Depression im Alter. Entwicklung, Symptomatik und Prävention


Bachelorarbeit, 2017
60 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Depressionen im Alter
2.1 Überlegungen zum Alter – Was bedeutet Alter?
2.2 Definition und Krankheitsbild
2.3 Symptome einer depressiven Erkrankung

3 Klassifikation und Diagnostik
3.1 Klassifikation und Diagnose gemäß ICD-
3.2 Probleme bei der Diagnostik von Depressionen im Alter

4 Folgen depressiver Erkrankungen im Alter
4.1 Auswirkungen auf die Mortalität
4.2 Suizidalität

5 Epidemiologie der Depression im Alter in Deutschland
5.1 Prävalenz
5.2 Versorgungsrelevante Aspekte

6 Einflussfaktoren auf die Entwicklung einer Depression im Alter
6.1 Genetische Einflussfaktoren
6.2 Biologische Einflussfaktoren
6.3 Psychosoziale Einflussfaktoren

7 Maßnahmen zur Prävention einer Depression im Alter
7.1 Kognitive Verhaltenstherapie
7.2 Das Kompetenznetz „Depression, Suizidalität“
7.3 Bewegungstherapie

8 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Depressive Herabgestimmtheit

Abbildung 2: Diagnose depressiver Episoden und Schweregrad nach ICD-10-Kriterien

Abbildung 3: Bio-psycho-soziales Modell

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Hauptkategorien affektiver Störungen nach ICD-10

Tabelle 2: Prävalenz (Angaben in %) von aktuell bestehender depressiver Symptomatik (gemäß PHQ)

Tabelle 3: Lebenszeitprävalenz (in %) von diagnostizierter Depression

Tabelle 4: 12-Monats-Prävalenz (in %) von diagnostizierter Depression

1 Einleitung

Die Prävention depressiver Erkrankungen im Alter besitzt einen hohen Stellenwert für Patienten und Gesellschaft (vgl. Blume & Hegerl 2008: 62). So lautet die Meinung vieler Wissenschaftler, die sich mit dieser psychischen Krankheit und deren Auswirkungen auseinandergesetzt haben. Denn die Depression stellt die häufigste nicht-dementielle Erkrankung im Alter dar und erreicht mit einer Auftrittswahrscheinlichkeit von 8-16 % eine relevante Größenordnung (vgl. Mühlig et al. 2015: 53). Dabei gehört die depressive Störung zusätzlich zu den Krankheiten mit den größten und weitreichendsten Folgen für die Lebensqualität von Betroffenen, da sich diese Erkrankung auf jeden Bereich des alltäglichen Lebens auswirkt. Bei älteren Menschen drücken sich diese Konsequenzen insbesondere in Form von erhöhter Sterblichkeit und Suizidalität aus. Aufgrund dieser epidemiologischen Ausprägung und gesundheitseinschränkenden Auswirkungen, ist die Entwicklung präventiver – insbesondere primärpräventiver – Maßnahmen zur Vermeidung von Depressionen im Alter von essentieller Bedeutung für ältere, depressionsgefährdete Menschen und für die Gesellschaft. Ziel dieser Ausarbeitung ist daher die Beantwortung der Fragen, welche Faktoren die Entwicklung einer Depression im Alter beeinflussen und wie man einer solchen Entwicklung entgegenwirken kann.

Diesbezüglich wird zunächst die Krankheit Depression näher erläutert. Dazu gehören die Definition sowie die Darstellung des Krankheitsbildes, der Symptome, der Vorgehensweise und der Probleme bei der Klassifikation und Diagnostik von depressiven Störungen im Alter. Daran anknüpfend soll ein Überblick über die gesundheitlichen Folgen von Depressionen im Alter gegeben werden, wobei insbesondere die Aspekte der Mortalität und Suizidalität untersucht werden. Anschließend werden im darauffolgenden Kapitel Angaben zur Epidemiologie und Prävalenz der Depression im Alter gemacht. Im Zuge dessen werden auch kurz versorgungsrelevante Aspekte dargelegt. Danach findet die Untersuchung der ersten Forschungsfrage statt. Demnach wird herausgearbeitet, welche Einflussfaktoren auf die Entwicklung einer Depression im Alter einwirken, wobei dies aus genetischer, biologischer und psychosozialer Perspektive betrachtet wird. Dieses Kapitel dient zum einen dem Verständnis, wie depressive Störungen im Alter entstehen und zum anderen, welche Faktoren bei der Entwicklung von Präventivmaßnahmen berücksichtigt werden müssen. Im Anschluss daran soll sich der Beantwortung der zweiten Forschungsfrage gewidmet werden, nämlich wie der Entwicklung von Depressionen im Alter entgegengewirkt werden kann. Dazu werden drei ausgewählte präventive Beispiele vorgestellt – die kognitive Verhaltenstherapie, das Kompetenznetz „Depression, Suizidalität“ und die Bewegungstherapie. Zum Abschluss werden die Ergebnisse dieser Ausarbeitung rekapituliert und in einem Fazit zusammengefasst.

2 Depressionen im Alter

Im folgenden Kapitel steht die Einführung in die Thematik und die Veranschaulichung des Begriffs und Krankheitsbildes der Depression im Vordergrund. Dazu werden anfänglich Überlegungen zum Thema Alter angestellt, mit denen geklärt werden soll, ab wann man als „alter Mensch“ gilt und auf welchen Alterszeitraum sich Depressionen im Alter beziehen. Im Anschluss daran folgt die Definition des Begriffs Depression sowie die Darstellung der Symptome einer depressiven Erkrankung. An dieser Stelle soll ferner die Frage geklärt werden, ob es sich bei einer Depression im Alter um eine eigenständige Erkrankungsform (die sog. Altersdepression) oder lediglich eine Depression in einem spezifischen Alterszeitfenster handelt und somit dieselben bzw. sehr ähnliche Symptome aufzeigt wie eine Depression im jüngeren oder mittleren Alter.

2.1 Überlegungen zum Alter – Was bedeutet Alter?

Da diese Arbeit Depressionen im fortgeschrittenen Alter thematisiert und untersucht, erscheint es sinnvoll, zunächst einige Aspekte zum höheren Lebensalter anzuführen. Dies beinhaltet zum einen Überlegungen zum Prozess des Alterns, zum anderen die Klärung der Frage, ab wann für einen Menschen „das Alter“ beginnt und auf welchen Alterszeitraum sich somit eine Depression im Alter bezieht.

Zu Beginn ist diesbezüglich hervorzuheben, dass das menschliche Altern einen individuellen Prozess beschreibt, welcher demnach von ausgeprägten interindividuellen Unterschieden gekennzeichnet ist (vgl. Wolfersdorf & Schüler 2005: 8; Neubart 2015: 4). Diese Unterschiedlichkeit bezieht sich dabei sowohl auf die physische als auch auf die seelisch-geistige Ebene (vgl. Schnurr 2011: 108). Der Prozess des Alterns wird, neben dem Faktor der Individualität, aber auch durch gesellschaftliche Entwicklungen beeinflusst. So definiert die Gesellschaft, unter anderem durch die Beendigung der Arbeitszeit, bestimmte Altersgrenzen und sie gibt Altersbilder vor, die nicht nur das Selbstbild alternder Menschen, sondern auch die Einstellung jüngerer Menschen gegenüber älteren sowie gegenüber dem Alter selbst prägen (vgl. Wolfersdorf & Schüler 2005: 8). Die Gesellschaft spricht älteren Menschen bzw. „dem Alter“ also spezifische Rollen und soziale Funktionen zu und definiert somit auch die Ideale und Leitbilder eines guten sowie erfolgreichen Alterns (vgl. Wolfersdorf & Schüler: 8)

In Deutschland gilt das Ausscheiden aus dem Berufsleben als die primäre Grenze, ab der das Alter eines Menschen beginnt, wobei das Renteneintrittsalter derzeit noch bei 65 Jahren liegt (vgl. ebd.: 8). Sowohl aus biologischer als auch aus psychologischer Perspektive ist eine solche Festlegung allerdings problematisch und wenig sinnvoll, da zahlreiche soziokulturelle und politisch-ökonomische Einflussfaktoren auf sie einwirken (vgl. Wolfersdorf & Schüler 2005: 8). Beispielsweise liegt nämlich das Renteneintrittsalter in Deutschland bei 65 Jahren und in Frankreich bei 61,2 Jahren (vgl. Wirtschaftswoche: 15.08.2017). Obgleich dieser Problematik hat sich die Begrifflichkeit des „dritten Lebensalters“ (Alterszeitraum zwischen 65 und 79) und des „vierten Lebensalters“ (Zeitraum ab dem 80. Lebensjahr) etabliert (vgl. Backes et al. 2013: 22 ff.).

Als universelles Charakteristikum für die gesamte Lebensspanne gilt aber, dass Alter immer eine Relation zu einer anderen Person bedeutet: zwischen 9- und 18-Jährigen genauso wie zwischen 65- und 80-Jährigen, wobei typischerweise der 9-Jährige sich als „schon 9 Jahre alt“ betrachtet, der 80-Jährige sich als „erst 80“ (vgl. Wolfersdorf & Schüler 2005: 8). Damit wird dem jeweiligen Alter sukzessiv positive oder negative Wertigkeiten beigemessen, wie sie im Ausdruck „alt“ an sich stets steckten, nämlich im gegensätzlichen Sinne von „kostbar“ einerseits und „Wrack“ andererseits (vgl. ebd.: 8).

