Kirchenlieder als Spiegel der Geschichte


Hausarbeit, 2004
22 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vom Urchristentum bis zum 9. Jahrhundert - Das lateinische Kirchenlied

3 Vom 9. Jahrhundert bis zum Beginn der Reformation - Die ersten deutschen Kirchenlieder

4 Das 16. Jahrhundert
4.1 Die Zeit der Reformation – Die Entstehung des evangelischen Kirchenlieds
4.2 Die Zeit der Spätreformation

5 Das 17. Jahrhundert
5.1 Konfessionalismus und Barock-Kultur - Das Lied unter dem Einfluss des Krieges und der Dichterschulen
5.2 Reformorthodoxie und Frühpietismus

6 Das 18. Jahrhundert
6.1 Die Zeit des Pietismus und der Orthodoxie - Das Lied zur Erweckung
6.2 Das Kirchenlied unter dem Einfluss der Aufklärung - Das Morallied

7 Das 19. Jahrhundert – Rückbesinnung und neue Liedformen

8 Das 20. Jahrhundert
8.2 Singbewegung und Kirchenkampf
8.2 Neues Lied und Ökumene

9 Zusammenfassung

10 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Singen gehört genauso wie das Beten und der Gottesdienst zum christlichen Glauben. So wurde nicht nur die Bibel über Generationen überliefert und weitergegeben, sondern auch die Kirchenlieder der verschiedenen Zeitalter, welche den christlichen Glauben zum Ausdruck brachten. So befinden sich im heutigen Gesangbuch Lieder vom Beginn des Christentums bis zur heutigen Zeit, die somit die gesamte Geschichte des Christentums widerspiegeln. Dabei hat jede Zeit das Kirchenlied auf eine andere Weise geprägt und beeinflusst und dadurch unverkennbar gemacht. Das Erstaunliche an der Liedtradition ist, dass trotz dem immer währenden Fortschrittsdenken die alten Lieder immer noch aktuell sind und gern gesungen werden, wodurch auch die Beständigkeit des christlichen Glaubens zum Ausdruck kommt. Aus diesem Grund ist es sehr interessant einmal in die Geschichte des Kirchenliedes zu sehen, um auch die jeweiligen Intentionen, die man in den verschiedenen Zeiten mit den Kirchenliedern bezweckte, verstehen zu können.

In der vorliegenden Arbeit soll ein Längsschnitt über die 2000 jährigen Geschichte des christlichen Liedes dargestellt werden. Dabei liegt die Betonung auf einem Überblick, da eine Fülle von Literatur über die Geschichte des Kirchenliedes existiert. Besonderes Augenmerk soll dabei auf das Lied selbst gerichtet sein, d.h. immer der jeweilige Bezug von Geschichte und Kirchenlied dargestellt werden.

2 Vom Urchristentum bis zum 9. Jahrhundert - Das lateinische Kirchenlied

Das Singen ist schon immer ein Kennzeichen des christlichen Glaubens[1]. Mit ihren Liedern bezog die christliche Urgemeinde vor allem Stellung gegenüber ihrer heidnischen Umwelt, von der sie sich einerseits abgrenzen und andererseits sie für ihren Glauben gewinnen wollten.[2] Die Bedeutung und die Anfänge des christlichen Singens zeigt sich auch in den Paulusschriften. So heißt es in Eph 5, 19:

“Redet untereinander in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in euren Herzen.”

Aus diesem Vers kann man außerdem die drei Liedarten der Urgemeinde erkennen, zu denen die Psalter, Lobgesänge und geistlichen Liedern gehörten. Diese waren jedoch alle in lateinischer Sprache geschrieben.

Einige der Lobgesänge sind als Fragmente im Neuen Testament erhalten geblieben. Dazu gehören

neben dem Magnifikat der Maria (Lk 1, 46-55) auch das Benedictus (Lk 1, 68-79) und das Nunc

dimittis (Lk 2, 29-32). In der späteren Zeit entwickelten sich die so genannten Dorologien. Diese waren Lobpreisungen des Dreieinigen Gottes, die aus einfachen Bibelsprüchen bestanden und im Gottesdienst gesungen wurden. Zu der dritten Liedart, den geistlichen Liedern, gehörten vor allem die Christuslieder in Phil 2, 6-11; Kol 1, 15-20; 1. Tim 3, 16; Offb 5,12 u.a..

Trotz dieser verschiedenen Liedarten sang man jedoch zu Beginn der Urgemeinde vor allem die Psalter der jüdischen Tradition. Dafür gab es verschiedene Gründe. Zum einen wehrte man sich gegen die Hymnen von Marcion[3], der das Christentum von der gemeinsamen Geschichte mit dem Judentum trennen wollte und seine Lehre durch eigene Lieder verbreitete.[4] Bei allen freien Liedern bestand somit die Gefahr, sie könnten eine falsche Lehre verbreiten, weshalb man diese verdrängte. Das Konzil von Laodicea wird in Literatur oft als Maßnahme gegen diese freien Lieder genannt, da man bei diesem Konzil ein Verbot über den Einsatz von freien Psalmen im Gottesdienst aussprach[5] und nur noch die kanonischen Lieder erlaubte[6].

Zum anderen resultierte die Verwendung von Psalmen auf der Rückbesinnung des Christentums auf das Judentum. Eine Abkehr vom Judentum hätte zur Folge, dass das Christentum keine Geschichte hätte und somit die Gefahr bestand zu einer spiritualistischen Geheimsekte erklärt zu werden.[7] Mit der Verwendung der Psalter verbildlichte man somit auch die Einheit des Alten und des Neuen Testaments sowie die gemeinsame Geschichte der Juden und des Christentums.

Eine wichtige Person für die Entwicklung des Kirchenliedes ist Bischof Ambrosius[8]. Er fand eine neue Zugangsweise zum Kirchenlied und entgegnete den Gegnern des christlichen Glaubens mit seinen eigenen Hymnen. Er war der Meinung, dass das Bedürfnis der Gläubigen nicht gestillt wäre, da die Bibel als alleinberechtigtes literarisches Textbuch galt.[9] Die Gemeinde sollte ein Recht auf neue Lieder haben, um im Gottesdienst durch singen, hören und meditieren gestärkt zu werden. Zu seinen bekanntesten Liedern gehört unter anderen:

“Veni redemptor gentium” - Nun komm der Heiden Heiland” EG 4

Nun komm, der Heiden Heiland,

Der Jungfrauen Kind erkannt,

Dass sich wunder alle Welt,

Gott solch Geburt ihm bestellt.

Eine weitere Entwicklung erlebte das Kirchenlied durch Papst Gregor I[10]. Er wirkte der allmäh-lichen Verweltlichung des Kirchenliedes[11] entgegen, indem er die Gemeinde entmündigte und die neuen Lieder, der so genannten Gregorianik, vom Priestern und Chören vortragen lies.[12] Eines der Lieder, die ihm zugesprochen werden, ist:

“Veni, creator, spiritus” - “Komm, Gott, Schöpfer, Heiliger Geist” EG 126

Komm, Gott, Schöpfer, Heiliger Geist,

Besuch das Herz der Menschen dein,

Mit Gnaden sie füll, denn du weißt,

Dass sie dein Geschöpfe sein.

3 Vom 9. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts - Die ersten deutschen Kirchenlieder

Das Haupthindernis zur Verbreitung der Kirchenlieder in Deutschland war die Abfassung in lateinischer Sprache und das alleinige Vortragen der Lieder durch Priester und Chöre.[13] Jedoch musste man im Laufe der Zeit, aufgrund der Singfreudigkeit der Christen, der Gemeinde einige Zugeständnisse machen. Dazu gehörten zum einen die Tropen. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung der bereits bestehenden liturgischen Gesänge.[14] Die Gemeinde durfte nun z.B. das “Kyrie eleison, christe eleison” in mehrfachen Wiederholungen und Variationen mitsingen.[15] Außerdem gab es die Leisen, deren Name von dem kehrversartigen Ruf “kirie eleison” abgeleitet wurde.

Die Sequenz, eine weitere Erneuerung, wird dem Mönch Dotker[16] zugeschrieben. Bei den Sequenzen gibt eine bestehende Melodie dem Text seine bestimmende Gestalt,[17] dies bedeutet das vorgegebene Melodien mit Texten unterlegt wurden.[18]

Ein Beispiel dafür ist die Sequenz “Grates nunc omnes”. Diese Wheinachtssequenz entstand

Anfang des 11. Jahrhunderts in der Regensburger Abtei St. Emmerarm und wurde im 16. Jahrhundert ins Deutsche übersetzt und in die Gesangsbücher übernommen.[19]

“Grates nunc omnes”

Grates nunc omnes reddamus domino Deo,

qui sua nativitae nos liberavit

de diabolica potestate.

huic oportet ut canamus cum angelis semper:

Gloria in excelsis.

“Das Grates nunc omnes Deutsch” (dreimal nacheinander zu singen)[20]

Danck sagen wir alle mit schalle dem Herrn unserm Gott

der durch sein geburt uns erlöset hat

von der Teufelischen macht und gewalt

dem sollen wir mit seinen engeln fröhlich singen

alzeit preiß in der Höhe.

Im 12. Jahrhundert entstand weiterhin ein großes Bedürfnis an deutschen Liedern, sodass die ersten althochdeutschen Evangelienerzählungen in Reimen entstanden. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist das Lied: “wir christus sungun in unsara zungun”.[21]

Außerdem entstanden die ersten deutschen Leisen, wie die Pfingstleise:[22]

“Nun bitten wie den Heilgen Geist” EG 124

Nun bitten wir den heiligen Geist

Um den rechten Glauben allermeist,

Dass er uns behüte an unserm Ende,

Wenn wie heimfahrn aus diesem Elende.

Kyrieleis.

Im 13. Jahrhundert entstanden viele Marienlieder, Schifferlieder, Schlachtlieder und aufgrund der vielen Pilgerreisen auch zahlreiche Wallfahrtslieder. Ein Beispiel dafür ist:

“In Gottes Namen fahren wir” EG 498

In Gottes Namen fahren wir,

Sein heiliger Engel geh uns führ

Wie dem Volk in Ägyptenland,

Das entging Pharaonis Hand.

Kyrieleis

Ein weitere wichtiger Einschnitt für das Kirchenlied waren die Flagelanten oder Geißelbrüder. Aufgrund von Hunger und Pest zogen diese im Jahre 1349 durch das Land, zerfleischten ihren Körper mit Geiselhieben und sangen dabei deutsche Bußgesänge. Diese Gesänge wurden

zahlreich nachgesungen, jedoch erst im 15. Jahrhundert in den Kirchenkanon aufgenommen.[23]

Im Laufe der Zeit hat sich das Kirchenlied immer mehr vom lateinischen abgewandt und es sind deutsche Lieder entstanden. Zusammenfassend kann man also sagen, dass es im 15. Jahrhundert nun vier Arten von Kirchenlieder gab[24]:

[...]


[1] Vgl. EG, Nr. 956 I 1.

[2] Vgl. Kirchenlied und Gesangbuch, Seite 1.

[3] Marcion war ein reicher Reeder und Gnostiker und ist um 160 gestorben (Vgl. Kirchenlied und Gesangbuch, Seite 8.).

[4] Vgl. Kirchenlied und Gesangbuch, Seite 8.

[5] Ebd.

[6] Der direkte Zusammenhang ist jedoch strittig, da das Konzil von Laodicea erst 341- 380 stattfand, also fast 200 Jahre nach Marcions Wirken.

[7] Vgl. Kirchenlied und Gesangbuch, Seite 9.

[8] Ambrosius (ca. 340-397) war Bischof zu Mailand und wurde erst als Erwachsener bekehrt. Da er ein mitreißender Prediger war erlangte er große Popularität. Diese zeigte sich vor allem darin, dass er bereits vor seiner Taufe zum Bischof ernannt wurde (Vgl. http://www.net.lexikon.de/Ambrosius-von-Mailand.html).

[9] Vgl. Kirchenlied und Gesangbuch, Seite 10.

[10] Papst Gregor I (geb. Vor 540, gest. 604) war zunächst Staatsbeamter und Stadtpräfekt, später Benediktinermönch und wurde 590 zum Papst ernannt. Zu seinen Errungenschaften gehörten vor allem kirchenpolitische und missionarische Bestrebungen, Liturgiereformen und die Neuentwicklung des römischen Kirchengesangs (Vgl. EG, Nr. 957.).

[11] Vgl. Schulz, Seite 308.

[12] Unter dem Gregorianischen Gesang versteht man einfache Gesänge, die in Kunstprosa abgefasst sind, metrisch gebunden sind und im Wechsel von Chor und Solist gesungen werden (Vgl. Kirchenlied und Gesangbuch, Seite 30-31.).

[13] Vgl. Schulz, Seite 308-309.

[14] Vgl. Kirchenlied und Gesangbuch, Seite 55.

[15] Vgl. Schulz, Seite 309.

[16] Notker (gest. 912), mit dem Beinamen Babulus, kam aus Ostfranken und wird als Großmeister der Sequenzendichtung gesehen. Der Anfang seiner Tätigkeit wird auf 870 geschätzt (Vgl. Kirchenlied und Gesangbuch, Seite 51.).

[17] Vgl. Kirchenlied und Gesangbuch, Seite 50.

[18] Vgl. EG, Nr. 956 I 2.

[19] Ebd. Seite 52.

[20] Dies ist eine Übersetzung von Johann Leisentrit (1527-1586) aus dem Jahr 1537. Er war katholischer Priester, Domdekan und später Generalvikar in Bautzen. Er gab im Jahre 1567 das Gesangbuch: “Geistliche Lieder und Psalmen” heraus (Vgl. EG Nr. 957.).

[21] Vgl. Schulz, Seite 310.

[22] Ebd.

[23] Vgl. Schulz, 310.

[24] Ebd., Seite 311.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Kirchenlieder als Spiegel der Geschichte
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kirchengeschichte)
Veranstaltung
Arbeitsfelder der Kirchengeschichte
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V41428
ISBN (eBook)
9783638396929
ISBN (Buch)
9783640190539
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Streifzug durch 2000 Jahre Geschichte. Mit Textbeispielen den einzelnen Zeitabschnitten
Schlagworte
Kirchenlieder, Spiegel, Geschichte, Arbeitsfelder, Kirchengeschichte
Arbeit zitieren
Doreen Oelmann (Autor), 2004, Kirchenlieder als Spiegel der Geschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41428

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