Laut dem Duden sind exakte Angaben über den Umfang des deutschen Wortschatzes unmöglich, da ständig neue Wörter mit Hilfe von Wortbildungsprozessen gebildet und aus anderen Sprachen entlehnt werden. Bei der Wortbildung werden auf verschiedene Weise Morpheme miteinander kombiniert oder verändert. Dabei wird zwischen den Wortbildungsverfahren Komposition, Derivation, Kurzwortbildung und Konversion unterschieden. Wohingegen die Komposition die Zusammensetzung zweier lexikalischer Morpheme bedeutet, werden bei der Derivation kurz gefasst an den freien lexikalischen Morphemen wie beispielsweise {schön}, meist grammatikalische gebundene Morpheme wie {-heit} angehängt. Ein weiterer Wortbildungsprozess ist die Kurzwortbildung. Hierbei wird ein Teil der jeweiligen Basis abgeschnitten. Beispielsweise Lokomotive wird zu Lok. Und bei der Konversion kann der Wortschatz erweitert werden ohne äußerlich etwas an der Wortbasis zu verändern. Wie beispielsweise treff- zu Treff. Wie deutlich geworden ist, gibt es eine Reihe an Wortbildungsverfahren und es gibt noch einige mehrere Arten der Wortschatzerweiterung, auf die aber im Rahmen dieser Arbeit nicht eingegangen werden.
Diese Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit dem Thema der Verbpräfigierung mit Hilfe von Verbpräfixen und Verbpartikel, welches ein Teilbereich des Wortbildungsverfahren der Derivation darstellt. Der erste Teil der Arbeit widmet sich der terminologischen Klärung von Präfixen, Verbpräfixen und Partikeln. Darauf aufbauend, werden im weiteren Verlauf die Unterschiede zwischen den oben genannten Begriffen herausgearbeitet sowie die Zuordnung dieser Derivationsmorpheme zu den Kategorien. Hierbei werden Fragestellungen wie zum Beispiel „Zählt das Verb fertigmachen zu den Partikelverben oder zu den Komposita? Kann überhaupt strikt unterschieden werden?“ analysiert. Im zweiten Teil werden die Funktionen der Verbpräfixe erläutert und Auswirkungen auf die Valenz der Verben durch Verbpräfigierung diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Präfixe und Verbpräfixe
2.1 Was sind Präfixe?
2.2 Verbpräfixe
2.2.1 Das echte Verbpräfix
2.2.2 Doppelförmige Morpheme bzw. präpositionale Verbpräfixe
2.2.3 Restgruppe mit Einzelpräfixen
2.3 Verbpartikel und ihre Abgrenzung
2.3.1 Präpositionale Verbpartikel
2.3.2 Partikelverben an der Grenze zur Syntax
3 Funktionen der Verbpräfixe
3.1.1 Zur morphologischen Funktion der Verbpräfixe
3.1.2 Zur syntaktischen Funktion der Verbpräfixe
3.1.3 Zur semantischer Funktion der Verbpräfixe
4 Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbpräfigierung im Deutschen, wobei der Fokus auf der terminologischen Abgrenzung zwischen Verbpräfixen und Verbpartikeln sowie der Analyse ihrer morphologischen, syntaktischen und semantischen Funktionen liegt.
- Grundlagen der Wortbildung und Definition von Präfixen
- Klassifizierung von echten Verbpräfixen und Verbpartikeln
- Abgrenzungsproblematik bei Partikelverben und Komposita
- Morphologische und syntaktische Modifikationen durch Präfigierung
- Semantische Auswirkungen und Änderungen der Aktionsarten
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Das echte Verbpräfix
Zu denen von Fleischer & Barz (1992) und weiteren Autoren bezeichneten echten Verbpräfixe gehören wie schon erwähnt, die Präfixe ent-; be-; zer-; er- und ver-. Sie können aus Substantiven, Adjektiven und Verben neue Verben bilden. Zum Beispiel das Präfix
be-+Nomen Pflanze→ bepflanzen
ent-+Adjektiv heilig→ entheiligen
ver-+Verb kriechen→verkriechen
Das Besondere an den echten Verbpräfixen ist, dass sie nicht syntaktisch trennbar sind. Das heißt, die Präfixe bleiben egal bei welcher Satzkonstruktion an ihrer Basis heften und verändern ihre Position nicht. Beispiel: Der Reisende entfaltet die Zeitung. *Die Zeitung faltet der Reisende ent. Des Weiteren sind die echten Verbpräfixe laut Eisenberg (2006) nicht morphologisch trennbar. Das heißt die Morpheme innerhalb eines Lexems sind nicht von der Basis trennbar. Zur Prosodie der Verbpräfixe kann gesagt werden, dass sie unbetont ausgesprochen werden z.B er’leiden; ent’mutigen oder zer’legen. Zuletzt besitzen die echten Präfixe keine freien Homonyme und sind nicht wortfähig.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die deutsche Wortbildung ein und erläutert die thematische Eingrenzung der Arbeit auf die Verbpräfigierung sowie die zugrunde liegenden Fragestellungen.
2 Präfixe und Verbpräfixe: Dieses Kapitel definiert Präfixe allgemein und unterteilt Verbpräfixe in echte Verbpräfixe, doppelförmige Morpheme sowie Restgruppen, während gleichzeitig eine Abgrenzung zu Verbpartikeln erfolgt.
3 Funktionen der Verbpräfixe: Der Abschnitt analysiert die morphologischen, syntaktischen und semantischen Funktionen der Präfigierung, insbesondere in Bezug auf Valenzänderungen und Aktionsarten.
4 Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Schwierigkeiten bei der eindeutigen Klassifizierung bestimmter Verbverbindungen.
Schlüsselwörter
Verbpräfigierung, Verbpräfixe, Verbpartikel, Wortbildung, Derivation, Valenz, Syntax, Morphologie, Semantik, Aktionsarten, Inkorporierung, Komposition, Präfix, Basisverb, Wortklasse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verbpräfigierung im Deutschen und untersucht, wie Verben durch Präfixe oder Partikel modifiziert werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die terminologische Klärung von Präfixen, die Abgrenzung von Verbpartikeln und die funktionale Analyse der Präfigierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede zwischen Verbpräfixen und Verbpartikeln herauszuarbeiten sowie die daraus resultierenden semantischen und syntaktischen Veränderungen bei Verben zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine linguistische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur (z.B. Eisenberg, Fleischer & Barz) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Definition und Kategorisierung von Präfixen) und eine funktionale Analyse (morphologische, syntaktische und semantische Auswirkungen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Verbpräfigierung, Verbpräfixe, Verbpartikel, Valenz, Aktionsarten und Wortbildung.
Wie unterscheiden sich Verbpräfixe von Verbpartikeln hinsichtlich der Betonung?
Verbpräfixe sind in der Regel unbetont, während Verbpartikel den Akzent auf sich ziehen.
Können Präfixe die Valenz eines Verbs verändern?
Ja, durch Präfigierung kann sowohl eine Valenzreduktion als auch eine Valenzerhöhung (z.B. Transitivierung) eintreten.
Warum ist die Zuordnung von Begriffen wie „fertigmachen“ problematisch?
Diese Verben verhalten sich zwar wie Partikelverben, werden jedoch aufgrund der Eigenständigkeit ihrer Bestandteile oft den Komposita zugeordnet, was die Klassifizierung uneindeutig macht.
- Citation du texte
- Elisa Janser (Auteur), 2017, Verbpräfigierung durch Verbpräfixe und Verbpartikel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413366