Verbpräfigierung durch Verbpräfixe und Verbpartikel


Hausarbeit, 2017
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Präfixe und Verbpräfixe
2.1 Was sind Präfixe?
2.2 Verbpräfixe
2.2.1 Das echte Verbpräfix
2.2.2 Doppelförmige Morpheme bzw. präpositionale Verbpräfixe
2.2.3 Restgruppe mit Einzelpräfixen
2.3 Verbpartikel und ihre Abgrenzung
2.3.1 Präpositionale Verbpartikel
2.3.2 Partikelverben an der Grenze zur Syntax

3 Funktionen der Verbpräfixe
3.1.1 Zur morphologischen Funktion der Verbpräfixe
3.1.2 Zur syntaktischen Funktion der Verbpräfixe
3.1.3 Zur semantischer Funktion der Verbpräfixe

4 Schlussfolgerung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Laut dem Duden sind exakte Angaben über den Umfang des deutschen Wortschatzes unmöglich, da ständig neue Wörter mit Hilfe von Wortbildungsprozessen gebildet und aus anderen Sprachen entlehnt werden.[1] Bei der Wortbildung werden auf verschiedene Weise Morpheme miteinander kombiniert oder verändert. Dabei wird zwischen den Wortbildungsverfahren Komposition, Derivation, Kurzwortbildung und Konversion unterschieden. Wohingegen die Komposition die Zusammensetzung zweier lexikalischer Morpheme bedeutet, werden bei der. Derivation kurz gefasst an den freien lexikalischen Morphemen wie beispielsweise {schön}, meist grammatikalische gebundene Morpheme wie {-heit} angehängt. Ein weiterer Wortbildungsprozess ist die Kurzwortbildung. Hierbei wird ein Teil der jeweiligen Basis abgeschnitten. Beispielsweise Lokomotive wird zu Lok. Und bei der Konversion kann der Wortschatz erweitert werden ohne äußerlich etwas an der Wortbasis zu verändern. Wie beispielsweise treff- zu Treff.[2] Wie deutlich geworden ist, gibt es eine Reihe an Wortbildungsverfahren und es gibt noch einige mehrere Arten der Wortschatzerweiterung, auf die aber im Rahmen dieser Arbeit nicht eingegangen werden.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit dem Thema der Verbpräfigierung mit Hilfe von Verbpräfixen und Verbpartikel, welches ein Teilbereich des Wortbildungsverfahren der Derivation darstellt.

Der erste Teil der Arbeit widmet sich der terminologischen Klärung von Präfixen, Verbpräfixen und Partikeln. Darauf aufbauend, werden im weiteren Verlauf die Unterschiede zwischen den oben genannten Begriffen herausgearbeitet sowie die Zuordnung dieser Derivationsmorpheme zu den Kategorien. Hierbei werden Fragestellungen wie zum Beispiel „Zählt das Verb fertigmachen zu den Partikelverben oder zu den Komposita? Kann überhaupt strikt unterschieden werden?“ analysiert. Im zweiten Teil werden die Funktionen der Verbpräfixe erläutert und Auswirkungen auf die Valenz der Verben durch Verbpräfigierung diskutiert.

Abschließend folgen eine kurze Zusammenfassung und ein Fazit.

2 Präfixe und Verbpräfixe

Da es in der Sprachwissenschaft Unklarheiten bezüglich der Begriffsbestimmung des Präfixes gibt, wird in diesem Kapitel zunächst der Begriff Präfix als Basis für die vorliegende Hausarbeit erklärt. Danach folgt die Abhandlung des Themas der Verbpräfixe und ihre Abgrenzung.

2.1 Was sind Präfixe?

Das Präfix ist eine Unterkategorie der Affixe. Affix (lat.:affixum=angeheftet) ist ein Oberbegriff für alle Morpheme, die hinsichtlich ihrer Position am Lexem beschrieben werden. Zu den Affixen gehören beispielsweise die Suffixe, Präfixe, Zirkumfixe oder Infixe. Das Präfix steht immer vor dem Basismorphem, wodurch ein neues Wort gebildet werden kann. Sie sind gebundene grammatische Morpheme, die sich in der Regel mit lexikalischen freien Morphemen verbinden um neue Wörter zu bilden.[3] Sie verbinden sich mit Nomina und Adjektiven, vor allem aber mit Verben. Oft leiten sie auch wie Tabelle 1 zeigt, aus Nomen oder Adjektiven, Verben ab. Des Weiteren gibt es Präfixe auch in der Flexion wie beispielsweise ge - in ge-liebt.[4]

Tabelle 1 Zentrale Präfixe zur Ableitung deutscher Verben (vgl. ids-mannheim.de)[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Präfixe verändern nie die Kategorie der Wörter: Un-+ [Nomen Dank] à[Nomen Undank].[6] Bei Fleischer & Barz (1992) heißt es, dass Präfixe weder die Wortklasse verändern noch fixieren können. Fleischer & Barz (1992) bezeichnen die Präfixe somit als „kategorial unmarkiert“.

Laut Franz Simmler (1998), Eisenberg (2006), Fleischer & Barz (1992) et. al. wird die Präfixbildung zu Erweiterung des Verbbestandes wesentlich häufiger eingesetzt, wie die Suffigierung. Gemäß Kühnhold (1973) existiert fast zu jedem verbalen Simplex eine Präfixbildung.[7]

Fleischer & Barz (1992), Eisenberg (2006) und andere Autoren trennen zwei Gruppen von Präfixen zur Bildung neuer Verben:

- Präfixe ohne homonyme freie Morpheme, die sogenannten echten Präfixe wie be-, ent-, ver-, er-, zer-miss-. Sie sind nicht von der Verbbasis trennbar und sind unbetont.[8]

- Präfixe mit homonymen freien Morphemen, die sogenannten

Partikelpräfixe von denen durch-, über-, um-, unter-, sowohl trennbar wie auch untrennbar sind und ab-, an-, auf-, aus-, u.a, die stets trennbar sind. Die Partikelpräfixe ziehen außerdem den Akzent auf sich.[9]

Auf diese zwei Gruppen der Präfixe wird in Kapitel 2.2 eingegangen.

2.2 Verbpräfixe

Generell werden alle Präfixe die zur Präfigierung der Verben herbeiführen und nicht von der Morphembasis trennbar sind, als Verbpräfixe bezeichnet. Jedoch wird die Gruppe der Verbpräfixe ihrerseits nochmals in zwei weitere Gruppen unterteilt.

2.2.1 Das echte Verbpräfix

Zu denen von Fleischer & Barz (1992) und weiteren Autoren bezeichneten echten Verbpräfixe gehören wie schon erwähnt, die Präfixe ent-; be-; zer-; er - und ver-. Sie können aus Substantiven, Adjektiven und Verben neue Verben bilden. Zum Beispiel das Präfix

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Besondere an den echten Verbpräfixen ist, dass sie nicht syntaktisch trennbar sind. Das heißt, die Präfixe bleiben egal bei welcher Satzkonstruktion an ihrer Basis heften und verändern ihre Position nicht. Beispiel: Der Reisende entfaltet die Zeitung. *Die Zeitung faltet der Reisende ent. Des Weiteren sind die echten Verbpräfixe laut Eisenberg (2006) nicht morphologisch trennbar. Das heißt die Morpheme innerhalb eines Lexems sind nicht von der Basis trennbar. Zur Prosodie der Verbpräfixe kann gesagt werden, dass sie unbetont ausgesprochen werden z.B er’leiden; ent’mutigen oder zer’legen. Zuletzt besitzen die echten Präfixe keine freien Homonyme und sind nicht wortfähig.[10]

Zu den echten Verbpräfixen gehören auch die sogenannten Lehnpräfixe, also solche, die aus einer anderen Sprache ins Deutsche übernommen wurden. Sie verbinden sich hauptsächlich mit fremden Wortstämmen und verhalten sich weitgehend analog zu den einheimischen Verbpräfixen. De-; dis-; des - und ko-, sind ebenso betonungsneutral und weder syntaktisch noch morphologisch trennbar[11].

2.2.2 Doppelförmige Morpheme bzw. präpositionale Verbpräfixe

Zu den doppelförmigen Morphemen gehören: um-; über-; hinter-; unter - und durch -. Sie sind deshalb doppelförmig, da es von ihnen freie Homonyme gibt. Kennzeichnend für diese Gruppe ist, dass diese Morpheme sowohl als Verbpartikel als auch als Verbpräfixe auftreten können-. Als Verbpräfixe verhalten sie sich analog zu den echten Verbpräfixe und besitzen die gleichen Eigenschaften wie diese. Sie sind dann also unbetont (Einen Text übersetzen) nicht morphologisch und syntaktisch trennbar. Die doppelförmigen Morpheme, die als Verbpartikel auftreten, besitzen die gleichen Eigenschaften wie die Verbpartikel. Sie sind syntaktisch sowie morphologisch trennbar und betont (über den Fluss ü´bersetzen). In vielen Fällen tritt das selbe Verb in beiden Varianten auf. Zum Beispiel: Er wandert durch das Tal (Partikelverb) – Er durchwandert das Tal. (Präfixverb). Mit diesen doppelförmigen Verben können semantische Unterschiede verbunden sein wie beispielsweise eine Jacke únterziehen im Gegensatz zu sich einer Operation unterz í ehen.[12]

2.2.3 Restgruppe mit Einzelpräfixen

Laut Eisenberg (2006) gibt es eine Gruppe mit Präfixen unterschiedlicher Art die nicht eindeutig einzuordnen sind: miss-, voll-, wider- und wieder -.[13]

Das Präfix miss- stellt eine Ausnahme innerhalb der festen Verbpräfixen dar, da es sich nicht nur mit Verben, sondern auch mit Adjektiven und Substantiven verbinden kann. Laut Fleischer & Barz ist der Bestand an Verben mit miss- gering. Mater (1967) verzeichnet nur 20 Bildungen mit miss-, dabei drei Doppelpräfigierungen wie missbehagen, missgestalten und missverstehen. Miss- drückt meist eine Negation der durch die Basis bezeichneten Handlung aus. Gemäß Fleischer & Barz (1992) liegt bei den Verben missbrauchen, missfallen, misslingen und missraten keine Präfigierung vor, sondern eine Substitution des Präfixes ge-. Da die entsprechenden Basen wie beispielsweise -lingen (mhd. gedeihen) nicht mehr vorkommen oder die Präfixderivate idiomatisiert sind (gefallen, geraten).[14]

[...]


[1] vgl. www.duden.de

[2] vgl. Busch &Stenschke (2014) S.94-109

[3] vgl. Busch & Stenschke (2014) S.82

[4] vgl. http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/fragen.ansicht?v_id=3049

[5] vgl http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/fragen.ansicht?v_id=3049

[6] vgl. Römer (2006) S.32

[7] vgl. Kühnhold (1973) S.143

[8] vgl. Heuer (1977) S. 169

[9] vgl. Heuer (1977) S. 169

[10] vgl. Eisenberg (2006) S. 254-256

[11] vgl. Eisenberg (2006) S. 256

[12] vgl. Fleischer &Barz (1992) S. 342-343

[13] vgl. Eisenberg (2000) S. 256

[14] vgl. Fleischer &Barz (1992) S. 324

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Verbpräfigierung durch Verbpräfixe und Verbpartikel
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V413366
ISBN (eBook)
9783668644021
ISBN (Buch)
9783668644038
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verben, verbpräfigierung, germanisitk, wortbildung, wortbildung deutsch, präfix, verbpräfix, verbpartikel, partikel
Arbeit zitieren
Elisa Janser (Autor), 2017, Verbpräfigierung durch Verbpräfixe und Verbpartikel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413366

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Verbpräfigierung durch Verbpräfixe und Verbpartikel


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden