Die Mehrperspektivität nach Dietrich Kurz und deren Umsetzung im Sportunterricht

Der Schlagwurf


Unterrichtsentwurf, 2018

19 Seiten, Note: 1,3

Gina M. (Autor)


Leseprobe

Inhalt

1. Hinführung zum Thema: Leistungssituationen in der Kindheit

2. Kurze Darstellung des fachdidaktischen Konzepts der Mehrperspektivität nach Dietrich Kurz

3. Darstellung der Sinnperspektive „Leistung“ und die Bedeutung für die Grundschule

4. Stundenentwurf „Wurfolympiade“ aus dem Handlungsfeld Laufen, Springen, Werfen für die 4. Jahrgangsstufe
4.1. Einordnung in die Unterrichtseinheit
4.2. Bedingungsanalyse
4.3. Sachanalyse
4.4. Lehrplanverankerung
4.5. Lernziele
4.6. Didaktisch-methodischer Kommentar
4.7. Erklärung der Stationen

5. Fazit

6. Literatur- und Internetverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Hinführung zum Thema: Leistungssituationen in der Kindheit

In der kindlichen Entwicklung zeigt sich sehr früh die Phase, in der sich Kinder mit ihren Spielkameraden oder mit ihren Eltern messen wollen. So wird um die Wette gelaufen, gesprungen oder Fahrrad gefahren. Hierbei wird bereits vereinbart, dass derjenige als Sieger gelten soll, der das ausgewählte Ziel zuerst erreicht und somit die bessere Leistung vollbracht hat. Aber auch Kinder, die zusammen mit dem Fahrrad in die Schule fahren, bemerken, dass manche besser, andere schlechter mithalten können. Diejenigen, die solche Wettrennen gewinnen oder schneller Fahrrad fahren, zeigen sich in solchen Situationen stolz und freudig. Die „Verlierer“ zeigen Scham, Enttäuschung und vielleicht auch Ehrgeiz, es nächstes Mal besser zu machen. Diese Beispiele verdeutlichen, dass Kinder bereits bei Eintritt in die Grundschule Erfahrungen mit unterschiedlichen Leistungssituationen gemacht haben. Darum ist es von großer Bedeutung diese Erfahrungen aufzugreifen und die Entwicklung des Bewusstseins für Leistung positiv zu unterstützen.

In den folgenden Ausführungen wird zunächst zum grundlegenden Verständnis auf das fachdidaktische Konzept der Mehrperspektivität nach Dietrich Kurz eingegangen. Im Anschluss wird die pädagogische Perspektive „Leistung erfahren und reflektieren“, die in dem Konzept der Mehrperspektivität zum Tragen kommt, näher erläutert, da diese den Ausgangspunkt für die im vierten Gliederungspunkt angeführte Unterrichtsstunde zum Thema „Wurfolympiade“ in der vierten Jahrgangsstufe darstellt.

2. Kurze Darstellung des fachdidaktischen Konzepts der Mehrperspektivität nach Dietrich Kurz

Nach Balz versteht man unter einem „fachdidaktischen Konzept […] einen durchdachten schriftlich ausformulierten Entwurf zur Gestaltung des Schulsports“[1], das Antworten auf die Frage nach dem Auftrag des Schulsports, seinen Zielen, den Vermittlungsansätzen und den Inhaltsbereichen liefert. Ähnlich wie in anderen Fächern, gibt es auch für den Fachbereich Sport eine Vielzahl unterschiedlicher didaktischer Konzepte. Das bekannteste und am weitesten verbreitete stellt das didaktische Konzept der Mehrperspektivität nach Dietrich Kurz dar. Es liefert die Grundlage für aktuelle Richtlinien und Lehrpläne in verschiedenen Bundesländern für das Fach Sport.

