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Der Kaiserschnitt. Ökonomische Anreize für die Leistungserbringung in deutschen Kliniken

Titel: Der Kaiserschnitt. Ökonomische Anreize für die Leistungserbringung in deutschen Kliniken

Bachelorarbeit , 2018 , 50 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Alexander Stein (Autor:in)

Medizin - Sonstiges
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Der Kaiserschnitt wurde und wird auch heute noch als Segen des medizinischen Fortschritts angesehen, mit dem der Legende nach auch schon der römische Kaiser Julias Cäsar entbunden wurde und dessen Namensgeber er ist (Sectio caesarea). Nicht nur im Industrieland Deutschland, sondern vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern mit teilweise prekärer medizinischer Versorgung, ist der Kaiserschnitt zu einer unverzichtbaren lebensrettenden Maßnahme für Kind und Mutter geworden.

In medizinischen Fachkreisen werden die kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen eines Kaiserschnitts intensiv diskutiert. Im Rahmen dieser Diskussion werden neben den medizinischen Auswirkungen für Kind und Mutter zunehmend auch die volkswirtschaftlichen Folgen für das Gesundheitssystem untersucht. Wegen der betriebswirtschaftlichen Herausforderungen und des enormen Kostendrucks der deutschen Kliniken werden häufig Instrumente eingesetzt, die unter wirtschaftlichen und medizinischen Aspekten sinnvoll sind. Allerdings werden dabei auch Instrumente eingesetzt, die unter eben diesen Aspekten fragwürdig erscheinen. Die Leistungserbringer stehen somit in einem dauerhaften Loyalitätskonflikt, bei dem einerseits die wirtschaftlichen Interessen des Arbeitsgebers bzw. des Krankenhauses befriedigt werden sollen, andererseits aber auch die optimale Behandlung des Patienten angestrebt werden soll. In der öffentlichen Diskussion steht deshalb immer wieder die Frage im Raum, ob manche Operationen medizinisch überhaupt notwendig sind oder ob die Leistungserbringer nicht primär wirtschaftliche Interessen verfolgen. Bereits im Jahr 2016 wurde in Deutschland fast jedes dritte Kind per Kaiserschnitt entbunden - in der Türkei sogar jedes zweite. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass lediglich nur jeder zehnte Kaiserschnitt medizinisch überhaupt notwendig ist.

Ziel dieser Arbeit ist es, die einzelnen Aspekte und besonders die ökonomischen Anreize aufzuzeigen und diese dabei kritisch zu examinieren. Es soll am Beispiel der Sectio aufgezeigt werden, welche Aspekte die Entscheidungsfindung zur Durchführung einer bestimmten Maßnahme beeinflussen und mit welcher Begründung diese in den deutschen Kliniken durchgeführt werden. Es wird dabei untersucht, inwiefern besonders ökonomische Anreize für die Leistungserbringung in den deutschen Kliniken bei der Entscheidung zur Durchführung eines Kaiserschnitts ausschlaggebend sind und inwiefern diese für die Entwicklung der Sectioraten verantwortlich sind.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung, Zielsetzung, Forschungsfrage

1.2 Vorgehensweise

2 Gestation und Entbindung

2.1 Sectio caesarea

2.1.1 Absolute Indikation

2.1.2 Relative Indikation

2.1.3 Primäre und sekundäre Sectio caesarea

2.1.4 Ethische Aspekte und rechtliche Rahmenbedingungen

3 Entwicklung der Sectioraten

3.1 Medizinscher Fortschritt

3.2 Räumliche, demografische und sozioökonomische Unterschiede

3.3 Aus- und Weiterbildung

3.4 Haftungsrechtliche Aspekte

4 Ökonomische Anreize

4.1 Klinikorganisatorische Gründe

4.1.1 Ressourceneinsatz innerhalb des Klinikbetriebes

4.1.2 Belegfachabteilungen

4.2 Vergütungsanreize durch das DRG-Abrechnungssystem

4.2.1 Grundlagen

4.2.2 Vereinheitlichung, Rechengrößen und Berechnung

4.2.3 Betriebswirtschaftliche Aspekte

4.3 Volkswirtschaftliche Aspekte

5 Internationaler Kontext

6 Diskussion

7 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomischen Anreize, die deutsche Kliniken bei der Entscheidung für eine Sectio caesarea beeinflussen, und analysiert deren Auswirkungen auf die Entwicklung der Sectioraten unter kritischer Berücksichtigung der medizinischen Notwendigkeit.

  • Analyse des DRG-Abrechnungssystems als ökonomischer Steuerungsfaktor.
  • Untersuchung klinikorganisatorischer und betriebswirtschaftlicher Motive bei der Geburtsmoduswahl.
  • Kritische Beleuchtung regionaler Unterschiede bei den Sectioraten in Deutschland.
  • Einordnung des Anstiegs der Kaiserschnittraten in einen internationalen Kontext.
  • Bewertung volkswirtschaftlicher Folgen und ethischer Aspekte der Sectio caesarea.

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Ressourceneinsatz innerhalb des Klinikbetriebes

Besonders primäre Sectiones caesarea sind im direkten Vergleich zu Spontangeburten von kürzerer Dauer, besser planbar und nehmen weniger Personal in Anspruch. Die DGGG formuliert dazu in ihrer Leitlinie aus dem Jahr 2010 treffend:

„Der Risikovergleich fällt für die Sectio noch wesentlich günstiger aus, wenn der vaginalen Entbindung nur die von vornherein geplante, d. h. primäre Sectio gegenübergestellt wird, die gut vorbereitet zur Kernarbeitszeit mit vollzählig bereitstehendem Klinikpersonal (inklusive Labor und sonstigen Sekundäreinrichtungen) ausgeführt wird. Sie ist in vielen Fällen weniger kostenaufwendig als eine sich über viele Stunden, womöglich Tage hinziehende Geburt mit hohem Personalaufwand, die unter Umständen letztlich doch in einer sekundären Sectio endet.“

Da Spontangeburten insgesamt eine durchschnittliche Dauer von drei bis acht Stunden haben, ist in der Folge auch der Ressourceneinsatz deutlich höher als bei einer geplanten Sectio caesarea. Bei einer Spontangeburt werden in besonderer Weise die Ressourcen Personal und Infrastruktur belastet. Aus diesem Grund ist eine effiziente Allokation dieser Ressourcen innerhalb des Klinikbetriebes von Vorteil, damit kostenschonende Prozesse gewährleistet werden.

Die meisten Sectiones caesarea finden folglich in der Kernarbeitszeit zwischen Montag und Freitag statt, wobei an Montagen und Freitagen am häufigsten primäre Sectiones caesarea durchgeführt werden. Auffällig ist dabei, dass ungeplante (sekundäre) Sectiones caesarea an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen häufiger durchgeführt werden als primäre Sectioens caesarea.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung des Kaiserschnitts ein, beleuchtet den Anstieg der Sectioraten in Deutschland und stellt die Forschungsfrage nach den ökonomischen Anreizen durch das DRG-System.

2 Gestation und Entbindung: Dieses Kapitel erläutert die physiologischen Grundlagen der Schwangerschaft und Geburt sowie die verschiedenen Geburtsmodi und deren klinische Indikationen.

3 Entwicklung der Sectioraten: Das Kapitel analysiert die statistische Zunahme der Kaiserschnittraten seit 2004 und untersucht Einflussfaktoren wie medizinischen Fortschritt, regionale Unterschiede und rechtliche Aspekte.

4 Ökonomische Anreize: Der Hauptteil der Arbeit untersucht detailliert, wie Klinikorganisation, das DRG-Abrechnungssystem und volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen als Anreize für operative Entbindungen fungieren.

5 Internationaler Kontext: Hier erfolgt ein Vergleich der deutschen Sectioraten mit anderen OECD-Ländern unter Berücksichtigung unterschiedlicher Gesundheitssysteme.

6 Diskussion: Die Diskussion hinterfragt kritisch die Ergebnisse, die Rolle der Indikationsstellung und die Notwendigkeit evidenzbasierter Leitlinien sowie regulatorischer Maßnahmen.

7 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass ökonomische Anreize bei der Entscheidung zur Sectio caesarea vorhanden sind, und gibt einen Ausblick auf notwendige politische und strukturelle Anpassungen.

Schlüsselwörter

Sectio caesarea, Kaiserschnittrate, DRG-Abrechnungssystem, ökonomische Anreize, Krankenhausfinanzierung, Entbindungsmodus, Klinikbetrieb, Belegfachabteilungen, Gesundheitsökonomie, medizinische Indikation, Prozessoptimierung, Krankenhausvergleich, stationäre Versorgung, Leistungsvergütung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die ökonomischen Faktoren, die dazu führen, dass in deutschen Kliniken vermehrt Kaiserschnitte statt Spontangeburten durchgeführt werden, und bewertet diese kritisch.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Felder sind das DRG-Vergütungssystem, klinikorganisatorische Abläufe, die Unterschiede zwischen Haupt- und Belegabteilungen sowie die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Sectio-Praxis.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen und kritisch zu untersuchen, inwiefern ökonomische Anreize bei der Entscheidungsfindung der Leistungserbringer für einen Kaiserschnitt eine Rolle spielen und die Entwicklung der Sectioraten beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine systematische Datenanalyse von Grunddaten der Krankenhäuser des Statistischen Bundesamtes (2004–2016) in Kombination mit einer Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich den klinikorganisatorischen Gründen, der Analyse des DRG-Systems, den betriebswirtschaftlichen Aspekten sowie einem internationalen Vergleich der Geburtsmodi.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Sectio caesarea, DRG-System, ökonomische Fehlanreize, Klinikorganisation, Geburtsmodus und Krankenhausfinanzierung.

Welche Bedeutung haben Belegfachabteilungen in dieser Untersuchung?

Belegfachabteilungen werden als ein bedeutender Faktor für die regionalen Unterschiede der Sectioraten identifiziert, da hier durch die Abrechnung nach EBM ein besonderer wirtschaftlicher Druck auf die planbare primäre Sectio besteht.

Wie bewertet der Autor das DRG-System in Bezug auf Kaiserschnitte?

Der Autor stellt fest, dass das DRG-System zwar für Transparenz und Effizienz sorgt, aber durch die Art der Fallgruppen und Landesbasisfallwerte auch ökonomische Anreize erzeugen kann, die eine operative Entbindung betriebswirtschaftlich attraktiver machen könnten als eine Spontangeburt.

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Details

Titel
Der Kaiserschnitt. Ökonomische Anreize für die Leistungserbringung in deutschen Kliniken
Hochschule
Rheinische Fachhochschule Köln
Note
1,0
Autor
Alexander Stein (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
50
Katalognummer
V413186
ISBN (eBook)
9783668639942
ISBN (Buch)
9783668639959
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse ökonomische Anreize Leistungserbringung Kliniken Krankenhaus Sectio caesarea Sectio caesarea Kaiserschnitt Beispiel Medizin Medizinökonomie Gesundheitsökonomie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Alexander Stein (Autor:in), 2018, Der Kaiserschnitt. Ökonomische Anreize für die Leistungserbringung in deutschen Kliniken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413186
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Leseprobe aus  50  Seiten
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