1. Einleitung
Betrachtet man die ökonomischen Prozesse der letzten 15 Jahre, dann stößt man als zentrales Merkmal immer wieder auf die Öffnung von Märkten, über nationale Grenzen hinweg. Die Globalisierung wirtschaftlichen Handelns wird in der Ökonomie zumeist als ein wohlfahrtssteigernder Prozess gesehen, der mehr Wettbewerb und die günstigere Allokation internationaler Ressourcen nach sich zieht. Öffnen sich nationale Märkte, dann stehen vormals marktbeherrschende Unternehmen oft unter einem stärkeren Wettbewerbsdruck, da sie sich nicht selten gegen neue starke Konkurrenten verteidigen müssen. Daraus folgt jedoch, dass in den vergangenen Jahren Unternehmen zunehmend versuchen den mittels Internationalisierung gewonnenen Wettbewerbsdruck durch einen verstärkten Drang zu wettbewerbsbeschränkenden Maßnahmen einzudämmen. Entsprechend lässt sich beispielsweise seit Mitte der 90er Jahre eine empirische Tendenz zu einer Erhöhung von Marktanteilen durch internationale Fusionen beobachten. Dabei ist auffällig, dass es verstärkt zu Megafusionen von Unternehmen ähnlicher Größenordnung und ähnlicher Produktpalette kommt. Neben der gestiegenen Zahl an Fusionen, weitet sich seitdem auch die Anzahl und Bedeutung internationaler Preissetzungs- und Exportkartelle aus, wobei allein in den 90er Jahren, 40 besonders schwere Fälle nachgewiesen werden konnten. Hinzu kommen strategische Allianzen und Forschungs- und Entwicklungskooperationen, die je nach wettbewerbsdogmatischer Betrachtungsweise den Innovationswettbewerb einschränken und die zukünftige Bildung weitergehender, wettbewerbsgefährdender Abkommen induzieren.
In diesem Kontext steigt auch die Notwendigkeit nationaler Wettbewerbsordnungen an. In den vergangenen 20 Jahren verdoppelte sich die Zahl der Länder, die über ein Gesetz zum Schutze des Wettbewerbs verfügen, auf fast 80. Problematisch sind in diesem Zusammenhang jedoch Effizienzverluste, die sich aus den unterschiedlichen Wettbe-werbsordnungen und der Tatsache ergeben, dass die Reichweite von Wettbewerbsbeschränkungen in der zunehmend globalisierten Welt, über die Reichweite einzelner Jurisdiktion immer hä ufiger hinausgeht. In diesem Sinne ist die Frage mit der sich diese Arbeit in der Folge beschäftigt, ob eine einheitliche Weltwettbewerbsordnung angestrebt werden sollte oder ob die nationalen Wettbewerbsordnungen in einem Wettbewerb der Wettbewerbsrechte so konditioniert werden können, dass [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wettbewerb auf dem Markt der Wettbewerbsordnungen
2.1 Probleme der Bereitstellung des Gutes „Wettbewerbsschutz“ als Clubgut
2.2 Funktionsfähigkeit alternativer Wettbewerbsformen
2.2.1 Mögliche Formen von Systemwettbewerb der Wettbewerbsrechte
2.2.2 Kritische Analyse
2.3 Evolution der Wettbewerbsnormen
2.4 Allokative Effizienzgewinne
2.5 Abschließende Beuteilung der Wettbewerbsfähigkeit von Wettbewerbsrechten
3. Ökonomische Probleme bei der Bereitstellung des Gutes Wettbewerbsschutz
3.1 Externalitäten und Spill-Over Effekte
3.2 Transaktionskosten und Skaleneffekte
3.3 Rent Seeking- und Prinzipal-Agent-Probleme
3.4 Fazit
4. Lösungsansätze durch ökonomische Gestaltungsvarianten
4.1 Auswirkungsprinzip und Inländerkonzept
4.2 Kooperationsstrategie und der Ansatz des ICN
4.3 Internationale Wettbewerbsregeln im Mehrebenensystem
5. Schlussfazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die ökonomische Problematik des Wettbewerbs zwischen nationalen Wettbewerbsordnungen in einer globalisierten Welt. Im Zentrum steht die zentrale Forschungsfrage, ob eine einheitliche Weltwettbewerbsordnung angestrebt werden sollte oder ob nationale Wettbewerbsrechte in einem Systemwettbewerb so konditioniert werden können, dass sie wohlfahrtsfördernd wirken.
- Systemwettbewerb staatlicher Ordnungsysteme
- Wettbewerbsschutz als öffentliches bzw. Clubgut
- Ökonomische Analyse von Transaktionskosten und Externalitäten
- Ansätze wie das Auswirkungsprinzip und internationale Kooperationen (ICN)
- Perspektiven eines Mehrebenensystems für Wettbewerbsregeln
Auszug aus dem Buch
2.1 Probleme der Bereitstellung des Gutes „Wettbewerbsschutz“ als Clubgut
Signifikant für die Funktionsfähigkeit auf Märkten ist zunächst die ökonomische Einordnung des angebotenen Gutes. Bei dem Gut „Wettbewerbsschutz“ besteht keinerlei Rivalität im Konsum, da die Bereitstellung des Wettbewerbs für mehr oder weniger Wirtschaftssubjekte nur vernachlässigbar höhere Transaktionskosten bei der verwaltungstechnischen Bereitstellung verursacht. Zudem ist die Vertragsfreiheit ein Grundmerkmal der Wettbewerbspolitik, welches bedingt, dass die Marktpartner sich untereinander frei wählen können. Damit entfällt die reale Möglichkeit des Ausschlusses, womit festgestellt werden kann, dass es sich beim Schutz des Wettbewerbs um ein internationales Kollektivgut handelt.
Insbesondere problematisch ist die fehlende Ausschlussmöglichkeit, da es unter diesen Umständen wirtschaftstheoretisch nicht möglich ist, das Gut in Form eines Clubgutes am Markt anzubieten und gleichzeitig eine optimale Allokation zu erreichen. Die Bereitstellung als nationalstaatliches Clubgut, als second-best-Lösung, führt daher insbesondere deshalb zu Problemen, da diskriminierende Formen des Wettbewerbsschutzes somit möglich werden, die starke Externalitäten nach sich ziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Herausforderungen der Globalisierung für den Wettbewerb und die Notwendigkeit, nationale Wettbewerbsordnungen in einem internationalen Kontext zu hinterfragen.
2. Wettbewerb auf dem Markt der Wettbewerbsordnungen: Analysiert theoretische Ansätze zur Funktionsfähigkeit von Systemwettbewerb und diskutiert die Herausforderungen bei der Umsetzung von Wettbewerbsrechten.
3. Ökonomische Probleme bei der Bereitstellung des Gutes Wettbewerbsschutz: Untersucht Marktversagen durch Externalitäten, Transaktionskosten und Anreizprobleme in der staatlichen Bereitstellung von Wettbewerbsregeln.
4. Lösungsansätze durch ökonomische Gestaltungsvarianten: Erörtert konkrete institutionelle Ansätze wie das Auswirkungsprinzip, internationale Kooperationen und Mehrebenensysteme als Alternativen zu reiner Zentralisierung.
5. Schlussfazit: Fasst zusammen, dass eine rein dezentrale Lösung zu Wohlfahrtsverlusten führt, aber der optimale Weg in einer Kombination aus internationaler Kooperation und konsistenter Kompetenzverteilung gesucht werden muss.
Schlüsselwörter
Wettbewerbspolitik, Systemwettbewerb, Wettbewerbsrecht, Globalisierung, Öffentliche Güter, Transaktionskosten, Externalitäten, Wohlfahrtsökonomie, Mehrebenensystem, Auswirkungsprinzip, International Competition Network, Kartellrecht, Marktversagen, Standortwettbewerb, Ordnungspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Herausforderungen, die durch die Globalisierung für den Schutz des Wettbewerbs entstehen, und bewertet, ob nationale Wettbewerbsordnungen in einem Systemwettbewerb bestehen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die ökonomische Einordnung von Wettbewerbsschutz als Gut, die Problematik von Transaktionskosten bei unterschiedlichen Rechtsordnungen sowie verschiedene institutionelle Lösungsansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob eine globale Vereinheitlichung der Wettbewerbsregeln notwendig ist oder ob nationale Systeme durch Wettbewerb effizienter gestaltet werden können, ohne Wohlfahrtsverluste zu provozieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine ordnungsökonomische Analyse, die mit spieltheoretischen Modellen und Theorien des Föderalismus arbeitet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung des Systemwettbewerbs, die Analyse ökonomischer Probleme wie Externalitäten und Transaktionskosten sowie die Diskussion konkreter Gestaltungsvarianten wie das ICN oder Mehrebenensysteme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Systemwettbewerb, Wettbewerbsrecht, Wohlfahrtsökonomie, Transaktionskosten und das Auswirkungsprinzip.
Warum wird das Gut Wettbewerbsschutz als "Clubgut" diskutiert?
Der Autor diskutiert dies, da eine Bereitstellung als nationales Gut aufgrund fehlender Ausschlussmöglichkeiten und extremer Externalitäten ökonomische Schwierigkeiten bereitet, die den Anforderungen an eine effiziente Allokation oft nicht gerecht werden.
Welche Rolle spielt das ICN in den Überlegungen des Autors?
Das ICN (International Competition Network) wird als Netzwerkansatz für freiwillige Kooperation zwischen Behörden beschrieben, das kurzfristig die Abstimmung bei internationalen Fusionen verbessern kann, jedoch keine eigene Regelungskompetenz besitzt.
Was besagt die Kritik am „Race to the Bottom“ im Kontext dieser Arbeit?
Der Autor warnt davor, dass ein freier Wettbewerb der Wettbewerbsrechte dazu führen könnte, dass Länder ihre Standards senken, um Unternehmen anzulocken, was in einem ineffizienten deregulierten Gleichgewicht münden würde.
- Quote paper
- Marc Bataille (Author), 2005, Wettbewerb der Wettbewerbsrechte - Systemwettbewerb unter Wettbewerbsordnungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41383