Gibt es eine Hierarchie der Geschlechter? Die Rollen von Frauen und Männern in der Polizei


Ausarbeitung, 2018

11 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Hierarchie
2.1. Gender als hierarchisches System
2.2. Unterschiede zwischen den Geschlechtern
2.3. Entwicklung und Anpassung

3. Polizeirelevanz
3.1. Entwicklung von der Männerdominanz zum Anstieg der Frauenquote
3.2. Chancengleichheit auf qualitativer Ebene in der Polizei
3.2.1. Diskurs über Fähigkeiten und Eignung von Frauen
3.2.2. Der Gleichheitsansatz
3.2.3. Der Differenzansatz
3.2.4. Zusammenfassung

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis
5.1. Schriftliche Quellen
5.2. Internetquellen

1. Einleitung

Es ist offensichtlich, dass das Geschlecht eine ordnende Funktion hat. Man spricht deshalbhäufig auch vom Geschlecht als „Kategorie“. „Gegenstände oder Personen werden nach be-stimmten Kriterien unterschieden und (ein)geordnet, um den Individuen Orientierung zu er-möglichen.“1

Es wird hauptsächlich deshalb eine Unterscheidung zwischen Frauen und Männern vorgenommen, um eine Orientierung, Einordnung und Klassifizierung zu erhalten.2

In dieser Arbeit soll die Wahrnehmung von Mann und Frau in einem hierarchischen System, von der Vergangenheit bis heute dargestellt werden.

Das Ziel soll sein, eine für die heutige Zeit, passende Hierarchie zu finden und diese am Beispiel: Männer und Frauen in der heutigen Polizei zu verdeutlichen.

Die Frage nach der der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, ist heute wohl aktu-eller denn je. Dabei haben die Medien einen erheblichen Einfluss auf unsere Wahrnehmungund unser Handeln, sind wir ihnen doch täglich durch den Konsum von TV, Radio und demInternet ausgesetzt.

2. Die Hierarchie

2.1. Gender als hierarchisches System

„Dabei wird <<Gender>> als System oder als Organisationsprinzip des Machtverhältnisseszwischen den beiden Geschlechtsgruppen verstanden, da eine grundsätzliche Asymmetrie undeine Hierarchie zwischen den Gruppen besteht (Delphy 2001). Innerhalb dieses Systems, dassich durch das gesamte Sozialleben, alle Bereiche des sozialen Handelns, sowie die sozialeKlassenstruktur von Gesellschaften hindurch zieht, besetzen Männer und Frauen nicht nurunterschiedliche, sondern ungleiche Positionen: Es handelt sich somit um ein Machtsystem,welches die maskuline Dominanz in der Gesellschaft sichert (Bourdieu 1988/2005).“3

„Die Basis dieses Systems, ist die der geschlechtlichen Arbeitsteilung seit je her, wonachMännern der produktiven Teil und Frauen der reproduktive Teil des Arbeitens zugeschriebenwird.“4

2.2. Unterschiede zwischen den Geschlechtern

Grundlage ist die Naturalistische Idee, die besagt, dass sich das menschliche Verhalten aus dem biologischen Geschlecht ableitet und es somit die soziale Bestimmung des Mannes ist, Aufgaben in der Öffentlichkeit zu übernehmen.

Während es die Aufgabe der Männer ist, Ämter mit Macht, Einfluss und Prestige in Politik, Wirtschaft, Religion und Militär aktiv zu besetzen und auszufüllen, ist es den Frauen vorbehalten, die häuslichen Aufgaben in der Gesellschaft zu übernehmen.5

Es entsteht ein Familienmodell in dem Frauen die Kinder aufziehen und sich um Hilfebedürftige kümmern und somit als Dienstleister in der Gesellschaft anerkannt werden, während der Mann als ökonomischer Versorger innerhalb der Familie seinen Platz einnimmt. Es ist auch als patriarchalisches Ernährermodell bekannt.

2.3. Entwicklung und Anpassung

Dieses Modell wurde von der Frauenbewegung erfolgreich bekämpft und ein anderes Modell entgegengestellt, dass Vereinbarkeitsmodell.

