In dieser Arbeit möchte ich den theoretischen Ansatz, den Edward E. Evans-Pritchard in Bezug auf die Magie bei den Zande aufgestellt hat, darstellen und beschreiben. Einleitende Erläuterungen über die Herangehens – und Arbeitsweise von Evans-Pritchard sowie seine Methoden sind dabei unumgänglich und sollen ihn auch kurz im historischen Kontext seiner Zeit widerspiegeln. Dies ist insofern von Bedeutung, da es sich zu dieser Zeit viele Ethnologen, Anthropologen, Soziologen und Wissenschaftler anderer Disziplinen zum Gegenstand ihrer Forschung gemacht haben, das „Religiöse“ zu erklären. Gerade diese Zeit war geprägt von Diskussionen über den Abgrenzungsgrad der Magie von Religion. Verschiedene Modelle und Definitionen wurden daraufhin aufgestellt. In dieser Arbeit wäre kein Platz alle diese Modelle zu Beginn darzustellen, um sie später mit dem von Evans-Pritchard gegenüberzustellen. Doch will ich anfangs einige Ideen dieser Arbeiten aus der Sicht von Evans-Pritchard zu betrachten versuchen, damit der direkte oder indirekte Einfluß auf die wissenschaftliche Gestaltung und Orientierung seiner Arbeiten aufgezeigt wird.
Die Beschreibung der Verhältnisse, der durch die Magie geprägten Kultur soll an Beispielen aufgezeigt werden. Sie sind das ethnographische Grundgerüst für Evans-Pritchard´s Arbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gegenstand und Fragestellung
3. Das Forschungsgebiet
4. Ngua - die Magie bei den Zande
4.1. Wene ngua - weiße Magie und gute Medizinen
4.1.1. Bagbuduma - die Rachemagie
4.2. Die schwarze Magie ( gbigbita ) und Zauberei ( gbegbere )
5. Hexerei, Orakel und Magie bei den Zande
5.1. Boro ngua – der Magier
6. Schlußfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit analysiert den theoretischen Ansatz von Edward E. Evans-Pritchard in seinem klassischen Werk "Hexerei, Orakel und Magie bei den Zande" (1939). Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie Evans-Pritchard die Magie und Hexerei als soziale und moralische Funktionen innerhalb der Zande-Gesellschaft einbettet und welche metaphysischen Auffassungen die Grundlage dieses Glaubenssystems bilden.
- Der funktionalistische Ansatz in der Ethnologie
- Differenzierung zwischen weißer und schwarzer Magie
- Die juristische und exekutive Rolle der Rachemagie
- Die soziale Stellung und Aufgaben des Magiers (Boro ngua)
- Das Zusammenspiel von Hexerei, Orakel und Magie als stabiles System
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Bagbuduma - die Rachemagie
Eine wichtige Art der weißen Magie spielt die Rachemagie. Sie ist juristische und exekutive Institution und in einem. Evans-Pritchard beschreibt die Rachemagie als ehrenwert, aber destruktiv. Ehrenwert im Sinne der moralischen Instanz der Gemeinschaft – destruktiv, da sie Leben zerstört. Doch ist die Zerstörung von Leben, in dem Falle, moralisch vertretbar, da es sich dabei um kriminelle Personen handelt, die der Gemeinschaft oder dem Individuum Schaden zufügen wollen.
Wenn jemand stirbt gehen die Zande davon aus, daß die Person durch Hexerei oder Zauberei ums Leben gekommen ist. Daraufhin wird Rachemagie betrieben, welche die Person ausfindig macht, die für den Tod verantwortlich ist und die daraufhin das Urteil vollstreckt. Dieses Urteil hat immer den Tod zur Folge. Rachemagie ist und handelt neutral und unvoreingenommen. Weiße Magie bzw. deren Medizin, wird generell von den Zande mit diesem neutralen Charakter in Verbindung gesetzt. Sie gehen davon aus, daß die Medizinen entweder „unparteiisch“ oder „böse Medizin“ ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung des theoretischen Ansatzes von Evans-Pritchard im Kontext zeitgenössischer ethnologischer Diskussionen zur Abgrenzung von Magie und Religion.
2. Gegenstand und Fragestellung: Erläuterung des funktionalistischen Grundgerüsts und des Einflusses von Denkern wie Lévy-Bruhl, Durkheim und Marx auf die Untersuchung der Zande.
3. Das Forschungsgebiet: Beschreibung des Lebensraums der Zande im Anglo-Ägyptischen Sudan und der politischen Struktur unter der Vongara-Dynastie.
4. Ngua - die Magie bei den Zande: Definition von Magie als Technik und Einführung der Unterscheidung in weiße und schwarze Magie.
4.1. Wene ngua - weiße Magie und gute Medizinen: Analyse der gesellschaftlich gebilligten Magie und ihrer verschiedenen Anwendungsgebiete, wie Heilung oder Landwirtschaft.
4.1.1. Bagbuduma - die Rachemagie: Untersuchung der Rachemagie als juristisches Instrument zur Sühne von Verbrechen durch Hexerei.
4.2. Die schwarze Magie ( gbigbita ) und Zauberei ( gbegbere ): Analyse der als asozial und unmoralisch geltenden schwarzen Magie, die als Waffe gegen Individuen eingesetzt wird.
5. Hexerei, Orakel und Magie bei den Zande: Synthese der drei Eckpunkte des Glaubenssystems, die sich gegenseitig stützen und den Tod als zentralen Beweis für Hexerei definieren.
5.1. Boro ngua – der Magier: Erörterung der sozialen Rolle und des Status von Magiern in der Zande-Gesellschaft.
6. Schlußfolgerungen: Zusammenfassung der stabilisierenden Funktion von Magie für das soziale und moralische System der Zande sowie die Bestätigung der metaphysischen Weltdeutung.
Schlüsselwörter
Magie, Hexerei, Orakel, Zande, Evans-Pritchard, Funktionalismus, Rachemagie, Vongara, Medizinen, Kollektivvorstellungen, Anthropologie, Ethik, Soziales System, Metaphysik, Kulturanthropologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das von Edward E. Evans-Pritchard beschriebene System von Hexerei, Orakel und Magie bei der Bevölkerung der Zande aus ethnologischer Sicht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Kategorisierung magischer Handlungen, die soziale Funktion der Rachemagie sowie das Verständnis von Magie als stabilisierende Kraft der sozialen Ordnung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Evans-Pritchards funktionalistischen Ansatz zu erläutern und aufzuzeigen, wie das Zande-Volk Unglück und Tod durch ein metaphysisches System rational erklärt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine ethnologische Analyse, die auf der Literaturrecherche und der Auswertung von Evans-Pritchards Primärwerk basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Forschungsgebiets, die Differenzierung magischer Techniken, die Rolle des Magiers und die Funktion des Gesamtsystems.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Magie, Hexerei, Rachemagie, Funktionalismus, Zande, Vongara-Dynastie und soziale Stabilität.
Warum spielt die Rachemagie bei den Zande eine so große Rolle?
Sie fungiert als juristisches und exekutives Organ, das moralische Normen schützt, indem es nach einem Todesfall durch Hexerei zur Rechenschaft zieht.
Warum lehnten die Vongara-Prinzen die Ausübung von Magie ab?
Um ihren Status als gesellschaftliche Spitze zu wahren und sich von Verdächtigungen bezüglich Hexerei oder Zauberei zu distanzieren.
- Quote paper
- Thorsten Doß (Author), 2003, Magietheorie nach Evans-Pritchard, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41417