Ist ein Ende des Kapitalismus in Deutschland möglich?


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kapitalismus
a. Was ist eigentlich Kapitalismus
b. Entstehung und Verbreitung des Kapitalismus
c. Entwicklung des Kapitalismus im 20. und 21. Jahrhundert in Deutschland
d. Szenarien der Zukunft: mit oder ohne Kapitalismus

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

„Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh“

- John Maynard Keynes -

Was ist eine Weltordnung? Wer regiert die Welt? Wieso gibt es regelmäßig Finanz- und Wirtschaftskrisen? Was hat das alles mit der Industrialisierung zu tun und was hat die EU damit zu tun?

In dieser Arbeit wird erläutert wie es dazu gekommen ist, dass die heutigen Zustände unberechenbarer sind denn je. Wie es dazu kommen konnte, dass durch ein paar Immobilien zu viel die gesamte Börse zusammenbricht und eine Weltwirtschaftskrise auslöst, wovon auch heute noch die nachbeben zu spüren sind.

Im ersten Teil dieser Arbeit werden zunächst die wichtigsten Begrifflichkeiten definiert, beziehungsweise versucht einen allgemeinstimmigen Begriff für den herrschenden Kapitalismus zu finden. Unter Berücksichtigung soziologischer und ökologischer Fachliteratur wird dann der Weg des Kapitalismus, von der Industrialisierung über die Globalisierung bis zum Börsencrash. Es wird untersucht, welche Einwirkungen der erste und zweite Weltkrieg hatten, welchen Einfluss die wohl bis dato bekannteste Wirtschaftskrise von 1929 hatte und wieso die Aufteilung von Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg von besonderer Bedeutung für die Stabilität des Wirtschaftssystems ist.

Im letzten Abschnitt wird versucht, einen möglichen Wendepunkt auszumachen. Wie kann es sein, dass ein System, welches so viel Leid für die einen anrichtet und so viel Geld und Macht für die anderen bereitstellt, nicht umstrukturiert werden kann. Es ist die Frage nach der Zukunft des Kapitalismus. Bezogen auf Deutschland, aber auch mit Blick auf die Europäische Union sowie Amerika. Einer der führenden Ökonomen, wenn nicht gar der bedeutendste des 20. Jahrhunderts, John Maynard Keynes. Er diente dem englischen Hof und war der erste, der die Weltwirtschaftskrise von 1929 verstand. Keynes, der für seine Theorien und Ausführungen sogar geadelt wurde, verstand bereits in den 1930ern das Problem mit dem Kapitalismus. „Die Schwierigkeit besteht nicht so sehr darin, neue Ideen zu entwickeln, sondern alten zu entkommen".1 Die Idee des Kapitalismus ist es, mit dem vorhandenen Kapital noch mehr zu erzeugen. Die Umsetzung allerdings könnte besser sein. Schon Karl Marx sprach im 19. Jahrhundert von einer Schere zwischen Arm und Reich, die sich durch den Kapitalismus bis heute nicht entfernt hat und nach neusten Studien „die soziale Ungleichheit wächst, die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich jedes Jahr weiter und hat jetzt ein neues Extrem erreicht.“2

2. Kapitalismus

a. Was ist eigentlich Kapitalismus

Eine erste Bestimmung des Begriffs Kapitalismus versuchte Werner Sombart in seinem 1902 veröffentlichten Werk „Der moderne Kapitalismus“. „[…]aber nenne ich diejenige Wirtschaftsform, deren Zweck es ist, durch eine Summe von Vertragsabschlüssen über geldwerte Leistungen und Gegenleistungen ein Sachvermögen zu verwerten, d.h. mit einem Aufschlag (Profit) dem Eigentümer zu reproduzieren.“3 Bis zum Jahre 1986 gab es laut Martin und Lütti4 „einen ganzen Haufen von Büchern, die das Wort „Kapitalismus“ im Titel führen“. Laut den beiden Wirtschaftswissenschaftlern geht es den Professoren in diesen Büchern lediglich um die Begleitung des Kapitalismus, wobei dieser gerne mit dem „Erwerbsprinzip“ verglichen wird. Am 4. Mai 1986 berichtete die „Financial Times“ über ein Expertentreffen in Hong-Kong, mit dem Ziel das kapitalistische System zu definieren. Das Treffen musste abgebrochen werden, da sich niemand in der Lage fühlte, eine Definition zu verfassen. Bereits ab dem 19. Jahrhundert versuchten sich einige bekannte Soziologen, aber auch Volkswirte sowie Wirtschaftshistoriker und -wissenschaftler daran, dass aktuelle Weltgeschehen - der Entstehung des Kapitalismus - zu definieren.

Nach Karl Marx5 war Kapitalismus bereits durch den „Privateigentum an den Produktionsmitteln“ entstanden, Oswald von Nell-Breuning behauptet bereits 1974, dass „eine gesellschaftliche Minderheit im Besitz des westlichen Vermögens“6 ist. Der amerikanische Wirtschaftshistoriker William Jack Baumol bringt es mit seiner Definition von 2002 auf den Punkt: „Capitalism is the free enterprise form of economic organization“.7 Gerhard Wilke beschreibt „das Spezifikum des Kapitalismus“ als „kein einzelnes unterscheidendes Merkmal, sondern der Effekt einer Steigerung seiner Kernfaktoren“.8 Demnach gehören nach Willke (ebd.) zu den Kernelementen des Kapitalismus die Eigentumsordnung, das Koordinationssystem, das Kommunikationsmedium, das Motivationssystem, das Effizienzkriterium und die Sozialstruktur. Im Endeffekt kann man also das bekannte Sprichwort „den Reichen immer mehr, den Armen immer weniger“ verwenden um das System des Kapitalismus darzulegen.

Aus den Kernelementen, die Willke genannt hat, hat sich ein System entwickelt, welches von bekannten Soziologen und Ökonomen sogar als Religion angesehen wird. Doch ist es möglich ein System, ein Weltsystem sogar, als Religion anzusehen? Um auf diese ethische Frage an dieser Stelle näher ein zu gehen, würde den Rahmen sprengen, es sei aber erwähnt, dass Walter Benjamin 19919 den Kapitalismus als „religiöse Erscheinung“ welche für die „Befriedigung der selben Sorgen, Qualen, Unruhen“ eine Antwort gab. Und auch Max Weber sieht vergleiche zur Religion10. Er sieht Erlösung in den Gesichtern der Gläubigen und durch die neu entstehenden Regeln sowie ethischen Prinzipien nimmt das Verhältnis der Menschen untereinander berechenbarere Formen an.

Abschließend ist der Begriff des Kapitalismus also immer noch nicht eindeutig zu beschreiben. Es geht um den Besitz eigenen Kapitals, Produktionsmittel mit denen Arbeit durchgeführt werden kann. Die Besitzer, also die Kapitalisten (hierbei nur als der reiche Unternehmer zu verstehen) stellen die Arbeiter ein und sorgen somit auf in der sogenannten Marktwirtschaft für eine entsprechende Umverteilung des Geldes. Der Arbeiter, welcher einen Bruchteil des Geldes welches im Umlauf ist als Lohn erhält, ist dafür zuständig, dass der Kapitalist sein eigenes Kapital weiter ausbauen kann.

b. Entstehung und Verbreitung des Kapitalismus

Doch woher genau stammt diese neuartige Wirtschaftsordnung bzw. dieses -system? Bereits im Mittelalter gingen in den Fürstentümern um Gewinnmaximierung, welches sich im Laufe der Zeit immer weiter Entwickelte, bis mit der Industrialisierung Ende des 18. Jahrhunderts in England erste Fabriken eingeführt wurden. Dieser Zeitraum ist bekannt als „Frühkapitalismus“ und steht für den Beginn dieses neuen Systems. Mit dem Frühkapitalismus ging es bereits mit der Klassenteilung, nach Karl Marx los, welche Schumpeter11 als „die einen Eigentümer, Kapitalisten, die anderen Habenichts, die gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, die arbeitende Klasse oder das Proletariat“ bezeichnet. Durch die stattfindende industrielle Revolution vermehrten sich ebenfalls die Kapitalisten und ihr Kapital wuchs und wuchs, wodurch die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts als „Hochphase des Kapitalismus12 “ bis zum ersten Weltkrieg bezeichnet wird.

Die daraus resultierenden Folgen auf dem Arbeitsmarkt waren nicht zu umgehen. Die großen Firmen brauchten Manager, dass erwirtschaftete Geld musste von Bankiers gut gehütet und noch besser verwaltet werden. Immer mehr und immer größere Firmen bedeutete auch Angst vor Monopolen und Kartellabsprachen unter den Kapitalisten. Zum Ende des 19. Jahrhunderts setzte laut der marxistischen Theorie der „Monopolkapitalismus“ sowie „Staatsmonopolkapitalismus“13 ein, welche sich als „Finanzkapitalismus“ zusammenfassen lassen. Durch die globalen Revolutionen, ausgelöst durch die Arbeiterbewegungen Anfang des 20. Jahrhundert, begann der Kapitalismus seinen ersten Gegenschlag zu verspüren.14

c. Entwicklung des Kapitalismus im 20. und 21. Jahrhundert in Deutschland

Doch dieser Gegenschlag blieb nur von kurzer Dauer. Bekanntermaßen gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts den ersten Weltkrieg, wodurch alle Produktionen wieder auf Hochtouren laufen mussten. Nicht nur die Stahlindustrie profitierte vom Waffenverschleiß, die Wirtschaft blühte wie lange nicht mehr. Der Verlauf des Krieges ist bekannt, die Deutschen haben ihre „Kriegswirtschaft“ auf „normalbetrieb“ umgestellt, doch das Problem mit der Arbeiterbewegung war nur kurz vergessen.

