Anschaffungsnahe Herstellungskosten. Abgrenzung und Besonderheiten


Essay, 2018
7 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. ) Einleitung

2. ) Erhaltungsaufwand/Herstellungskosten

3. ) Anschaffungsnahe Herstellungskosten

4. ) Beispiel

5. ) Spezialfälle

6. ) Fazit

1. Einleitung

Kaum ein Gebäude entspricht im Zeitpunkt des Erwerbs den Vorstellungen des neuen Eigentümers.

Wer also beabsichtigt, eine Immobilie zu erwerben, um sie im Anschluss zu vermieten und diese zeitnah umfangreichen Renovierungsmaßnahmen zu unterziehen, kann sich leicht mit dem Tatbestand der anschaffungsnahen Herstellungskosten konfrontiert sehen. Bei den klassischen Werbungskosten, die diesbezüglich im Rahmen der Einkunftserzielung durch Vermietung und Verpachtung (§21 EStG) geltend gemacht werden können, handelt es sich zum einen um sogenannte Erhaltungsaufwendungen und zum anderen um Herstellungsaufwand.

2. Erhaltungsaufwand/Herstellungskosten

Erhaltungsaufwand beschränkt sich laut der Richtlinie zum Einkommensteuergesetz R 21.2 Absatz 1 EStR auf „Aufwendungen für die Erneuerung von bereits vorhanden Teilen, Einrichtungen oder Anlagen“[1], wozu etwa die Neueindeckung eines Daches oder der Austausch von Fenstern und Türen zur Optimierung der Energieeffizienz zählen würde. Diese sind im Jahr des Abflusses gemäß § 11 Absatz 2 Satz 1 EStG sofort als Werbungskosten abzugsfähig.[2] Bei Herstellungskosten handelt es sich hingegen laut R 21.2 (2) EStR um Aufwendungen für die Erweiterung oder für die über den ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung eines Gebäudes durch den Verbrauch von Gütern sowie die Inanspruchnahme von Diensten nach der Fertigstellung des Gebäudes.[3] Solcherlei Aufwendungen, die den Herstellungskosten zuzurechnen sind, werden im Wege der Absetzung für Abnutzung (AfA) abgeschrieben. So würde zum Beispiel eine neue Einbauküche über eine übliche Nutzungsdauer von insgesamt 10 Jahren abgeschrieben, die Anschaffungskosten also über diesen Zeitraum verteilt, beachte ggf. die Zeitanteiligkeit im Erstjahr.[4]

Liegen die Aufwendungen jedoch unter einer Höhe von 4000 € netto (exkl. Umsatzsteuer), so können die Aufwendungen auf Antrag des Steuerpflichtigen regelmäßig als Erhaltungsaufwendungen behandelt werden, womit diese sofort mit Abfluss geltend gemacht werden können.[5]

3. Anschaffungsnahe Herstellungskosten

Besonderer Beachtung bedürfen jedoch Aufwendungen, die innerhalb von drei Jahren nach der Anschaffung des Gebäudes verausgabt werden: Überschreiten nämlich die Aufwendungen, die innerhalb von drei Jahren nach Übergang von Nutzen und Lasten (§39 AO) für Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen verausgabt werden, netto 15 % der Anschaffungskosten des Gebäudes, so sind diese gesamtheitlich als anschaffungsnahe Herstellungskosten im Sinne des §6 Absatz 1 Nummer 1 a EStG zu behandeln, was zur Folge hat, dass diese Aufwendungen, die dem Grunde nach Erhaltungsaufwendungen darstellen, der AfA-Bemessungsgrundlage des gesamten Objekts zugeschlagen werden und zusammen mit diesem über einen Zeitraum von üblicherweise 50 Jahren, also mit jährlich 2% abgeschrieben werden müssten.[6] Explizit hiervon ausgenommen sind Aufwendungen im Sinne des § 255 Absatz 2 Satz 1 des Handelsgesetzbuches, also „die Aufwendungen, die durch den Verbrauch von Gütern und die Inanspruchnahme von Diensten für die Herstellung eines Vermögensgegenstands, seine Erweiterung oder für eine über seinen ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung entstehen“[7], also klassische Herstellungskosten, sowie Erhaltungsarbeiten, die üblicherweise jährlich anfallen.[8]

4. Beispiel

Wenn also beispielsweise ein Steuerpflichtiger eine Immobilie in 01 mit Anschaffungskosten in Höhe von 100.000€ erwirbt und hierfür im Verlauf der Jahre 02 und 03 Erhaltungsaufwendungen für Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen in Höhe von insgesamt 10.000€ netto verausgabt, wird die 15%-Betragsgrenze nicht überschritten, womit die Werbungskosten sofort mit Abfluss geltend gemacht werden können. Die AfA-BMG des Objekts ändert sich dadurch nicht. Wenn er jedoch Aufwendungen zu diesem Zwecke in Höhe von 20.000€ in diesem Zeitraum verausgabt, wird die Betragsgrenze überschritten, womit die Aufwendungen gesamtheitlich als anschaffungsnahe Herstellungskosten zu behandeln und der AfA-Bemessungsgrundlage des Gebäudes zuzuschlagen sind, womit diese zusammen mit dem Gebäudewert üblicherweise über 50 Jahre abzuschreiben sind.

Es ist bei der Frage, ob es sich um anschaffungsnahe Herstellungskosten handelt, bei einem auf mehreren Einheiten bestehenden Gebäude nicht auf das gesamte Haus, sondern auf den jeweiligen selbstständigen Gebäudeteil abzustellen.[9]

5. Spezialfälle

Des Weiteren ist zu beachten, dass etwa Aufwendungen für die Beseitigung von Mängeln, die im Zeitpunkt der Anschaffung des Gebäudes zwar verdeckt, aber schon vorhanden waren, wie z. B. Schimmelbefall unter der Tapete, (unter Beachtung der 15%-Betragsgrenze) ggf. mit zu dem anschaffungsnahen Herstellungskosten im Sinne des §6 Absatz 1 Nummer 1a EStG zählen. Genauso verhält es sich auch bei Aufwendungen für die Beseitigung von altersüblichen Mängeln, wie etwa einem undichten Dach, welche erst nach dem Erwerb auftreten, da es bei der Beurteilung, wie die Ausgaben einkommensteuerrechtlich zu behandeln sind, grundsätzlich nicht auf die eigene, subjektive Vorstellung des Erwerbers vom Zustand des Gebäudes ankommt.

Kosten für Instandsetzungsmaßnahmen zur Beseitigung eines Schadens, der im Zeitpunkt der Anschaffung noch nicht vorhanden beziehungsweise angelegt war, sondern nachweislich erst nach der Anschaffung durch das schuldhafte Handeln eines Dritten bzw. mutwillig herbeigeführte Beschädigung seitens eines Dritten verursacht worden ist, sind keine anschaffungsnahen Herstellungskosten, sondern sofort abzugsfähige Erhaltungsaufwendungen.

[...]


[1] C.H. Beck Steuerrichtlinien R21.1 (1) EStR , S.472

[2] vgl. C.H. Beck Steuergesetze § 11 (2) S.1 EStG, S.121

[3] vgl. C.H. Beck Steuerrichtlinien R21.1 (2) EStR , S.473

[4] vgl. C.H. Beck Steuergesetze § 7 (1) S.1-4 EStG, S.72

[5] vgl. C.H. Beck Steuerrichtlinien R21.1 (2) S.2 EStR , S.473

[6] vgl. C.H. Beck Steuergesetze § 7 (4) Nr.2 a) EStG, S.74

[7] NWB Wichtige Wirtschaftsgesetze § 255 (2) S.1 HGB, S. 55

[8] vgl. C.H. Beck Steuergesetze §6 (1) Nr.1a, S. 58

[9] BMF, BStBl I 2017, 1447

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Anschaffungsnahe Herstellungskosten. Abgrenzung und Besonderheiten
Note
2,0
Jahr
2018
Seiten
7
Katalognummer
V413340
ISBN (eBook)
9783668645622
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anschaffungsnahe, herstellungskosten, abgrenzung, besonderheiten
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Anschaffungsnahe Herstellungskosten. Abgrenzung und Besonderheiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413340

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