Praxisbericht eines Orientierungspraktikums an einer Gesamtschule


Praktikumsbericht / -arbeit, 2016
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Aufgaben von Schule

3. Aufgaben von Lehrerinnen und Lehrern Berufswahlmotivation

4. Aufgaben von Unterricht Planung und Gestaltung von Unterricht

5. Praxiserkundung
5.1 Begründung zur Wahl des Erkundungsschwerpunktes
5.2 Planung des methodischen Vorgehens
5.3 Auswertung und Reflexion der Ergebnisse

6. Resümee

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Ich absolvierte mein vierwöchiges Orientierungspraktikum an der Gesamtschule. Mit circa 1600 Schülerinnen und Schülern, sieben Parallelklassen pro Jahrgangsstufe und ungefähr 160 Lehrerinnen und Lehrern muss diese Schule sehr gut organisiert sein.

Es gibt ein großes Lehrerzimmer, das jedoch ausschließlich für Konferenzen oder Elternpflegschaftssitzungen genutzt wird. Stattdessen befinden sich immer fünfzehn bis zwanzig Lehrerinnen und Lehrer alle in unterschiedlichen Lehrerstützpunkten, die über die verschiedenen Etagen der Schule verteilt liegen. Alle Lehrerinnen und Lehrer haben dort einen eigenen Schreibtisch, an dem sie arbeiten können. Auf jeder Etage gibt es zwei dieser Stützpunkte, je ein Stützpunkt für eine Jahrgangsstufe. Diese Lehrerstützpunkte ziehen alle zwei Jahre mit den Jahrgangsstufen mit, in der ersten Etage befinden sich die Jahrgänge fünf und sechs, in der Zweiten sieben und acht und in der Dritten neun und zehn. Dieses Prinzip dient der besseren Kommunikation des Lehrerteams untereinander, da sie alle zum großen Teil die Jahrgangsstufe unterrichten, mit der sie eine Etage weiterziehen. Die Jahrgangsstufen 11 bis 13 bestehen nur aus Kursen, die auf keiner bestimmten Etage unterrichtet werden.

Dass sich die Lehrerinnen und Lehrer untereinander unterstützen war Normalität, sie alle verhielten sich sehr kollegial, was durch das Prinzip der Lehrerstützpunkte besonders geprägt wurde.

Wie bereits erwähnt, gibt es pro Jahrgangsstufe sieben Parallelklassen. In jeder Klasse sind circa 25 Schülerinnen und Schüler, jeweils zwei Klassen einer Jahrgangsstufe sind Inklusionsklassen. Neben den ganz normalen Schülerinnen und Schülern befinden sich in diesen besonderen Klassen auch bis zu vier Schülerinnen und Schüler, die lernbeeinträchtigt sind. Die Inklusion und die Gleichberechtigung sind der Schule besonders wichtig.

Außerdem wurde die Gesamtschule mit dem Siegel „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ ausgezeichnet.

Anders als in meiner Schulzeit, dauerten die Unterrichtsstunden nicht 45 Minuten, sondern 60. Dafür hatten die Schülerinnen und Schüler jeden Tag maximal fünf Stunden. Als Alternative zum Hitzefrei bietet die Schule Kurzstunden an, die 40 Minuten dauern.

Aufgrund der Größe der Schule, gab es zehn Praktikanten. Wir alle wurden zu Beginn sehr herzlich von unseren beiden Mentoren begrüßt und dem Schulleiter vorgestellt. Die Lehrerinnen und Lehrern, die uns sahen, brachten uns großes Interesse entgegen. Durch die Verteilung der Lehrerstützpunkte in der ganzen Schule ist es klar, dass man nicht alle Lehrkräfte zu Gesicht bekam. Diejenigen Lehrerinnen und Lehrer, mit denen ich zu tun hatte, waren jedoch alle noch sehr jung. In meiner Schulzeit hatte ich in den Fachbereichen, die ich nun studiere (Musik und Französisch) nur mit älteren Lehrerinnen und Lehrern zu tun.

Im Fach Musik herrschte trotz der großen Schülerzahl ein großer Mangel an Lehrkräften. Insgesamt gab es nur vier Musiklehrer beziehungsweise Musiklehrerinnen, wovon zwei fachfremd unterrichteten. Durch diesen Mangel setzte zeitweise der Musikunterricht für drei Jahre aus, sodass man in der zehnten Klasse immer noch (oder wieder) Grundlagen unterrichten musste. Daher war es für die Lehrkräfte sehr schwer dem Lehrplan zu folgen.

Im Nachmittagsbereich werden im jeden Schuljahr sehr unterschiedliche Arbeitsgemeinschaften angeboten, darunter sind ein Gitarrenorchester, eine Schulband, vocal coaching und ein Chor. In diesem Schuljahr wurde der Chor angeboten.

Auch in den anderen Fachbereichen, aber auch in fachfremden Bereichen- wie zum Beispiel die AG „Selbstbehauptungstraining“- kann man sehr verschiedene Arbeitsgemeinschaften besuchen.

Ich habe mir diese Schule für mein Orientierungspraktikum ausgesucht, da ich meine bisherigen Erfahrungen mit dem Lehrberuf nur an Gymnasien sammeln konnte. Ich wollte nun einmal in eine Gesamtschule hineinschnuppern, die in einem „BrennpunktViertel“ liegt.

Gerade in den Inklusionsklassen, aber auch in den anderen Klassen, in denen einige Schülerinnen und Schüler erhebliche Motivationsprobleme hatten, kam es sehr häufig zu Störungen des Unterrichtes. Daher wählte ich dieses Thema als meinen Beobachtungsschwerpunkt.

Im Folgenden werde ich auf Aufgaben von Schule und ihrer Funktion eingehen, Aufgaben von Lehrerinnen und Lehrern und Unterricht benennen und meine Praxiserkundung vorstellen.

Schlussendlich werde ich eine Zusammenfassung meines gesamten Orientierungspraktikums ziehen.

2. Aufgaben von Schule

Die Institution Schule sieht sich heutzutage nicht nur mit den Aufgaben „Unterricht“ oder „Wissensvermittlung“, sondern auch mit weiteren, vielfältigeren Aufgaben, die weit darüber hinausgehen, konfrontiert.

Einerseits ist die Schule Abbild der Gesellschaft, andererseits soll sie aber die Schüler im Idealfall für eine bessere Gesellschaft erziehen und vorbereiten, die die Lehrer und Lehrerinnen selbst noch nicht kennen. Sie dient jedoch nicht nur zur Präparation für die Zukunft, sondern muss auch den aktuellen Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen gerecht werden und ihnen einen Lebens- und Erfahrungsraum bieten.

Man könnte nun vier unterschiedliche Aspekte voneinander differenzieren, die jedoch natürlich alle miteinander verwoben sind:

1) Der gesellschaftliche Bereich
2) Der individuelle Bereich
3) Die allgemeine Bildung betreffend
4) Die Vermehrung des (Fach-)Wissens

1) Zum gesellschaftlichen Aspekt: Die Heranbildung von mündigen Menschen ist das Ziel der Schule. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen verantwortungsbewusst zu entscheiden und zu handeln. Sie sollen die eigene und andere Kulturen verstehen, Fremdes integrieren und im Idealfall mit Mut und Freude Verantwortung sozialer, sowie ökologischer Art übernehmen.

In den Richtlinien für die Sekundarstufe II der Gymnasien und Gesamtschulen ist das folgendermaßen formuliert:

„ Die Sch ü lerinnen und Sch ü ler sollen ihre sozialen Kompetenzen entwickeln und in der aktiven Mitwirkung am Leben in einem demokratisch verfassten Gemeinwesen unterst ü tzt werden. [ … ] Die Sch ü lerinnen und Sch ü ler sollen auf ein Leben in einem zusammenwachsenden Europa und in einer 4 international verflochtenen Welt vorbereitet werden. “ [1]

2) Zum individuellen Aspekt: Jedes Kind und jeder Jugendlicher soll von der Schule in seiner Einzigartigkeit wahrgenommen werden. Die Institution Schule soll den Schülerinnen und Schülern Aufmerksamkeit schenken und jeden Einzelnen mit dem Ziel der selbstständigen Entdeckung und Entfaltung neuer Begabungen fördern und fordern.

„ Die Sch ü lerinnen und Sch ü ler sollen ihre individuellen F ä higkeiten weiterentfalten und nutzen. “ [2]

Von diesen Forderungen bin ich in beiden meiner Fächer besonders betroffen: Gerade im Musikunterricht lernen die Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeiten zu entfalten und Begabungen zu entdecken. Ohne den Musikunterricht würden die Kinder und Jugendlichen im normalen Alltag womöglich gar nicht dazu herausgefordert werden und würden somit keine neuen Ausdrucksformen ihrer Persönlichkeit erforschen können.

Im Fach Französisch lernen die Schülerinnen und Schüler sich in einer weiteren Sprache auszudrücken und sich in der dritten Weltsprache zu verständigen und mitzuteilen. Dabei ist man in diesem Fach häufig mit den Vorurteilen der Schülerinnen und Schüler konfrontiert, die meinen, dass die französische Grammatik und Aussprache sich als sehr schwierig darstellen und somit das Fach an sich schwer zu bewältigen sei. Dabei kann man die Kinder und Jugendliche an die Hand nehmen und ihnen die neue Sprache näher bringen, damit sie diese zu ihrem Gunsten bestmöglich entfalten und nutzen können.

3) Zum Aspekt Bildung: Bildung geht über das bloße Verfügen über Wissen und Information hinaus. Sie schließt eine Reflexion über den eigenen Standpunkt in einer langen Traditionskette, die Kultur des Innehaltens und Nachdenkens und ein eigenständiges Bewerten ein.

Natürlich kann man noch wesentlich mehr unter dem Aspekt Bildung verstehen, was die vielen Publikationen zu diesem Thema verdeutlichen. Ich werde mich jedoch hier auf diese Definition beschränken.

„ Die Sch ü lerinnen und Sch ü ler sollen sich mit Werten, Wertsystemen und Orientierungsmustern auseinandersetzen k ö nnen, um tragf ä hige Antworten auf die Fragen nach dem Sinn des eigenen Lebens zu 6 finden. “ [3]

4) Zum Aspekt der Vermehrung des Fachwissens: Häufig wird Schule nur auf diesen Bereich reduziert. Und dennoch kommen in der Lehrer-Ausbildung meiner Meinung nach die fachwissenschaftlichen Kompetenzen durch die in den letzten Jahren verständlicherweise stark verbesserte didaktische und pädagogische Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer zu kurz. Der Unterrichtsgegenstand soll in der Lebenswelt der zu Unterrichtenden verankert sein, was häufig in Konkurrenz zum Erwerb von Fachwissen steht. Für die Kinder und Jugendlichen ist es natürlich langweilig immer nur zukünftige Verwendungsmöglichkeiten zu erlernen, welche sie momentan nicht anwenden können. Ich habe in meinen vorbereiteten Unterrichtsstunden versucht, einen Mittelweg zu finden.

3. Aufgaben von Lehrerinnen und Lehrern

In den neuen Standards der Lehrerausbildung vom 16.12.2004 definieren die Kultusminister die Anforderungen und Aufgaben an Lehrer. Dabei wird auf 11 Kompetenzen eingegangen, die den Kompetenzbereichen Unterrichten, Erziehen, Beurteilen und Innovieren zugeteilt werden. Ich werde mich im Folgenden auf die Kompetenzbereiche Unterrichten und Beurteilen konzentrieren, da diese beiden Aspekte am offensichtlichsten erscheinen, meiner Meinung nach jedoch sehr häufig unterschätzt werden.

[...]


[1] Sekundarstufe II Gymnasium/Gesamtschule XIV

[2] ebenda XIIV

[3] ebenda

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Praxisbericht eines Orientierungspraktikums an einer Gesamtschule
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V412918
ISBN (eBook)
9783668644748
ISBN (Buch)
9783668644755
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
praxisbericht, orientierungspraktikums, gesamtschule
Arbeit zitieren
Mandy Annalena Riemer (Autor), 2016, Praxisbericht eines Orientierungspraktikums an einer Gesamtschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412918

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Praxisbericht eines Orientierungspraktikums an einer Gesamtschule


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden