Methodik in den Bildungsseminaren der DRK Freiwilligendienste. Verbesserungsvorschläge für die Methodenumsetzung anhand des Beispiels der Einsatzstellenreflexion


Praktikumsbericht / -arbeit, 2018
16 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Praktikumseinrichtung
2.1 DRK Freiwilligendienste
2.2 Tätigkeitsfelder

3. Methode
3.1 Einsatzstellenreflexion
3.2 Analyse der Methodenumsetzung
3.3 Verbesserungsvorschläge

4. Persönliche Reflexion

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

In der vorliegenden Praxisreflexion wird meine Tätigkeit als pädagogische Honorarkraft (Teamer[1] ) beim Deutschen Roten Kreuz[2] im Bereich der Freiwilligendienste dargestellt. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Auseinandersetzung meiner dortigen Praxiserfahrung bzgl. der Thematik des Methodenbewusstseins und den damit einhergehenden möglichen Defiziten meiner Methodenumsetzung.

Im Laufe meines Studiums konnte ich bereits diverse pädagogische Erfahrungen sammeln. Mein Eignungspraktikum absolvierte ich an einer Förderschule (Schwerpunkt Lernen), wodurch ich mit einer weiteren Einrichtung im Förderbereich in Kontakt kam, an welcher ich drei Jahre tätig war. Dabei handelte es sich um eine Offene Ganztagsschule, deren SchülerInnen diverse Förderbedarfe, sowohl psychisch als auch physisch, aufwiesen. Meine Motivation für sowohl das Praktikum als auch die berufliche Tätigkeit gründete sich einerseits auf dem Interesse der Inklusionsthematik. Andererseits auf „dem Blick über den Tellerrand“. Es ist mir wichtig, während meines Studiums – neben der grundlegenden Theorie – einen weit gefächerten Blick auf das Feld der „Institution Schule“ als auch auf den Bereich des „Lernens“ zu bekommen. Dazu trägt auch meine Wahrnehmung der Ausbildung der SchülerInnen bei. Diese scheint größtenteils nur auf Funktionalität und „die möglichst nahtlose Einpassung Jugendlicher in ein gewöhnlich fremdbestimmtes Arbeitsleben“ (Weiß 2014: 120) ausgelegt zu sein.

Hintergrund meines Interesses in dem Bereich der Freiwilligendienste auf Bildungsseminaren tätig zu sein war und ist die Arbeit mit jungen Erwachsenen losgelöst vom Kontext „Schule“. Für mich eröffnen sich dadurch neue Erfahrungen und Erkenntnisse – z.B. über die Thematik des Lernens. Die neuen Erfahrungen beziehen sich z.B. auf die Gruppendynamik in einem neuen Kontext.

Die neuen Erkenntnisse bzgl. der Thematik des Lernens erwarb ich durch die Anwendung von Reflexionsmethoden. Während „Lernen“[3]. im Kontext Schule vor allem als Wissenserwerb aufgefasst wird, liegt der Schwerpunkt von Reflexionsmethoden auf dem „Lernen […], welches Verhalten signifikant beeinflußt“ (Kroeger 1989: 18; Siebert 2006: 15). Ich konnte mir einen Eindruck von der Bereicherung für die Freiwilligen durch diese Art des Lernens verschaffen. Die Auswirkungen, die dieses „Selbst-Entdecken“ (Kroeger 1989: 18) auf die Freiwilligen hatte, machten mir jedoch auch die Signifikanz der adäquaten Anwendung dieser Methoden bewusst.

Als Teamer stehen mir sowohl ein großer Methodenkatalog als auch ein Austausch mit pädagogisch qualifizierten Vorgesetzten bzw. Kollegen zur Verfügung. Diese Vielfalt an Angebot und Möglichkeiten zeigte mir während meiner Tätigkeit ein – anfangs unscheinbares – Problem auf: Da es bzgl. der Methodenumsetzung keine strikte bzw. allgemeingültige Regelung gab, oblag die Entscheidung über die Umsetzung bei dem einzelnen Teamer. Diese Freiheit und Ungenauigkeit könnte meiner Meinung nach zu Defiziten in der Umsetzung führen. Diese Annahme führte mich zu der folgenden Auseinandersetzung.

In der vorliegenden Praxisreflexion befasse ich mich mit meiner Methodenumsetzung anhand des Beispiels der Reflexionsmethode „Wegemännchen“. Ziel der Praxisreflexion soll die Benennung möglicher Verbesserungsvorschläge für meinen Methodenumgang sein, welche ich zukünftig in meiner Anwendung von Reflexionsmethoden bewusst betrachten und miteinbeziehen kann.

Zu Beginn erfolgt eine kurze Darstellung der Institution der DRK Freiwilligendienste und meiner Tätigkeitsbereiche. Weitergehend wird ein kurzer theoretischer Einblick in die Thematik der Einsatzstellenreflexion, sowie deren vorgeschriebene Umsetzung, gegeben. Im Folgenden überprüfe ich mithilfe von Brühwilers Aspekten für das Methodenbewusstsein meine Umsetzung der Reflexionsmethode. Abschließend versuche ich aus dieser Überprüfung Verbesserungsvorschläge für meine zukünftige Methodenumsetzung zu formulieren.

2. Praktikumseinrichtung

Bei der Einrichtung handelt es sich um den Bereich Freiwilligendienste des DRK-Kreisverbandes mit Sitz am Berliner Platz 33 in Münster. Der Kreisverband ist anerkannter Träger des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) und beschäftigt zurzeit ca. 800 Freiwillige in 260 sozialen Einrichtungen in der Region Westfalen-Lippe[4]. Meine Tätigkeit als pädagogische Honorarkraft begann ich am 15. März 2013 und bin dort bis heute tätig.

2.1 DRK Freiwilligendienste

Das Freiwillige Soziale Jahr ist ein soziales Bildungsjahr, in dem junge Menschen durch den Einsatz in unterschiedlichsten sozialen Einrichtungen eine Möglichkeit zur Orientierung für ihren weiteren beruflichen Werdegang geboten bekommen. Durch begleitende Seminarwochen und -tage (Bildungsseminare) werden den Teilnehmern berufsübergreifende Qualifikationen vermittelt (DRK 2013/14: 31). Ziele der Bildungsarbeit sind Persönlichkeitsentwicklung und der Ausbau von Kompetenzen wie Konflikt- und Reflexionsfähigkeit, Entwicklung von Kritikfähigkeit, Teamfähigkeit und Solidarität, Stärkung der Eigenverantwortlichkeit und Erfassung von gesellschaftlichen Zusammenhängen (DRK 2013/14: 29). Auch die Einübung von Akzeptanz und Toleranz, sowie interkulturelle Lernerfahrungen sind ein wichtiger Bestandteil. Besonderer Wert wird außerdem auf die Bearbeitung von Erlebnissen und Erfahrungen aus der täglichen Arbeit der Freiwilligen im Sozialen Jahr gelegt (DRK 2013/14: 40).

Das DRK Freiwilligendienste dient als Kooperationspartner zwischen Einsatzstellen (EST) und Freiwilligen und vermittelt FSJ-Stellen unter Berücksichtigung individueller Interessen, Stärken und Wünsche. Freiwillige werden während dieser Zeit seitens des DRK Freiwilligendienste durch pädagogische Hauptamtliche – während des gesamten Zeitraums - und durch Honorarkräfte – während der Bildungsseminar – begleitet (Freiwilligendienste 2017).

2.2 Tätigkeitsfelder

Mein Aufgabengebiet umfasst die eigenständige Planung und verantwortliche Leitung von Seminarwochen im Rahmen der Bildungsarbeit zur Unterstützung und Ergänzung der hauptamtlichen pädagogischen MitarbeiterInnen in der sozialpädagogischen Betreuung, Beratung und Begleitung der Teilnehmer im FSJ. Zu den übernommenen Aufgaben gehörten im Einzelnen:

- Vorbereitungstreffen zu den Seminaren
- die aktive Teilnahme an Teamtreffen zum fachlichen Austausch (Rolle, Methoden, Konfliktsituationen etc.)
- die organisatorische und inhaltliche Gestaltung und Durchführung der Seminarwochen
- die reflektierende Nachbereitung der Seminarwochen
- die Weitergabe Teilnehmer bezogener Informationen an den Träger
- die inhaltliche und organisatorische Rückkopplung zum Träger (standardisierte, EDV-gestützte Dokumentation und Rückmeldung)

3. Methode

Im Folgenden wird die Methodik der Einsatzstellenreflexion, so wie sie im Bereich der DRK-Freiwilligendienste verstanden und angewendet wird, vorgestellt. In der Seminarwochenplanung wird den Reflexionsgruppen zumeist an vier Tagen Zeit eingeräumt. Dabei orientiert sich der Zeitraum an der Anzahl der Teilnehmer – überschreitet jedoch nicht mehr als zwei Stunden. Da die Reflexionsgruppen zum Programm der Bildungsseminare gehören, finden sie während der Seminareinheiten, meistens als Abschluss des täglichen Seminarprogramms, statt.

3.1 Einsatzstellenreflexion

Die Einheit der Einsatzstellenreflexion ist ein wichtiger Bestandteil in dem Bildungskonzept des DRK Freiwilligendienste (DRK 2013/14: 30). In Kleingruppen von maximal sieben Freiwilligen wird in einem zeitlichen Rahmen von eineinhalb bis zwei Stunden die Reflexion ihres Erlebten in der Einsatzstelle ermöglicht. Die Reflexionsgruppen geben den Freiwilligen die Möglichkeit, sich über ihre gesammelten Erfahrungen bei und mit der Arbeit auszutauschen. Sie lernen, selbstverantwortlich für ihre Bedürfnisse einzutreten, diese zu formulieren und unter Umständen auch einzufordern (DRK 2013/14: 46). Grundsätzlich gilt die Reflexionseinheit als Arbeitszeit, weshalb die Teilnahme daran verpflichtend ist. Es ist jedoch besonders wichtig, dass die Teamer hervorheben, dass private Grenzen der Freiwilligen respektiert und geachtet werden. Gleichzeitig richtet sich das auch an das eigenverantwortliche Handeln der Freiwilligen. Jeder soll nur das erzählen, was er mitteilen möchte und was ihm gut tut zu erzählen. Informationen gelangen ohne Erlaubnis des Freiwilligen nicht an die Einsatzstelle. Aufgrund des selbstständigen Einteilens der Reflexionsgruppe wird eine vertrauensvolle Atmosphäre unterstützt. Zudem wird zu Beginn vereinbart, dass alles Gesagte vertraulich behandelt und nicht weitergetragen wird. Um diese Reflexion zu ermöglichen wird sie methodisch untermauert.

3.2 Analyse der Methodenumsetzung

Die Persönlichkeitsbildung nimmt im Bereich der Seminararbeit der DRK Freiwilligendienste einen grundlegenden Stellenwert ein (DRK 2013/14: 30ff). Dies verdeutlicht umso mehr die Signifikanz des adäquaten Umganges der Reflexionsmethoden.

Eine pädagogisch angemessene Planung einer Methode sollte nach Brühwiler (1992: 12) unter Betrachtung der folgenden Aspekte erfolgen:

(1) Zielsetzung
(2) Voraussetzungen der Adressaten
(3) die Wirkungsweise der Methode, inkl. Nebenwirkungen
(4) die zeitlichen und organisatorischen Bedingungen
(5) die korrekte Instruktion des Verfahrens
(6) die geeigneten Auswertungs- und Feedbackmöglichkeiten

Ob und in wieweit ich diese Planungsschritte in meiner bisherigen Umsetzung der Reflexionsmethode „Wegemännchen“[5] berücksichtigt bzw. angewandt habe, soll im Folgenden überprüft werden.

Die (1) Zielsetzung des DRKs für Einsatzstellenreflexionen ist schriftlich wie folgt formuliert.

Die Reflektionsrunde soll den TeilnehmerInnen die Möglichkeit geben, sich über ihre gesammelten Erfahrungen bei und mit der Arbeit auszutauschen. Sie sollen lernen selbstverantwortlich für ihre Belange einzutreten, diese zu formulieren und unter Umständen auch einzufordern (DRK 2013/14: 46).

Jedoch wird darauf weder hingewiesen, noch wird es von den Pädagogischen Hauptamtlichen – meiner Vorgesetzten - formuliert. Somit liegt es an mir über diese Informationen zu verfügen. Die genaue Zielsetzung und der Arbeitsauftrag bzgl. der Selbstverantwortlichkeit waren mir jedoch anfangs nicht bewusst. So erfragte ich diese erst nach einer ‚Problemsituation‘: Ein Teilnehmer schilderte eine Konfliktsituation auf seiner Einsatzstelle und bat mich um Hilfe. Aufgrund meiner fehlenden Kenntnisse über Zielsetzung und Arbeitsauftrag konnte ich in dieser Situation nicht angemessen reagieren. Neben fehlendem Wissen bzgl. des Arbeitsauftrags verfügte ich auch nicht über fachlich-methodisches Wissen, um dem Teilnehmer eine Hilfestellung für sein selbstverantwortliches Lernen zu geben.

Die (2) Voraussetzungen der Adressaten sind aufgrund der Heterogenität der Gruppen eine gewisse Herausforderung. Die Freiwilligen sind zwischen 16 und 26 Jahren alt. Da es bzgl. des Bildungsabschlusses keine Zugangsvoraussetzungen für das Freiwillige Soziale Jahr gibt, findet man jede Schulabschlussform vor, sowie auch Freiwillige welche die Schule abgebrochen haben. Somit sehe ich mich in den Bildungsseminaren mit einer Gruppe unterschiedlichster Voraussetzungen, durch sowohl ihr Alter als auch ihren Bildungshintergrund, konfrontiert. Für meine methodische Arbeit bedeutet diese Heterogenität eine persönliche Einschätzung der Voraussetzungen der einzelnen Teilnehmer meinerseits. Diese kann jedoch durch bereits erworbene Erfahrungen mit anderen Teilnehmern beeinflusst werden, indem ich diese ‚Teilnehmer-Bilder‘ auf neue Teilnehmer übertrage. Es ist schon vorgekommen, dass ich mir als Teamer nicht die Zeit genommen habe, um jeden Teilnehmer als ‚neue Person‘ zu betrachten. Ich habe Bilder ehemaliger Teilnehmer auf die ihnen ähnlichen neuen Teilnehmer übertragen.

Ein wichtiger Punkt im Umgang mit einer Reflexionsmethode ist sowohl ihre (3) Wirkungsweise als auch ihre möglichen Nebenwirkungen oder auch unbeabsichtigte Auswirkungen (Seel & Hanke 2015: 25). Die Wirkung kann, laut Brühwiler (1992: 12f), sowohl große wahrnehmbare als auch kleine nicht wahrnehmbare Folgen im Verhalten zeigen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Nebenwirkungen sowohl positiv als auch negativ aufgefasst werden können. Positive Nebenwirkungen können dabei z.B. sein, dass dem Freiwilligen mithilfe der Reflexionsmethode neue Einsichten bzgl. einer bestimmten Thematik bzw. Problematik außerhalb des Freiwilligendienstes bewusstwerden. So hat die Methode Nebenwirkungen, welche man nicht beabsichtigt oder einkalkuliert hat. Positiv ist diese, da der Freiwillige in der Lage ist die Reflexion frei – losgelöst von dem „Bildungshintergrund“ – für sich anzuwenden weiß. Negative Nebenwirkungen zeigen sich anhand der Nachteile die durch bereits erworbene Erfahrungen als „Lernbarriere für Neues fungieren“ (Siebert 2006: 17) können. So können die Teilnehmer beispielsweise mit sehr persönlichen, emotionalen oder verdrängten Erfahrungen oder Empfindungen konfrontiert werden.

[...]


[1] Im Folgenden verwende ich aus platzökonomischen Gründen das generische Maskulin.

[2] Im Folgenden DRK.

[3] Meine Erfahrung in verschiedenen Einrichtungen hat gezeigt, dass die Schüler den Begriff „lernen“ vor allem im schulischen Kontext negativ gebrauchen bzw. er in diesem Kontext negativ konnotiert ist. Lernen ist für sie etwas Gezwungenes ergo negatives und führt zu weniger Begeisterung oder anders gesagt Lernbereitschaft.

[4] siehe Anhang

[5] siehe Anhang

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Methodik in den Bildungsseminaren der DRK Freiwilligendienste. Verbesserungsvorschläge für die Methodenumsetzung anhand des Beispiels der Einsatzstellenreflexion
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V414017
ISBN (eBook)
9783668647923
ISBN (Buch)
9783668647930
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungsseminare, DRK, Freiwilligendiesnte, Methodik, Reflexion, Verbesserung
Arbeit zitieren
Pia Rudolphi (Autor), 2018, Methodik in den Bildungsseminaren der DRK Freiwilligendienste. Verbesserungsvorschläge für die Methodenumsetzung anhand des Beispiels der Einsatzstellenreflexion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414017

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