Transkulturalität als Alternative zur Interkulturalität

Ein Versuch, transkulturelle Strukturen in populärer Musik zu verdeutlichen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einführung in die Fragestellung

2. Knappe Historie des Kulturbegriffs
2.1. Interkulturalität
2.2. Multikulturalität

3. Gewandelte Welt
3.1. Kritik am traditionellen Kulturbegriff
3.2. Globalisierung

4. Transkulturalität nach Wolfgang Welsch
4.1. Externe Transkulturalität
4.2. Interne Transkulturalität

5. Transkulturalität in der Musik
5.1. Transkulturalität der Genres
5.2. Transkulturalität der Lieder

6. Fazit und weiterführende Gedanken

Literaturverzeichnis

1.Einführung in die Fragestellung

Am 20. Oktober 2005 verabschiedete die UNESCO auf der 33. Generalkonferenz, welche vom 3. bis 22. Oktober in Paris stattfand, das „Übereinkommen über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen“. Dieses Übereinkommen soll eine völkerrechtliche verbindliche Grundlage für das Recht aller Staaten auf eigenständige Kulturpolitik schaffen. Am 18. März 2007 trat die Konvention in Kraft.

Das Recht eines jeden Staates regulatorische und finanzielle Maßnahmen zu ergreifen, um die Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen auf seinem Staatsgebiet zu schützen, stellt das Kernstück des Übereinkommens dar (vgl. UNESCO, 2009, o.S.).

Genauer werden in der Konvention in Absatz „I. Ziele und leitende Grundsätze“ in „Artikel 1 - Ziele“[1]unter anderem die Absicht (a) kulturelle Ausdrucksformen zu fördern und zu schützen, genannt. Ebenso (b) Voraussetzungen zu schaffen, für das freie Entfalten und Interagieren der Kulturen. Außerdem wird angeführt, (c) einen verstärkten Dialog zwischen den Kulturen, mit einem breiteren und ausgewogeneren weltweiten kulturellen Austausch, zu fördern, um hierdurch gegenseitige Achtung der Kulturen zu erzielen und somit eine „Kultur des Friedens zu gewährleisten“. Zudem soll das Ziel (d) „die Interkulturalität zu fördern, um die kulturelle Interaktion im Geist des Brückenbaus zwischen den Völkern weiterzuentwickeln“ (UNESCO, 2009, o. S.) umgesetzt werden.

Punkt d) bildet den ausschlaggebenden Anschlusspunkt für den Inhalt, welcher in dieser Arbeit besprochen werden soll: Das Konzept der Transkulturalität als alternatives Kulturkonzept zur Interkulturalität und/oder Multikulturalität. Der Begriff der Transkulturalität wurde von dem Philosophen Wolfgang Welsch[2]konzipiert[3]. Laut Welsch sei ein „interkultureller Dialog“ eine wertvolle Aufgabe, doch ist es seiner Meinung nach zweifelhaft, ob Interkulturalität das richtige Konzept sei, um den Intentionen dieses Dialogs gerecht werden zu können. Der Begriff der Interkulturalität besäße, laut Welsch, eine „kategoriale Vorentscheidung“ (Welsch, 1994, S. 147) über die Beschaffenheit von Kulturen, welche im Hinblick auf heutige Phänomene kaum haltbar sei. Solche Kulturen, von denen Interkulturalität aufgrund des traditionellen Kulturbegriffs ausgeht, existieren heute kaum noch. Im Folgenden soll eine Einführung in die Geschichte des Begriffs „Kultur“ stattfinden. Nach einer knappen Erläuterung des Wortursprungs folgt ein Umriss des Kulturbegriffs nach Pufendorf. Hierauf wird der traditionelle, herdersche Kulturbegriff dargestellt, um ihn dann von der derzeitigen Ebene der kulturellen Evolution[4]abzugrenzen. Als aktuelles Konzept der Kultur schlägt Dr. Wolfgang Welsch Transkulturalität vor. Mit diesem Konzept versucht Welsch den veränderten Zustand von Kulturen herauszuheben und deskriptiv richtig zu beschreiben.

Die Hinführung zum Konzept der Transkulturalität soll über dessen Abgrenzung vom traditionellen Kulturkonzept und durch Abhebung von Interkulturalitäts- und Multikulturalitätsvorstellungen geführt werden. Auch der antreibende Aspekt der Globalisierung[5]und die Angst vor der Uniformierung[6]der Kulturen soll in dieser Arbeit schlaglichtartig beleuchtet werden. Außerdem soll festgestellt werden, ob das Konzept der Transkulturalität umzusetzen ist oder bereits in Teilaspekten des menschlichen Zusammenlebens und der kulturellen Ausdrucksform umgesetzt wurde, wie etwa in populärer Musik. Nach der Darstellung des Transkulturalitätskonzeptes soll deshalb versucht werden dieses Konzept auf Musik zu übertragen.

2. Knappe Historie des Kulturbegriffs

„Schon vor zwei Generationen waren mehr als 100 Definitionen von Kultur im Umlauf und es ist kaum davon auszugehen, dass die Zahl zwischenzeitlich geschrumpft ist“ (Knoblauch, 2007, S. 25)[7]. Deshalb erscheint es ratsam, die Ursprünge dieses Begriffs zu betrachten, um so den zugrunde liegenden Kulturbegriff als Basis dieser Arbeit herauszustellen.

Das lateinische Wort „colere“, von welchem sich Kultur ableitet, geht einher mit der Bedeutung des Bewohnens, Kultivierens sowie Ehrens und Schützens von etwas. Das lateinische Wort „cultura“, welches auf „colere“ etymologisch aufbaut, nahm die Bedeutung der landwirtschaftlichen Pflege, Bearbeitung und Bestellung des Ackers sowie Anbau und Landbau an (vgl. Knoblauch, 2007, S. 22). „Kultur steht damit in einer semantischen Opposition zur Natur“ (Knoblauch, 2007, S. 22). Auch in Deutschland wird das Wort Kultur zunächst als Lehnwort in Bezug auf Landwirtschaft verstanden, bevor es die metaphorische Bedeutung des Ausbildens und geistigen Verbesserns des Individuums beinhaltet. Zu Beginn der deutschen Aufklärung, in der Mitte des 17. Jahrhunderts, änderte sich diese Bedeutung rasch. Der deutsche Philosoph Samuel von Pufendorf[8]definiert Kultur nicht mehr nur als Besonderheit eines Individuums, sondern verwendet Kultur als „Generalbegriff“ (vgl. Welsch, 1995, S. 1/vgl. Welsch, 1994, S. 149) zur Bezeichnung sämtlicher menschlicher Lebensäußerungen mit der „Gesamtheit sozialer Bindungen, Fertigkeiten und menschlicher Tugend“ (Knoblauch, 2007, S. 23) eines Volkes, einer Gesellschaft oder einer Nation.

Johan-Gottfried Herder[9]definierte etwa ein Jahrhundert später den klassischen Kulturbegriff, welcher das abendländische Denken maßgebend prägte und noch heute prägt[10].

Kulturen werden in Herders Verständnis pragmatisch mit dem Bild von Kugeln oder mit autonomen Inseln erklärt: „Jede Nation hat ihren Mittelpunkt der Glückseligkeit in sich wie jede Kugel ihren Schwerpunkt!“ (Herder, 1784-1791[11], o. S., zit. n. Welsch, 2010, S. 2). Positiv und zukunftsweisend sei an Herders Kulturverständnis, so Welsch, der Einbezug der gänzlichen Vielfalt von kultureller Erscheinung. Nicht nur die herkömmlichen Bereiche der akademischen Bildung und „museumdienlicher Kulturleistung“ (Welsch, 2010, S. 2) werden einbezogen, sondern auch Alltagskultur und Technik (vgl. Welsch, 2010, S. 2). Aus dem Kugelmodell geht hervor, dass die Kultur jeweils dem territorialen Bereich sowie der sprachlichen Verbreitung eines Volkes entsprechen soll (vgl. Welsch, 1995, S. 1).

