Das Singen gehört genauso wie das Beten und der Gottesdienst zum christlichen Glauben. So wurde nicht nur die Bibel über Generationen überliefert und weitergegeben, sondern auch die Kirchenlieder der verschiedenen Zeitalter, welche den christlichen Glauben zum Ausdruck brachten. So befinden sich im heutigen Gesangbuch Lieder vom Beginn des Christentums bis zur heutigen Zeit, die somit die gesamte Geschichte des Christentums widerspiegeln. Dabei hat jede Zeit das Kirchenlied auf eine andere Weise geprägt und beeinflusst und dadurch unverkennbar gemacht. Das Erstaunliche an der Liedtradition ist, dass trotz dem immer währenden Fortschrittsdenken die alten Lieder immer noch aktuell sind und gern gesungen werden, wodurch auch die Beständigkeit des christlichen Glaubens zum Ausdruck kommt. Aus diesem Grund ist es sehr interessant einmal in die Geschichte des Kirchenliedes zu sehen, um auch die jeweiligen Intentionen, die man in den verschiedenen Zeiten mit den Kirchenliedern bezweckte, verstehen zu können. In der vorliegenden Arbeit soll ein Längsschnitt über die 2000 jährigen Geschichte des christlichen Liedes dargestellt werden. Dabei liegt die Betonung auf einem Überblick, da eine Fülle von Literatur über die Geschichte des Kirchenliedes existiert. Besonderes Augenmerk soll dabei auf das Lied selbst gerichtet sein, d.h. immer der jeweilige Bezug von Geschichte und Kirchenlied dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vom Urchristentum bis zum 9. Jahrhundert - Das lateinische Kirchenlied
3 Vom 9. Jahrhundert bis zum Beginn der Reformation - Die ersten deutschen Kirchenlieder
4 Das 16. Jahrhundert
4.1 Die Zeit der Reformation – Die Entstehung des evangelischen Kirchenlieds
4.2 Die Zeit der Spätreformation
5 Das 17. Jahrhundert
5.1 Konfessionalismus und Barock-Kultur - Das Lied unter dem Einfluss des Krieges und der Dichterschulen
5.2 Reformorthodoxie und Frühpietismus
6 Das 18. Jahrhundert
6.1 Die Zeit des Pietismus und der Orthodoxie - Das Lied zur Erweckung
6.2 Das Kirchenlied unter dem Einfluss der Aufklärung - Das Morallied
7 Das 19. Jahrhundert – Rückbesinnung und neue Liedformen
8 Das 20. Jahrhundert
8.2 Singbewegung und Kirchenkampf
8.2 Neues Lied und Ökumene
9 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit bietet einen wissenschaftlichen Längsschnitt durch die 2000-jährige Geschichte des christlichen Kirchenliedes. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich das Kirchenlied in verschiedenen Epochen durch geschichtliche Ereignisse und theologische Intentionen verändert hat und welche Funktion es jeweils innerhalb der christlichen Gemeinschaft erfüllte.
- Entwicklung des Kirchenliedes von der Urgemeinde bis ins 20. Jahrhundert
- Der enge Bezug zwischen historischen Epochen und liedkulturellen Veränderungen
- Funktionen des Kirchenliedes als Medium der Glaubensvermittlung und Bekenntnisbildung
- Einfluss von bedeutenden Persönlichkeiten und Bewegungen auf das Liedgut
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Zeit der Reformation - Die Entstehung des evangelischen Kirchenlieds
Vor allem das Kirchenlied diente zur Verbreitung des Reformationsgedankens, sodass eine große Singbewegung entstand. Diese Blütezeit des Kirchenliedes wurde außerdem durch den Buchdruck, der die Vervielfältigung in Form von Flugblättern ermöglichte, noch begünstigt.