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Untersuchung der Begrifflichkeit des Alters ist die Entwicklung vom lange Zeit existenten Defizitmodell des Alterns zum nun überwiegend vorherrschendem Kompetenzmodell des Alterns. Herrschte vor einiger Zeit also noch die Überzeugung, dass der Alternsprozess mit einem kontinuierlichen, natürlichen und somit unumstößlichem Nachlassen körperlicher, geistiger und emotionaler Kompetenzen verbunden ist, so werden heute die Stärken hervorgehoben, die das Alter mit sich bringt (vgl. Wiese 2010: 56ff.). Erst die Einführung des Kompetenzmodells des Alterns konnte deutlich machen, dass das menschliche Altern nicht primär Abbau, sondern vielmehr Umbau darstellt mit intensiven psychischen, somatischen und sozialen Wechselwirkungen (vgl. Wolfersdorf & Schüler 2005: 10). Diesbezüglich betrachtet die „Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und-psychotherapie“ den Alternsprozess heute als „biologisches, biographisches, soziales, finanzielles, ökologisches sowie epochales Schicksal, dem sich kein Mensch entziehen kann“ (DGGPP: http://www.dggpp.de/documents/gp_begr.pdf). Dabei ist Alter beziehungsweise Altern nichts Statisches, sondern ein mehrdimensionaler dynamischer Prozess, wobei sich mehrere voneinander abgrenzbare Lebensphasen beobachten lassen (s. „drittes und viertes Lebensalter“) (vgl. DGGPP: http://www.dggpp.de/documents/gp_begr.pdf; Wolfersdorf & Schüler 2005: 10). In jedem dieser Abschnitte müssen diverse Aufgaben bewältigt werden. Die körperlichen, psychischen und sozialen Fertigkeiten dazu sind individuell und ungleich zwischen jedem alternden Individuum verteilt. Diese Ungleichverteilung wird insbesondere dann evident, wenn ältere Menschen mit Sterben und Tod konfrontiert werden und hierauf jeder seine eigene Antwort finden muss (vgl. Wolfersdorf & Schüler 2005: 10; DGGPP: http://www. dggpp.de/documents/gp_begr.pdf). Für einen alten Menschen gelten folglich die gleichen psychodynamischen Gesetzmäßigkeiten, Triebbedürfnisse und innerseelischen Konflikte wie für einen jüngeren Menschen (vgl. Wolfersdorf & Schüler 2005: 10). Gleichzeitig ist er ein „von seiner körperlichen, psychischen und sozialen Vergangenheit, seiner biographischen Gewordenheit und seiner spirituellen Einbettung sowie seiner kulturellen Umgebung geprägter Mensch“, der nun mit seiner Sterblichkeit konfrontiert wird und diese neue Herausforderung bewältigen muss (ebd. 2005: 10).

Aus diesen Überlegungen lassen sich einige Schlüsse für den weiteren Verlauf dieser Arbeit und somit der Untersuchung von Depressionen im Alter ziehen. Zum einen konnte festgestellt werden, dass der Prozess des Alterns und das Alter an sich sehr individuell sind und es somit auch nicht die eine Altersgrenze gibt, ab der nun jeder Mensch alt ist. Zum anderen bedeutet aus Sicht des heute aktuellen Kompetenzmodells des Alterns, dass Alter und Altsein nicht zwangsläufig Krankheit bedeutet und dass das höhere Lebensalter nicht automatisch eine genetische Disposition für die Entwicklung einer Depression aufweist. Denn, wie zuvor erläutert, besitzt jeder ältere Mensch unterschiedliche Eigenschaften und Fähigkeiten, sodass nicht jeder Mensch im höheren Alter eine Depression entwickelt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Erkenntnis, auf welchen Alterszeitraum sich eine Depression im Alter bezieht. Auch wenn in diesem Kapitel aufgezeigt wurde, dass es keine allgemeingültige Festlegung dafür gibt, ab wann man alt ist bzw. sich „im Alter“ befindet, so besteht in der Wissenschaft Konsens darüber, dass man sich an dem gesellschaftlich festgelegten Renteneintrittsalter orientiert. Demnach beziehen sich Depressionen im Alter auf die Personengruppe der ab 65-Jährigen (vgl. Müller et al. 2005: 11; Meller et al. 2007: 61). Diese Altersgrenze wird auch im weiteren Verlauf dieser Arbeit übernommen.

2.2 Definition und Krankheitsbild

Nachdem zuvor allgemeine Aspekte zum Alter(n) dargestellt wurden und die Frage geklärt wurde, auf welchen Alterszeitraum sich eine Depression im Alter bezieht, soll im Folgenden die Erkrankung selbst untersucht und illustriert werden. Dazu wird die Begrifflichkeit sowie das Krankheitsbild der Depression definiert und näher beleuchtet, ehe daran anschließend die Kriterien zur Klassifikation und Diagnose einer depressiven Erkrankung veranschaulicht werden. Nachstehend erfolgt also zunächst die Definition und Beschreibung der Krankheit Depression.

Im Allgemeinen wird die Depression als die „menschlichste“ aller Erkrankungen beschrieben, da sie alle Altersgruppen sowie alle Schichten befallen kann und eine gewisse Identifikationsmöglichkeit mit diesem Leiden in sich birgt, weil beinahe jeder schon einmal eine „depressive Verstimmung“ erlebt hat (vgl. Hole 1997: 101 ff.; Stotz-Ingenlath 2005: 565). Eine depressive Erkrankung kann folglich auch im höheren Alter bzw. bei Menschen ab dem 65. Lebensjahr auftreten. Die Manifestation einer Depression in diesem Alterszeitraum wird vielfach als Altersdepression bezeichnet. Doch handelt es sich dabei überhaupt um eine spezifische Erkrankung, die sich von der „allgemeinen“ Depression abgrenzen lässt? Bevor der Begriff der Depression näher betrachtet wird, erscheint es also angebracht, sich zuvor mit dieser Fragestellung auseinanderzusetzen.

Der Psychiater Emil Kraepelin sah in depressiven Zuständen, die im Alter auftraten einen eigenständigen Krankheitsbegriff – die sog. Altersdepression. Er hielt diese für eine erworbene, nicht endogen bedingte Erkrankung, was bedeutet, dass ihr Auftreten nicht auf eine genetische Disposition zurückzuführen sei (vgl. Kraepelin 1896: 80 ff.; Stotz-Ingenlath 2005: 566). Weiterhin sei sie prognostisch ungünstig und insbesondere durch Angst und hypochondrische Befürchtungen gekennzeichnet (vgl. Kraepelin 1896: 81 ff.; Stotz-Ingenlath 2005: 566). Dieses Konzept einer klar abgrenzbaren Altersdepression ist im weiteren Zeitverlauf noch lange aufrechterhalten und weiterentwickelt worden. So differenzierte man die sog. Involutions- oder auch Spätdepression mit einem Auftreten der depressiven Symptome nach dem 45. Lebensjahr und die Altersdepression mit einer Manifestation nach dem 60. Lebensjahr (vgl. Stotz-Ingenlath 2005: 566). Heutzutage geht man allerdings davon aus, dass sich eine depressive Erkrankung im höheren Alter in ihrer vielfältigen Symptomatik nicht kategorial von einer depressiven Erkrankung in jüngeren Jahren unterscheidet, sondern sich je nach Ausprägung und Schweregrad den verschiedenen depressiven Erkrankungsformen zuordnen lässt (vgl. Kurz 1997: 33; Wernicke et al. 2000: 7 f.; Stotz-Ingenlath 2005: 566). Demnach ist die Klassifikation der Altersdepression als eigenständiger Krankheitsbegriff obsolet, denn sie lässt sich kategorial nicht von einer „allgemeinen“ Depression unterscheiden. Die Bezeichnung „Depressionen im Alter“ scheint demgemäß treffender zu sein. Im Folgenden wird daher nun erläutert, wie aus heutiger Sichtweise eine Depression im Allgemeinen definiert wird.

Eine Depression ist eine psychische Erkrankung bzw. Störung, wobei sich der Begriff Depression vom lateinischen Wort „deprimere“ ableitet und „herunterdrücken“ bedeutet. Darunter versteht man ein seelisches und körperliches sich manifestierendes „Bedrücktsein“, welches die Gedanken, Gefühle und den Körper, also das gesamte „Ich“ eines Menschen betrifft (vgl. Stotz-Ingenlath 2005: 565). Wesentliche Merkmale dieser Krankheit stellen da- bei die Beeinträchtigung der Stimmung, Niedergeschlagenheit, Verlust der Freunde, emotionale Leere, Antriebslosigkeit, Interessenverlust und zahlreiche körperliche Beschwerden dar (vgl. Hautzinger 2000: 3). Eine Depression bedroht den Menschen also in seinem körperlichen Befinden, seinem Denken, seiner Gestimmtheit und in seinen Gefühlen, seinen Bezügen zur Umwelt, zur eigenen Person sowie zur Zukunft (vgl. Wolfersdorf 2011: 5). Sie übt einen großen Leidensdruck auf Betroffene aus und kann diese bis zur Unfähigkeit, den eigenen Lebensverpflichtungen nachzukommen, beeinträchtigen, sodass diese Erkrankung auch zwischenmenschliche, berufliche und soziale Folgen haben kann (vgl. Stotz-Ingenlath 2005: 565 f.; Wolfersdorf 2011: 5). In ihrer schwersten Ausprägung schließt sie die Erkrankten in einer solchen Weise ein, dass diese über ihr eigenes Leid nicht mehr hinauszuschauen vermögen und somit auch den Glauben an sich, an Heilungs- bzw. Hilfsmöglichkeiten und an die Zukunft verlieren (vgl. Wolfersdorf 2011: 5). Befindet sich ein Betroffener in einer solchen Ausprägungsform der Depression, besteht stets die Gefahr eines Suizids.

Es kann also festgehalten werden, dass die Depression im Sinne einer Krankheit als ein Zustand behandelt wird, der zu deutlichen Symptomen im seelischen und körperlichen Bereich führt, das soziale Leben und die zwischenmenschlichen Beziehungen beeinträchtigt, die Arbeits- und Lebensqualität schädigt und mit Leiden und Krankheitsgefühl bishin zur Freud- und Gefühllosigkeit einhergeht (vgl. ebd.: 5). Um nach der Definition nun das Krankheitsbild einer Depression näher zu beschreiben, wird im Folgenden veranschaulicht, wie depressiv Erkrankte fühlen und denken.

Hinsichtlich des Krankheitsbildes ist zunächst einmal festzuhalten, dass es sich bei der Depression um eine affektive Störung handelt. Bei einer solchen Störung ist das Hauptsymptom in der Störung von Stimmung (Gestimmtheit) und Gefühlen angesiedelt (vgl. ebd.: 18). Bei Depressiven drückt sich diese Stimmung in einer sog. depressiven Herabgestimmtheit aus. Dies bedeutet, dass die Betroffenen nicht einfach nur „keine gute Stimmung haben, wie das bei fast jedem Menschen einmal so ist, sondern sie sind nicht mehr aufhellbar (z.B. durch Zuwendung) oder nicht mehr schwingungsfähig bei sozialem Kontakt mit anderen Menschen, beim Erleben von Zuwendung, Freude oder auch ärgerlichen Ereignissen (vgl. ebd.: 19). In Abbildung 1 wird dieser Umstand veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Depressive Herabgestimmtheit

Quelle: Wolfersdorf 2011: S. 19

Der obere Graph stellt die „Schwingungskurve“ eines nicht-depressiv Erkrankten dar, der eine „normale“ Gestimmtheit besitzt und bei dem Gefühle einsetzen. Seine Stimmung ist schwingungsfähig und seine Gefühle sind spür- und erlebbar, das heißt, dass beispielsweise soziale Kontakte oder Zuwendungen eine bestimmte Stimmung sowie spezifische Gefühle – positiv wie negativ – in ihm auslösen und er diese auch wahrnehmen kann. Der untere Graph zeigt genau das Gegenteil: Hier wird die „Schwingungskurve“ eines Depressiven mit der damit einhergehenden depressiven Herabgestimmtheit verdeutlicht. Diese Person ist nicht mehr schwingungsfähig und Gefühle dringen nicht mehr zu ihm durch, sodass beispielsweise soziale Kontakte oder Zuwendungen keine bestimmten Stimmungen oder Gefühle auslösen können, da er diese eben nicht mehr wahrnehmen kann. Sie können also weder sich freuen noch weinen und beschreiben ihre Gestimmtheit so, dass sie sich bedrückt, niedergeschlagen, trostlos, gequält sowie schwermütig fühlen und nicht in der Lage seien überhaupt etwas zu empfinden oder zu genießen (Gefühl der Gefühllosigkeit) (vgl. Wolfersdorf 2011: 20). Eine solche depressive Herabgestimmtheit wird dabei insbesondere in der schweren oder sog. tiefen Depression deutlich (vgl. ebd.: 19).

Daneben gibt es aber auch Betroffene, die weniger unter einer globalen depressiven Herabgestimmtheit leiden, also einer die gar keine Schwingungen mehr aufweist, sondern deren depressive Verstimmung sich als ein Schwingen um eine normale Schwingungskurve (s. Abb. 1, oberer Graph) zeigt, welche sowohl Traurigkeit, Weinen, Klagsamkeit als auch aggressive Gereiztheit beinhalten kann (vgl. ebd.: 20). Bei alten Menschen kann demgemäß aggressives Verhalten oder auch Klagsamkeit auf eine depressive Verstimmung hinweisen. Denn bei älteren Betroffenen ist die depressive Herabgestimmtheit häufig nicht immediat spürbar, da heutige alte Menschen häufig noch gelernt haben, keine Gefühle zu zeigen. Deshalb muss ein solches Verhalten bei Älteren stets hinterfragt werden (vgl. Wolfersdorf 2011: 55).

Nicht nur die depressiven Verstimmungen sind ein wesentliches Merkmal des Krankheitsbildes einer Depression, sondern auch Angstgefühle. Am häufigsten ist dabei die Angst vor allem was auf einen zukommt und die den am Morgen erwachten Depressiven bereits überkommt, wenn er an seine Verpflichtungen, an die Abläufe des Tages, an die Dinge, die geleistet werden sollen und müssen, denkt (vgl. ebd.: 20). Aber auch Zukunftsängste und Ängste von anderen nicht verstanden, nicht gemocht, nicht akzeptiert zu werden oder alleine nicht lebensfähig zu sein, gehören dazu (vgl. ebd.: 20 f.). Bei einem älteren Menschen könnte dies zum Beispiel die Angst davor sein, in absehbarer Zukunft nicht mehr selbstständig leben zu können und möglicherweise sogar in eine Pflegeeinrichtung umziehen zu müssen. Ferner kann es eine Vielzahl an Befürchtungen geben, die sich auf den körperlichen Zustand, auf die Folgen der momentanen Erkrankung, auf Handlungen in der Depression, auf Wirkungen und Nebenwirkungen der Therapie beziehen (vgl. Wolfersdorf 2011: 21). Nicht selten leiden depressiv Erkrankte zudem an Panikattacken, Todesängsten oder phobischen Ängsten, die ohne ersichtlichen Grund auftreten können (vgl. ebd.: 21).

Wenn man sich anschaut, wie Depressive denken, dann ist insbesondere herauszustellen, dass sie häufig in Grübelzustände verfallen, welche mit einem Kreisen der Gedanken und einem Gefangensein in immer den gleichen Überlegungen verbunden sind und besonders stark sind, wenn äußere Ablenkungs- oder Entlastungsmöglichkeiten fehlen oder scheinbar nicht mehr zu erreichen sind (vgl. Wolfersdorf 2011: 24). Des Weiteren entsteht ein Gefühl der Leere im Kopf, der Einfallslosigkeit - häufig einhergehend mit einer Verlangsamung von Gedanken – und es findet eine Monotonisierung und Verlangsamung der Sprache sowie Formulierung statt (vgl. ebd.: 24). Zudem besteht vermehrt der Wunsch nach Ruhe und nach einer Pause von seinem Leidensdruck, wobei an dieser Stelle bei dem Betroffenen häufig die Entwicklung von Suizidgedanken einsetzt. Bei der Entwicklung von der Suizididee zur Suizidabsicht, also dem Gedanken oder der erklärten Absicht, sein Leben beenden zu wollen, spielen Hoffnungslosigkeit oder eine Wahnsymptomatik eine Rolle, zuweilen sogar die altruistische Vorstellung, ohne den depressiven Menschen gehe es, z.B. der Familie, besser (vgl. ebd.: 24). Insbesondere bei älteren Depressiven löst die Erkrankung eine sehr große existentielle Verunsicherung aus, da alte Menschen ihre Einstellungen und Lebenskonzepte weniger schnell ändern können und sie sich deshalb häufiger die Frage stellen, ob es überhaupt noch einen Sinn ergibt, so weiterzuleben (vgl. Wolfersdorf 2011: 55). Es leiden also beinahe alle Menschen mit einer Depression unter Todeswünschen und Suizidideen, die meisten von ihnen sind jedoch der Vermittlung von Hoffnung und kompetenter Behandlung gegenüber offen eingestellt (vgl. ebd.: 24). Dennoch stellt die Depression auch heutzutage noch die tödlichste psychische Erkrankung dar, insbesondere was die schwer- und schwerst- depressiv Erkrankten betrifft (vgl. Harris et al. 1997: 211; Mortensen et al. 2000: 9 ff.; Wolfersdorf 2011: 24).

Alles in allem kann man also kurz zusammenfassen, dass das Krankheitsbild der Depression im Wesentlichen von einem Gefühl der Gefühllosigkeit, von Angstgefühlen, Grübelzuständen und häufig von Suizidgedanken gekennzeichnet ist. Da der Begriff der Depression und das Krankheitsbild in diesem Kapitel nun näher beleuchtet wurden, sollen daran anknüpfend im nächsten Abschnitt einige konkrete Symptome einer depressiven Erkrankung aufgeführt werden.

2.3 Symptome einer depressiven Erkrankung

Im folgenden Abschnitt soll aufgezeigt werden, welche Symptome in der Regel bei einer Depression auftreten. Denn bei einer depressiven Erkrankung berichten Betroffene immer wieder von ähnlichen Beschwerden und Symptomen, welche sich insgesamt als Hauptsymptome zusammenfassen lassen. Diese Hauptsymptome einer depressiven Erkrankung werden dabei in verschiedene Kategorien unterteilt. So gibt es affektive und kognitive Symptome, Antriebs- und psychomotorische Störungen und vegetative Symptome (vgl. Stotz-Ingenlath 2005: 570; Wolfersdorf & Schüler 2005: 26; Wolfersdorf 2011: 17). Zu diesen einzelnen Kategorien werden nun jeweils einige Beispiele vorgestellt, die bei einer Depression in Erscheinung treten können.

Zu den sog. affektiven und kognitiven Symptomen gehören die zuvor bereits erläuterte depressive Herabgestimmtheit und Verstimmung, die Angstzustände, die Grübelzustände sowie das Gefühl der Gefühllosigkeit, bestehend aus einer Freudlosigkeit, einem Nicht-Weinen- Können, Weinkrämpfen, Verzweiflung und allgemeine Verstimmtheit. Zu den affektiven und kognitiven Symptomen gehören aber auch Selbstvorwürfe wegen Nicht-können (Insuffizienzgefühl), Versagen und Minderwertigkeit (Selbstwerstörung), Zurückbleiben gegenüber dem Ich-Ideal, Schuldgefühle (Selbstverurteilung, Selbstanklage) und Klagen über materielle Probleme, Verarmung oder körperliche Befindlichkeiten (Hypochondrie) (vgl. Wolfersdorf & Schüler 2005: 26; Wolfersdorf 2011: 17). Weitere Symptome dieser Kategorie sind Gefühle von Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit, ein möglicher depressiver Wahn, der Verarmungs-, Schuld-, Versündigungs-, Untergangswahn-, und hypochondrische Ideen beinhaltet sowie Ruhe-/Weglaufwünsche und Suizidgedanken (vgl. Stotz-Ingenlath 2005: 570; Wolfersdorf & Schüler 2005: 26; Wolfersdorf 2011: 17). Bei älteren depressiv Erkrankten treten zudem häufig Klagen über subjektiv erlebte Konzentrations- und Merkstörungen auf (vgl. Kurz 1997: 34; Wolfersdorf 2011: 17). Unter die Antriebs- und psychomotorischen Störungen fallen unter anderem die Lust- und Antriebslosigkeit, sowie eine leere Hektik, welche einen Zustand der stetigen Unruhe umschreibt (vgl. Kastor 2003: 58; Wolfersdorf 2011: 17). Des Weiteren weisen Betroffene zum einen Getriebenheit und psychomotorische Agitiertheit, also eine gesteigerte, unproduktive motorische Aktivität, auf. Zum anderen können sie aber auch ein diesbezüglich konträres Verhalten aufzeigen, nämlich psychomotorische Hemmungen und einen Stupor, also dem Zustand des vollständigen Aktivitätsverlustes bei ansonsten wachem Bewusstseinszustand (vgl. Wolfersdorf 2011: 17). Die vegetativen Symptome sind diejenigen, die besonders stark bei depressiven älteren Menschen in den Vordergrund treten (vgl. Kurz 1997: 33). Zu ihnen gehören beispielsweise der Vitalitätsverlust mit rascher Erschöpfbarkeit, Müdigkeit, Kraftlosigkeit und unzureichender Belastbarkeit, Leibgefühlsstörungen (Druck-, Spannungs-, Schweregefühl im Körper) sowie Appetitstörungen, Gewichtsabnahme oder Obstipation (vgl. Wolfersdorf & Schüler 2005: 26; Wolfersdorf 2011: 17). Ferner zählen aber auch Schlafstörungen, Tagesschwankungen (Morgentief, abendliche Aufhellung) und Libidostörungen zu dieser symptomalen Kategorie (vgl. Stotz-Ingenlath 2005: 570; Wolfersdorf 2011: 17).

Ein depressiv Erkrankter kann also eine Vielzahl an unterschiedlichen Symptomen aus verschiedenen Kategorien aufweisen, wobei diese bei Betroffenen nicht alle bzw. nicht in der gleichen Ausprägung auftreten müssen, sondern variabel in Erscheinung treten können. Wichtig ist aber, dass Angehörige, Betroffene und Hausärzte um diese Symptome wissen, damit die Erkrankung erkannt und letztlich auch behandelt werden kann. Denn nur selten gibt es Krankheitsfälle, bei denen eine Depression „über Nacht“ entwickelt wird. Im Regelfall entwickelt sich eine Depression über Wochen und Monate hinweg und beginnt eher schleichend mit Veränderungen der Vitalität etc., also dem Auftreten zuvor genannter Symptome (vgl. Wolfersdorf 2011: 16). Aus diesem Grund ist die Kenntnis über Symptome depressiver Erkrankungen essentiell.

3 Klassifikation und Diagnostik

Nachdem ein Überblick über einige konkrete Symptome der Depression gegeben wurde, sollen in diesem Abschnitt die Klassifikation und Diagnostik einer depressiven Erkrankung näher beleuchtet werden. Depressive Erkrankungen können sich von leichten Verstimmungen bis hin zu schweren Depression erstrecken und weisen demnach unterschiedliche Formen bzw. Subformen auf. Zur Differenzierung dieser spezifischen Formen/Subformen bedarf es eines Klassifizierungssystems, welches die wichtigsten operationalen Kriterien für eine Diagnose definiert. Die ICD-10 (International Classification of Diseases) und das DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) stellen dabei die zwei international anerkanntesten Klassifizierungssysteme für psychiatrische Diagnostik dar. Im Folgenden wird aber nur die ICD-10 als Grundlage zur Darstellung, wie Depressionen klassifiziert und diagnostiziert werden, dienen, da das neue DSM-5 von Forschern und Praktikern kritisch diskutiert wird. So ist ein Kritikpunkt, dass Konsensprozesse von Experten im Vordergrund standen, während die empirische Datenbasis und die Begleitforschung wenig fokussiert wurden (vgl. DGPPN et al. 2015: 35). Des Weiteren wird durch das DSM-5 eine künstliche Erhöhung der Prävalenz psychischer Störungen und eine steigende Verordnung unnötiger Psychopharmaka befürchtet, weil für einige Störungen die Schwellen für die Erfüllung der Diagnose herabgesetzt wurden – im Gegensatz zum DSM-IV (vgl. ebd.: 35). Bevor nachstehend die Klassifikation und Diagnose gemäß ICD-10 erfolgt, sei an dieser Stelle noch einmal kurz erwähnt, dass sich Depressionen im Alter nicht von depressiven Störungen im jüngeren sowie mittleren Alter unterscheiden und die nachfolgend aufgeführten Diagnosekriterien somit auch für depressive Erkrankungen im Alter gelten (vgl. Schneider et al. 2013: 65). Allerdings treten insbesondere bei der Diagnostik von Depressionen im Alter häufig Probleme auf, welche ebenfalls in diesem Kapitel aufgezeigt werden sollen.

3.1 Klassifikation und Diagnose gemäß ICD-

Im internationalen Klassifizierungssystem der ICD-10 sind die depressiven Störungen im Kapitel V („Psychische und Verhaltensstörungen, Affektive Störungen“) innerhalb der Kategorien F30-F39 zu finden und werden, wie in Abbildung 2 ersichtlich, in sieben verschiedene Formen unterteilt, von denen jede Kategorie zudem Subformen besitzt. Sie werden dort als psychopathologische Syndrome von bestimmter Dauer innerhalb der diagnostischen Kategorie der affektiven Störungen definiert (vgl. DGPPN et al. 2015, 28).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Hauptkategorien affektiver Störungen nach ICD-10

Quelle: eigene Darstellung, nach: DGPPN et al. 2015, S. 2

Die Hauptsymptome der Störungen aus dieser diagnostischen Kategorie beziehen sich demgemäß auf eine Veränderung der Stimmung (Affektivität) bzw. des allgemeinen Aktivitätsniveaus, wobei die schwere Depression und die Manie die beiden Gegenpole des Gesamtspektrums der depressiven Erkrankung darstellen (vgl. ebd.: 28). Das bedeutet also, dass sich das Spektrum einer affektiven Erkrankung von depressiver Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und Freudlosigkeit bei der depressiven Episode (s. Kapitel 2.2.1) bis hin zur gehobenen, gereizten Stimmung mit erhöhter Aktivität bei der Manie erstreckt (vgl. DGPPN et al. 2015: 28). Damit aber eine exakte Klassifikation der Erkrankung möglich ist, erfolgt die klassifikatorische Einordnung unter drei Gesichtspunkten. So finden eine syndromale Klassifikation, eine Klassifikation nach Schweregrad sowie eine Klassifikation nach Dauer und Verlauf statt. Diese drei Klassifikationsgrößen werden nachstehend näher erläutert. Um dem Rahmen sowie dem Thema dieser Arbeit Rechnung zu tragen, wird dabei – und auch bei der im weiteren Verlauf stattfindenden Darstellung der Diagnostik bzw. Diagnosekriterien – nur auf die unipolare depressive Störung, das heißt auf die depressive Episode (F32) und die rezidivierende (wiederkehrende) depressive Störung (F33) eingegangen.

Um eine affektive Störung zu klassifizieren, erfolgt zunächst die syndromale Klassifikation, bei der die Symptome eines Betroffenen betrachtet werden, da sich diese je nach Erkrankungsform unterscheiden und so schon zu einer ersten Abgrenzung zwischen den einzelnen Störungen führen. So sind die unipolaren depressiven Störungen nach der Definition in der ICD-10 auf syndromaler Ebene von den bipolaren Störungen bzw. den manischen Episoden zu differenzieren. Denn charakteristisch für unipolare depressive Störungen sind, dass bei ihnen keine Phasen gehobener, euphorischer oder gereizter Stimmungslage vorkommen, wie sie für bipolare, das heißt unter anderem der Manie, typisch sind (vgl. DGPPN et al. 2015: 28). Unipolare oder auch monophasische Depressionen hingegen sind geprägt von einer depressiven, gedrückten Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit und Aktivitätseinschränkung (vgl. ebd. 28). Des Weiteren können depressive Episoden gemäß der ICD-10 danach klassifiziert werden, ob im Rahmen der Depression psychotische Symptome (nur bei schweren depressiven Episoden) oder auch somatische Symptome (bei leichten und mittelgradigen depressiven Episoden) vorliegen oder nicht (vgl. ebd.: 28). Schaut man sich also die Symptome eines Betroffenen an, so kann schon einmal festgelegt werden, ob es sich um eine unipolare depressive oder eine bipolare Störung handelt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Depression im Alter. Entwicklung, Symptomatik und Prävention
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Gerontologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
60
Katalognummer
V412946
ISBN (eBook)
9783956873652
ISBN (Buch)
9783956873812
Dateigröße
7809 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Depression, Alter, im, depressiv, Psychologie, psychische Erkrankung, Psyche, Krankheit, Geriatrie, Gerontopsychologie, Ältere, Depressionen, Einflussfaktoren, Prävention, Maßnahmen, Suizidalität
Arbeit zitieren
Lina Stromberg (Autor), 2017, Depression im Alter. Entwicklung, Symptomatik und Prävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412946

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