Die Mehrperspektivität nach Dietrich Kurz „fordert vom Sportlehrer, dass er die Gestaltung seines Sportunterrichts nicht alleine unter seine Perspektive des Sporttreibens stellt, dass er seinen Schülern vielmehr auch andere Perspektiven des Sporttreibens aufweist und erfahrbar macht.“[2] So kann Sport mit unterschiedlichen Sinnen belegt werden. In einem mehrperspektivistischen Sportunterricht sollen die Schülerinnen und Schüler daher dazu befähigt werden, sportliche Angebote auf Sinn zu prüfen. Laut Kurz stellt demnach das übergeordnete Ziel die Handlungsfähigkeit zum, im und durch den Sport dar, durch die die Schülerinnen und Schüler ganz bewusst entscheiden, welchem „Sport sie in ihrem Leben welchen Platz geben wollen.“[3] Die unterschiedlichen Perspektiven, die man nach Kurz beim sportlichen Handeln einnehmen kann, teilt er in sechs motivationspsychologisch begründete „Sinnebenen“ ein (s. Abb. 1). Dazu gehören die Perspektiven der Gesundheit, des Eindrucks, des Ausdrucks, der Wagnis, des Miteinanders und der Leistung. Allerdings wurde dabei kritisiert, dass Kurz mit seinen Perspektiven „die Schüler fremd [bestimmt] und die pädagogische Dimensionen [vernachlässigt].“[4] Dietrich Kurz reagierte auf diese Kritik mit sechs pädagogischen Perspektiven, welche neben der individuellen Bedeutung auch die pädagogische beachtet.[5] So unterteilt Kurz die Perspektiven in:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Das Leisten erfahren und reflektieren
- Gemeinsam handeln, wettkämpfen und sich verständigen
- Wahrnehmungsfähigkeit verbessern, Bewegungserfahrungen erweitern
- Sich körperlich ausdrücken, Bewegungen gestalten
- Die Fitness verbessern, Gesundheitsbewusstsein entwickeln
- Etwas wagen und verantworten.[6]

Über die Kritik an den Sinnperspektiven sportlicher Aktivität lässt sich insofern streiten, dass diese bereits vor der Neuformulierung in der Praxis pädagogische Bedeutung aufwiesen. Dürfen die Schülerinnen und Schüler beispielsweise unter der Sinnperspektive „Miteinander“ frei wählen, mit wem sie das sportliche Handeln ausführen wollen, schwingt in der kindlichen Äußerung „Ich will mit Tom!“ oder „Nicht mit dem!“ die pädagogische Perspektive gemein-sam handeln und sich verständigen mit.[7]

Im Folgenden soll sich auf die Perspektive Leistung bzw. Leistung erfahren und reflektieren konzentriert werden, da diese die Grundlage für die unten angeführte Stunde „Wurfolympiade“ im Bereich Laufen, Springen, Werfen darstellt.

3. Darstellung der Sinnperspektive „Leistung“ und die Bedeutung für die Grundschule

Bevor sich näher mit der Perspektive „Leistung“ auseinandergesetzt wird, ist es wichtig, zunächst den Begriff „Leistung“ zu definieren. Der Begriff Leistung steht im Bereich Sport für die körperliche Leistungsfähigkeit, die die Fähigkeit des Menschen bezeichnet, eine bestimmte Aufgabe in der höchst erreichbaren Belastungsstufe zu erfüllen.[8]

Die Perspektive Leistung nach Dietrich Kurz impliziert das Einschätzen, Nachvollziehen und Reflektieren eigener Leistung. Bevor dies jedoch erfolgen kann, muss die Leistung erfahren werden. Dies geschieht in erster Linie durch ausprobieren und an seine individuellen Grenzen gelangen. Leisten ist demnach eine sportmotorische Handlung, die Resultate zeigt und mit Bezugsnormen verglichen werden kann. Nur auf diese Weise entsteht ein Bewusstsein über die Leistung.[9]

