"Jus ad bellum" in der Tradition des "Gerechten Krieges" und des "Jihad"

Eine Darstellung anhand des zweiten Irakkriegs


Hausarbeit, 2015
18 Seiten, Note: 1
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Christliche Tradition des gerechten Krieges
2.1. Gerechter Grund
2.2 Legitime Autorität
2.3. Gerechte Absicht

3. Die islamische Tradition des Jihad
3.1 Gerechter Grund
3.2 Legitime Autorität
3.3 „Ultima Ratio“ und begründete Erfolgsaussichten

4. Irakkrieg
4.1 Gerechter Grund
4.2 Legitime Autorität
4.3 Gerechte Absicht, Ultima Ratio und begründete Erfolgsaussichten

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Heilige Allianzen“, „Die Achse des Bösen“, „Heiliger Krieg“ – Diese Begriffe wecken zunächst Assoziationen mittelalterlicher Kreuzzüge. Der zweite Irakkrieg macht bewusst, dass auch heute „Heilige Allianzen“ geschmiedet werden. Während die US- amerikanische Regierung zum Kampf gegen die „Achse des Bösen“ aufruft, sehnt Al- Qaeda Chef Osama bin Laden das Ende des „ungläubigen Westens“ herbei.

Die vorliegende Arbeit bemüht sich einer vergleichenden Darstellung der christlichen Tradition des „gerechten Krieges“ und der islamischen Tradition des „Jihad“. Dabei sollen die unterschiedlichen Perspektiven eines „jus ad bellum“ gegenübergestellt werden. Am Beispiel des zweiten Irakkrieges soll gezeigt werden, inwiefern sich die Kriegsparteien dieser Traditionen bedienen und sie in den Dienst der eigenen Sache stellen. Ob diese Vorgaben dem tatsächlichen Kriegshandeln gerecht werden, kann aufgrund des Umfangs dieser Arbeit nicht näher betrachtet werden. Ebenso soll nicht bewertet werden, ob die Tradition des gerechten Krieges oder die ursprüngliche Form des Jihad auf heutige, technisierte Kriege übertragen werden kann.

Das zweite Kapitel vermittelt einen Überblick über die Entwicklungsgeschichtliche der Theorie des gerechten Krieges. Die Theorieentwicklung soll anhand der Beiträge von Augustinus, Thomas von Aquin und Grotius exemplarisch dargestellt werden. Im darauffolgenden Kapitel werden die in Kapitel 1 vorgestellten Kategorien genutzt und auf die Perspektive des Jihad übertragen. Aufgrund der Breite unterschiedlicher Koranauslegungen existiert eine Vielzahl unterschiedlicher, teilweise widersprüchlicher Auffassungen bezüglich des Jihad. Daher beschränkt sich diese Hausarbeit auf die sunnitischen und schiitischen Vorstellungen und den Kontext ihrer Entstehung. In Kapitel 4 sollen die Ergebnisse der Kapitel zwei und drei erneut aufgegriffen und im Kontext des Irakkrieges beleuchtet werden. Dabei stellt sich die Frage, wie es den Kriegsparteien gelingt an die Tradition des gerechten Krieges beziehungsweise an die Tradition des Jihad anzuknüpfen.

2. Christliche Tradition des gerechten Krieges

2.1. Gerechter Grund

Augustinus bezeichnet Frieden als naturgemäße Ordnung der Dinge. Dabei unterscheidet er zwischen dem wahren, ewigen Frieden, welcher nur in Gott selbst bestand haben kann, und einem unvollkommenen, weltlichen Frieden. Krieg (als Gegenteil des von Gott gewollten weltlichen Friedens) kann nur erlaubt sein, wenn er der Wiederherstellung einer friedlichen Ordnung diene und in zeitlich direktem Zusammenhang eines Angriffs steht. Darüber hinaus unterscheidet Augustinus zwei Formen des Krieges. Einen Krieg, welcher durch menschliche Leidenschaften verursacht wird und eine Form, welche zur Friedenswahrung ausgeübt wird. In einem Brief an den römischen Feldherrn Bonifacius verweist Augustinus auf die Soldatentaufe Johannes des Täufers. Johannes taufte Soldaten und forderte sie auf, sich mit ihrem Sold zu begnügen. Er verbot ihnen nicht als Soldaten zu dienen[1]. Darüber hinaus betont er die Bedeutung der richtigen Gesinnung bei der Entscheidung zum Krieg: „Der Wille muss den Frieden im Auge haben, der Krieg darf nur die Folge der Notwendigkeit sein, dann wird Gott von der Not uns befreien und im Frieden uns bewahren. Der Feind wir nur getötet aus Not, nicht aus freiem Willen“[2]. Ebenso erkennt er Bestrafung als gerechten Grund für Kriegshandlungen an. Das Kriegsglück unterstütze die Sache der Gerechten: „he [Moses] showed not ferocity but obedience; and God in giving the command, acted not in cruelty, but in righteous retribution, giving to nil what they deserved, and warning those who needed warning...“[3].

Thomas von Aquin (1225-1274) übernimmt Augustinus Friedensbegriff. Ebenso greift er die alttestamentarische Gerechtigkeitsvorstellung eines richtenden und strafenden Gottes auf. Dabei ist Krieg zur Ahnung von Unrecht grundsätzlich nicht schlecht und daher erlaubt. Vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges und den Kämpfen zwischen europäischen Seemächte (Spanien, Portugal etc.) bemüht sich Hugo Grotius (1583-1645) um eine völkerrechtliche Formulierung der Theorie des gerechten Krieges. Auch Grotius bezeichnet Krieg als notwendiges Übel. In Anlehnung an Cicero unterscheidet er zwischen zwei Arten des Kämpfens: „eine durch Gründe, eine andere durch Gewalt. Da die erste den Menschen, die zweite den Tieren eigen ist, so darf man zu der zweiten erst dann Zuflucht nehmen, wenn man sich der ersten nicht mehr bedienen kann“[4]. Wie Augustinus und Thomas ist auch Grotius der Auffassung, dass Krieg nur zur Wiederherstellung des Friedens geführt werden darf und erkennt dabei die Wiedererlangung von Genommenen, Verteidigung und Bestrafung als legitimen Kriegsgrund an. Gleichzeitig erweitert Grotius den Naturrechtsbegriff um völkerrechtliche Aspekte. Dabei stuft er die Handelsfreiheit (besonders mit Kolonien) und das Übertreten von Ländergrenzen als natürliches Recht ein. In der Verweigerung des christlichen Glaubens sieht er hingegen keinen legitimen Kriegsgrund: „Christus, der Verkünder des neuen Gesetztes, wollte nicht, dass jemand zur Annahme seines Gesetztes durch irdische Strafen oder durch die Furcht vor solchen bestimmt werde“[5].

Ein anderer gerechter Kriegsgrund liegt vor, wenn Drittstaaten Unrecht wiederfahren und bei der Bestrafung dieses Unrechts unterstützt werden.[6] Das Beziehe allerdings keine Interventionskriege ein, welcher darauf abzielt die Machtposition eines möglichen zukünftige Feindes zu schwächen.[7] Ebenso sei bei der Entscheidung zum Krieg die Verhältnismäßigkeit zwischen Ziel und Mittel zu berücksichtigen: „ Das Ziel ist immer ein Gut oder mindestens die Abwendung eines Übels, das an Stelle eines Gutes erlangt werden kann. Die Mittel dagegen werden nicht um ihrer selbst willen begehrt, sondern nur ihrer Wirkung wegen. Daher sind bei der Beratung die Ziele untereinander zu vergleichen, ebenso die tatsächlichen Möglichkeiten, die man zur Erreichung dieser Ziele hat“[8]. Kriegsgründe, welche den Vorgaben der materiellen Gerechtigkeit (des natürlichen Rechts) und damit die Anforderungen eines bellum iustum nicht erfüllen, können dennoch als förmliche Kriegsgründe anerkannt werden. Der gerechte förmliche Krieg erfordert, „1. dass er auf beiden Seiten von dem ausgehe, der im Staat die höchste Gewalt hat; 2. Das gewisse Gebräuche hinzukommen. . . .Beides zugleich ist nötig, eines allein genügt nicht“[9]. Das Gebot der Nächstenliebe beschränkt die Anwendung von Gewalt als ultima ratio: „Diese Gründe, sich des Krieges zu enthalten, entspringen aus der Nächstenliebe, die man selbst seinen Feinde schuldig ist und mit Recht gewährt“[10].

2.2 Legitime Autorität

Augustinus unterstreicht die naturrechtliche Verpflichtung von Machthabern für Ordnung und Sicherheit zu sorgen: „ . . .for the natural order which seeks the peace of mankind, ordains that the monarch should have the power of undertaking war if he thinks it advisable, and that the soldiers should perform their military duties in behalf of the peace and safety of the community“[11]. Thomas von Aquin führt die römisch-christliche Tradition des Auctoritas- Begriffs fort und bestätigt damit, dass Kriegserklärungen und Kriegsführung „nur mit Vollmacht der Fürsten oder der Kirche“[12] zulässig sind. Grotius ist der Auffassung, dass im Fall akuter Gefahr das Staatsoberhaupt nicht befragt werden müsse. Sollte der König ein kollektiv erlittenes Unrecht nicht rächen, stehe jedem Einwohner (einer Stadt) das Recht zum Krieg offen.[13]

2.3. Gerechte Absicht

[...]


[1] Massaut, Jean-Pierre . Colloque érasmien de Li?ge. Li?ge 1987, S.287.

[2] Augustinus, Epis Ad Bonifacium, CLXXXIX, 6. In: Horn, Christoph (Hg.), Augustinus, De civitate die Oldenburg 1997, S.218.

[3] Augustinus, Contra Faustum Manichaeum, XXII, 74. In: URL: www.gnosis.org/library/contf2.htm. Letzter Zugriff: 02.08.2016.

[4] Grotius, Hugo, De jure belli ac pacis. Drei Bücher vom Recht des Krieges und des Friedens.

Tübingen 1950. S. 46.

[5] Ebda, S. 362.

[6] Ebda, S. 404.

[7] Ebda, S. 303.

[8] Ebda, S. 399.

[9] Ebda, S.64.

[10] Ebda, S.398.

[11] Augustinus, Contra Faustum Manichaeum, XXII, 75. In: URL: ww.gnosis.org/library/contf2.htm. Letzter Zugriff: 02.08.2016.

[12]iustum bellum est quod ex edicto imperiali geritur“ Thomas, summa theologica II, q. 188, a.3, arg.4. URL: www.corpusthomisticum.org/sth3183.html. Letzter Zugriff: 05.08.2016.

[13] Grotius, Hugo, De jure belli ac pacis. Drei Bücher vom Recht des Krieges und des Friedens. Tübingen 1950, S. 87.

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Details

Titel
"Jus ad bellum" in der Tradition des "Gerechten Krieges" und des "Jihad"
Untertitel
Eine Darstellung anhand des zweiten Irakkriegs
Note
1
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V414400
ISBN (eBook)
9783668651302
ISBN (Buch)
9783668651319
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jus ad bellum, Tradition, Krieg, Jihad, Islam, Vergleich, gerechter Krieg, Irak
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, "Jus ad bellum" in der Tradition des "Gerechten Krieges" und des "Jihad", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414400

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