Der Kapitalismus schien vom Kommunismus besiegt, durch die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) sollte in der Weimarer Republik mehr für die Gesellschaft, als nur für die Eigentümer übrig bleiben. Was dann folgt, ist als „größter Börsencrash der Geschichte“ bekannt. Die Weltwirtschaftskriese, welche am „Black Thursday“ und „Black Friday“ (24. und 25. Oktober 1929)15 ihren großen Auslöser in New York hinnehmen musste, verbreitete sich über den ganzen Globus16 und traf auch die Weimarer Republik. Auch hier mussten viele Unternehmen die Mitarbeiter entlassen, wodurch diese nicht mehr genug Geld hatten um Produkte zu kaufen. Unzufrieden Bürgerinnen und Bürger nahm die NSDAP als Chance wahr und konnte 1932 die Führung in Deutschland übernehmen, der Rest ist Geschichte.

Und dennoch breitete sich der Wunsch immer mehr und mehr zu besitzen weiter aus. „Das eigentlich Überraschende am Kapitalismus ist, dass es ihn immer noch gibt. Wie kann ein Gesellschaftssystem jahrhundertelang überleben, wenn es den Menschen zwar Fernseher, Autos und Bierbäuche beschert, alle paar Jahrzehnte jedoch zu spektakulären Zusammenbrüchen neig“17 Die Wirtschaftskriese brachte einen neuen Denker hervor. John Maynard Keynes, Namensgeber für den späteren Keynesianismus, wurde für die Briten zum Finanzberater und analysierte den Kapitalismus, sowie rückwirkend den Börsencrash. Keyne zufolge ist es nicht länger tragbar, dass die Investitionen nicht mehr durch Privatunternehmen, sondern von staatlicher Seite aus gelenkt werden müssen.

Doch Deutschland, geteilt nach dem zweiten Weltkrieg, hatte keine Wahl, welcher Ordnung sie folgen sollten. Aufgeteilt unter den „Gewinnern“ des Weltkrieges, musste der „Ost-Block“ dem Kommunismus folgen, während die anderen drei „Zonen“ sich weiter kapitalistisch unterordneten. Durch die Nationalsozialisten wurden alle bislang vorhandenen Parteien, aber auch Gewerkschaftsverbunde aufgelöst, wodurch der Kapitalismus eigentlich wieder einen

[...]


1 URL: http://www.wiwo.de/erfolg/management/radikal-fuehren-kultur-des-methodischen- zweifels/7105324-4.html

2 URL: https://www.tagesschau.de/ausland/oxfam-115.html

3 Sombart (1902): 195

4 Martin, Lüftl. (1986): 14

5 Marx (1964): 589

6 Nell-Breuning (1974): 26

7 Baumol (2002): 19

8 Willke (2006): 16

9 Bäcker (2002): 100

10 vgl. Weber (1985): 246

11 Schumpeter (2005): 34

12 URL: http://www.wissen.de/bildwb/fruehkapitalismus-die-entstehung-eines-neuen- wirtschaftssystems

13 vgl: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/20139/monopolkapitalismus

14 vgl: Höpner (2004): 211

15 Vgl: http://geschichte-wissen.de/blog/die-weltwirtschaftskrise-1929-1932/

16 Als Wirtschaftskriese bezeichnet man einen Stagnation, wenn nicht sogar Rückgang der Produktion. Diese wird zuvor von einer Finanzkrise ausgelöst. 1929 war es soweit, dass die Aktienmärkte in New York zu viel Spekuliert hatten und somit einige Aktien einstürzten. Durch diese Einstürze konnten die Banken keine Kredite mehr vergeben, die Unternehmen mussten die Produktionen reduzieren wodurch Mitarbeiter entlassen werden mussten und diese somit keine Kaufkraft mehr waren. Ein Teufelskreis für die Wirtschaft.

17 URL: http://www.zeit.de/2008/46/Keynes

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ist ein Ende des Kapitalismus in Deutschland möglich?
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V414024
ISBN (eBook)
9783668649019
ISBN (Buch)
9783668649026
Dateigröße
766 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ende, kapitalismus, deutschland
Arbeit zitieren
Joscha Kriegel (Autor), 2017, Ist ein Ende des Kapitalismus in Deutschland möglich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414024

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ist ein Ende des Kapitalismus in Deutschland möglich?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden