Es ist eine Herausforderung für autistische Menschen, in einer Gesellschaft wie dieser alleine zurechtzukommen und überhaupt Teil dieser werden zu können. Schließlich erfahren sie aufgrund ihrer Andersartigkeit und ihren vielen Beeinträchtigungen oft Ablehnungen, Misstrauen oder Ausgrenzungen, weil viele Menschen unsicher im Umgang mit Autisten sind oder ihnen einfach das notwendige Wissen fehlt.
Jedoch sollte Inklusion schon in Kindergärten anfangen. Denn je früher die Kinder zusammenkommen, umso eher kann sich ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln. Durch ein Verstärken des Gefühls von Zugehörigkeit statt Ausgrenzung würde im Laufe der Zeit eine Behinderung für viele wahrscheinlich auch als normal angesehen werden. Berührungsängste könnten genommen und Vorurteile und damit Barrieren abgebaut werden. Doch stellt sich bei der Diagnose Autismus zunächst die Frage, welche Rahmenbedingungen für eine Inklusion geschaffen werden müssen. Kinder mit Autismus zeigen häufig kaum Interesse an engen Sozialbeziehungen, gemeinsamen Interaktionen sowie einer Kommunikation. Manchmal reagieren sie sogar ängstlich und aggressiv auf die Anwesenheit fremder Personen.
Jedoch könnte die möglichst frühzeitige Einbindung in eine Gruppe unter fachkundiger Begleitung dazu beitragen, die besonderen Fähigkeiten zu erkennen und zu fördern sowie Folgen der Behinderung abzumildern oder sogar zu beseitigen. Dies erfordert jedoch viel Geduld und führt auch nicht immer zu der gewünschten Verbesserung der besonderen Verhaltensweisen. Daher bestehen heute in der praktischen Umsetzung der Inklusion von Kindern mit Autismus noch erhebliche Vorurteile. Denn für sie sind nicht nur allein bauliche Veränderungen notwendig. Vielmehr sind bestimmte Rahmenbedingungen notwendig, auf die ich im Folgenden in dieser Hausarbeit genauer eingehen möchte.
Inhaltsverzeichnis
1 Autismus
1.1 Definition
1.2 Frühkindlicher Autismus als eine Erscheinungsform des Autismus
1.2.1 Mögliche Ursachen des frühkindlichen Autismus
1.2.2 Charakteristische Merkmale des frühkindlichen Autismus
1.2.2.1 Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion
1.2.2.2 Auffälligkeiten in der Kommunikation
1.2.2.3 Stereotypes und repetitives Verhalten
1.2.2.4 Auffälligkeiten der auditiven und visuellen Wahrnehmung
1.2.2.5 Komorbide Störungen
2 Förderliche Rahmenbedingungen für Kinder mit frühkindlichem Autismus
2.1.1 Personelle Rahmenbedingungen
2.1.2 Räumliche Rahmenbedingungen
2.1.3 Zeitliche Rahmenbedingungen
3 Chancen für Kinder mit frühkindlichem Autismus
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, welche spezifischen personellen, räumlichen und zeitlichen Rahmenbedingungen in Regeleinrichtungen geschaffen werden müssen, um eine gelungene Inklusion und eine bedürfnisorientierte Förderung von Kindern mit frühkindlichem Autismus im Alter von 4 bis 6 Jahren zu ermöglichen.
- Grundlagen des frühkindlichen Autismus (Symptomatik und Ursachen)
- Herausforderungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation
- Notwendige pädagogische Haltung und personelle Anforderungen
- Bedeutung von Struktur und reizarmer Gestaltung der Umgebung
- Chancen der Inklusion für betroffene und nicht-betroffene Kinder
Auszug aus dem Buch
1.2.2.1 Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion
Alle Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen haben insbesondere Schwierigkeiten mit sozialer Interaktion. Diese können bei jedem Betroffenen sehr unterschiedlich ausfallen. So kann man schon bei einigen Säuglingen bestimmte untypische Verhaltensmuster bemerken. Die Reaktionen auf Annährungsversuche, Berührungen oder Blickkontakte sind bei diesen selten angemessen. Sie werden entweder falsch wahrgenommen oder gar nicht erst zugelassen. Grund dafür ist meist eine sensorische Überempfindlichkeit oder die Angst vor dem Fremden. Daher bevorzugen sie eher die ruhigeren Bereiche und ziehen sich in diese zurück.
Einigen Kindern mit Autismus fehlt auch das Interesse an anderen Personen. Zudem ist die Fähigkeit sich am Verhalten anderer Kinder zu orientieren nicht vorhanden. Dadurch erlernen sie bestimmte Bewegungsmuster erst langsam, wie z.B. die Sprache oder Motorik. Demzufolge können sie sich auch Menschen gegenüber oft nicht verständlich machen bzw. sich nicht richtig ausdrücken, weder verbal noch nonverbal.
Im Gegensatz dazu setzen sie sich aber intensiv mit der dinglichen Welt auseinander und zeigen großes Interesse an Gegenständen. Dabei vergessen oder ignorieren sie manchmal die Menschen um sie herum.
Das Desinteresse an anderen Personen wird bei einigen im Verlauf der Entwicklung auch immer deutlicher, indem sie sich von diesen abkapseln und sich am liebsten alleine beschäftigen. Es gibt kaum Bemühungen ihrerseits Kontakt zu anderen aufzunehmen. Sie sind zudem nicht in der Lage sich in die Gefühlslage anderer Menschen hineinzuversetzen und auf diese entsprechend zu reagieren. „Daher wirken sie auf ihre Umwelt meist kühl und emotionslos“, wobei sie intensive Gefühle besitzen. (vgl. Schuster, 2013, S.17) Jedoch wissen sie nicht, wie sie mit diesen richtig umgehen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Autismus: Dieses Kapitel definiert den Begriff Autismus, beleuchtet historische Hintergründe und beschreibt die verschiedenen Erscheinungsformen sowie die spezifischen Auffälligkeiten im frühkindlichen Stadium.
2 Förderliche Rahmenbedingungen für Kinder mit frühkindlichem Autismus: Dieser Abschnitt analysiert notwendige personelle, räumliche und zeitliche Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um eine inklusive Betreuung in Regeleinrichtungen erfolgreich zu gestalten.
3 Chancen für Kinder mit frühkindlichem Autismus: Hier werden die positiven Potenziale der frühen Integration hervorgehoben, sowohl für die Entwicklung der autistischen Kinder als auch für das soziale Lernen der gesamten Gruppe.
4 Zusammenfassung: Das letzte Kapitel resümiert die Notwendigkeit professioneller Unterstützung und flexibler Konzepte, um Teilhabe in der Gesellschaft zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Frühkindlicher Autismus, Inklusion, Regeleinrichtung, Kanner-Syndrom, soziale Interaktion, Kommunikation, Stereotypien, Rahmenbedingungen, Pädagogische Fachkräfte, Frühförderung, Frühkindliche Entwicklung, Verhaltensauffälligkeiten, Sensorik, Reizarme Umgebung, Teilhabe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Inklusion von Kindern mit frühkindlichem Autismus im Kindergartenalter und die dafür notwendigen organisatorischen und pädagogischen Rahmenbedingungen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die medizinisch-psychologischen Grundlagen des frühkindlichen Autismus sowie die praktische Ausgestaltung des Kindergartenalltags für diese Kinder.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit stellt die Frage, welche personellen, räumlichen und zeitlichen Rahmenbedingungen in Regeleinrichtungen geschaffen werden müssen, um den Bedürfnissen von 4- bis 6-jährigen Kindern mit frühkindlichem Autismus gerecht zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis aktueller Fachliteratur und theoretischer Grundlagen Konzepte für die pädagogische Praxis ableitet.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Beschreibung der autistischen Symptomatik (Interaktion, Kommunikation, Wahrnehmung) und die Konkretisierung der Anforderungen an das Personal und die räumlich-zeitliche Struktur.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Frühkindlicher Autismus, Inklusion, Regeleinrichtung, Förderung und Bedürfnisorientierung.
Warum ist eine reizarme Umgebung für diese Kinder so wichtig?
Aufgrund von Wahrnehmungsstörungen und Überempfindlichkeiten reagieren betroffene Kinder oft mit Stress oder Angst auf eine überladene Umgebung, weshalb Rückzugsorte und Struktur essentiell sind.
Welche Rolle spielt das Personal bei der Integration?
Das Personal benötigt neben Fachwissen über das Störungsbild vor allem Einfühlungsvermögen, Geduld und eine offene Haltung, um Vertrauen aufzubauen und individuelle Förderung zu gewährleisten.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2017, Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, um den Bedürfnissen von Kindern mit frühkindlichem Autismus im Alter von 4-6 Jahren gerecht zu werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414009