Abzugsfähigkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer im deutschen Steuerrecht

Problemfall gemischt genutzte Arbeitszimmer


Projektarbeit, 2017
36 Seiten, Note: 1,9

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Abzugsverbot der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer
2.1 Häusliches Arbeitszimmer
2.1.1 Räumliche, funktionale Kriterien
2.1.2 Abgrenzung zur häuslichen Betriebsstätte
2.1.3 Abgrenzung zu den Kosten der privaten Lebensführung
2.2 Einbindung in die häusliche Sphäre
2.3 Betriebliche/berufliche Nutzung

3 Ausnahmen vom Abzugsverbot
3.1 Mittelpunkt der gesamten betrieblichen/beruflichen Betätigung
3.1.1 Eine Erwerbstätigkeit
3.1.2 Mehrere Erwerbstätigkeiten
3.2 Alleiniger Arbeitsplatz

4 Ermittlung des abzugsfähigen Aufwandes
4.1 Arbeitszimmeraufwendungen und Aufwand für Arbeitsmittel
4.2 Aufteilungsmaßstäbe
4.2.1 Unterschiedliche Einkünfte
4.2.2 Unterjährige Nutzungsänderung
4.2.3 Nutzung durch mehrere Steuerpflichtige

5 Problemfall des gemischt genutzten Arbeitszimmers
5.1 Entscheidungen der Gerichte gegen eine anteilige Absetzbarkeit
5.2 Entscheidungen der Gerichte für eine anteilige Absetzbarkeit
5.3 Der Beschluss des Großen Senates vom 27.07.2015, GrS 1/14
5.4 Kritik am Verfahren des Großen Senates
5.5 Mögliche Lösungsvorschläge für die Begründung der Nichtabziehbarkeit von Aufwendungen für ein gemischt genutztes Arbeitszimmer

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Rechtsprechungsverzeichnis

9 Verzeichnis der Verwaltungsanweisungen

10 Rechtsquellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Von zuhause aus arbeiten wird immer beliebter. Familie, Freizeit und Job können flexibel koordiniert werden, es kann außerhalb der gewöhnlichen Bürozeiten gearbeitet werden und die moderne Kommunikationstechnik macht es möglich. Daher stellt sich immer mehr Steuerpflichtigen die Frage, ob sie die Kosten für ihren eingerichteten Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden bei der Steuer geltend machen können. Allein in 2016 waren 15 Fälle vor dem BFH, in denen es um das Thema Arbeitszimmer ging.

Der Schwerpunkt der Arbeit ist das häusliche Arbeitszimmer gem. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG. Da die Vorschrift, neben der Auswirkung auf die Gewinneinkünfte, über § 9 Abs. 5 EStG auch Auswirkung auf die Überschusseinkünfte und aufgrund § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG ebenso Folgen auf die Ermittlung der Sonderausgaben im Bereich der Berufsausbildungskosten hat, wird im Folgenden nicht zwischen Betriebsausgaben, Werbungskosten oder Sonderausgaben unterschieden. Der Einfachheit halber wird in der Arbeit stellvertretend der Begriff der Betriebsausgaben verwendet.

Die Arbeit soll aufzeigen unter welchen Voraussetzungen ein häusliches Arbeitszimmer vorliegt und unter welchen Bedingungen Aufwendungen geltend gemacht werden können. Auch wird der Problemfall des gemischt genutzten häuslichen Arbeitszimmers unter Berücksichtigung des Wegfalls des allgemeinen Aufteilungsverbotes für gemischt veranlasste Aufwendungen aufgezeigt. Es werden die unterschiedlichen Umgänge der Finanzgerichte mit diesem Thema dargelegt und schlussendlich wird auf die Entscheidung des Großen Senates vom 27.07.2015 eingegangen. Dabei soll die Frage geklärt werden, ob die Begründung des Großen Senates für eine Nichtabziehbarkeit gemischt veranlasster Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer stimmig ist.

