Inzwischen ist nicht nur das Kennenlernen online zum Alltag geworden, sondern man hört auch immer häufiger von sogenannten Netzbeziehungen, also Beziehungen, die rein internetbasiert durch computervermittelte Kommunikation geschehen. Doch warum hoffen die Singles auf die erfolgreiche Partnersuche im Internet? Wie kommt es, dass Menschen sich sogar online verlieben, ohne den Gegenüber jemals gesehen zu haben? Wie wird bei Netzbeziehungen Intimität und Liebe hergestellt, wenn die Kommunikation auf rein sprachlicher Ebene geschieht und weitere parasprachliche Kanäle, wie Mimik, Gestik und Berührungen fehlen? All diese Fragen wird diese Arbeit versuchen zu beantworten. Hierfür muss zuerst der Begriff der Beziehung definiert werden, damit man eine reale von einer virtuellen Beziehung abgrenzen kann. Erst dann kann man betrachten, wie sich das Kennenlernen im Netz vollzieht und welche sprachlichen Attribute dazu führen, dass ein Mensch sich online verliebt. Dies wird anhand einiger Beispiele von Nutzern solcher Online-Singlebörsen erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Partnersuche im Netz
2.1. Beziehungsdefinition und - Entwicklung
3. Liebe im Netz
3.1. Der Liebesdiskurs im Netz
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die sprachlichen und medialen Mechanismen, durch die in reinen Netzbeziehungen ohne physischen Kontakt Intimität, Liebe und Körperlichkeit hergestellt und aufrechterhalten werden.
- Vergleich zwischen realen und virtuellen Beziehungsformen
- Bedeutung der computervermittelten Kommunikation beim Liebesaufbau
- Analyse des "Liebesdiskurses" und emotionaler Signale im Netz
- Kompensation von physischer Nähe durch sprachliche Mittel (Cybersex und Chat-Konventionen)
- Rolle der Sprachökonomie in der digitalen Interaktion
Auszug aus dem Buch
3.1. Der Liebesdiskurs im Netz
DUCK und POND (1989) legten in ihrem Rhetorik-Ansatz fest, dass eine Beziehung nicht nur durch körperliche und emotionale Anziehung aufgebaut wird, sondern auch durch den Liebesdiskurs. Dieser besteht aus dem Finden von Bezeichnungen für einander, dem Reden über die Liebe sowie dem Teilen eigener Erfahrungen mit der Liebe miteinander. (vgl. DÖRING 2003: 6) Der Liebesdiskurs und das Ausdrücken von Emotionen werden in jedem Medium realisiert, ob Face-to-Face-Kommunikation, Telefon oder Text. Bisher gibt es in der linguistischen Forschung kaum Untersuchungen und keinen Konsensus über den Liebesdiskurs im Internet. Dieser Bereich ist schwer zu untersuchen, da eine Datenerhebung und die Suche nach Textbespielen sich als kompliziert erweisen. Schließlich erachten Personen, die Erfahrungen mit Netzbeziehungen haben, ihren Liebesdiskurs als privat und wollen diesen nicht an Dritte weitergeben.
Die Linguistin Monika SCHWARZ-FRIESEL untersuchte allerdings in ihrem Buch Sprache und Emotion (2007) bereits wie Emotionen und Sprache zusammenwirken und wie Emotionen durch Sprachliches ausgedrückt werden können. Romantische Emotionen wie die Liebe werden laut SCHWARZ-FRIESEL vermittelt, beziehungsweise aufrechterhalten, durch wiederholte Liebesversicherungen sowie formelhafte, allgemein akzeptierte Floskeln wie „ich liebe dich für immer und ewig.“ (vgl. SCHWARZ-FRIESEL 2007) Schon in der Literatur werden sprachliche Mittel benutzt, um die Einzigartigkeit, Dauerhaftigkeit und den hohen Wert des Gefühls Liebe auszudrücken. Dies ist auch der Fall im folgenden Gedicht von Elizabeth Barrett Browning:
(2) „How do I love thee? Let me count the ways. I love thee to the depth and breadth and height My soul can reach…” (Schwarz-Friesel 2007: 294)
Des Weiteren werden romantische Emotionen sprachlich ausgedrückt durch Kosenamen für den jeweiligen Partner. Diese beinhalten oft Diminutivmorpheme und verniedlichende Komponenten sowie Neuschöpfungen mit kreativen Elementen. (vgl. SCHWARZ-FRIESEL 2007) Auch Vergleiche sind Teil der Kosenamen und des Diskurses über die empfundenen Emotionen. Allgemein bekannt sind Vergleiche mit Licht, Helligkeit, Wärme oder mit als niedlich angesehenen Tieren. Metaphorische Konstruktionen sind ebenso gebräuchlich. (vgl. SCHWARZ-FRIESEL 2007) Als Beispiele hierfür können gesellschaftlich akzeptiere Bezeichnungen wie „mein Sonnenschein, Schatz, Häschen“ genannt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Partnersuche durch das Internet und führt in die Fragestellung ein, wie emotionale Nähe bei rein textbasierter Kommunikation entstehen kann.
2. Partnersuche im Netz: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Beziehung und erörtert, warum das Internet heute als gesellschaftlich akzeptierter Raum für die Anbahnung von Liebesbeziehungen fungiert.
2.1. Beziehungsdefinition und - Entwicklung: Hier wird der Prozess der Beziehungsentwicklung im virtuellen Raum untersucht, inklusive der Faktoren für emotionale Bindungen wie Leidenschaft, Intimität und Verbindlichkeit.
3. Liebe im Netz: Der Fokus liegt auf der Notwendigkeit, Emotionen ohne physische Präsenz über textuelle Kanäle zu vermitteln und parasprachliche Elemente zu kompensieren.
3.1. Der Liebesdiskurs im Netz: Dieses Kapitel analysiert spezifische sprachliche Mittel wie Kosenamen, Emoticons und rhetorische Konstruktionen, die zur Etablierung des Liebesdiskurses dienen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Netzbeziehungen durch die emotionale Beteiligung als echte Beziehungen gelten können, da Sprache die Funktion physischer Nähe und Intimität übernehmen kann.
Schlüsselwörter
Online-Partnervermittlung, Netzbeziehungen, computervermittelte Kommunikation, Liebesdiskurs, Intimität, Cybersex, sprachökonomische Kommunikation, Emoticons, Selbstoffenbarung, romantische Emotionen, Medienwechsel, Beziehungsdefinition, Textbasiertheit, verbale Kompensation, digitale Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Kommunikation in Online-Kontaktbörsen und die Entstehung von Liebesbeziehungen, die rein internetbasiert durch computervermittelte Kommunikation stattfinden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Wandel der Partnersuche im digitalen Zeitalter, die linguistische Analyse von Beziehungsaufbau im Internet und die Kompensation fehlender physischer Präsenz durch Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie Menschen in reinen Netzbeziehungen Intimität und Leidenschaft entwickeln, obwohl klassische parasprachliche Kanäle wie Mimik und Gestik fehlen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine linguistische Analyse und wertet Chat-Konversationen aus einem privaten Korpus aus, um die sprachliche Konstruktion von Nähe und Liebesdiskurs zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Beziehungen, dem Liebesdiskurs im Netz sowie den spezifischen sprachlichen und medialen Mitteln, die für den Emotionstransfer genutzt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Online-Dating, Netzbeziehungen, computervermittelte Kommunikation, Liebesdiskurs und verbale Intimität charakterisiert.
Wie kompensieren Nutzer das Fehlen von körperlichem Kontakt im Chat?
Nutzer verwenden sprachliche Mittel wie Wurzelwörter (z.B. *gutenachtküsschen*), Kosenamen und detaillierte Beschreibungen von Handlungen, um körperliche Interaktionen zu simulieren.
Welche Rolle spielen Emoticons und Akronyme im Liebesdiskurs?
Sie dienen als mediale Mittel zum Emotionstransfer, um Mimik oder Lautstärke abzubilden und die Kommunikation sprachökonomisch und emotional ausdrucksstärker zu gestalten.
Warum ist die korrekte Orthografie im Chat oft zweitrangig?
In der Netzkommunikation hat der Inhalt und die Geschwindigkeit der Nachricht einen weitaus höheren Stellenwert als die grammatikalische Korrektheit, da die Kommunikation der Mündlichkeit nachempfunden ist.
Was schlussfolgert die Arbeit über die Realität von Netzbeziehungen?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Netzbeziehungen als echte Beziehungen anzusehen sind, sofern eine hohe emotionale Beteiligung und Selbstoffenbarung durch die Partner gegeben ist.
- Quote paper
- Natalia Gubergritz (Author), 2011, Onlinekontaktbörsen und Internetbeziehungen. Ein Phänomen des digitalen Zeitalters, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412996