Wir alle begegnen dem Fremden oft zurückhaltend oder gar ängstlich. Doch macht uns das gleich fremdenfeindlich und können wir eventuell gar nichts dafür, weil es in unseren Genen verankert ist?
Diese Frage könnte aktuell nicht besser in den gesellschaftlichen Kontext passen: In Zeiten der Flüchtlingskrise werden die Diskussionen um die Integration von Flüchtlingen immer lauter und extremer, Menschen versammeln sich zu Organisationen wie „PEGIDA“ oder „LEGIDA“ und auch die Frage, ob sich unser Bildungssystem an diese neuen Umstände anpassen muss, wird debattiert. Auf Grund dessen soll im folgenden Essay diskutiert werden, ob Fremdenfeindlichkeit genetisch bedingt ist und warum es wichtig ist, dieses Thema auch in der Pädagogik zu berücksichtigen. Schon der Autor Wolfgang Klafki setzte sich in seiner didaktischen Analyse unter anderem damit auseinander, welchen Gegenwarts- und Zukunftsbezug der Stoff, der im Unterricht vermittelt werden soll, für Schülerinnen und Schüler haben kann. Daraus ergibt sich auch für uns als angehende Lehrkräfte die Frage, ob wir davon ausgehen können, dass die Angst vor etwas Fremdem beeinflussbar ist, oder durch genetische Vorprogrammierung sowieso nicht verhindert werden kann, denn gerade als Lehrer/in darf man nicht blind für die menschliche Natur sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Begriffsdefinitionen und Ursprung
2.2 Genetische versus soziale Determinierung
3. Analyse und Diskussion
3.1 Stammesgeschichtliche Vorprogrammierung
3.2 Kritik und differenzierte Betrachtung
4. Pädagogische Schlussfolgerungen
4.1 Bedeutung der Bildung
4.2 Verantwortung angehender Lehrkräfte
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zentrale Frage, ob Fremdenfeindlichkeit primär genetisch bedingt ist oder durch soziale Prozesse geformt wird. Dabei wird die pädagogische Relevanz beleuchtet, um angehenden Lehrkräften Handlungsmöglichkeiten zur Förderung von Toleranz aufzuzeigen.
- Genetische Dispositionen versus soziale Sozialisation
- Verhaltensbiologische Perspektiven auf das Fremdeln
- Bedeutung von Bildung bei der Prävention von Fremdenfeindlichkeit
- Die Rolle der Lehrkraft im Umgang mit gesellschaftlichen Vorurteilen
Auszug aus dem Buch
Die Frage nach der genetischen Bedingtheit
Eibl-Eibesfeldt geht zunächst davon aus, dass Vorprogrammierungen im Verhalten, also Anpassungen, die sich im Laufe der Stammesgeschichte entwickelten, existieren, welche bei der Verhaltensforschung im Tierreich nachgewiesen wurden und sich auch auf menschliches Verhalten übertragen lassen können. Der Mensch sei also eine stammesgeschichtlich vorprogrammierte Konstruktion, die von ererbten Programmen angetrieben und gesteuert wird. (vgl. EIBL-EIBESFELDT, 1976, S. 10) Als ultimativen Beweis dafür führt er die Fremdenablehnung in sogenannten primitiven Völkern an. (vgl. WÖHL, 1987, S. 10) Dies ist eine Schlussfolgerung, die dafür spricht, dass unser Verhalten und damit auch die Fremdenfeindlichkeit in unserer Stammesgeschichte durch Anpassung und deren Vererbung genetisch vorherbestimmt sein muss.
An diese Verbindung zum Verhalten von Tieren knüpft auch Thomas Wöhl an. Er beschreibt, dass eine bei Vogelarten beobachtete angeborene (aggressive) Reaktion auf Fremde besteht, die wir als Fremdenfeindlichkeit oder Fremdenfurcht auslegen können und die auch aus Beobachtungen beim Umgang von Säuglingen mit Fremden abgeleitet werden kann, da diese auf Kommunikationspartner desto abweisender reagiert haben, je unbekannter sie waren. (vgl. WÖHL, 1987, S. 9) Dies lässt sich somit als Argument dafür anbringen, dass in unserem angeborenen Verhalten schon eine gewisse Grundabneigung gegenüber unbekannten Kontaktpersonen besteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Aktualität von Fremdenfeindlichkeit und stellt die Forschungsfrage nach deren genetischer oder sozialer Genese.
2. Theoretischer Rahmen: Es werden grundlegende Begriffe definiert und die gegensätzlichen Theorien zur Entstehung von Fremdenfeindlichkeit gegenübergestellt.
3. Analyse und Diskussion: Die Argumente für eine genetische Vorprogrammierung werden kritisch geprüft und durch alternative verhaltensbiologische sowie soziale Erkenntnisse relativiert.
4. Pädagogische Schlussfolgerungen: Es wird die Notwendigkeit pädagogischen Handelns betont, um durch Bildung und bewusste Auseinandersetzung Toleranz zu fördern.
Schlüsselwörter
Fremdenfeindlichkeit, Genetik, Sozialisation, Pädagogik, Xenophobie, Stammesgeschichte, Bildung, Lehrkräfte, Toleranz, Sozialpsychologie, Verhalten, Angst, Integration, Diversität, Erziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch, ob Fremdenfeindlichkeit eine angeborene biologische Eigenschaft des Menschen ist oder ob sie primär durch soziale und gesellschaftliche Prozesse entsteht.
Welches ist das zentrale Thema?
Im Fokus steht die Debatte zwischen verhaltensbiologischen Theorien einer genetischen Vorprogrammierung und sozialkonstruktivistischen Ansätzen zur Entstehung von Vorurteilen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die pädagogische Bedeutung dieser Erkenntnisse herauszuarbeiten, um Lehrkräften Wege aufzuzeigen, wie sie Fremdenfeindlichkeit in der Schule präventiv entgegenwirken können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorinnen nutzen eine theoretische Diskursanalyse, indem sie verschiedene fachwissenschaftliche Positionen (Biologie, Psychologie, Erziehungswissenschaft) gegenüberstellen und evaluieren.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil befasst sich mit der Auseinandersetzung zwischen der These einer genetischen Verankerung (z.B. Eibl-Eibesfeldt) und den Gegenargumenten, die soziale Lernprozesse und die individuelle Umwelt hervorheben.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fremdenfeindlichkeit, Genetik, pädagogisches Handeln, Xenophobie, soziale Konstruktion und Toleranzförderung.
Welche Rolle spielt die "Fremdenfurcht" bei Säuglingen?
Die Arbeit zeigt auf, dass beobachtbares "Fremdeln" bei Säuglingen nicht zwangsläufig als Aggression, sondern oft als Erkundungsverhalten gedeutet werden kann, das nicht mit vorurteilsbehafteter Fremdenfeindlichkeit gleichzusetzen ist.
Warum ist die Arbeit für angehende Lehrkräfte besonders wichtig?
Sie vermittelt das Bewusstsein, dass Lehrkräfte durch das Schaffen einer angstfreien Atmosphäre und die Förderung von sozialen Kompetenzen aktiv dazu beitragen können, Vorurteile abzubauen und demokratische Werte zu festigen.
- Quote paper
- Anne Katzbach (Author), Dörte Wechsler (Author), 2016, Das Fremde in uns. Die Fremdenfeindlichkeit im pädagogischen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413429