Die demographische Entwicklung sowie die sich stetig wandelnde Erwartungshaltung der Gesellschaft betreffend Niveau und Qualität der medizinischen Versorgung sorgen dafür, dass das deutsche Gesundheitswesen stets Veränderungen ausgesetzt ist. Die permanenten regulatorischen Eingriffe in die Vergütungsstrukturen und Rahmenbedingungen der medizinischen Leistungserbringung tragen ihren Teil bei.
Vor dem Hintergrund der zahlreichen Gesundheitsreformen befinden sich Gesundheitsversorgungseinrichtungen in einem Prozess der Restrukturierung, wodurch die Wettbewerbsintensität in der medizinischen Leistungserbringung weiter zunimmt. Kostenreduzierung und Versorgungsqualität heißt es in Einklang zu bekommen. Ein vielversprechender Ansatz diesem Dilemma entgegenzuwirken bietet der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologie als ein Instrument zur Digitalisierung und Optimierung von Abläufen, Prozessen und Dokumentationsstrukturen. Die elektronische Patientenakte hat dabei eine Schlüsselrolle inne. Mit dem Ziel den am Behandlungsprozess eines Patienten beteiligten Personen die richtigen Informationen, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort bereitzustellen, soll sie dazu beitragen die Versorgung zu verbessern, die Qualität zu erhöhen und Kosten einzusparen.
Diese Arbeit befasst sich mit der elektronischen Patientenakte (EPA) und deren Vorteile gegenüber der papierbasierten Krankenakte, die in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen im Gesundheitswesen noch immer zum Standard gehört. Nach einführenden Begrifflichkeiten und der Erläuterung der verschiedenen Formen einer EPA werden technische, rechtliche und personelle Anforderungen im Zuge der Einführung einer elektronischen Patientenakte beschrieben. Anschließend wird ein Überblick über die aktuelle Marktsituation in Deutschland sowie im internationalen Raum zur Entwicklung und Nutzung einer EPA gegeben. Anhand des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und der dort eingesetzten Softwarelösung Soarian der Siemens AG wird schließlich ein Projekt vorgestellt, das als „Paradebeispiel“ für eine erfolgreiche Umsetzung der EPA dienen kann. Abschließend folgt eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile einer rechnergestützten Patientendokumentation.
Inhaltsverzeichnis
1 Ausgangssituation: Medizinische Dokumentation und papierbasierte Krankenakte
2 Die elektronische Patientenakte (EPA)
2.1 Definitionen und Begriffe / Formen der EPA
2.2 Inhalte der EPA
2.3 Ziele und Nutzen einer EPA
3 Anforderungen / Voraussetzungen der EPA
3.1 Rechtliche Anforderungen
3.1.1 Inhalte
3.1.2 Datenschutz
3.1.3 Datensicherheit
3.2 Technische Anforderungen
3.2.1 Interoperabilität
3.2.2 Technisches Umfeld
3.3 Personelle Anforderungen
3.4 Akzeptanzvoraussetzung
4 Internationaler Überblick
4.1 Deutschland
4.2 Österreich
4.3 Frankreich
4.4 Vereinigte Staaten
4.5 Australien
4.6 Asien
4.6.1 Singapur
4.6.2 Hong Kong
4.6.3 Taiwan
4.6.4 Japan
5 Praxisbeispiel: Soarian am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
5.1 Über das UKE
5.2 Systemlandschaft / Einführung von Soarian
5.2.1 Soarian Clinicals
5.2.2 Soarian Health Archive
5.3 Papierloses Krankenhaus
5.3.1 Datenschutz und Datensicherheit
5.3.2 ISO-27001 Zertifizierung und EMRAM Award
6 Abwägung der Vor- und Nachteile
6.1 Vorteile
6.2 Nachteile
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die elektronische Patientenakte (EPA) als Instrument moderner Gesundheitsversorgung, hinterfragt deren Erfolgsmodell-Charakter und analysiert die Implementierung im Praxisalltag.
- Grundlagen und Definitionen der elektronischen Patientenakte
- Rechtliche, technische und personelle Voraussetzungen für die Einführung
- Internationaler Vergleich von eHealth-Initiativen
- Praxisnahe Fallstudie zur Einführung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
- Detaillierte Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile im klinischen Betrieb
Auszug aus dem Buch
5.1 Über das UKE
Als Beispiel soll das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) dienen. Beim UKE handelt es sich um einen Klinikkonzern, der über 80 Kliniken umfasst, welche in 14 Klinikzentren und mehreren Tochtergesellschaften des Mutterkonzerns organisiert sind. Die meisten der Kliniken befinden sich im Hamburger Stadtteil Eppendorf, nach dem das Klinikum benannt ist. Mit fast 1.500 Betten sowie jährlich rund 89.000 stationär und 275.000 ambulant aufgenommenen Patienten zählt es zu den größten Kliniken in Deutschland. Weiterhin ist es als Universitätsklinikum mit der Universität Hamburg verbunden und bildet in den Studiengängen Medizin und Zahnmedizin sowie diversen Ausbildungsberufen aus. Die Zahl der Beschäftigten beläuft sich auf rund 9.400 Personen, von denen ca. 2.400 Ärzte und Naturwissenschaftler sind. Als wissenschaftliche Einrichtung ist das UKE an vielfältigen Forschungen beteiligt. Die Schwerpunkte liegen auf den Neurowissenschaften, der Onkologie und der Versorgungsforschung. Es werden jedoch auch eine Reihe anderer Gebiete erforscht.
Unter dem Motto „Kompetenz wächst zusammen“ wird seit 2004 ein Masterplan umgesetzt, der zum Ziel hat das UKE zum modernsten Krankenhaus Europas zu entwickeln. Um dieses Ziel zu erreichen wurden verschiedene Umstrukturierungsmaßnahmen durchgeführt, in deren Zuge die organisatorischen, technischen und administrativen Prozesse neu geordnet wurden. Weiterhin wurde ein neuer Klinikbau errichtet, in dem 16 Kliniken unter einem Dach vereint sind und der mit moderner Technik ausgestattet ist. Im Rahmen der Modernisierung wurde außerdem beschlossen ein sogenanntes Klinisches Arbeitsplatzsystem (KAS) zu installieren, das im gesamten UKE verfügbar ist. Einer der wichtigsten Bestandteile dieses Systems war eine elektronische Patientenakte, da die Vision des papierlosen Krankenhauses verfolgt wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Ausgangssituation: Medizinische Dokumentation und papierbasierte Krankenakte: Beschreibt die Rolle der klassischen Patientenakte sowie deren strukturelle und organisatorische Nachteile in der medizinischen Praxis.
2 Die elektronische Patientenakte (EPA): Definiert das Konzept der EPA anhand verschiedener Aktenformen und beleuchtet die allgemeinen Vorteile sowie die Inhalte einer solchen digitalen Dokumentation.
3 Anforderungen / Voraussetzungen der EPA: Erörtert die rechtlichen, technischen und personellen Rahmenbedingungen sowie Sicherheitsaspekte, die für eine erfolgreiche Implementierung zwingend erforderlich sind.
4 Internationaler Überblick: Gibt einen Einblick in den weltweiten Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen, einschließlich der Ansätze in Deutschland, Österreich, Frankreich, den USA, Australien und Asien.
5 Praxisbeispiel: Soarian am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): Analysiert die erfolgreiche Einführung des klinischen Arbeitsplatzsystems Soarian als wegweisendes Beispiel für ein modernes, papierloses Krankenhaus.
6 Abwägung der Vor- und Nachteile: Fasst die Chancen und Risiken der EPA zusammen und reflektiert, unter welchen Voraussetzungen sie einen tatsächlichen Mehrwert für Kliniken und Patienten darstellt.
Schlüsselwörter
Elektronische Patientenakte, EPA, eHealth, Gesundheitsversorgung, UKE, Soarian, Klinisches Arbeitsplatzsystem, Digitalisierung, Datenschutz, Datensicherheit, Interoperabilität, Papierloses Krankenhaus, Krankenhausmanagement, Gesundheitsakten, Patientenbehandlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die elektronische Patientenakte (EPA) im Kontext der modernen medizinischen Dokumentation, ihre Voraussetzungen, weltweite Verbreitung und ihre Umsetzung in der klinischen Praxis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Ziele der EPA, technische und rechtliche Implementierungshürden, internationale Vergleichsbeispiele und die praktische Evaluierung an einem Großklinikum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin zu beurteilen, ob die elektronische Patientenakte in der Praxis tatsächlich als Erfolgsmodell bezeichnet werden kann und welche Herausforderungen bei ihrer Einführung bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie eine explorative Fallstudienanalyse am Beispiel des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung von Anforderungen, einen internationalen Marktüberblick und eine detaillierte Fallstudie zu den Systemen Soarian Clinicals und Health Archive.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind EPA, Digitalisierung im Gesundheitswesen, Soarian, Interoperabilität, Datensicherheit sowie die Abwägung von Nutzen und Kosten im klinischen Alltag.
Welche Rolle spielt die IT-Infrastruktur am Beispiel des UKE?
Am Beispiel des UKE wird verdeutlicht, dass eine erfolgreiche EPA von einer hochverfügbaren IT-Umgebung, redundanten Systemen und einer konsequenten Umstellung auf elektronische Prozesse abhängt.
Wie bewertet die Autorin die Akzeptanz der EPA bei medizinischem Personal?
Die Autorin betont, dass die Akzeptanz maßgeblich von Schulungen und der spürbaren Erleichterung der Arbeit abhängt, wobei Widerstände gegen technische Neuerungen durch aktives Klinikmanagement abgebaut werden müssen.
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- Dipl.-Inf. (FH) Susann Schultz (Author), 2015, Die elektronische Patientenakte. Eine Erfolgsgeschichte?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412958