In einer bunten Schule, in der sich viele Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund befinden, finden alle Lernenden einen Religionsunterricht mit interreligiösen Elementen wesentlich besser als den rein konfessionellen. Durch die interreligiöse Begegnung im Religionsunterricht ist ein besseres religiöses und kulturelles Verstehen untereinander möglich. So kann die Grundlage für ein friedvolles Zusammenleben aller Religionen eingeübt und für die Zukunft vorbereitet werden.
Dazu gehört, dass man zuerst die Gemeinsamkeiten und nicht die Unterschiede in den gelebten Religionen entdeckt. Vorwiegend ging es in unserem Unterricht um die Verwandtschaften der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Zusätzlich fanden gemeinsame Unternehmungen statt, wie ein interreligiöser Friedensspaziergang durch die Wiesbadener City, sowie eine gemeinsame Gesangs- und Gebetspraxis.
Die dreijährige Unterrichtspraxis, die in dieser Arbeit anhand von Unterrichtsbeispielen mit den verwendeten Materialien dokumentiert wird, war nicht nur sehr lebensnah orientiert. Wir machten auch gemeinsame Erfahrungen, was unsere jeweilige religiöse Glaubenspraxis angeht. Dies entspricht dem Kompetenzgedanken, der heute an die unterrichtliche Praxis gestellt wird.
Die dem Leser zur Verfügung gestellten Materialien beziehen sich nicht nur auf den Unterrichtsverlauf. Sie enthalten Vorschläge für Klausuren ebenso wie für schriftliche und mündliche Abiturprüfungen in der gymnasialen Oberstufe, die hier zwar am Lehrplan des Hessischen Kultusministeriums orientiert sind, sich durchaus aber auch auf andere Bundesländer übertragen lassen. Über die zahlreichen mitgelieferten Internetlinks bringt aber nicht nur das Lesen einen Gewinn: Ein emotionaler und sinnhafter Genuss ist es sicherlich auch, die dazugehörigen audiovisuellen Medien - Bilder, Fernsehansprachen, Filmtrailer, Lieder und Choräle - anzusehen und anzuhören.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. E1 + E2
Thema: Religion – Glauben – Wissen (E1)
Thema: Biblische Erfahrungen (E 2)
2. Q1 + Q2
Thema: Jesus Christus (Q1)
Thema: Kirche und Weltverantwortung (Q2)
3. Q3 + Q4
Thema: Fragen nach Gott (Q3)
Rede des Friedenspreisträgers Navid Kermani
Anschläge von Paris
Film: Von Menschen und Göttern (2010)
Klausur: Gott im Christentum und im Islam
Gottesvorstellung eines muslimischen Schülers
Gottesvorstellung einer katholischen Schülerin
Konzept für den interreligiösen Umgang, Antwort eines muslimischen Schülers:
Thema: Barmherzigkeit (Q 4)
Klausur Q4
Weltjugendtag 2016 – Hymne: Selig die Barmherzigen
4. Abitur
Kategorie 1 Thema: Das Gottes- und Jesusbild im interreligiösen Dialog
Kategorie 2 Thema: Der eine Gott – eine gemeinsame Glaubenspraxis?
Kategorie 3 Thema: Das „Vaterunser“ verändert die Welt
Kategorie 3 Thema: Neue Schritte der Solidarität
5. Interreligiöser Gottesdienst zum Abschluss des Abiturs
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit dokumentiert einen dreijährigen Unterrichtsprozess in der gymnasialen Oberstufe, in dem durch die Integration muslimischer Schüler in den katholischen Religionsunterricht ein lebendiger interreligiöser Dialog entstand. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie theologische Inhalte und aktuelle gesellschaftliche Ereignisse genutzt werden können, um Verständnis, Toleranz und ein gemeinsames Friedenshandeln zu fördern.
- Interreligiöser Dialog zwischen Islam und Christentum
- Gemeinsame Gottesbilder und ethische Grundlagen
- Umgang mit aktuellen Krisen und Flüchtlingsfragen
- Integration interreligiöser Elemente in Klausuren und Abiturprüfungen
- Praktische Umsetzung in Gottesdiensten und Friedensspaziergängen
Auszug aus dem Buch
Film: Von Menschen und Göttern (2010)
Um das Halbjahresthema Fragen nach Gott noch weiter zu intensivieren, erfolgte in den nächsten Stunden eine neue Unterrichtssequenz mit dem Anschauen und Interpretieren des Filmes „Von Menschen und Göttern“ (2010, Regie: Xavier Beauvois).
Inhalt: Christliche Mönche leben in Tibhirine in Algerien in einer muslimischen Umgebung, es besteht ein gutes Verhältnis zur muslimischen Bevölkerung, gegenseitiger Austausch und Handel, durch ihre Krankenstation helfen die Mönche besonders den Kranken des Dorfes. Die Mönche nehmen auch an islamischen religiösen Zeremonien teil, z.B. Hochzeit und Beschneidung. Dadurch geben sie ein Zeichen für die Achtung der Würde jedes Menschen, der religiösen Überzeugung des anderen, für Nächstenliebe und Barmherzigkeit.
Das Leben der Mönche ist nicht nur durch die Ordensregel, die ein gemeinschaftliches Leben in persönlicher Bescheidenheit und Armut vorschreibt, geprägt, sondern durch eine beeindruckende intensive Spiritualität. Im Film faszinieren die liturgischen Gesänge der Mönche, die eine andere heile Welt widerspiegeln. Die kontemplativen, himmlischen Choräle, gregorianisch und modern, lassen den Zuschauer das Himmelreich erahnen und nehmen das Reich Gottes voraus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. E1 + E2: Die Schüler untersuchen ihre bisherigen Erfahrungen mit Religion und setzen sich mit den Grundlagen des Religionsunterrichts auseinander.
2. Q1 + Q2: Der Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit Jesus Christus aus christlicher und islamischer Perspektive sowie der christlichen Soziallehre.
3. Q3 + Q4: In diesem Teil werden Gottesvorstellungen sowie aktuelle politische Konflikte wie der Syrienkrieg oder terroristische Anschläge thematisiert und religiös reflektiert.
4. Abitur: Dieses Kapitel dokumentiert, wie die im Unterricht entwickelten interreligiösen Kompetenzen in mündlichen Abiturprüfungen abgeprüft werden.
5. Interreligiöser Gottesdienst zum Abschluss des Abiturs: Die Vorbereitung und Durchführung einer gemeinsamen Feier verdeutlicht die praktische Wirksamkeit des gelernten Dialogs.
6. Fazit: Der Autor resümiert, dass die Schule ein zentraler Ort für einen fundierten interreligiösen Dialog ist und eine wichtige Rolle für eine tolerante Gesellschaft spielt.
Schlüsselwörter
Interreligiöser Dialog, Katholischer Religionsunterricht, Islam, Barmherzigkeit, Gottesvorstellung, Friedenspädagogik, Schüler, Oberstufe, Bergpredigt, Koran, Bibel, Integration, Toleranz, Solidarität, Frieden
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Bericht?
Es geht um die praktischen Erfahrungen eines Religionslehrers, der über drei Jahre hinweg interreligiöse Lernprozesse in einem katholischen Kurs der gymnasialen Oberstufe moderiert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt unter anderem Gottesbilder, die Bergpredigt, das Konzept der Barmherzigkeit im Islam und Christentum sowie die aktuelle Flüchtlingsproblematik.
Welches primäre Ziel verfolgt der Unterricht?
Ziel ist es, den Schülern durch den inhaltlichen Austausch über religiöse Grenzen hinweg ein besseres Verständnis füreinander zu vermitteln und sie zu einem friedlichen, solidarischen Miteinander zu befähigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine didaktische Methode angewandt, die interreligiöse Texte und Medien (Filme, Reden) im Dialog zwischen den Konfessionen analysiert und in Klausurvorbereitungen integriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beschreibt detailliert die Unterrichtseinheiten von der E-Phase bis zum Abitur, inklusive konkreter Beispiele wie dem Friedensspaziergang durch Wiesbaden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind interreligiöser Dialog, Gottesvorstellung, Toleranz und Barmherzigkeit.
Wie werden muslimische Schüler in das Konzept einbezogen?
Die muslimischen Schüler werden aktiv in die Gestaltung des Unterrichts eingebunden, etwa durch Referate, gemeinsame Gebete oder die Planung eines interreligiösen Gottesdienstes.
Welche Rolle spielt der Film "Von Menschen und Göttern"?
Der Film dient als zentrales Medium, um die Themen Nächstenliebe, Beständigkeit im Glauben und das Zusammenleben von Christen und Muslimen in bedrohlichen Situationen anschaulich zu machen.
- Citar trabajo
- Gregor Weigand (Autor), 2017, Interreligiöses Lernen im Katholischen Religionsunterricht der gymnasialen Oberstufe, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413354