2 Abzugsverbot der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer

Vor 1996 konnten Aufwendungen, die für ein häusliches Arbeitszimmer angefallen waren, unter den damals geltenden Voraussetzungen dem Grunde nach vollständig geltend gemacht werden.[1] Mit dem Jahressteuergesetz 1996 nahm der Gesetzgeber durch § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG erstmals den Grundsatz des Abzugsverbotes für Aufwendungen eines häuslichen Arbeitszimmers in das Einkommensteuergesetz auf.[2] Das Abzugsverbot wurde 1999 auf seine Verfassungsmäßigkeit überprüft. Ergebnis der Prüfung war, dass das Verbot verfassungsrechtlich unbedenklich ist.[3] Dieser Grundsatz gilt bis heute.

Die Norm hat nicht nur Einfluss auf die Gewinnermittlung, sondern über § 9 Abs. 5 EStG i. V. m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG auch auf die Ermittlung des Überschusses der Einnahmen über die Werbungskosten, sowie die Einkommensermittlung im Bereich der Sonderausgaben gem. § 10 Abs. 1 Nr. 7 Satz 4 EStG i. V. m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG.[4]

2.1 Häusliches Arbeitszimmer

Aus dem Gesetz ergibt sich keine Definition des Begriffes „häusliches Arbeitszimmer“. Die Rechtsprechung zeigt jedoch auf, dass es sich um einen Raum handelt, „… der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder –organisatorischer Arbeiten dient“.[5] Die Voraussetzung der (nahezu) ausschließlichen Nutzung zu betrieblichen/beruflichen Zwecken war zwar schon seither Bestand vieler Urteile, wurde jedoch erst 2015 durch den Großen Senat bestätigt.[6]

2.1.1 Räumliche, funktionale Kriterien

Bei einem häuslichen Arbeitszimmer muss es sich um einen, vom Rest der Wohnung oder des Wohnhauses abgegrenzten, Raum handeln. Das Zimmer muss für sich eine geschlossene Einheit bilden.[7]

Keine ausreichende räumliche Trennung liegt bei einem durch ein Regal getrennten Raum vor.[8] Auch ein durch ein Sideboard abgetrennter Arbeitsbereich stellt kein häusliches Arbeitszimmer im Sinne des EStG dar.[9] Dasselbe gilt für Räume, welche nur an drei Seiten mit Wänden abgegrenzt und zur vierten Seite hin offen sind,[10] oder für sich im Wohn-/Schlafbereich befindliche Arbeitsecken.[11]

Zuungunsten des Steuerpflichtigen entschied der BFH im Falle einer offenen Galerie, die eindeutig ausschließlich beruflich genutzt war. Die Galerie befand sich in einem Bereich, der etwa 3m über dem offenen Wohn-/Essbereich des Steuerpflichtigen lag. Zu erreichen war sie nur über eine sich nicht im Wohnzimmer befindliche Treppe. Jedoch bildete die Galerie zusammen mit dem eindeutig privat genutzten Wohn-/Essbereich für den BFH eine räumliche Einheit. Der Abzug der anteiligen Aufwendungen für die Galerie wurde versagt.[12]

Gleich erging es einem Steuerpflichtigen, der die Aufwendungen für seinen Arbeitsbereich auf einer Empore geltend machen wollte. Die Empore war von zwei Seiten mit Wänden, auf einer Seite mit einem Holz-Einbauregal und von der vierten Seite mit einem Geländer zzgl. Treppe umgeben. Eine solche Abgrenzung reicht nicht aus, um den Arbeitsbereich vom Wohnzimmer, das wiederrum eindeutig zum privaten Wohnbereich des Steuerpflichtigen gehört, zu trennen.[13]

Aus der Rechtsprechung lässt sich erkennen, dass es sich um feste Abtrennungen wie Wänden, Decken, Türen und Fenstern handeln muss,[14] da eine räumliche Trennung von dem privaten Wohnbereich des Steuerpflichtigen ansonsten nicht klar gegeben ist. Liegen mehrere Arbeitszimmer vor, sind die Voraussetzungen für jedes einzeln zu prüfen. Die Ausnahme besteht darin, wenn die Zimmer eine funktionale Einheit bilden. Dies ist lediglich bei identisch genutzten Räumen der Fall.[15]