Drei Charakteristika machen den herderschen Kulturbegriff aus: Die ethnische Fundierung, die Abgrenzung nach außen und die soziale Homogenisierung (vgl. Welsch, 1995, S. 1). Unter sozialer Homogenisierung sei zu verstehen, dass jeder Gegenstand sowie jede Handlung als auszeichnender Bestandteil einer Kultur gelte und sie das Leben im Ganzen wie im Einzelnen präge. Dass Kultur an ein bestimmtes Volk und seine Geschichte gebunden sei und als typisches, veredeltes Ergebnis aus diesem entstehe, sei mit dem Merkmal der ethnischen Fundiertheit hervorgehoben. Aus diesen beiden Merkmalen folge als drittes Merkmal die Abgrenzung nach außen[12], womit eine spezifische Kultur entschieden von anderen Kulturen unterschieden werden könne (vgl. Welsch, 1995, S. 1/vgl. Welsch, 2010, S. 2). Durch die Bestimmung von Kultur als historisch gewordene Lebensweise eines Volkes und einer Nation eröffnet sich aber auch die Möglichkeit des Kulturvergleichs, beispielsweise der europäischen und der außereuropäischen Kultur (vgl. Knoblauch, 2007, S. 23). Zeitgleich findet sowohl ein innerer Druck zur Angleichung als auch ein Druck zur äusseren Abgrenzung statt. Dieser Druck kann in gewaltsamer Abgrenzung durch Kriege oder gezwungene Homogenisierung[13]durch Unterdrückung gipfeln (vgl. Welsch, 2010, S.2).

2.1. Interkulturalität

Ohne die separatistischen Folgen des traditionellen Kulturverständnisses aufzufangen oder zu überwinden, ergänzt das Konzept der Interkulturalität dieses alte Verständnis der Beschaffenheit von Kulturen nur. Welsch postuliert, dass Interkulturalität auf der Primärebene von „beträchtlich verschiedenen Kulturen“ (Welsch, 1994, S. 149) ausgeht. Als Reaktion auf die interkulturellen Konflikte zwischen den sich absetzenden, kugelig verfassten Kulturen versucht das Konzept der Interkulturalität auf der Sekundärebene Wege zu finden, in welchen die Kulturen sich gegenseitig anerkennen und verstehen können und in Kommunikation treten können (vgl. Welsch, 1994, S. 149/vgl. Welsch, 2010, S. 7). Diese Absichten sind laut Wolfgang Welsch aber ergebnislos, weil die Vorstellung der Interkulturalität die Bedingung der Separiertheit und ethnischen Fundiertheit des traditionellen Kulturverständnisses unverändert übernimmt. Aus der Trennung der Kulturen ergibt sich der Wunsch nach interkulturellem Dialog (vgl. Welsch, 2010, S. 8) und zugleich als Folgeproblem, die „strukturelle Kommunikationsunfähigkeit und schwierige Koexistenz dieser Kulturen“ (Welsch, 1995, S. 2). Das Konzept der Interkulturalität sei, so Dr. Welsch, nicht radikal genug und versäume es die Wurzel des Problems anzupacken (vgl. Welsch, 1995, S. 2). Wolfgang Welsch ist weiter der Meinung, dass das Konzept der Interkulturalität so sehr auf den Dialog zwischen den sich unterscheidenden Kulturen fixiert ist, dass eine Begriffsreform nicht in Erwägung gezogen werden könne und deshalb für die sich veränderte „Struktur der Phänomene systematisch blind bleibe“ (Welsch, 1994, S. 149).

2.2. Multikulturalität

Ähnliche Probleme, wie sie die Vorstellung der Interkulturalität aufweist, sind auch bei der Vorstellung von Multikulturalität zu finden. In der Multikulturalität sollen die Aufgaben des Zusammenlebens verschiedener Kulturen innerhalb einer Gesellschaft (vgl. Welsch, 2010, S. 7), ohne räumliche Abgrenzung, bzw. innerhalb einer staatlichen Gemeinschaft, aufgegriffen werden. Strukturell wird demnach die gleiche Frage behandelt wie bei der Interkulturalität. Auch die Vorstellung der Multikulturalität geht von „klar unterschiedenen, in sich homogenen Kulturen aus“ (Welsch, 1995, S. 2), für welche Chancen der Toleranz gesucht werden, Bemühung um Verständigung stattfindet und versucht wird Konfliktvermeidung und Konflikttherapien zu erarbeiten. Dies hält Wolfgang Welsch für ebenso löblich wie die Bemühungen um den interkulturellen Dialog und ebenso ineffizient. Das traditionelle Kulturverständnis liegt auch der Multikulturalität zugrunde. Somit kann nie eine wirkliche Verständigung zwischen den kulturell heterogenen Gruppen zustande kommen und eine Überschreitung der trennenden Schranken bleibe demnach ausgeschlossen. Das Nebeneinander verschiedener Kulturformen (wie beispielsweise in den USA) hat nicht zu produktiven Durchwirkungen oder gegenseitiger Lernbereitschaft geführt (vgl. Welsch, 1994, S. 160). Im Gegenteil, durch die Berufung auf kulturelle, nationale Identität, innerhalb des großen Ganzen (Staat), käme es, so Welsch, zur Gettoisierung (vgl. Welsch, 2010, S. 7), Abschottung und Intoleranz. Es könne sogar zum Kulturfundamentalismus kommen, welcher die Gefahr des politischen Fundamentalismus berge (vgl. Welsch, 1995, S. 2/vgl. Welsch, 1994, S. 160-162), auf welchen in Kapitel 2 „Die historische Entwicklung des Kulturbegriffs“ hingewiesen wurde. Wenn Kulturen als kugelhaft angenommen werden, kann das Problem ihrer Koexistenz und Kooperation weder behoben noch gelöst werden.

3. Gewandelte Welt

Nach Wolfgang Welsch entspricht das herkömmliche, von Herder entworfenen und von Interkulturalität und Multikulturalität übernommene Modell, der Kulturen als Kugeln, welche sich bildlich gesprochen nur voneinander abstoßen können, statt sich gegenseitig zu durchdringen, bei weitem nicht den aktuellen Tatsache der globalisierten Weltbevölkerung. Der Zustand heutiger Kulturen ist faktisch nicht homogen und separiert, sondern durch Mischungen und Durchdringungen gekennzeichnet (vgl. Welsch, 2010, S. 3). Das traditionelle Kulturkonzept ist unfähig der stark differenzierten, modernen Gesellschaft gerecht zu werden. Im Folgenden sollen die Einwände gegen den traditionellen Kulturbegriff präziser aufgearbeitet werden.

3.1. Kritik am traditionellen Kulturbegriff

Die soziale Homogenisierung, wie sie bei Herder als Merkmal für Kultur gilt, ist heute bedeutungslos, denn neben den vertikalen Differenzen, welche sich durch monetär voneinander abgegrenzte Schichten mit differenzierten Lebensstilen beschreiben lassen würde, gibt es auch horizontale Differenzen in jeder Gesellschaft, zum Beispiel die Geschlechter (männlich, weiblich, intersexuell, transsexuell) oder die sexuelle Orientierung (Hetero, Homo, Bi) und die jeweils damit verbundenen Lebensweisen. Eine Homogenität der Lebensformen, wie sie im traditionellen Kulturmodell beschrieben ist, sei nach Wolfgang Welsch unhaltbar, da sie deskriptiv falsch sei (Welsch, 1995, S. 1). Lebensformen[14]und Lebensstile sind Ländergrenzen übergreifend zu finden und beschränken sich nicht mehr nur auf eine Einzelkultur (Nationalkultur). „Gleichartige Lebensformen durchziehen die Kulturen und Nationen quasi unmodifiziert“ (Welsch, 1994, S. 158). Die Lebensform eines Unternehmers, Wissenschaftlers oder Journalisten sei nicht mehr einfach deutsch, sondern europäisch oder global geformt (vgl. Welsch, 2010, S. 3/Welsch, 1995, S. 1), ebenso „wie Musik, Literatur oder Bildende Kunst“ (Knoblauch, 2007, S. 23).

Durch den Rückgang der territorialen Abgrenzung, die Öffnung der Grenzen und durch zunehmende Migration wird das traditionelle, volksgebundene Merkmal der ethnischen Fundierung obsolet. Denn längst sind „die kulturellen Gehalte anderer Länder tendenziell zu Binnengehalten“ (Welsch, 2010, S. 3/Welsch, 1994, S. 157) für jedes Land geworden. Die neue Gesellschaft lebt von Austausch und Durchdringung, so postuliert Welsch. Die Auflösung der Kulturen in ein „unübersehbares Patchwork von Kulturen der unterschiedlichsten Milieus, Gruppierungen und Lebensstile, in denen sich lokale und überlokale Traditionen verwischen“ (Knoblauch, 2007, S. 24) könnte man als Kreolisierung[15](vgl. Knoblauch, 2007, S. 24) oder Hybridisierung[16](vgl. Welsch, 2010, S. 3), welche eine Folge der Globalisierung sei, bezeichnen. Die Frage, ob die Kulturen vor der Hybridisierung und Kreolisierung rein waren, kann entschieden verneint werden, denn Durchmischung hat in jedem historischen Zeitalter stattgefunden. Die deutsche Kultur ist beispielsweise nur mit Blick auf die römische oder griechische Tradition zu rekonstruieren (vgl. Welsch, 1995, S. 3) und die Entstehung der griechischen Kultur ist ohne den Einfluss von „Ägypten und Asien, Babylonien und Phönizien“ (Welsch, 2010, S. 8) nicht zu verstehen. Das Tempo der Durchmischung ist allerdings deutlich angestiegen. Gründe hierfür werden im folgenden Kapitel schlaglichtartig beleuchtet.

[...]


[1]Die ausführliche Auflistung aller Ziele und Grundsätze würde den gebotenen Rahmen dieser Arbeit sprengen. Deshalb wurden nur Ziele aufgezählt, welche der Fragestellung zuarbeiten. Die ausführliche Konvention ist zu finden unter: Deutsche UNESCO-Kommission e.V. (2009): Übereinkommen über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen. Online unter: http://www.unesco.de/konvention_kulturelle_vielfalt.html.

[2]Prof. Dr. phil. Wolfgang Welsch wurde 1946 geboren, studierte Philosophie, Kunstgeschichte, Psychologie und Archäologie in München und Würzburg. Er habilitierte 1982 und unterrichtete Philosophie an der Universität Bamberg von 1988-93, an der Universität Magdeburg von 1993-98 und seit 1998 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit April 2012 befindet er sich im Ruhestand (vgl. Friedrich-Schiller-Universität Jena, 2012, o. S.).

[3]1992 stellte Welsch das Konzept zum ersten Mal unter dem Titel: „Transkulturalität- Lebensformen nach der Auflösung der Kulturen“, in: „Information Philosophie“ (1992), Heft 2, S. 5-20, vor. In dieser Arbeit wird eine erweiterte Fassung aus dem Jahr 1994 verwendet.

[4]Die kulturelle Evolution nach Wolfgang Welsch ist näher erläutert in: Was ist eigentlich Transkulturalität? (2010) S. 15-16. Hier beschreibt Welsch einen kurzen Gesamtgang der Menschheitsgeschichte hin zur Transkulturalität. Als erste Periode bezeichnet er die genetische Evolution des Menschen, bei der er feststellt, dass die genetische Differenz zwischen allen Menschen der Welt sehr klein sei. Die zweite Periode der kulturellen Evolution sei durch kulturelle Differenzbildung gekennzeichnet. Außerdem durch Anpassung an die Umwelt mittels Kulturgüter und somit Produktion von Differenzen zwischen den verschiedenen Modifikationen. Die dritte Periode verortet Welsch in der Gegenwart als „Zeitalter der Transkulturalität“ (Welsch, 2010, S. 16), welche durch die Verringerung der kulturellen Differenzen mittels Durchdringung und Verbindung gekennzeichnet ist.

[5]Die Gründung der UNESCO am 16. November 1945 in London ist ein Hinweis auf den Globalisierungsgedanken. Deutschland wurde am 11. Juli 1951 in die UNESCO aufgenommen, nachdem die UNESCO in Deutschland ab 1948 in den westlichen Besatzungszonen UNESCO-Veröffentlichungen verbreitete, Buchaustausche mit anderen Staaten organisierte und Untersuchungen der deutschen Lehrbücher durchgeführt hatte (vgl. Deutsche UNESCO-Kommission e.V., 2012, o. S.)

[6]Das zur Einleitung gewählte „Übereinkommen über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen“ der UNESCO spiegelt die Angst vor Uniformierung der kulturellen Ausdrucksformen wieder. Auf die Frage der Uniformierung wird in 3.2. Globalisierung näher eingegangen.

[7]Im Aktuellen Duden sind mehrere Bedeutungen des Wortes Kultur aufgelistet: „1.)[…].Die Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung. 2.) Die Gesamtheit der von einer bestimmten Epoche geschaffenen, charakteristischen geistigen, künstlerischen, gestalteten Leistung. 2.1.) Die […] Kultiviertheit einer menschlichen Betätigung[…]. 2.2.) Die Kultiviertheit einer Person. 3.) (Landwirtschaft, Gartenbau) das Kultivieren des Bodens. […] 4.) (Landwirtschaft, Gartenbau, Forstwirtschaft) auf größeren Flächen kultivierte junge Pflanzen. 5.) auf geeigneten Nährböden in besonderen Gefäßen gezüchtete Gesamtheit von Mikroorganismen oder Gewebszellen“ (Duden, 2012, o. S.). Hieraus wird deutlich, dass Kultur ein Begriff mit einem sehr großen Bedeutungsspektrum ist, nicht nur historisch betrachtet, sondern auch die Breite der Bezugswissenschaften (z.B. Medizin, Pädagogik, Biologie, Politologie, Soziologie etc.) spiegelt dies wieder.

[8]Samuel Freiherr von Pufendorf, geboren am 08.01.1632 in Flöha (Sachsen), gestorben 16./26. 10. 1694 in Berlin. Studierte Jura und Philosophie und besetzte 1661 in der philosophischen Fakultät Leiden und 1670 in der philosophischen Fakultät Lund den Lehrstuhl für Natur- und Völkerrecht, welcher zu diesem Zeitpunkt neu gegründet wurde (vgl. Stolberg-Wernigerode, 2003, S. 3-5).

[9]Johann Gottfried Herder, geboren am 25.08.1744 in Mohrungen, gestorben am 18.12.1803. War Theologe, Philosoph, Kunst- und Literarturtheoretiker und Dichter (vgl. Stolberg-Wernigerode, 1969, S. 595-603). Er „steht […][des Weiteren d. Verf.] in der Tradition der Aufklärung“ (Stolberg-Wernigerode, 1969, S. 602).

[10]Das Überdauern des Kugelmodells wird in Kapitel 2.1 Interkulturalität und Kapitel 2.2. Multikulturalität verdeutlicht.

[11]Johann Gottfried Herder entwirft in seiner Hauptschrift „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ (1784-1791) ein Gesamtbild der damals bekannten und erforschten Welt und ihrer verschiedenen „Kulturen“. „Die 4 geschriebenen Bände […] verarbeiten die gesamte Herder zugängliche geschichts-, natur-, sprach- und religionswissenschaftliche Literatur seiner Zeit.“ (Stolberg-Wernigerode, 1969, S. 600).

[12]Anna Löchte, welche sich mit Herders Kulturtheorien auseinandersetzte, kritisiert, dass bei der Rezeption von Herders Schriften eine verbreitete Fehlauffassung bestünde. Herder sei nicht von der Notwendigkeit kultureller Abschottung ausgegangen sondern habe immer wieder die befruchtende Wirkung der Völker aufeinander betont (Löchte, 2005, S. 128-131)

[13]Nicht nur aus der deutschen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts geht hervor, dass nationale Auslegungen von Kultur zu äußerst illusionären und fiktiven Vorstellungen, wie dem Reinheitsgebot und kulturellem Rassismus und den daraus resultierenden politischen Konflikten und Kriegen führen kann (vgl. Welsch, 1995, S. 1). Ein Beispiel dieses Jahrzehnts, für eine fanatische, ethnische Fundierung, stellen die Angriffe in Oslo und auf Utøya am 22.06.2011, durchgeführt von A. Breivik, dar. Diese Attacken begründete er unter anderem mit der „Sorge darüber, zusehen zu müssen, wie das eigene Land und das eigene Volk dekonstruiert werden“ (Breivik vor Gericht, zit. n. Falnes, 2012, S. 1) und mit der Angst, dass „sein Land dabei ist zu sterben“ und seine „eigene ethnische Gruppe dabei ist zu sterben“ (Breivik vor Gericht, zit. n. Falnes, 2012, S. 1).

[14]Den Begriff „Lebensformen“ übernimmt Wolfgang Welsch in der Form wie sie von dem Philosophen Wittgenstein geprägt wurde. Als „eingespielte Praxis“ (Welsch, 1994, S. 159) als eine Selbstverständlichkeit des Seins. So wird Kultur ohne völkische Substanz und ohne den Beigeschmack von Rassismus verstanden, auch wenn gemeinsame Handlungsspielräume abgesteckt werden (vgl. Welsch, 1994, S. 159-160).

[15]„Das Konzept der Kreolisierung stammt ursprünglich aus der Linguistik des 19. Jahrhunderts. […] Der Begriff Kreol geht vermutlich auf creare (lat. „kreieren“, „erschaffen“, „hervorbringen“) zurück. Die primäre Bedeutung wäre demnach „in neuem Kontext kreiert“-neu und anders.“ (Halbmayer, 2011, S. 201) „Das linguistische Kreolisierungskonzept [fand, d. Verf.] in die Ethnologie Eingang, um die Auswirkungen von Kulturkontakten zwischen Gesellschaften differenziert analysieren zu können“ (Halbmayer, 2011, S. 202)

[16]„Im engeren Sinne meint Hybridität (lat. Hybridia oder [h]ibrida) die Kombination von Elementen zweierlei Herkunft. […]. Das Hybriditätskonzept, wie es ab dem späten 1970er Jahren in Poststrukturalismus, [und d. Verf.] Postmoderne […] eingesetzt wurde, schließt nicht an die Biologie, sondern die Linguistik […] an. […]. Emanzipiert von der negativen biologistischen Bedeutung meint Hybridität Infragestellung hegemonialer und dominanter Ansprüche. […]. Ein Verhandlungsraum um die Konstruktion kultureller Autorität und Identität, aus dem neue Positionen hervorgehen […]. Ein solcher Hybriditätsbegriff widerspricht jedem fundamentalistischen Verständnis von Kultur Ethnie, Klasse oder Nation als ursprünglicher, stabiler, abgegrenzter Einheit“ (Kreff, 2011, S. 141-142)

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Transkulturalität als Alternative zur Interkulturalität
Untertitel
Ein Versuch, transkulturelle Strukturen in populärer Musik zu verdeutlichen
Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
24
Katalognummer
V412884
ISBN (eBook)
9783668641853
ISBN (Buch)
9783668641860
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Transkulturalität, Musik, Multikulturalität, Interkulturaltitä, Wolfgang Welsch, Globalisierung, Uniformierung, Kultur, Nationalität, Jugend, Wolfgang, Welsch, Kulturalität, Postmoderne, Kulturkonflikt, Integration, Assimilationstheorie, Multikulturalismus, Interkulturelle Pädagogik, Hybridität, cultural turn, Assimilation, Kampf der Kulturen, Entkulturalisierung, Transnationalität, Ordnungsmuster, Ordnung, Postmodern, Umbruch, Dekonstrutkion, Kulturwissenschaft, kulturelle Evolution, Johann Gottfried Herder, Herder, Konzept, traditioneller Kulturbegriff, Kulturbegriff, Kritik, Interkulturalität, Extern, Intern, Entgrenzung, Musikalischer Dialog, Identifikation, Identität
Arbeit zitieren
Diplom Pädagogin Lisa Hartmann (Autor), 2012, Transkulturalität als Alternative zur Interkulturalität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412884

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