Wohl keine andere Perspektive wird bei Schülerinnen und Schülern so sehr mit dem Sportunterricht verknüpft wie die der Leistung. Dies liegt in erster Linie daran, dass Sport und Leistung untrennbar miteinander in Verbindung stehen. „In den meisten sportlichen Situationen ist Leistung die zentrale Sinnrichtung, viele sportliche Situationen werden von dieser Perspektive dominiert.“[10] Kindern geht es dabei vor allem um Anerkennung und soziale Eingebundenheit. Zudem liegt es im kindlichen Trieb sich mit anderen zu messen und sich über Leistung auszudrücken.[11] Damit es hierbei nicht zu psychischen Belastungen bei weniger leistungsfähigen Kindern kommt, ist es die Aufgabe der Lehrkraft zunächst eine positive Leistungserziehung als Grundlage des Sportunterrichts zu schaffen. Dazu gehört, dass die Heranwachsenden erfahren, dass man seine eigene Leistung durch Üben und Trainieren verbessern kann. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln dabei Anstrengungsbereitschaft.[12] So ist es möglich, dass das „Selbstvertrauen auf nachhaltige Weise gestärkt und vielleicht auch eine Wirkung auf andere Lebensbereiche erzielt [wird].“[13] Allerdings können sich Erfahrungen des Nicht-Könnens auch negativ auf das Selbstkonzept auswirken und zu psychischen Belastungen führen. An dieser Stelle ist es besonders wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler einerseits lernen, sensibel miteinander umzugehen und andererseits erkennen, dass verschiedene Leistungsvoraussetzungen bei der Beurteilung von Leistungen beachtet werden müssen.[14]

Weiterhin ist es als Lehrkraft besonders wichtig, die Leistungsanforderungen anzupassen und auf individueller Ebene zu betrachten. So wird im Fach Sport bei der Leistungsbewertung der jeweilige Entwicklungsstand in Bezug auf die Lernziele, den Leistungswillen, die sozialen Verhaltungsweisen im Sport und den individuellen Fortschritt in der psychischen und physischen Entwicklung berücksichtigt. Darüber hinaus wird nur das zensiert, was ausreichend geübt wurde.[15]

Durch eine transparente Leistungsanforderung und Leistungsbewertung sowie eine positive Leistungserziehung lernen die Schülerinnen und Schüler zunehmend Erfolge und Misserfolge zu verarbeiten und die Zusammenhänge von Leistungsanforderungen, -voraussetzungen, -ergebnissen und –beurteilungen immer besser zu verstehen.[16] Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler.

Zu beachten ist jedoch, dass „bei allen Maßnahmen zur Leistungsermittlung und –bewertung [...] die Würde der Schülerin/ des Schülers zu achten und der Blick auf die Stärkung der Schülerpersönlichkeit zu richten [ist].“[17] Dies gestaltet Leistungssituationen im Schulsport als eine pädagogisch-verantwortungsvolle Aufgabe.

4. Stundenentwurf „Wurfolympiade“ aus dem Handlungsfeld Laufen, Springen, Werfen für die 4. Jahrgangsstufe

4.1. Einordnung in die Unterrichtseinheit

Die Unterrichtsstunde „Wurfolympiade“ soll als Einführungsstunde zum Thema „Werfen“ dienen, da die Schülerinnen und Schüler zunächst ihre Leistungsfähigkeit im Werfen testen und realistisch einschätzen sollen, damit sie in den darauffolgenden Unterrichtsstunden bereit sind, die korrekte Wurftechnik zu erlernen und anzuwenden.

1. Stunde / Einführungsstunde: „Wurfolympiade“
2. Stunde: Hinführung zum Schlagwurf
3. Stunde: Technik und Bewegungsmerkmale des Schlagwurfs
4. Stunde: Übungsformen zum Schlagwurf
5. Stunde: Vorbereitung auf die Bundesjugendspiele

4.2. Bedingungsanalyse

Bei der vierten Jahrgangsstufe handelt es sich um eine Klasse mit 25 Schülerinnen und Schülern. Der Anteil von Jungen und Mädchen ist relativ ausgeglichen (13 Mädchen, 12 Jungen). Die Freude am Sportunterricht ist bei allen Schülerinnen und Schülern sehr groß. Dies zeigt sich in der Aufgeschlossenheit und Motivation gegenüber dem Erlernen neuer Sportarten oder dem Ausprobieren neuer Spiele. In Bezug auf das Werfen wurde bereits bei der Behandlung von Ballsportarten beobachtet, dass die Schülerinnen und Schüler großen Spaß am Werfen, vor allem Weit- und Zielwerfen haben. Hierbei sind vor allem die Wurffähigkeiten der Mehrheit der Jungen positiv auffallend. Dies wird bei Spielen wie Völkerball verdeutlicht. Allerdings gibt es auch Jungen, die sich beim Werfen noch schwer tun. Dasselbe gilt für den Großteil der Mädchen der vierten Jahrgangsstufe. Bei ihnen sind deutliche Fehler in der Bewegungsausführung festzustellen, was eine geringere Weite beim Werfen zufolge hat.