Typische Ausstattung für ein Arbeitszimmer ist ein PC, ein Bürostuhl, ein Schreibtisch und Regale, wobei der Schreibtisch mit Zubehör den Mittelpunkt des Büros bilden sollte. Da die notwendige Ausstattung und Funktion des Arbeitszimmers von Berufsbild zu Berufsbild unterschiedlich ausfallen kann, muss jedoch nach dem Gesamtbild der Verhältnisse im Einzelfall entschieden werden.[16] So kann auch die Existenz einer Liege im Arbeitszimmer unschädlich sein, wenn der Steuerpflichtige, im Urteil ein Richter, ebenso im Liegen seiner Tätigkeit nachgehen kann.[17] Die Literatur ist der Auffassung, dass Dekorationsgegenstände, die das Zimmer freundlicher gestalten sollen, keinen Rückschluss auf eine private Mitbenutzung des Zimmers zulassen.[18] Der BFH merkte jedoch in mehreren Urteilen an, dass „bürofremde“ Gegenstände wie Jagdtrophäen und -waffen[19], Musikinstrumente[20] und Sofas[21] als Indizien für die private Mitbenutzung gewertet werden können. Gleichwohl erwähnte er, dass die Ausstattungsvoraussetzung des Arbeitszimmers durch einen solchen Gegenstand nicht unbedingt gefährdet sein muss.

Das Verhältnis zwischen Größe des Arbeitszimmers, Größe des Restwohnraums und Größe der Familie zzgl. des Steuerpflichtigen spielt ebenfalls eine nicht unbedeutende Rolle. Damit eine private Mitbenutzung des Arbeitszimmers ausgeschlossen werden kann, muss der Familie genügend Restwohnraum zur Verfügung stehen.[22] Für die Größe des Arbeitszimmers im Allgemeinen gibt es jedoch keine Begrenzung nach oben.

Nicht zu beanstanden ist daher ein 35 m² großes Arbeitszimmer in einem 155 m² Einfamilienhaus, welches von einer dreiköpfigen Familie bewohnt wird. Der Familie bleibt in den restlichen 120 m² genügend freier Raum zum Wohnen.[23] Ebenso ist bei einem Verhältnis zwischen einem 16 m² großem Arbeitszimmer, einer 70m² großer Wohnung und einem kinderlosen Ehepaar keine private Mitbenutzung des Arbeitszimmers zu vermuten.[24]

Bei alleinstehenden Steuerpflichtigen, die sich in einer Zweizimmerwohnung ein Arbeitszimmer eingerichtet haben, kommt es für die Beurteilung darauf an, ob sich das Arbeitszimmer im größeren oder kleineren Raum befindet. So entschied der BFH, dass ein 12 m² großes Arbeitszimmer in einer 42 m² Wohnung nicht zu beanstanden ist.[25] Den Abzug für ein 30 m² großes Arbeitszimmer in einer 48 m² großen Zweizimmerwohnung ließ das FG Rheinland-Pfalz jedoch nicht zu.[26]

Der Raum muss jedoch groß genug sein, um ihn funktional als Arbeitszimmer nutzen zu können. So wies der BFH in einem Urteil vom 27.08.2002 darauf hin, dass in einem 5,5 m² großen Arbeitszimmer kaum eine Möglichkeit besteht einen geeigneten Schreibtisch unterzubringen.[27]

2.1.2 Abgrenzung zur häuslichen Betriebsstätte

Die Rechtsprechung grenzt den Begriff des häuslichen Arbeitszimmers von dem der häuslichen Betriebsstätte ab. Die Begriffe sind zwar nicht gegensätzlich zu verstehen, schließen sich jedoch gegenseitig aus. Ausschlaggebend können die Beschäftigung von Angestellten, der Publikumsverkehr sowie die Einrichtung des Raumes sein. Zu entscheiden ist wiederrum nach den Umständen im Einzelfall. Dient der Raum nicht der „Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder –organisatorischer Arbeiten“, weil er beispielweise als Lagerraum, Ausstellungsraum oder Betriebsraum genutzt wird, fällt er nicht unter den Typus „häusliches Arbeitszimmer“. Andererseits kann jedoch ein Archivraum ein häusliches Arbeitszimmer sein. Voraussetzung hierfür ist, dass in ihm Unterlagen gelagert werden, welche für die „Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder –organisatorischer Arbeiten“ benötigt werden.[28]

Beschäftigt der Steuerpflichtige Arbeitnehmer und haben diese ungehinderten Zugang zum Arbeitszimmer ist zu unterscheiden, ob es sich um Familien-/Haushaltsangehörige oder fremde Dritte handelt. Bei der Beschäftigung von fremden Dritten tritt die Einbindung des Zimmers in die häusliche Sphäre hinter die der betrieblichen Sphäre zurück. Es handelt sich nicht mehr um ein häusliches Arbeitszimmer, sondern um einen Betriebsraum.[29] Wird z. B. der Ehegatte als Angestellter beschäftigt ist dies nicht der Fall.[30]

Unterliegt der beruflich genutzte Raum dauerhaftem und intensivem Publikumsverkehr, wie Kundenberatungsgesprächen, Gesprächen mit Mitarbeitern oder der Behandlung von Patienten, handelt es sich regelmäßig nicht um ein häusliches Arbeitszimmer. In einem Beschluss vom 05.12.2005 legte der BFH fest, dass es sich um eine Vielzahl von Besuchern handeln muss. Jedoch sollte die Frage unter Berücksichtigung der Umstände im Einzelfall bewertet werden.[31] Betritt einmal wöchentlich ein fremder Dritter das Arbeitszimmer ist dies allerdings unschädlich.[32]

Ebenfalls für eine häusliche Betriebsstätte spricht, wenn der Raum für den Publikumsverkehr durch einen separaten, von der privaten Wohnsphäre des Steuerpflichtigen getrennten, Eingangsbereich zu erreichen ist.[33]

Ist der beruflich genutzte Raum zwar in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden, verfügt aber über eine „bürountypische“ Ausstattung wie technische Anlagen oder Behandlungsliegen, liegt grundsätzlich eine häusliche Betriebsstätte vor. Regelmäßig keine häuslichen Arbeitszimmer sind daher ärztliche Notfallpraxen[34], häusliche Tonstudios[35], Werkstätten oder ausschließlich als Warenlager genutzte Räume.[36]

Handelt es sich bei dem Raum nicht um ein häusliches Arbeitszimmer, sondern um eine häusliche Betriebsstätte oder um einen Lagerraum, fallen die Aufwendungen nicht unter das grundsätzliche Abzugsverbot des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG. Sie können nach den allgemeinen Regeln des § 4 Abs. 4 EStG geltend gemacht werden.[37]

2.1.3 Abgrenzung zu den Kosten der privaten Lebensführung

Kosten der privaten Lebensführung, wie z. B. Aufwendungen für das private Wohnen gem. § 12 Nr. 1 EStG dürfen weder bei der Gewinn-/Überschussermittlung noch bei der Einkommensermittlung in Abzug gebracht werden. Da häusliche Arbeitszimmer in die private Wohnsphäre des Steuerpflichtigen eingebunden sind, ist eine Unterscheidung oft schwierig. Nach Rechtsprechung des Großen Senats führt eine nicht nur unerhebliche private Mitbenutzung des Arbeitszimmers zu einem gänzlichen Abzugsverbot.[38] Was eine nicht nur unerhebliche private Mitbenutzung ist, ist gesetzlich nicht geklärt. Lt. Verwaltung liegt diese Privatnutzung von untergeordneter Bedeutung jedoch vor, wenn sie unter 10 % der Gesamtnutzung des Raumes beträgt.[39] Indizien für eine Privatnutzung, welche nicht nur von untergeordneter Bedeutung ist, können unter anderem die Trennung vom restlichen Wohnbereich, die Größe des restlichen Wohnbereichs und die Ausstattung des Raumes sein.[40]

Handelt es sich bei dem Arbeitszimmer um ein Durchgangszimmer, so wird es trotz der Erfüllung aller räumlicher und funktionaler Kriterien nur anerkannt, wenn die nicht nur untergeordnete private Mitbenutzung ausgeschlossen ist. Man unterscheidet zwischen „richtigen“ Durchgangszimmern und solchen, die keine „richtigen“ sind. Um ein „richtiges“ Durchgangszimmer handelt es sich grundsätzlich dann, wenn der Raum durchquert werden muss, damit ein anderes privat genutztes Zimmer erreicht werden kann und dieser Weg der einzig mögliche ist. Beispielweise muss die Familie, um zur einzigen Toilette oder zur einzigen Küche zu gelangen, durch das Arbeitszimmer gehen. In solchen Fällen ist die private Mitbenutzung des Arbeitszimmers grundsätzlich nicht mehr nur von untergeordneter Bedeutung und der Durchgang ist für die Anerkennung als häusliches Arbeitszimmer schädlich.[41] Da die räumlichen Begebenheiten von Wohnung zu Wohnung oder von Haus zu Haus unterschiedlich sind entscheidet sich die Frage aber auch oft im Einzelfall. So entschied der BFH am 19.08.1988, dass das Durchqueren des Arbeitszimmers, um in das Schlafzimmer des kinderlosen Ehepaars zu gelangen, nicht schädlich ist, da dieses erfahrungsgemäß tagsüber nicht betreten wird.[42]

2.2 Einbindung in die häusliche Sphäre

Die Einbindung des Arbeitszimmers in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen ist ein wichtiges Merkmal, da es die sachliche Rechtfertigung des Abzugsverbots begründet. Als in die häusliche Sphäre eingebunden gilt ein Raum grundsätzlich dann, wenn er zur privaten Wohnung/Wohnhaus zzgl. Zubehörräumen wie Keller, Speicher und Abstellräume des Steuerpflichtigen gehört. Es wird nicht zwischen Eigentum und Mietverhältnis unterschieden. Eine direkte räumliche Verbindung mit dem privat genutzten Wohnbereich ist jedoch nicht immer notwendig. Die räumliche Nähe kann ausreichen. Trotz Bestehens einer räumlichen Nähe, kann es sich jedoch auch um ein außerhäusliches Arbeitszimmer handeln.[43] Zu entscheiden ist wiederrum nach den Umständen des Einzelfalls, wobei der BFH einem Muster folgt. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Ein- und Mehrfamilienhäusern. Die häusliche Sphäre bezieht sich bei Einfamilienhäusern grundsätzlich auf die gesamte Immobilie.[44] Arbeitszimmer im Dachgeschoss[45], im Keller[46] und sogar in einem Anbau mit eigenem Eingang, der vom Garten aus erreicht werden kann,[47] gelten somit als häuslich.

Im Gegensatz hierzu bezieht sich bei Mehrfamilienhäusern die häusliche Sphäre nicht auf das gesamte Gebäude. Liegen beruflich genutzte Räume in einem Mehrfamilienhaus nicht innerhalb der bewohnten Wohnung gelten sie zunächst als außerhäuslich da, um in den als Arbeitszimmer genutzten Raum zu kommen, Bereiche betreten werden müssen, die auch von fremden Dritten ungehindert genutzt werden können.[48] So sind in einem Mehrfamilienhaus ein Keller mit getrenntem Mietvertrag[49] oder eine in einem anderen Stockwerk separat angemietete Wohnung[50] grundsätzlich als außerhäuslich anzusehen. Besondere Umstände, welche auf eine Zusammengehörigkeit mit dem privat bewohnten Bereich schließen lassen, bilden die Ausnahme. Diese Zusammengehörigkeit besteht zum einen bei Zubehörräumen, ohne gesonderten Mietvertrag[51] und zum anderen bei einer direkten räumlichen Nähe zwischen Arbeitszimmer und privat genutzter Wohnung.[52] Diese direkte räumliche Nähe ist beispielsweise gegeben, wenn sich die private Wohnung und die als Arbeitszimmer genutzte zusätzlich angemietete Wohnung auf der gleichen Etage befinden.[53] Wird ein Zweifamilienhaus lediglich von einer Familie bewohnt zählt es in diesem Muster zu den Einfamilienhäusern. So entschied der BHF, dass eine sich im Obergeschoss eines Zweifamilienhauses befindliche, als Arbeitszimmer genutzte, Wohnung als häuslich gilt.[54]

Gilt das Arbeitszimmer unter den genannten Voraussetzungen als außerhäuslich, fällt es nicht unter das generelle Abzugsverbot des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG. Der Steuerpflichtige hat grundsätzlich das Recht seine Aufwendungen für ein außerhäusliches Arbeitszimmer nach den Grundsätzen des § 4 Abs. 4 EStG geltend zu machen.

2.3 Betriebliche/berufliche Nutzung

Spätestens seit dem Beschluss des Großen Senates vom 27.07.2015 steht fest, dass das häusliche Arbeitszimmer (fast) ausschließlich für beruflich und/oder betrieblich Tätigkeiten genutzt werden darf. D. h. die Tätigkeit muss der Erzielung von steuerpflichtigen Einnahmen dienen[55] oder im Hinblick auf die Zukunft auf diese gerichtet sein.[56] Es ist jedoch nicht zwingend notwendig, dass die aus der Tätigkeit resultierenden Einnahmen im gleichen Veranlagungszeitraum entstehen wie die Aufwendungen für das Arbeitszimmer. Wenn die restlichen Voraussetzungen des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG erfüllt sind, reicht ein Veranlassungszusammenhang aus. So müssen kurzfristige Arbeitslosigkeit oder ein vorübergehender Erziehungsurlaub keine Gründe dafür sein, sein häusliches Arbeitszimmer nicht ansetzen zu können.[57] Als berufliche/betriebliche Tätigkeit gilt auch die Vorbereitung auf einen Beruf in Form einer Berufsausbildung.[58]

3 Ausnahmen vom Abzugsverbot

Seit der Aufnahme des grundsätzlichen Abzugsverbots in das Einkommensteuergesetz gibt es auch Ausnahmen von diesem Verbot. Damals wurde der Abzug in zwei Ausnahmefällen, die in Satz 2 geregelt waren, auf 2.400 DM beschränkt. Die erste Ausnahme bildete der Fall, in welchem dem Steuerpflichtigen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stand. Auf den zweiten Ausnahmefall konnte sich ein Steuerpflichtiger berufen, dessen gesamte betriebliche/berufliche Tätigkeit zu mehr als 50% im Arbeitszimmer stattfanden. Eine unbeschränkte Abzugsfähigkeit nach Satz 3 stand nur noch den Steuerpflichtigen zu, deren Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit im Arbeitszimmer lag.[59]

Die Abzugsbeschränkung wurde, wie auch das Abzugsverbot in 1999, auf ihre Verfassungsmäßigkeit überprüft. Da das Abzugsverbot verfassungsrechtlich unbedenklich war, wurde auch die Beschränkung als verfassungsrechtlich unbedenklich eingestuft.[60]

Mit dem Jahressteueränderungsgesetz von 2007 wollte der Gesetzgeber die beschränkte Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer abschaffen. Es sollte lediglich einen vollen Abzug geben oder keinen.

Auch diese Fassung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG, die zum 01.01.2007 in Kraft trat, wurde auf seine Verfassungsmäßigkeit geprüft. Das Bundesverfassungsgericht stellte die Verfassungswidrigkeit der geänderten Norm fest und entschied, es müsse rückwirkend auf den 01.01.2007 eine verfassungskonforme Änderung der Vorschrift vorgenommen werden.[61]

Die rückwirkende Änderung nahm der Gesetzgeber im Jahressteueränderungsgesetz 2010 auf. Dies ist die Fassung, wie wir sie heute kennen. Der einzige Unterschied zur ehemaligen Fassung von 1996 ist, dass der beschränkte Abzug nach Satz 2 nur noch für die Ausnahme gilt, wenn dem Steuerpflichtigen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Die Abzugsbeschränkung ist auf einen Höchstbetrag von 1.250 € (damals 2.400 DM) begrenzt.[62] Der unbeschränkte Abzug steht immer noch nur den Steuerpflichtigen zu, deren Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit im Arbeitszimmer liegt. Sollen die Aufwendungen als Sonderausgaben im Rahmen der eigenen Berufsausbildung geltend gemacht werden, ist der unbeschränkte Abzug nur bis zu dem in § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG genannten Höchstbetrag von 6.000 € möglich.

[...]


[1] Vgl. Eismann (2013), S. 117.

[2] Vgl. Wied (2017), § 4 EStG, Rz. 831.

[3] Vgl. Paul (2017), § 4 EStG, Rz. 1490.

[4] Vgl. Ossola-Haring (2017), S. 8.

[5] BFH-Urteil vom 19.09.2002, VI R 70/01, BStBl II 2003, S. 139.

[6] Vgl. BFH 27.07.2015, GrS - 1/14, BStBl. II 2016, S. 265.

[7] Vgl. Ossola-Haring (2017), S. 12.

[8] Vgl. BFH-Urteil vom 17.02.2016, X R 32/11, BStBl. II 2016, S. 708.

[9] Vgl. BFH-Urteil vom 22.03.2016, VIII R 10/12, BStBl. II 2016, S. 881.

[10] Vgl. BFH-Urteil vom 19.05.1995, VI R 3/95, FBH/NV 1995, S. 880.

[11] Vgl. FG Rheinland-Pfalz vom 23.05.1989, 2 k 81/88, EFG 1990, S. 171.

[12] Vgl. BFH-Urteil vom 06.12.1991, VI R 101/87, BStBl. II 1992, S. 304.

[13] Vgl. BFH-Urteil vom 06.02.1992, IV R 85/90, BStBl. II 1992, S. 528.

[14] Vgl. Ossola-Haring (2017), S. 12.

[15] Vgl. Paul (2017), § 4 EStG, Rz. 1510.

[16] Vgl. Paul (2017), § 4 EStG, Rz. 1511.

[17] Vgl. BFH-Urteil vom 28.09.1990, VI R 111/87, BFH/NV 1991, S. 298.

[18] Vgl. Paul (2017), § 4 EStG, Rz. 1513.

[19] Vgl. BHF-Urteil vom 18.03.1988, VI R 49/85, BFH/NV 1988, S. 556.

[20] Vgl. BFH-Urteil vom 21.10.1988, VI R 18/86, BStBl. II 1989, S. 356.

[21] Vgl. BFH-Urteil vom 08.11.1956, IV 309/55 U, BStBl. III 1957, S. 56.

[22] Vgl. Paul (2017), § 4 EStG, Rz. 1513.

[23] Vgl. BFH-Urteil vom 26.04.1985, VI R 68/82, BStBl. II 1985, S.467.

[24] Vgl. BFH-Urteil vom 30.03.1989, IV R 45/87, BStBl. II 1989, S. 509.

[25] Vgl. BFH-Urteil vom 10.04.1987, VI R 94/86, BStBl. II 1987, S. 500.

[26] Vgl. FG Rheinland-Pfalz vom 24.05.1995, 1 K 1812/93, EFG 1995, S. 1002.

[27] Vgl. BFH-Urteil vom 27.08.2002, VI R 54, 55/98, BFH/NV 2003, S. 150.

[28] Vgl. Schneider (2016), S. 15.

[29] Vgl. BFH-Urteil vom 09.11.2006, IV R 2/06, BFH/NV 2007, S. 677.

[30] Vgl. BFH-Urteil vom 27.08.2002, XI B 9/02, BFH/NV 2003, S. 151.

[31] Vgl. BFH-Urteil vom 05.12.2005, XI B 100-102/05, BFH/NV 2006, S. 721.

[32] Vgl. BFH-Urteil vom 20.06.2012, IX R 56/10, BFH/NV 2012, S. 1776.

[33] Vgl. BFH-Urteil vom 20.11.2003, IV R 3/02, BStBl. II 2005, S. 203.

[34] Vgl. BFH-Urteil vom 05.12.2002, IV R 7/01, BStBl. II 2003, S. 463.

[35] Vgl. BFH-Urteil vom 28.03.2003, IV R 53/01, BStBl. II 2004, S. 55.

[36] Vgl. BFH-Urteil vom 19.03.2003, VI R 40/01, BFH/NV 2003, S. 1163.

[37] Vgl. Ossola-Haring (2017), S. 32.

[38] Vgl. BFH 27.07.2015, GrS - 1/14, BStBl. II 2016, S. 265.

[39] Vgl. BMF-Schreiben vom 02.03.2011, IV C 6 - S 2145/07/10002, BStBl. I 2011, S. 195.

[40] Vgl. Paul (2017), § 4 EStG, Rz. 1513.

[41] Vgl. Ossola-Haring (2017), S. 14.

[42] Vgl. BFH-Urteil vom 19.08.1988, VI R 69/85, BStBl. II 1988, S. 1000.

[43] Vgl. Paul (2017), § 4 EStG, Rz. 1512.

[44] Vgl. Leidel/Wobst (2012), S. 2367.

[45] Vgl. BFH-Urteil vom 26.02.2003, VI R 156/01, BStBl. II 2003, S. 75.

[46] Vgl. BHF-Urteil vom 19.09.2002, VI R 70/01, BStBl. II 2003, S. 139.

[47] Vgl. BHF-Urteil vom 13.11.2002, VI R 164/00, BStBl. II 2003, S. 350.

[48] Vgl. Wied (2017), § 4 EStG, Rz. 839.

[49] Vgl. BFH-Urteil vom 26.02.2003, VI R 160/99, BStBl. II 2003, S. 515.

[50] Vgl. BFH-Urteil vom 18.08.2005, VI R 39/04, BStBl. II 2006, S. 428.

[51] Vgl. BFH-Urteil vom 26.02.2003, VI R 130/01, BStBl. II 2004, S. 74.

[52] Vgl. Leidel/Wobst (2012), S. 2367.

[53] Vgl. BFH-Urteil vom 26.02.2003, VI R 124/01, BStBl. II 2004, S. 69.

[54] Vgl. BFH-Urteil vom 15.01.2013, VIII R 7/10, BStBl. II 2013, S. 374.

[55] Vgl. Wied (2017), § 4 EStG, Rz. 832.

[56] Vgl. Ramisch (1996), Rz. 15.

[57] Vgl. Wied (2017), § 4 EStG, Rz. 833.

[58] Vgl. Ramisch (1996), Rz. 14.

[59] Vgl. Wied (2017), § 4 EStG, Rz. 831.

[60] Vgl. Paul (2017), § 4 EStG, Rz. 1490.

[61] Vgl. Eigenstetter/Knupfer/Peemöller (2017), S. 2.

[62] Vgl. Wied (2017), § 4 EStG, Rz. 837.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Abzugsfähigkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer im deutschen Steuerrecht
Untertitel
Problemfall gemischt genutzte Arbeitszimmer
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen
Note
1,9
Autor
Jahr
2017
Seiten
36
Katalognummer
V413638
ISBN (eBook)
9783668648753
ISBN (Buch)
9783668648760
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
abzugsfähigkeit, aufwendungen, arbeitszimmer, steuerrecht, problemfall, gemischt genutzte arbeitszimmer, abzugsfähigkeit arbeitszimmer, arbeitszimmer einkommensteuer, § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG, häusliches arbeitszimmer
Arbeit zitieren
Maike Miller (Autor), 2017, Abzugsfähigkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer im deutschen Steuerrecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413638

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Abzugsfähigkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer im deutschen Steuerrecht


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden