Die vorliegene Arbeit beschäftigt sich mit dem Glauben an "Hexerei in Afrika". "Hexerei in Afrika" soll hier mit großer Distanz vom europäischen Hexenbild betrachtet werden und kann auch keiner Verallgemeinerung für Afrika entsprechen.
Die in der Vergangenheit bahnbrechende Arbeit Edward E. Evans-Pritchards, über die Hexerei bei den Zande, soll hier als Darstellungs- und Vergleichsmethode genutzt werden, um sich dem Thema Hexerei durch ethnologische Forschung zu nähern. In der hier vorliegenden Arbeit wurde versucht zwei "Modelle" von Hexerei gegenüber zu stellen - einerseits Hexerei bei den Efik in Nigeria, andererseits dieselben Phänomene von Hexerei bei den Zande im heutigen Kongo.
Ein wichtiger Aspekt, der Weg der Hexerei in die Moderne, soll am Schluß beleuchtet werden. Anhand verschiedener Beispiele soll die vitale und aktive Form dieses gesellschaftlichen Phänomens näher betrachtet und mögliche zukünftigen Entwicklungen aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Hexerei ?
2.1. Hexerei bei den Efik
2.1.1. Traditionelle Methoden der Divination und Heilung bei den Efik
2.2. Hexerei bei den Zande
2.2.1. Traditionelle Methoden der Divination bei den Zande
3. Was kann Hexerei auslösen ?
3.1. Beziehungen zwischen Opfer und Täter
4. Der Einfluß der Kolonialisten auf Konflikte und Spannungen
4.1. Die neuen ökonomischen Kräfte
5: Verwandtschaft und Hexerei
6. Umgang des Staates mit Hexerei
6.1. Warum interveniert der Staat so begierig ?
6.2. Hexerei in der Politik
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Hexereivorstellungen auf dem afrikanischen Kontinent unter dem Einfluss von Kolonialismus und Modernisierung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich das traditionelle Bild der Hexerei an moderne politisch-ökonomische Rahmenbedingungen angepasst hat und welche neuen Formen von Konflikten und gesellschaftlicher Intervention dadurch entstanden sind.
- Wandel des Hexereibildes durch sozioökonomische Veränderungen
- Einfluss von Kolonialismus auf traditionelle Machtstrukturen
- Die Rolle der Verwandtschaft als zentraler Konfliktherd
- Staatliche Repression und Instrumentalisierung von Hexerei
- Beziehungen zwischen Opfer und Täter im Kontext des Modernisierungsprozesses
Auszug aus dem Buch
3.1 Beziehungen zwischen Opfer und Täter
Es gibt viele Vermutungen von Wissenschaftlern, die versuchen Gründe der Hexerei allgemein und grundlegend zu erklären. Marwick vermutet, und geht dabei sicherlich von empirischer Forschung aus, dass Hexerei in afrikanischen Gesellschaften nur dort vorkommt, wo es Spannungen innerhalb einer Gesellschaft gibt. Im engeren Sinne bedeutet dies, das Spannungen zwischen zwei Personen bestehen die, wie eine Gesellschaft, engen, sozialen Kontakt pflegen aber ihre Beziehung zueinander gespannt oder gestört ist. Diese Spannungen können dann zu einem Vorfall führen ( Unglück, Unfall, Krankheit, Tod u. a. ), welcher später vor Gericht gebracht wird. Seine Vermutung beweist Marwick anhand von Anklagen gegen Hexerei bei den Efik im 18./ 19. Jahrhundert. In dieser vorkolonialen Zeit kam es grösstenteils zu Anklagen zwischen Blutsverwandten oder auch eingeheirateten Personen, sehr selten aber zwischen fremden Personen, woraus Marwick schliesst, dass zwischen den beiden Parteien ein persönlicher Streit mit Folgen ausgebrochen ist. Oft entstand solch ein Streit aus typischen, moralischen Gründen.
Gudrun Ludwar-Ene ist der Annahme, dass eine soziale Beziehung zwischen Opfer und Hexer bestehen muss, da ansonsten kein direkter Anschlag auf einen Mitmenschen, durch Erflehen oder Beziehen übernatürlicher und okkulter Kräfte, ausgeführt werden kann. Sie unterscheidet drei verschiedene Merkmale, in der Hexer und Opfer zueinander stehen. Für sie ist der Ankläger, wenn der Fall vor Gericht gebracht wird, und das Opfer immer dieselbe Person, die mit dem Hexer oder der Hexe in einer sozialen Beziehung steht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung kontrastiert die westliche Sicht auf Hexerei als überholtes Märchen mit der anhaltenden Relevanz auf dem afrikanischen Kontinent und skizziert den Fokus der Arbeit auf den Übergang zu modernen Hexereiformen.
2. Was ist Hexerei ?: Dieses Kapitel differenziert zwischen Hexer und Zauberer und beleuchtet anhand der Efik und Zande traditionelle Vorstellungen von Hexenkräften, Divination und Heilung.
3. Was kann Hexerei auslösen ?: Hier werden die psychosozialen Ursachen von Hexerei-Anklagen untersucht, wobei der Schwerpunkt auf den Spannungsverhältnissen zwischen vermeintlichen Tätern und Opfern liegt.
4. Der Einfluß der Kolonialisten auf Konflikte und Spannungen: Die Auswirkungen europäischer Eroberungen auf afrikanische Gesellschaftsstrukturen und der daraus resultierende Konflikt zwischen altem und neuem Statussystem werden analysiert.
5: Verwandtschaft und Hexerei: Das Kapitel beleuchtet, wie die Intimität der Familie einerseits eine zentrale Stütze ist, andererseits aber unter Modernisierungsdruck zum Nährboden für Misstrauen und Hexereivorwürfe wird.
6. Umgang des Staates mit Hexerei: Die zunehmende staatliche Aktivität im Bereich Hexerei wird als Versuch gewertet, soziale Unruhen zu kontrollieren, während Politiker Hexerei teils selbst instrumentalisieren.
7. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass sich Hexerei durch Modernisierungsprozesse von einer familieninternen Angelegenheit zu einem allgegenwärtigen Machtfaktor gewandelt hat, auf den der Staat mit neuen, formalen Repressionsmitteln reagiert.
Schlüsselwörter
Hexerei, Afrika, Efik, Zande, Kolonialismus, Modernisierung, Verwandtschaft, Divination, Sozialer Wandel, Staatliche Intervention, Politik, Magie, Konfliktlösung, Tradition, Machtstrukturen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht den Fortbestand und den Wandel von Hexereivorstellungen in Afrika und analysiert, wie diese durch den Einfluss des Kolonialismus und moderne politische Entwicklungen transformiert wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören traditionelle Hexereikonzepte, soziale Spannungsfelder innerhalb der Familie, ökonomische Konflikte und der Umgang moderner staatlicher Institutionen mit okkulten Phänomenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Hexerei als soziales Phänomen nicht verschwunden ist, sondern sich neuen Bedingungen angepasst hat, um weiterhin als Erklärungsmodell für Unglück und als Machtinstrument zu dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine ethnologische Literaturanalyse, wobei Fallstudien zu den Efik und Zande sowie politikwissenschaftliche Perspektiven auf den modernen Staat herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse traditioneller Hexereibilder, die soziale Dynamik zwischen Opfer und Täter, die Auswirkungen des Kolonialismus auf Statussysteme und die staatliche Repression bzw. Instrumentalisierung von Hexerei.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Hexerei, Kolonialismus, Modernisierung, Verwandtschaft, Sozialer Wandel, Machtstrukturen und Staatliche Intervention.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Hexer und Zauberer?
Der Hexer verfügt laut der Analyse über angeborene, seelische Kräfte, während der Zauberer auf erlernte Magie, Sprüche und materielle Hilfsmittel angewiesen ist.
Warum intervenieren moderne Staaten verstärkt in Hexerei-Angelegenheiten?
Der Staat interveniert vor allem, um soziale Unruhen zu unterbinden und die Vorherrschaft über gesellschaftliche Bereiche zu sichern, da Hexerei oft mit Sabotage und politischem Umsturz assoziiert wird.
Welche Rolle spielt die Verwandtschaft bei Hexereivorwürfen?
Die Verwandtschaft gilt als gefährlichster Ort für Hexerei, da unter dem Druck von Besitzstreitigkeiten und sozialer Ungleichheit die ursprüngliche Vertrautheit in Misstrauen und Gewalt umschlagen kann.
Wie nutzen moderne Politiker die Hexerei?
Politiker suchen einerseits bei Heilern Schutz vor den magischen Attacken ihrer Konkurrenten und nutzen andererseits den Hexereivorwurf gegen politische Gegner, um diese gesellschaftlich zu diskreditieren.
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- Thorsten Doß (Author), 2000, Hexerei und ihr Weg in die Moderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41416