Kritische Auseinandersetzung mit den sozialen Folgen der neoliberalen Reformpolitik.
- Untersuchung des Konzepts der Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP) als Antwort auf die Reformkritik.
- Evaluierung der praktischen Umsetzung hinsichtlich der Prinzipien Ownership und Partizipation.
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Kritik am Washington Consensus
Die Kritik an der Strukturanpassungspolitik der Weltbank und der IWF basiert auf zwei grundlegenden Ursachen. Zum einen konnte keines der in den 80er und 90er Jahren durchgeführten Strukturanpassungsprogramme den Ansprüchen von Wirtschaftswachstum und anschließender Armutsreduzierung gerecht werden. Zum anderen demonstrierte die Asienkrise der 90er, dass die im Washington Consensus proklamierten Mittel als Mittel zur wirtschaftlichen Stabilisierung hinfällig geworden waren.
Bereits vor der Durchführung der ersten Strukturanpassungsprogramme entstand Kritik gegenüber den strikten makroökonomischen Maßnahmen und der Vernachlässigung der armen Bevölkerungsschichten, welche vor allem an Haushaltskürzungen und Marktöffnung leiden würden.
1987 veröffentlichte UNICEF eine Studie, welche diese Befürchtungen bestätigen sollte. Die Studie mit dem Titel „Anpassung mit menschlichem Gesicht“ verurteilte die teils katastrophale soziale Situation in Entwicklungsländern, welche SAP durchführten und sah die Strukturanpassung als Hauptursache für gestiegene Armut. Große Teile der Bevölkerung in den Empfängerländern verarmten oder hatten generell einen gesunkenen Lebensstandard. Durch die strenge Haushaltspolitik zum Abbau von Haushaltsdefizite kam es insbesondere im Bildungs- und Gesundheitsbereich zur Einführung und Erhöhung von Gebühren sowie zu Entlassungen und Lohnkürzungen. Dies weiteren führten Deregulierung und Privatisierung zur Beseitigung von Preiskontrollen bei Nahrungsmitteln und anderen Gütern des Grundbedarfs und damit zu gestiegenen Inflationsraten. Weiterhin sollten die Maßnahmen der Strukturanpassung schnell durchgeführt werden, was insbesondere im Bereich der Privatisierung dazu führte, dass Unternehmen privatisiert wurden, bevor entsprechende Wettbewerbs- und Kartellbehörden eingesetzt waren. Bei Fällen, in denen ein positives Wirtschaftswachstum verzeichnet werden konnte, flossen die Mittel vor allem an privilegierte Gruppen. Strukturanpassung wurde von der UNICEF zwar weiterhin als notwendig angesehen um einen langfristigen Wachstumsprozess zu initiieren, dennoch müsse der Fokus der Maßnahmen vor allem auf der Stärkung der unteren Bevölkerungsschichten liegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Strukturanpassungspolitik ein und definiert das Forschungsziel, die Wirksamkeit der PRSP-Strategien im Vergleich zur bisherigen Kritik zu untersuchen.
2. Wandel in der Strukturanpassungspolitik von IWF und Weltbank: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Strukturanpassungsprogramme unter dem Washington Consensus und analysiert die darauf folgende Kritik aufgrund sozialer Fehlentwicklungen und der Asienkrise.
2.1. Strukturanpassungsprogramme im Washington Consensus: Hier wird der historische Kontext der Kreditvergabe des IWF und der Weltbank beschrieben, die primär auf makroökonomische Stabilisierung abzielte.
2.2. Neuausrichtung in der Strukturanpassungspolitik: Der Abschnitt beschreibt den notwendigen Strategiewechsel der Institutionen als Reaktion auf die gescheiterten neoliberalen Reformen.
2.2.1. Kritik am Washington Consensus: Die inhaltliche Kritik an den strikten makroökonomischen Auflagen und deren negative soziale Auswirkungen werden detailliert aufgezeigt.
2.2.2. Reaktion und Wandel zur Armutsbekämpfung: Dieses Kapitel beleuchtet, wie Weltbank und IWF begannen, die soziale Dimension stärker in ihre Strategien zu integrieren.
3. Poverty Reduction Strategy Papers: Dieses Kapitel führt das PRSP-Konzept als neues Instrument ein, das auf Ownership und Armutsreduzierung fokussiert.
3.1. Idee und Prinzipien des PRSP-Ansatzes: Die zentralen normativen Prinzipien der PRSP werden hier dargelegt und deren theoretische Ausrichtung skizziert.
3.2. Kritik an der praktischen Umsetzung: Dieser Teil untersucht, wie das Prinzip des Ownership in der Realität durch fortbestehende Konditionalitäten eingeschränkt wird.
4. Fazit: Das Fazit zieht ein Resümee über die Bemühungen von IWF und Weltbank und stellt fest, dass das PRSP-Konzept in der Praxis oft an den gleichen Hürden wie frühere Programme scheitert.
Schlüsselwörter
Strukturanpassungsprogramme, IWF, Weltbank, Poverty Reduction Strategy Papers, Washington Consensus, Armutsbekämpfung, Ownership, Konditionalität, Entwicklungsländer, Wirtschaftswachstum, Partizipation, soziale Gerechtigkeit, Reformprozess, Krisenmanagement, Makroökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strukturanpassungspolitik von IWF und Weltbank sowie deren Wandlungsprozess hin zu den Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP) zur Armutsbekämpfung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Washington Consensus, die soziale Kritik an neoliberaler Reformpolitik, das PRSP-Konzept sowie die Prinzipien von Ownership und Partizipation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob die neuen PRSP-Konzepte die Schwächen der früheren Strukturanpassungsprogramme tatsächlich beheben konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse auf Basis von Literaturstudien, Evaluierungsberichten und der Untersuchung institutioneller Strategiepapiere.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der Strukturanpassung, die Kritik am Washington Consensus, die theoretische Konzeption der PRSP und die kritische Würdigung ihrer praktischen Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Strukturanpassungsprogramme, Ownership, Konditionalität, Armutsbekämpfung und Partizipation.
Was bedeutet das Prinzip des "Ownership" im PRSP-Kontext?
Ownership impliziert, dass die betroffenen Länder ihre Reformstrategien selbstständig und unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft entwickeln sollten, statt diese von außen diktiert zu bekommen.
Warum wird die praktische Umsetzung der PRSP kritisiert?
Die Kritik richtet sich vor allem darauf, dass IWF und Weltbank durch Konditionalitäten bei der Kreditvergabe weiterhin massiven Einfluss auf die Inhalte der PRSP ausüben, was das Prinzip des Ownership untergräbt.
- Citation du texte
- Tim Mandel (Auteur), 2013, Strukturanpassungsprogramme in der Kritik. Angemessene Problembewältigung von IWF und Weltbank durch Poverty Reduction Strategy Papers?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412883