Luxemburg und die U.N.O. Die grossherzoglichen Verbindungen mit den Vereinten Nationen von 1943 - 1950


Bachelorarbeit, 2014
55 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I) EINLEITUNG: BLUTIGER WEG - VOM VÖLKERBUND ZU DEN VEREINTEN NATIONEN
1) Der Völkerbund (1918 - 1946)
2) Gründung der Vereinten Nationen
3) Nach dem Krieg
4) Fragestellung
5) Forschungsstand, Literatur und Quellenlage
A) Literatur und Quellenlage
B) Forschungsstand

II) HAUPTARGUMENTATION
1) Schwieriger Ausgangspunkt - Luxemburg nach dem WWI
2) Vom Völkerbund zum WWII
3) Exil als internationales Sprungbrett
4) Das Grobherzogtum als unmissverständlicher alliierter Partner
5) „Erklärung der Vereinten Nationen“
6) Dumbarton Oaks - Herantasten an eine gemeinsame „U.N.-Form“
7) Luxemburg als Gründungsmitglied - Versammlung von San Francisco
8) Nach dem Krieg
9) Luxemburg und die „allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ der UN
10) Durch die UN-Verpflichtungen zum Koreakrieg?

III) Schlussfolgerung

IV) BIBLIOGRAPHIE - LUXEMBURG UND DIE UNO (1943 - 1950)

V) ANHANG
1) Archives National de Luxembourg (ANLux)
2) Aufbau uns Struktur der UNO
3) Resolution A/RES/377 (V) - „Uniting for Peace“
4) Luxemburger Delegation der Konferenz von San Fransisco

I) Einleitung: Blutiger Weg - Vom Völkerbund zu den Vereinten Nationen

1) Der Völkerbund (1918 - 1946)

Der Erste Weltkrieg beendete auf brutale Art und Weise das sogenannte „lange 19. Jahrhundert“. Die Erfahrung dieses totalen Krieges, welcher eine nie zuvor gesehene Tötungsmaschinerie in Gang setzte, riss den ganzen europäischen Kontinent aus einer Art Schlummerschlaf und bewies, dass der Mensch zu viel mehr fähig ist, als bis dahin bekannt war.

Die Kampfhandlungen des Ersten Weltkrieges wurden am 11. November 1918 durch das Waffenstillstandsabkommen von Compiègne beendet. Nun galt es einen andauernden Frieden zu sichern, dies vor allem auf politischer Ebene und für alle Beteiligten gleichermaßen zutreffend und akzeptabel.

Bereits kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges publizierte der amerikanische Präsident Woodrow Wilson sein „14-Punkte-Programm“ und legte somit den Grundstein für die Friedensordnung nach den Kampfhandlungen.1 Hier hieß es unter anderem, dass „ein allgemeiner Verband der Nationen gegründet werden muss mit besonderen Verträgen zum Zweck gegenseitiger Bürgschaften für die politische Unabhängigkeit und die territoriale Unverletzbarkeit der kleinen sowohl wie der großen Staaten“.2 Die Ideen von Wilson waren ebenfalls Bestandteil des Versailler Vertrags.3

Doch bereits vor Wilson gab es geistige Vordenker der Idee einer Weltorganisation. So zum Beispiel Hugo Grotius (1583-1645), der in seinem Werk „De jure belli ac pacis“ Normen und Regeln eines Völkerrechts niederschrieb und somit einer der Begründer der Idee der Vereinten Nationen war.4 Der bedeutendste Vordenker ist jedoch Emmanuel Kant. Er legt mit seinem Traktat „Zum Ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf“ von 1795 eine Grundlage für die Theorie des demokratischen Friedens. Ebenfalls bestimmt er die Logik des Institutionalismus, welche wir heute noch in der Charta der U.N. wiederfinden.5 Ob Wilson, oder auch später die Gründungsväter der Vereinigten Nationen, das „Kantsche Traktat “ bewusst anwandten wissen wir heute nicht. Jedoch steht die heutige UN-Charta in der philosophischen Tradition dieser Werke.

Um auf das „14-Punkte-Programm“ der amerikanischen Präsidenten zurück zukommen, so gilt dieses als Grundlage für den am 28. April 1919 gegründeten Völkerbund. Die 32 Siegerstaaten des Ersten Weltkrieges sowie 13 neutrale Staaten stimmten und unterzeichneten die Völkerbundsatzung in Genf.6

Doch stand das Fundament des Völkerbundes, trotz demokratisch guter Basis, von Anfang an auf tönernen Füßen. Dies vor allem durch eine mit den Jahren immer stärker werdenden Interesselosigkeit der einzelnen Staatsmänner. So etwa Frankreich und England, welche immer weniger Mittel zur Verfügung stellten. Vor allem die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten von Amerika dem Völkerbund nicht beitraten, hatte Konsequenzen. Obwohl Präsident Wilson den allgemeinen Anstoß durch seine 14. Punkte gab, entschied der amerikanische Senat gegen einen Beitritt.7 Dies bremste den Völkerbund erheblich. Die Vereinigten Staaten von Amerika entwickelten in den Folgejahren einen gewissen Isolationismus.

Es entwickelte sich ebenfalls ein zu einfaches „Austreten und Beitreten wenn es passt“ der einzelnen Mitgliedsstaaten. Schlussendlich wurde auch verpasst, bewusst oder nicht, Deutschland nach Jahren in den Bund aufzunehmen, eine Nation die im Herzen von Europa liegt und trotzdem immer noch zu diesem Zeitpunkt isoliert wurde. Erst 1926 durfte Deutschland beitreten, ohne Stimmrechte.8 Allgemein siegten die Einzelinteressen der Großen über das Gemeinwohlinteresse des Bundes. Der anvisierte Institutionalismus wurde untergraben.9

Trotzdem existieren einzelne Organe bis heute und wurden von den Vereinten Nationen übernommen, so etwa der europäische Gerichtshof in Den Haag. Auch der „Nicht­Angriffspakt“ oder etwa „kollektive Verteidigung bei Angriff“, definiert und verankert in der U.N.- Charta, sind Erben des Völkerbundes.10 Überdies hinaus definierte der Völkerbund vor allem die bis heute bestehende Basisstruktur der U.N.: Generalversammlung, Rat, Sekretariat und eben den internationalen Gerichtshof.11

Der Völkerbund scheiterte mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, ein Phänomen was es um jeden Preis zu verhindern galt und man trotz allem hilflos zusah. Man beobachtete ohne zu Handeln. Italien trat aus und überfiel Äthiopien, Deutschland und Japan traten nach der Machtübernahme ebenfalls aus und die Sowjet Union wurde gar aus dem Bund ausgeschlossen. Die globale Finanzkrise der 30er tat ihr übriges.12 Mit dem Überfall auf Polen fiel das Kartenhaus definitiv zusammen. Der Völkerbund scheiterte vor allem an der Lähmung gekonnt und progressiv Druck auszuüben. Dies wurde vor allem durch ständig wechselnde Mitglieder verursacht, sowie die Abwesenheit eigener, dem Völkerbund unterstehender, Streitkräfte verursacht.13 Vor wirtschaftlichen Sanktionen, Hauptdruckmittel des Bundes, hatte niemand mehr wirklich Angst. Vom Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bis zum offiziellen Ende der Organisation am 18. April 1946, existierte der Völkerbund nur noch auf dem Papier.14

Doch die Grundidee, dass Weltvölker in Frieden nebeneinander und miteinander existieren können behielt man im Hinterkopf. Sie wurde noch vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wieder aufgegriffen. Doch nun galt der Völkerbund, wie es Frau Scheuermann passend bezeichnet, „[...] als Vorbild und Abschreckung zugleich“.15

2) Gründung der Vereinten Nationen

Ein Sprichwort sagt: „Welche, die Frieden wollen, bereitet euch auf Krieg vor. Welche, die sich im Krieg befinden, bereitet den Frieden vor“. Dies trifft in diesem Zusammenhang zu. So setzte man sich vor Ende des Zweiten Weltkrieges an einen gemeinsamen Tisch um über die Nachkriegszeit zu debattieren. An diesem Tisch saßen die späteren alliierten Siegermächte des Zweiten Weltkrieges. Man war sich ebenfalls bereits bewusst, dass man aus den Fehlern des Völkerbundes lernen musste. Man musste wieder weg vom „jeder für sich selbst und keiner für jeden“ zum „Einer für alle und alle für einen“.16

Als erstes Datum sei der August 1941 angeführt. Während diesem Monat trafen sich der Amerikanische Präsident Theodor Roosevelt und der englische Premierminister Winston Churchill mehrmals auf dem Kriegsschiff USS Augusta vor Neufundland. Hier entstand eine erste Vision der Idee der Vereinten Nationen.17 Am 14. August wird die „Atlantik-Charta“, Resultat dieser Begegnung, veröffentlicht. Dies bereits mit Ausblick auf den Endsieg der Alliierten.18

Am ersten Januar 1942 fand die offizielle Erklärung der „Vereinten Nationen“ in Washington durch die Vertreter der 26. Alliierten Westmächte statt. Nun überschlugen sich die Ereignisse: Ein Jahr später, am 30. Oktober, fand eine Außenministerkonferenz in Moskau statt. Hier wurde man sich über die Einrichtung einer internationalen Organisation zur Friedenssicherung einig, die sogenannte „Moskauer Deklaration“. Diese Deklaration wurde dann am ersten Dezember 1943 auf der Konferenz von Teheran durch Roosevelt, Stalin und Churchill bestätigt.19 Nach dem heutigen Stand der Quellenlage bleibt an dieser Stelle noch anzuführen, dass bis zu diesem Moment der definitive Sieg über die Achsenmächte gegenüber den Gründungverhandlungen der UN, Priorität für Churchill und Roosevelt besaß.20 Dies änderte sich mit der Versammlung von Dumbarton Oaks welche vom 21. August bis zum 7. Oktober 1944 in Washington stattfand. Hier wurde ausführlicher über Satzung und die Institutionen der künftigen Weltorganisation verhandelt.21 Das Stimmrecht und die Präsenz derer Nationen, welche nicht im Krieg gegen die Achsenmächte beteiligt waren, war unter anderem ein heftig diskutierter Punkt der Tagesordnung.22

Die letzte Versammlung vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges fand vom 4. bis zum 11. Februar des Jahres 1945 in Jalta statt. Jalta erbrachte die definitive Einigung der drei Großmächte über die Gründung der UN.23

3) Nach dem Krieg

Nach dem Ende des Krieges, der zweite grausame seiner Art innerhalb weniger Jahre, war nun die Zeit gekommen um konkret über einen definitiven Frieden zu debattieren. Vertreter von 50 Staaten trafen sich vom 25. April bis zum 26. Juni 1945 während der Konferenz von San Francisco und verabschiedeten am 25. Juni die „Charta der Vereinigten Nationen“.24 Kurz zuvor, am 12. April, verstarb der amerikanische Präsident Roosevelt, eine Tatsache die jeden Beteiligten für einen Moment bangen ließ, galt dieser doch stets als Initiator und Hauptmentor der UNO-Idee.25 Doch die UNO wurde trotz allem aus der sprichwörtlichen „Wiege“ gehoben.

Am 24. Oktober des Jahres 1945 (seit dem „Tag der Vereinten Nationen“) trat die „Charta der Vereinigten Nationen“ in Kraft, dies nach Hinterlegung der 51. Ratifikationsurkunde (die von Polen).26

4) Fragestellung

Ende des Jahres 2012 fand man innerhalb der luxemburgischen Medienlandschaft die Institution der Vereinten Nationen und die hiermit verbundenen Politiker, vereinzelt wieder.27 Das Großherzogtum erhielt für die Periode 2013 bis 2014 einen permanenten Sitz im UN­Sicherheitsrat. Neben den fünf permanenten Mitgliedern im Sicherheitsrat hatte Luxemburg vom ersten Januar 2013 an einen der zehn nicht-permanenten Sitze belegt.

Abgesehen von solchen wichtigen Ereignissen, wo Luxemburg konkret seine Ideen zu Konfliktlösungen äußern kann, sowie vereinzeltes Auftreten in den Medien bei Jubiläen und Generalversammlungen, ist die Organisation der Vereinten Nationen kein häufiger Gast in den luxemburgischen Nachrichten.28 Die wichtige Rolle, welche diese Organisation innerhalb der Weltpolitik einnimmt ist jedoch zweifellos von großer Bedeutung für den Frieden und die Konfliktniederlegungen. Dies wusste auch die luxemburgische Regierung, welche durch das Exil während des Zweiten Weltkrieges an der Planung zur U.N. aktiv teilnehmen konnte.

Als Gründungsmitglied konnte das Großherzogtum zudem einen wichtigen Beitrag zur Formierung U.N.O. beitragen. Wir werden uns hierbei auf die Periode der Entstehung der Idee einer „Weltorganisation für den Frieden“29 zu Beginn des Zweiten Weltkrieges bis zum Jahre 1950, als luxemburgische Truppen im Namen der Vereinten Nationen in den Koreakrieg zogen, beschäftigen. Der Koreakrieg sei deswegen hier gewählt, weil Luxemburg sich nun ein erstes Mal über die rein politische Bühne der U.N.O. hinaus bewegte und konkret, in Form von Soldaten, die Weltorganisation unterstütze.

Die Fragestellung ergab sich durch die Abwesenheit detaillierter Nachforschungen über die Verhandlungen zum Beitritt, sowie das Engagement des Großherzogtums bei den Vereinten Nationen. Ein Werk über die vereinzelten abgeschlossenen Verträge der luxemburgischen Regierung im Zusammenhang mit der U.N.O. fehlt ebenfalls

Folgende Fragen werden in der vorliegenden Arbeit untersucht: Welche Verträge und die somit eingehenden Verpflichtungen unterzeichnete das Großherzogtum? Welche Formen nahm das Engagement des kleinsten Gründungsmitglieds an? Konnte Luxemburg neben den großen Weltmächten bestehen?

5) Forschungsstand, Literatur und Quellenlage

A) Literatur und Quellenlage

Werke, die sich spezifisch mit der hier bearbeiteten Fragestellung beschäftigen, sind eher spärlich vorhanden. Hier bleiben lediglich zwei Bücher hervorzuheben. Vor allem die Publikation von Jean Feyder, zum 50. Geburtstag der UNO beschreibt anschaulich die Beteiligung des Großherzogtums an der Entwicklung der Vereinten Nationen.30 Wenn auch dieses Werk vielleicht nicht zu genüge ins Detail geht, vermittelt es einen ausreichenden Überblick. Als zweite Publikation zum Thema „Vereinte Nationen und Luxemburg“ sei das Sammelwerk unter der Regie von Monique Kieffer und Jean-Paul Lehners angeführt, welches 1996 erschien.31 Innerhalb dieses Werkes kommen mehrere Personen zu Wort, welche direkt oder indirekt mit den Vereinten Nationen zu tun hatten, unter anderem ehemalige luxemburger Mitarbeiter bei der UNO in New York.

Des weiteren findet man in anderen in Luxemburg publizierten Werken, welche vorwiegend politische Themen ansprechen und behandeln, immer wieder einführende oder allgemeine Informationen zur Rolle des Großherzogtums im Gebilde der Vereinten Nationen. Hier sei zum Beispiel die staatliche Publikation von Guy Thewes angeführt, welche die politische Entwicklung von Luxemburg ab 1848 lückenlos dokumentiert.32

Man muss also im Falle der hier gestellten Forschungsthematik und Fragestellung feststellen, dass die Zahl der Sekundarliteratur eher überschaubar ausfällt. Die Gründe wieso dies der Fall ist, seien an anderer Stelle ausführlicher behandelt. Das recht junge Alter dieser doch so wichtigen Organisation sowie die noch immer nicht abgeschlossene Entwicklung und die vielleicht zu geringe Rolle des Großherzogtums in derselben könnten eventuelle Gründe hierfür darstellen. Wir gehen hier nur von Annahmen aus, es bleibt jedoch unmöglich definitive und zusammenhängende Schlussfolgerungen diesbezüglich festzulegen.

Seien an dieser Stelle auch die Primärquellen angesprochen. Eine wichtige nationale Institution, welche mehrere Quellen und auch solche zu der hier behandelten Fragestellung beherbergt, ist das Nationalarchiv.

Das Luxemburger Nationalarchiv hat zu Aufgabe alle „Dokumente von nationalem historischem Interesse zu sammeln. Es sorgt für die Ordnung, Inventarisierung und Aufbewahrung des öffentlichen Archivalien für historische und administrative Zwecke“. Dies wurde so im Gesetz vom 24. Juni 2004 festgelegt.33 Der Beginn einer nationalen Dokumentation geht jedoch bereit auf das Zeitalter der Grafschaft Luxemburg zurück, und bekam im Jahre 1840 durch die Ernennung eines Regierungsarchivars eine organisierte Struktur.34

Innerhalb dieses Amtsblattes, welches seit 1816 bereits existiert und seit 1842 als offizielles Amtsblatt fungiert, findet man mehrer Informationen zur Gründung sowie Beitritt des Großherzogtums in die Vereinten Nationen. Dies ermöglicht zumindest die offiziellen Debatten und Dokumente sowie Gesetzestexte zum Thema UNO die durch den Service central de législation publiziert wurden nachlesen zu können.35

Um nur ein Beispiel zu nennen: Mit dem Mémorial N° 46 vom 4. September 1945 wurde die gesamte Charta der Vereinten Nationen, welche am 26. Juni 1945 in San Francisco durch den Luxemburger Außenminister unterzeichnet wurde, abgedruckt und publiziert.36 Dies vor allem weil der Beitritt zur UNO durch das Großherzogliche Gesetzt vom 10. August 1945 eine legale Basis bekam und somit auch im Mémorial abgedruckt werden musste.

Material von der Zeit der Exilregierung in London, sowie der Zeit der Großherzogin im Exil in Kanada und ihrer Reisen in die Staaten sind recht lückenlos im Luxemburger Nationalarchiv erhalten. Original Briefe, Telegramme und Dokumente von offiziellen politischen Konferenzen, sowie Versammlungen sind alle samt zugänglich. Auch der intensive Briefwechsel zwischen Außenminister Bech, dem Staatsminister Dupong und dem Gesandten Le Gallais sind komplett durch Archivmaterial nachvollziehbar, genau so wie die Reden von Bech vor dem Ausschuss oder der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Lediglich die Jahre 1947 bis 1949 sind im Zusammenhang mit Dokumenten zur UNO spärlich im Nationalarchiv vertreten. Die Gründe hierfür sind während den Recherchen und auf Nachfrage unbeantwortet geblieben. Des weiteren fehlen vereinzelt Korrespondenzen aus der Zeit im Exil, wo oftmals ein Brief mit einer Antwort, jedoch kein Brief mit einer diesbezüglichen Frage aufzufinden ist. Dies vor allem bei Briefen von der Großherzogin, welche vermutlich im Archiv der großherzoglichen Familie verweilen.

Des Weiteren sind Dokumentationen der „Universal Declaration of human rights“ aus dem Jahr 1948 im Nationalarchiv fast vollständig abwesend. Lediglich ein Dossier37 lässt sich auffinden mir einzelnen Korrespondenzen, jedoch keine in direktem Zusammenhang mit der Konferenz von 1948.

B) Forschungsstand

Werke, welche die Gründung, Entwicklung oder auch Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten der Vereinten Nationen thematisieren gibt es, der Ausdruck sei erlaubt, wie Sand am Meer. Sowohl Primärquellen, wie etwa detaillierte Berichte und Selbstkritiken von ehemaligen Generalsekretären der UNO, als auch Sekundarliteratur findet man zu genüge vor. Bei der internationalen Literatur fällt auf, dass in den letzten 20 Jahren vermehrt Publikationen erschienen sind, die sich sehr kritisch mit der Organisation der Vereinten Nationen beschäftigen. In den letzten fünf Jahren sind zudem mehrere Bücher erschienen, welche versuchen die Unfähigkeit der UN offenzulegen, sowie zu beweisen versuchen, dass die UN an Ende angekommen ist und es keinen Unterschied mehr zum Völkerbund in Form und Machtzuspruch gäbe.38 Beobachtet man die letzten Publikationen, so fällt auf, dass die U.N.O. mehr denn je international in der Kritik steht.

So etwa auch die verschiedenen Publikationen des ersten Generalsekretärs der Vereinten Nationen, der Norweger Trygve Halvdon Lie. In seinen Werken zur Geschichte der UNO, welche auch autobiographische Stellen aufweisen, bezeichnet er selbst den Beruf des Generalsekretär der Vereinten Nationen mehrmals als „most impossible job on this earth“.39 Als rezente Sekundarliteratur seinen die Werke von Manuela Scheuermann und Peter Opitz hervorgehoben. Sowohl das 2014 erschienene Werk von Scheuermann als auch das 2002 publizierte Werk von Opitz geben einen ausreichenden und doch tiefgreifenden Blick in die Geschichte sowie die Funktionsweise der Vereinten Nationen. Kritischere Worte findet der ehemalige langjährige Mitarbeiter bei den Vereinten Nationen, Maurice Bertrand. Er vertritt in seinem 1995 erschienenen Werk „UNO, Geschichte und Bilanz“ die Meinung, dass die Vereinten Nationen nicht zu genüge aus den Fehlern des Völkerbundes gelernt hätten. An dieser Stelle sei dann auch noch das Sammelwerk „The Oxford Handbook on the United Nations“ von den Herausgebern Thomas G. Weiss und Sam Daws angeführt. Dieses 2008 erschienene Werk gilt allgemein als das kompletteste in Bezug auf Geschichte, Entwicklung, Kritik und Zukunftsorientierung der UNO.

Eine sehr detailreiche Arbeit lieferte der frühere luxemburgische Diplomat und Berater während des Krieges in London Georges Heisbourg ab. In seinem vier Bände umfassenden Werk analisiert er die komplette im Nationalarchiv erhaltene Korrespondenz zwischen der Exilregierung in London, der Großherzogin in Kanada, sowie dem luxemburger Beauftragten in den Vereinigten Staaten von Amerika während der Jahre 1940 bis 1944.40 Heisbourg geht an mehreren Stellen seiner Bücher auch auf die Entstehung der Vereinten Nationen ein und welche Rolle konkret die luxemburgische Delegation innerhalb von Konferenzen und Versammlungen einnahm. Auch die Reden von Außenminister Bech oder dem luxemburger Gesandten Hugues Le Gallais sind in diesen Werken abgedruckt und analisiert. Man muss jedoch im Zusammenhang mit den Werken von Heisbourg anmerken, dass dieser selbst direkt an den politischen Geschehnissen im Exil beteiligt war. Wenn auch sein Sammelwerk mehrere Jahrzehnte nach dem Krieg verfasst und publiziert wurde, so muss man sich der Überschneidung von persönlichen primären, sowie sekundären Quellen bewusst sein. Die Verteidigung der eigenen Position mit Hinsicht auf persönlich geleistete Arbeit in der Vergangenheit kann zu einem Problem der Geschichtsforschung werden, was man in diesem Zusammenhang auch berücksichtigen muss. Trotzdem bleibt die Arbeit von Herrn Heisbourg eine zu beachtende Quelle.

II) Hauptargumentation

1) Schwieriger Ausgangspunkt - Luxemburg nach dem WWI

Das Ende des Ersten Weltkrieges und der Abzug der deutschen Truppen aus dem Großherzogtum, stellte das Land vor neue Herausforderungen auf ziviler und vor allem politischer Ebene. Luxemburg musste wegen seiner mehr oder weniger deutschfreundlichen Haltung große Einbußen auf internationalem Plan hinnehmen, unter welchen die internationale Politik erheblich zu leiden hatte.

Die Garantie des „Londoner Vertrags“41 führte jedoch zum Fakt einer luxemburgischen Außenpolitik, welche sich über Jahre hinweg nicht sonderlich entwickelt hatte. Noch bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges bestanden keine wirklichen internationale Relationen. Die Tatsache, dass das Land sich fast vollständig in einer Einflusssphäre von Deutschland bewegte, vorwiegend wegen des Zollvereins, tat ihr Übriges zur schlechten Ausgangsposition des Großherzogtums nach dem Ersten Weltkrieg.42

Inwiefern die Regierung Eyschen positiv „germanophil“ gestimmt war, bleibt im Detail noch offen und von der Geschichtsforschung zu klären. Einige Tatsachen seien hier jedoch erwähnt. So kann man Staatsminister Eyschen eine gewisse außenpolitische Blindheit vorwerfen.

Nach der Invasion am 2. August 1914 stand er vor vollendeten Tatsachen und musste dem Geschehen mehr oder weniger hilflos zusehen. Die Großherzogin sowie auch der Staatsminister protestierten mit Nachdruck gegen diese feindliche Besetzung des Landes sowie das nicht respektieren des Londoner Abkommens. Jedoch wandte sich Eyschen nach der Invasion nicht an die anderen Großmächte um den Respekt der luxemburgischen Neutralität einzufordern. Im Gegenteil: Er leitete an die alliierten Regierungen lediglich die deutschen Argumente weiter, welche „der Schutz des luxemburgisch-deutschen Eisenbahnnetzes“ sowie „Präsenz französischer Invasionstruppen an der Grenze zum Großherzogtum“ waren.43 Wenn dies auch nicht einer direkten Kollaboration mit den Deutschen nahekam, so versteht sich von selbst, dass ein erfahrener politischer Charakter, wie

Staatsminister Paul Eyschen einer war, wohl kaum diese deutsche Argumentation für die Rechtfertigung der Besetzung des Landes für eine ernsthaft realistische Tatsache nehmen konnte. Und doch tat er es und dem zufolge war auch die spätere alliierte Missgunst zu verstehen. Der Empfang des deutschen Kaisers am großherzoglichen Hofe sowie die freundschaftliche Beziehung zwischen der Großherzogin und dem deutschen Kaiser Wilhelm taten ihr Übriges.44

Wie bereits erwähnt, befand das Großherzogtum sich nun zwischen zwei Stühlen: Einerseits wurde es nach dem Krieg nicht als feindlicher besiegter Staat angesehen, andererseits wurde jedoch auch keine Delegation der luxemburgischen Regierung zu den Friedensverhandlungen nach Versailles eingeladen. Somit entstand defacto eine gewisse politische Isolierung des Landes. In Artikel 40 des „ Versailler Vertrags “ wurde, ohne einen luxemburger Politiker in die Verhandlungen mit einzubeziehen, in Aussicht gesetzt, die Neutralität des Landes aufzuheben.45 Zudem verweigerte Ende Dezember 1918 der französische Außenminister der Großherzogin, sowie Vertretern der Regierung mit Staatsminister Reuter an der Spitze den Empfang in Paris.46 Als dann am 28. April 1919 in Genf der Völkerbund durch die 32 Siegerstaaten des Ersten Weltkrieges gegründet wurde und Luxemburg auch hier nicht an den Verhandlungstisch eingeladen wurde, musste die Regierung handeln.47 Als Anfang der 20er Jahre wieder eine gewisse politische Ruhe in Luxemburg einkehrte, unter anderem hatte die Großherzogin Marie-Adélaïde zu Gunsten ihrer jüngeren Schwester Charlotte abgedankt, investierte man in den Aufbau einer aktiven internationalen Politik.

Der damalige Staatsminister Emile Reuter wusste um die Wichtigkeit einer aktiven Außenpolitik und der hiermit verbundenen Abschließung von Bündnissen und Abkommen. Er war sich ebenfalls bewusst, dass der jüngst gegründete Völkerbund wegen seiner internationalen Garantien, eine nicht zu unterschätzende Absicherung für die Existenz des Großherzogtums darstellte. Nach mehreren Verhandlungen zwischen der Kommission des Völkerbundes und der luxemburgischen Regierung wurde, in der 26. Plenarsitzung des Völkerbundes am 16. Dezember 1920 um zehn Uhr morgens, die offizielle Aufnahme des Großherzogtums Luxemburg einstimmig mit 39 Stimmen bestätigt.48 Die schwierigen Verhandlungen, die dieser wichtigen Aufnahme voraus gingen, entstanden vor allem durch den Neutralitätsstatus des Landes, denn dieser war nicht mit dem Artikel 16 der Charta des

[...]


1 SCHEUERMANN, Manuela: Die Vereinten Nationen. Eine Einführung, Wiesbaden 2014. S. 15.

2 SCHEUERMANN, Die Vereinten Nationen (Anm. 1), S. 15.

3 BERTRAND, Maurice: UNO. Geschichte und Bilanz, Frankfurt am Main 1995. S. 24 - 25.

4 SCHEUERMANN, Die Vereinten Nationen (Anm. 1), S.13 - 14.

5 SCHEUERMANN, Die Vereinten Nationen (Anm. 1), S.14.

6 SCHEUERMANN, Die Vereinten Nationen (Anm. 1), S. 15.

7 HANHIMAKI, Jussi M.: The United Nations.A very short Introduction, New York 2008. S. 9.

8 HANHIMAKI, The United Nations (Anm. 7), S. 10-11.

9 SCHEUERMANN, Die Vereinten Nationen (Anm. 1), S.17-18.

10 SCHEUERMANN, Die Vereinten Nationen (Anm. 1), S.16.

11 LUARD, Evan: A History of the United Nations. The years of western Domination 1945 - 55 (Volume 1), London 1984. S. 14.

12 HANHIMAKI, The United Nations (Anm. 7), S.ll-12.

13 HANHIMAKI, The Unites Nations (Anm. 7), S. 12-13.

14 SCHEUERMANN, Die Vereinten Nationen (Anm. 1), S. 19-20.

15 SCHEUERMANN, Die Vereinten Nationen (Anm. 1), S. 20.

16 LUARD, A History of (Anm. 11), S. 5-6.

17 SCHEUERMANN, Die Vereinten Nationen (Anm. 1), S.21.

18 OPITZ, Peter J.: Die Vereinten Nationen. München 2002. S. 241.

19 Opitz, Peter J.: Die Vereinten Nationen (Anm. 18), S. 241.

20 LUARD, A History of (Anm. 11), S. 17.

21 Opitz, Peter J.: Die Vereinten Nationen (Anm. 18), S. 241.

22 LUARD, A History of (Anm. 11), S. 31.

23 Opitz, Peter J.: Die Vereinten Nationen (Anm. 18), S. 241.

24 WOLF, Claus Dieter: Die Uno. Geschichte, Aufgaben, Perspektiven, München 2005, S. 14.

25 LUARD, A History of [Anm. 11), S. 39 - 40.

26 Opitz, Peter J.: Die Vereinten Nationen [Anm. 18), S. 242.

27 - www.wort.lu/de/international/luxemburg-bekommt-sitz-im-un-sicherheitsrat 50803298e4b02d5bf2f4cd5f- abgerufen am 18.04.2015
- www.luxembourg.com/luxemburg-un-sicherheitsrat - aufgerufen am 18.04.2015.
- www.gouvernement.lu/3375660/19-asselborn-uno - aufgerufen am 18.04.2015.
- www.wort.lu/de/politik/un-sicherheitsrat-asselborns-letzte-mission-5493elel0c88b46a8ce49a26 - konsultiert am 18.04.2015.

28 - www.journal.lu/article/luxemburg-in-new-york - abgerufen am 18.04.2015.

- www.forum.lu/bibliothek/ausgaben/inhalt/artikel?artikel=3272 - abgerufen am 18.04.2015.

29 SCHEUERMANN, Manuela: DieVereinten Nationen (Anm. 1), S.21.

30 FEYDER, Jean: Le Luxembourg et L.ONU. 50e anniversaire de L’organisation des Nations Unies, comité national pour la coopération avec les Nations Unies, Luxembourg 1995.

31 LEHNERS, Jean-Paul / KIEFFER, Monique : LONU. Un instrument de paix au service de qui ? , Luxembourg 1996.

32 Thewes, Guy: Les gouvernements du Luxembourg depuis 1848. Luxembourg 2011.

33 http://www.anlux.lu/multi/de/das-nationalarchiv/aufgaben - abgerufen am 22.02.2015.

34 http://www.anlux.lu/multi/de/das-nationalarchiv/geschichte - abgerufen am 22.02.2015.

35 http://www.legilux.public.lu/leg/a/index.php - abgerufen am 22.02.2015.

36 Service Central de Législation: Mémorial des Großherzogtums Luxemburg Nr. 46, Luxemburg 04.09.1945.

37 ANLux: AE-07822 (UNO-Division des droits de l’homme).

38 Beispiel: ZUMACH, Andreas: Globales Chaos - Machlose UNO. Ist die Weltorganisation überflüssig geworden, Zürich 2015.

39 SCHEUERMANN, Manuela: Die Vereinten Nationen (Anm. 1), S. 115.

40 HEISBOURG, Georges: Le gouvernement Luxembourgeois en exil, Vol. I - IV, Luxemburg 1986 - 1991.

41 Im Jahr 1867: Am 7. Mai tagten in London die zentralen Mächte Europas um über Grenzen und Politik des Kontinents zu verhandeln. Hier wurde die Frage nach dem Status Luxemburgs ebenfalls thematisiert. Nach vier Tagen, am 11. Mai 1867, wurde der „Londoner Vertrag" unterschrieben. Die europäischen Mächte proklamierten die Bindung zwischen Luxemburgund der niederländischen Krone und garantierten somit die Neutralität des Großherzogtums. - CALMES, Christian / BOSSAERT, Danielle: Geschichte des Großherzogtums Luxemburg. Von 1815 bis heute, Luxemburg 1996, S. 129 - 130.

42 THEWES, Guy: Les gouvernements (Anm. 36), S. 80.

43 MAJERUS, Benoît (u.a.): 1914 1918. Krieg(e) in Luxemburg, Luxemburg 2014, S. 23 - 24.

44 HAAG, Emile / KRIER, Emile: La Grande-duchesse et son gouvernement pendant la deuxième Guerre Mondiale. 1940 l’année du dilemme, Luxemburg 1987, S. 22.

45 ANLux: CdD - 2850 - 19.10.1919, militärische Kommission des Völkerbundes traf sich in Brüssel, S. 3.

46 HAAG, Emile (u.a.): La Grand-duchesse (Anm. 48), S. 23.

47 SCHEUERMANN, Manuela: Die Vereinten (Anm.l), S. 15.

48 ANLux: CdD - 2850: 26. Séance plénière sociétés des Nations, 16.12.1920.

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Details

Titel
Luxemburg und die U.N.O. Die grossherzoglichen Verbindungen mit den Vereinten Nationen von 1943 - 1950
Hochschule
Université du Luxembourg  (Europäische Geschichte)
Note
1,2
Autor
Jahr
2014
Seiten
55
Katalognummer
V413259
ISBN (eBook)
9783668640863
ISBN (Buch)
9783668640870
Dateigröße
742 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
UNO United Nations
Arbeit zitieren
Joé Haas (Autor), 2014, Luxemburg und die U.N.O. Die grossherzoglichen Verbindungen mit den Vereinten Nationen von 1943 - 1950, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413259

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