Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung des sozialpolitischen Systems in unserem Staat. Sozialpolitik an sich lässt sich in zwei Teilbereiche aufspalten. Der eine Bereich, die Politik des sozialen Ausgleichs verfolgt seine Zwecke mit der Gewähr und der Garantie von Rechten sozialer Gruppen, sowie mit Einrichtungen und Verfahren, in denen diese Rechte zu praktischer Geltung gebracht werden können. Die Politik der sozialen Sicherung dagegen verfolgt ihre Zwecke vor allem mit materiellen Leistungen in besonderen Lebenslagen und bei besonderen Belastungen von einzelnen Individuen der Gesellschaft und/oder Gruppierungen, vor allem Familien. In dieser Abhandlung wird sich vorwiegend mit dem zweiten Bereich beschäftigt. Die Entwicklung der Wohlfahrtspflege speziell eingebunden in die Epoche Weimarer Republik bis zum Ende des Faschistischen Regimes Hitlers soll mit all ihren Facetten, ob Profession, Handlungsfeldern, Bewegungen, Anforderungen, aber auch ihren Grenzen dargelegt werden.
Auf dem Weg zum Heute soll es einen historischen Abriss dessen geben, was einen Sozialstaat ausmacht und wie damit in unterschiedlichen Systemen umgegangen wurde und wie man durchaus Parallelen zu aktuellen Geschehnissen ziehen kann, auch um hieraus Erkenntnisse für persönliches Handeln zu gewinnen. Leider ist auch mir nur ein kurzer Einblick in das weite Feld der Geschichte der Fürsorge und Wohlfahrtspflege möglich. 2. Eine neue Staatsform - Die Weimarer Republik Die Weimarer Republik entstand nach der Kapitulation Deutschlands im ersten Weltkrieg, sie löste die bisher bestehende Monarchie ab. Die Hoffnungen und Erwartungen des nicht-konservativ eingestellten Teils der Bevölkerung waren vielfältig. Grundsätzlich erhoffte sich die Bevölkerung Reformen der Politik und die Verbesserung der bisherigen Lebensbedingungen. Demokratisierung, soziale Sicherung, sowie aktive Präsenz der Frau in Politik und Öffentlichkeit waren nur einige Beispiele für die Forderungen, die an die neue Regierung gestellt wurden.
Eben diese Forderung nach sozialer Sicherung veranlasste die Regierung zu einer wachsenden Übernahme an Verantwortung auf sozialer Ebene. Die Bevölkerung die immer noch in zwei Lager gespalten war, auf der einen Seite die Anhänger der Monarchie, auf der anderen Seite die demokratiebereiten Bürger und die überaus schlechte wirtschaftliche Lage, diesem Druck ausgesetzt war der Staat gezwungen zu handeln.
Strukturübersicht
1. Einleitung
2. Eine neue Staatsform - Die Weimarer Republik
2.1. Die Weimarer Verfassung und ihre Neuerungen
2.2. Entwicklung der Wohlfahrtspflege während der Weimarer Republik
2.3. Die neuen Verhältnisse und deren Einfluß auf die Bevölkerung
3. Soziale Arbeit auf dem Weg zur Profession
3.1. Das “soziale Netz” der Weimarer Republik
3.2. Arbeitslosenfürsorge und Arbeitslosenversicherung
3.3. Jugendwohlfahrt: Jugendpflege, Kinder - und Jugendfürsorge
4. Wohlfahrtspflege und ihre Grenzen
5. Machtübernahme durch Hitler
5.1. Nationalsozialistische Wohlfahrtspflege
5.2. Die NS - Volkswohlfahrt
6. Das “soziale Netz” im Nationalsozialismus
6.1. Die Überwindung der Arbeitslosigkeit
6.2. Jugend im Dritten Reich
6.2.1. Die Hitlerjugend
7. Der “Sozialarbeiter” im Netz des Nationalsozialismus
8. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Transformation der Wohlfahrtssysteme in Deutschland vom Übergang der Weimarer Republik bis zum Ende des Nationalsozialismus, um die strukturellen Veränderungen der sozialen Arbeit und deren Instrumentalisierung durch das NS-Regime aufzuzeigen.
- Historischer Vergleich der wohlfahrtsstaatlichen Ansätze zwischen Weimarer Republik und NS-Diktatur.
- Professionalisierung der Sozialen Arbeit und die Rolle der Frau in dieser Epoche.
- Die Auswirkungen politischer Krisen und der Weltwirtschaftskrise auf soziale Sicherungssysteme.
- Transformation der Wohlfahrtspflege zur ideologisch geprägten Erziehungsfürsorge im Nationalsozialismus.
- Die Rolle der Arbeitslosenversicherung und die staatliche Steuerung des Arbeitsmarktes.
Auszug aus dem Buch
3. Soziale Arbeit auf dem Weg zur Profession
“Der Ausbau kommunaler Sozialadministration in der Weimarer Republik hatte die Ausdehnung beruflicher Sozialarbeit zur Voraussetzung und zur Folge.”
Als Folge der umfangreichen sozialpolitischen Reformen festigte und vertiefte sich das bisherige Ausbildungssystem in der Weimarer Republik. Es wurden für alle sozialen Berufe dieser Zeit weitere Ausbildungsstätten errichtet, außerdem wurde die berufliche Qualifikation weiterentwickelt, aber auch neue Arbeitsfelder durch entsprechende Inhalte in der Ausbildung berücksichtigt. Mit der Schaffung entsprechender Gesetze übernahm der Staat die Verantwortung im Bereich der sozialen Sicherung. Die Wohlfahrtspflege musste nun stärker als bisher institutionalisiert werden. War der Zugang zu einem sozialen Beruf bisher fast ausschließlich nur Frauen gestattet, beanspruchten plötzlich auch Männer einen Arbeitsbereich auf dem sozialen Sektor. Dies ist ursächlich auf die hohe Arbeitslosenquote in dieser Zeit zurück zu führen. Viele Frauen, die sich während der Kriegszeit in Bereichen der Fürsorge engagierten, drängte diese Entwicklung zurück. Sie fanden sich wieder in ihrer Rolle der Hausfrau und/oder Mutter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Entwicklung sozialpolitischer Systeme unter besonderer Berücksichtigung der Wohlfahrtspflege zwischen Weimarer Republik und Nationalsozialismus.
2. Eine neue Staatsform - Die Weimarer Republik: Analyse der gesellschaftlichen Erwartungen an den neuen Staat und die gesetzliche Verankerung sozialer Grundrechte.
3. Soziale Arbeit auf dem Weg zur Profession: Untersuchung der Institutionalisierung der Sozialen Arbeit und der beruflichen Entwicklung unter dem Druck neuer Anforderungen.
4. Wohlfahrtspflege und ihre Grenzen: Diskussion der Leistungsfähigkeit des Staates angesichts der Wirtschaftskrisen und der schleichenden Radikalisierung.
5. Machtübernahme durch Hitler: Erläuterung der Instrumentalisierung der Wohlfahrtspolitik für rassenpolitische Ziele durch die Nationalsozialisten.
6. Das “soziale Netz” im Nationalsozialismus: Bewertung der staatlichen Maßnahmen zur Arbeitsmarktregulierung und die Gleichschaltung der Jugendhilfe.
7. Der “Sozialarbeiter” im Netz des Nationalsozialismus: Betrachtung der Arbeitsbedingungen und der moralischen Herausforderungen für Sozialarbeiter in der NS-Zeit.
8. Schlussbetrachtungen: Resümee über die historische Entwicklung und die Relevanz sozialpolitischer Reformen für moderne Wohlfahrtsstaaten.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Wohlfahrtspflege, Sozialpolitik, Soziale Arbeit, Arbeitslosenversicherung, Reichsjugendwohlfahrtsgesetz, NS-Volkswohlfahrt, Rassenpolitik, Professionalisierung, Erziehungsfürsorge, Wohlfahrtsstaat, Wirtschaftsgeschichte, Krisenmanagement, Sozialadministration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel der Wohlfahrtssysteme von der Weimarer Republik bis zum Ende des Nationalsozialismus und zeigt auf, wie soziale Fürsorge von einem demokratischen Instrument zur Absicherung in ein Mittel politischer Kontrolle umgewandelt wurde.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die soziale Gesetzgebung, die Professionalisierung sozialer Berufe, die Auswirkungen von Wirtschaftskrisen auf die Wohlfahrt sowie die Ideologisierung der Sozialpolitik durch das NS-Regime.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen historischen Abriss über die Entwicklung des Sozialstaats zu geben und zu verstehen, wie sich unterschiedliche politische Systeme bei der Lösung sozialer Problemlagen verhalten haben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und einen historischen Abriss, um die Entwicklung der Sozialen Arbeit anhand gesetzlicher Grundlagen und zeitgenössischer Quellen darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Weimarer Sozialreformen, die Herausforderungen durch die Weltwirtschaftskrise, die Machtübernahme der NSDAP und die Transformation der Wohlfahrt in ein rassenbiologisches Instrument.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Professionalisierung, Wohlfahrtspflege, Rassenpolitik, soziale Sicherung und institutionelle Umgestaltung charakterisiert.
Welche Rolle spielte die "NS-Volkswohlfahrt" im NS-Staat?
Die NS-Volkswohlfahrt diente als dominierender Träger der Wohlfahrtspolitik dazu, die rassisch definierte Volksgemeinschaft zu stärken und gleichzeitig durch Ausgrenzung von sogenannten Randgruppen absolute Kontrolle auszuüben.
Wie veränderte sich die Rolle des "Sozialarbeiters" während des Nationalsozialismus?
Sozialarbeiter sahen sich mit erhöhter Belastung und der Forderung nach ideologischer Anpassung konfrontiert, wobei ihre Arbeit von der Unterstützung Bedürftiger hin zur selektiven Auslese nach nationalsozialistischen Vorstellungen umgedeutet wurde.
- Quote paper
- Jana Walther-Wißmann (Author), 2005, Wohlfahrtssysteme im Vergleich - Weimarer Republik - Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41329