Martin Luther hatte es sich, gemäß seiner Theologie, zum Ziel gemacht, die Christen wieder selbständig am Gottesdienst teilnehmen zu lassenund kämpfte aus diesem Grund für eine Reform des Gottesdienstes. Sowohl die Kirchensprache, die Messe und vor allem die Kirchenlieder sollten in deutscher Sprache sein. Dabei hatte das Kirchenlied bei Luther verschiedene Funktionen. Zum einen diente es zur Verbreitung des Gotteswortes und zur Preisung der neuen Gnade und zum anderen diente es weiterhin zur Förderung von Andacht und Erbauung und war zusätzlich der Träger des neuen evangelischen Glaubens.
Um diesen Vorgaben gerecht zu werden dichtete Luther selbst zahlreichte Kirchenlieder. Darunter auch das so genannte “Kampflied” der Reformation:
“Eine feste Burg ist unser Gott” EG 362
Eine feste Burg ist unser Gott,
eine gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel Liest sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung des Singens für den christlichen Glauben und definiert den Längsschnitt als Methode der Arbeit.
2 Vom Urchristentum bis zum 9. Jahrhundert - Das lateinische Kirchenlied: Dieses Kapitel behandelt die Anfänge des liturgischen Singens in der Urgemeinde und die exklusive Verwendung der lateinischen Sprache.
3 Vom 9. Jahrhundert bis zum Beginn der Reformation - Die ersten deutschen Kirchenlieder: Hier werden die ersten Ansätze zur Öffnung für deutsche Texte durch Tropen, Sequenzen und Leisen analysiert.
4 Das 16. Jahrhundert: Es wird die zentrale Rolle des Kirchenliedes für den Reformationsgedanken und die Bedeutung von Martin Luther als Liederdichter hervorgehoben.
5 Das 17. Jahrhundert: Das Kapitel beleuchtet den Einfluss des Dreißigjährigen Krieges auf die Liedkultur und die Entstehung von Trostliedern im Barock.
6 Das 18. Jahrhundert: Der Fokus liegt auf der pietistischen Erweckungsbewegung einerseits und der rationalistischen Prägung durch die Aufklärung andererseits.
7 Das 19. Jahrhundert – Rückbesinnung und neue Liedformen: Es wird die restaurative Tendenz sowie die Entstehung des Missionsliedes und Kinderliedes diskutiert.
8 Das 20. Jahrhundert: Die Arbeit endet mit einer Analyse der Singbewegung, des Kirchenkampfes und der ökumenischen Öffnung nach 1945.
9 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung betont die bleibende Aktualität der Lieder als historische Dokumente persönlicher Glaubenserfahrungen.
Schlüsselwörter
Kirchenlied, Christentum, Reformation, Liturgie, Gesangbuch, Pietismus, Aufklärung, Ökumene, Barock, Bekenntnis, Spirituals, Singbewegung, Erweckung, Glaubenserfahrung, Hymnologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung des christlichen Kirchenliedes über einen Zeitraum von 2000 Jahren hinweg.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Zusammenhang zwischen historischer Epoche, theologischer Ausrichtung und der Funktion des Liedes als Ausdruck christlichen Glaubens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die Geschichte des Kirchenliedes zu geben und den Bezug zwischen den Liedtexten und den historischen Bedingungen ihrer Entstehung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode des Längsschnitts, um die diachrone Entwicklung des Liedgutes strukturiert darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von den Anfängen der Urgemeinde über die Reformationszeit bis hin zu den ökumenischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Kirchenlied, Reformation, Pietismus, Aufklärung, Ökumene und Bekenntnis.
Welche Rolle spielte der Buchdruck im 16. Jahrhundert?
Der Buchdruck ermöglichte die schnelle Verbreitung des neuen evangelischen Liedgutes in Form von Flugblättern und förderte somit maßgeblich die reformatorische Singbewegung.
Wie unterscheidet sich die Liedkultur der Aufklärung von früheren Zeiten?
Die Lieder der Aufklärung waren stärker moralisierend, vernunftorientiert und belehrend, was oft zu einer kritischen Überarbeitung oder dem Ersatz älterer, bibelbetonter Lieder führte.
- Arbeit zitieren
- Doreen Oelmann (Autor:in), 2004, Kirchenlieder als Spiegel der Geschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41428