Die Materialien, die für die Wurfolympiade notwendig sind, sind teilweise in der Turnhalle der Schule vorhanden, teilweise mussten sie von der Lehrkraft besorgt werden. Obwohl die Schülerinnen und Schüler im Auf- und Abbau der Materialien/ Geräte sehr geübt sind und weitgehend selbstständig erledigen, werden die Materialien pro Station in Kisten einsortiert. Dies erleichtert den Kindern den Auf- und Abbau und spart zudem Zeit.

Die Unterrichtsstunde findet in der Turnhalle statt, da die Wetterbedingungen im Frühjahr noch nicht konstant sind.

[...]


[1] Balz, Eckhart: Fachdidaktische Konzepte update oder woran soll sich der Schulsport orientieren?, in: sportpädagogik 1/2009, Wuppertal 2009 , S. 25.

[2] Horn, Axel: Bewegung und Sport – Eine Didaktik, Bad Heilbrunn 2009, S. 81.

[3] Kurz, Dietrich: Leibeserziehung und Schulsport in der Bundesrepublik Deutschland: Epochen einer Fachdidaktik, Bielefeld 1993. S. 57.

[4] Horn: Bewegung und Sport, S. 83.

[5] Vgl. Kurz: Sportpädagogisches Wissen: Was macht den Unterschied?, Hayn 2004, S. 67.

[6] Vgl. Ebd., S. 66f.

[7] Vgl. Krieger, Claus: Fachdidaktische Modelle, Hamburg 2014, S. 21.

[8] Vgl. Hollmann, Wildor, Hettinger, Theodor: Sportmedizin, 4. Aufl., Stuttgart/ New York 2000, S. 127.

[9] Vgl. Horn: Bewegung und Sport, S. 130 f.

[10] Dober, Rolf: Pädagogische Perspektiven im Sport – Das Leisten erfahren, verstehen und einschätzen, URL: http://www.sportunterricht.de/sek2/kursdober/perspektiven.html#a, zuletzt aufgerufen: 12.01.2018.

[11] Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München: Lehrplan PLUS, URL: http://www.lehrplanplus.bayern.de/fachprofil/grundschule/sport/3, zuletzt aufgerufen: 11.01.2018.

[12] Vgl. Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM): Unterrichtsentwicklung, URL: https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/faecher/sport/Handreichung_Sport_2013_12_05_Korrektur_2015_01_WEB.pdf, zuletzt aufgerufen: 11.01.2018.

[13] Kurz: Pädagogische Perspektiven für den Schulsport, in: Körpererziehung 50/2000, Vol. 50 (2), Gerlingen 2000, S. 38 f.

[14] Vgl. Ebd.

[15] Vgl. Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM): Unterrichtsentwicklung, zuletzt aufgerufen: 11.01.2018.

[16] Vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München: Lehrplan PLUS, zuletzt aufgerufen: 11.01.2018.

[17] Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM): Unterrichtsentwicklung, zuletzt aufgerufen: 12.01.2018.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Mehrperspektivität nach Dietrich Kurz und deren Umsetzung im Sportunterricht
Untertitel
Der Schlagwurf
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V413546
ISBN (eBook)
9783668645790
ISBN (Buch)
9783668645806
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mehrperspektivität, Fachdidaktik, Fachdidaktische Modelle Sport, Sport, Grundschullehramt, Laufen Springen Werfen, Schlagball, Technik, Grundschule
Arbeit zitieren
Gina M. (Autor), 2018, Die Mehrperspektivität nach Dietrich Kurz und deren Umsetzung im Sportunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413546

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