Dieses Modell, welches mittlerweile in unserer Gesellschaft auf breite Akzeptanz stößt und Anwendung findet, basiert auf der Annahme, dass Familie und Beruf mit einander vereinbar sind. Mann und Frau gehen beide arbeiten, verdienen beide Geld und teilen sich die Arbeit innerhalb der Familie untereinander auf. Mann und Frau nehmen damit beide die Stellung als Versorger und Dienstleister zugleich ein.6

3. Polizeirelevanz

3.1. Entwicklung von der Männerdominanz zum Anstieg der Frauenquote

Das Berufsfeld Polizei wurde bis zur Aufnahme von Frauen in diesen Beruf maßgeblich durch Männer geprägt. Die Folge war eine Entwicklung, einer eigenen Kultur in diesem Feld.7

Im Folgenden wird beschrieben, wie die Integration und der Versuch der Gleichstellung indas Berufsfeld der Polizei Einzug erhält, ausgehend von einer einstigen Männerdomäne hin zueiner gewollten, politischen Gleichstellung der Geschlechter. Als Mittel zur Durchsetzungdienen dabei vor allem Gesetze, Verträge, Verordnungen, Beschlüsse und ähnliches. Diesespolitische Instrument findet auf internationaler, sowie nationaler, als auch auf Ebene der Län-der innerhalb der Bundesrepublik Deutschland Anwendung. So werden alle Mitgliedsstaatender Europäischen Union im Vertrag von Lissabon, durch den Artikel 2 Absatz 3 Satz 4, ausdem Jahre 2009 verpflichtet, die Gleichstellung beider Geschlechter zu fördern.8 Im Artikel 3des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, wird die Gleichberechtigung von Män-nern und Frauen seitens des Staates garantiert und eine Diskriminierung aufgrund des Ge-schlechts verboten.9 Auf Landesebene wurde 1994 das Sächsische Frauenförderungsgesetzverabschiedet, welches die Gleichberechtigung der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes imBezug auf den Leistungsgedanken zum Ziel hat.10

„Trotz aller Erfolge der Gleichstellungsbemühungen der vergangenen Jahrzehnte ist der Polizeidienst immer noch quantitativ wie qualitativ männlich geprägt.“11

Hintergrund ist die erst kurze Beteiligung der Frauen im der Polizeivollzugsdienst, umso be-merkenswerter ist es, das die Neueinstellungsqoute von Frauen im gehobenen Dienst bei fast 50 Prozent liegt. Während der Frauenanteil an der Polizeiführungsakademie vor rund 15 Jah-ren noch bei äußerst geringen 4 Prozent lag, ist er bis 2015 auf etwa 25 Prozent angestiegen.Betrachtet man allerdings Dienstposten mit Führungsfunktion, so ergibt sich noch immer ein Ungleichgewicht. Es ist einerseits gelungen deutlich mehr Frauen für den gehobenen und hö-heren Polizeivollzugsdienst zugewinnen, gleichzeitig verhält sich das Verhältnis von Frauen-quote zur höhe des Dienstranges, umgekehrt proportional.12 Es lässt sich somit eine Tendenzin Richtung der Gleichstellung der Geschlechter auf quantitativer Ebene verzeichnen, aller-dings mit deutlicher Diskrepanz in höheren Hierarchieebenen mit Führungsverantwortung undEntscheidungsgewalt.

3.2. Chancengleichheit auf qualitativer Ebene in der Polizei

3.2.1. Diskurs über Fähigkeiten und Eignung von Frauen

Mit dem immer größer wachsenden Anteil an Frauen im Polizeidienst, wird die Frage und dieDiskussion nach deren Fähigkeiten und der damit verbunden Eignung sowie Einsatzfähigkeitimmer präsenter. Dabei steht der Gleichheitsansatz dem Differenzansatz gegenüber. „DieseAnsätze hinterfragen den Zusammenhang zwischen Organisation und Geschlecht, wie sym-metrisch oder asymmetrisch dieser ist, sowie das Verhalten von Gleichheit und Differenz zu-einander.“ 13

3.2.2. Der Gleichheitsansatz

Der Gleichheitsansatz unterstellt allen Menschen die gleichen Fähigkeiten, Eigenschaften undpotentiale, Differenzen würden erst durch Hierarchien und die Gesellschaft konstruiert wer-den.14 Ausgehend von dieser Theorie, ist die Integration von Frauen in den polizeidienst ge-lungen, da diese mit denselben Voraussetzungen, dieselben Tätigkeiten wie ihre männlichenKollegen im Dienst ausüben und somit in allen Bereichen des Polizeidienstes einsetzbar sind.Die Akzeptanz im Dienst erfahren sie dabei nicht nur durch ihre Kollegen, sondern auch vonBürgerinnen und Bürgern.15

3.2.3. Der Differenzansatz

Beim Differenzansatz geht man davon aus, dass die Fähigkeiten und Eigenschaften von Frauen und Männern wesensverschieden sind.16 Diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern, werden im Feld der Polizei, welches männlich geprägt ist, zu Ungunsten der Frauen ausgelegt. Da sich nachweislich die körperlichen Merkmale von Frauen und Männern unterscheiden, werden den Geschlechtergruppen spezielle Aufgabenbereiche und Tätigkeiten im Polizeidienst zugewiesen. Frauen werden aufgrund ihrer körperlichen Fähigkeiten mit typischen weiblichen Aufgaben betraut. Hierzu zählt zum Beispiel das Überbringen von Todesnachrichten, das Vermitteln bei Familienstreitigkeiten oder die Anzeigenaufnahme von Sexualdelikten mit Beteiligung von Frauen, Kindern oder Jugendlichen.17

3.2.4. Zusammenfassung

Stellt man jetzt den Gleichheitsansatz dem Differenzansatz gegenüber, so muss man feststellen, dass letzterer noch immer einen größeren und verbreiteteren Teil im heutigen Polizeidienst einnimmt. Es stellt sich also auch weiterhin die Frage, ob Frauen ebenso gute Polizisten sein können wie Männer, während man bei Männern bis auf Ausnahmen davon ausgeht. Die Folge dessen ist, dass sich Frauen dem hohen Druck stellen und ihre Kompetenz unter Beweis stellen und sich somit an den Standards der männlichen Kollegen orientieren.18 Die Integration und Akzeptanz von Frauen im polizeilichen Dienst, kann somit bestenfalls als auf einem guten Weg beschrieben werden. Will man den Frauen einen adäquaten Berufs- und Karriereverlauf wie ihren männlichen Kollegen ermöglichen, so sollte die Chancengleichheit vor allem in den höheren Hierarchieebenen, mehr im Vordergrund stehen.

[...]


1 Rendtorff/ Moser 1999, S. 16.

2 Vgl. Rendtorff/ Moser 1999, S. 17.

3 Vuille, 2008, S.33.

4 Vuille, 2008, S.33.

5 Vgl. Vuille, 2008, S.34.

6 Vgl. Dschinblog, 2010, online.

7 Vgl. Kloweit-Herrmann, 2005, S.4.

8 Vgl. EU, 2009,online.

9 Vgl. Deutscher Bundestag, 2010 online.

10 Vgl. SächsFFG, 2013, online.

11 Ciesinger et al., 2015, S.3.

12 Vgl. Ciesinger u.a., 2015, S.3.

13 Schmidt/ Feltes, 2015, S.31.

14 Vgl. Wallner, 2005, S. 10 ff.

15 Vgl. Wilz, 2003, S. 195.

16 Vgl. Wallner, 2005, S. 10 ff.

17 Kloweit-Herrmann, 2005, S.47-51.

18 Schmidt/ Feltes, 2015, S.34-35.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Gibt es eine Hierarchie der Geschlechter? Die Rollen von Frauen und Männern in der Polizei
Note
2
Autor
Jahr
2018
Seiten
11
Katalognummer
V413448
ISBN (eBook)
9783668647763
ISBN (Buch)
9783668647770
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hierarchie, Geschlechter, Gleichberechtigung, Frauen in der Polizei, Polizei, Gender, Frauenquote, Lissaboner Vertag, Chancengleichheit, Frauen in Führungspositionen
Arbeit zitieren
Alexander Krönung (Autor), 2018, Gibt es eine Hierarchie der Geschlechter? Die Rollen von Frauen und Männern in der Polizei, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413448

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gibt es eine Hierarchie der Geschlechter? Die Rollen von Frauen und Männern in der Polizei



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden