Al-Qaida. Die Besonderheiten und Hintergründe der Terrororganisation


Essay, 2017
8 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Al-Qaida

Gewalt ist eine Form der Machtausübung, bei der die Durchsetzung der eigenen Ziele im Vordergrund steht. Macht bedeutet laut Max Weber jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht. Macht ist kein individuelles Attribut. Der Begriff bezieht sich auf eine soziale Beziehung. Jemand hat Macht immer nur gegenüber jemand anderem. Macht kommt in so gut wie jeder sozialen Beziehung vor. Machtquellen sind beispielsweise eine körperliche Überlegenheit - dies wird zur Machtquelle durch die Wahrnehmung drohenden Zwangs seitens des Schwächeren. Persönlichkeit wird zur Machtquelle durch Überzeugung, Einflüsterung und Einfluss. Besitz und Eigentum werden durch Kontrolle gesellschaftlich relevanter Ressourcen zur Machtquelle und Organisation durch überlegene Formen der Kooperation. Gewalt ist, wie oben schon genannt, eine spezifische Form von Macht, eine Verletzungsmacht. Macht ist konstruktiv und richtet sich auf soziale Beziehungen. Gewalt nicht. Gewalt richtet sich entweder auf die Verletzung oder die Tötung des Akteurs oder auf Personen außerhalb, auf Zuschauer, um Macht zu demonstrieren. Die extremste Form der Verletzungsmacht, ist die Tötungsmacht. Tötungsmacht bedeutet absolute Macht. Absolute Macht ist aber nicht monopolisierbar.

9/11 sollte jedem ein Begriff sein. Am 11. September 2001 hat der Terrorismus seinen Höhepunkt erreicht. 3000 Menschen kamen bei den Anschlägen auf das World Trade Center und Pentagon ums Leben. Einen vereitelten Anschlag auf das Weiße Haus hat es an diesem Tag auch gegeben. Al-Qaida war die erste terroristische Organisation, die es schaffte, einen Anschlag in den USA durchzuführen. Dieser Anschlag hinterließ nicht nur physischen, sondern auch nachhaltigen Schaden, was zum Einmarsch von westlichen Militärmächten in Afghanistan führte. George W. Bush rief einen „Global War on Terror“ (GWOT) aus, um den Terrorismus weltweit zu bekämpfen.

Al-Qaida ist eine Organisation des transnationalen Terrorismus. Diese Arbeit wird sich mit den Besonderheiten dieser Organisation auseinandersetzen.

Doch vorerst soll geklärt werden, was Terrorismus eigentlich ist. Terrorismus ist falsch und verwerflich, Terrorismus ist ein Verbrechen, Terrorismus ist Mord. Peter

Waldmann schreibt in Terrorismus. Provokation der Macht, dass sich Terrorismus

durch eine besondere Unmenschlichkeit, Brutalität und Willkür auszeichnet. Andreas Bock behauptet in seiner Arbeit Terrorismus, dass es mehr als 100 verschiedene Definitionen von Terrorismus gibt, aber keine einheitliche, von allen Staaten anerkannte Terrorismusdefinition. So gelten, laut Bock, Nelson Mandela und Jassir Arafat in manchen Ländern als Terroristen und in anderen hingegen als Freiheitskämpfer. Doch der Grat, der den Terroristen vom Freiheitskämpfer trennt, ist äußerst schmal. Unter Terrorismus wird laut Michail Logvinov eine „politisch- militärische Strategie eines substaatlichen Akteurs zur Durchsetzung politischen Willens verstanden, die auf systematischer Anwendung (oder Androhung) von Gewalt gegen Gelegenheits- / und / oder symbolische und / oder infrastrukturelle Ziele eines Staates fußt und auf psychische Wirkung sowie Manipulation infolge der kalkulierten Multiplikationseffekte durch massenmediale Kommunikanten abzielt.“ Primäres Ziel der Terroristen ist hiernach die Verfolgung eines politischen Ziels, durch Verbreitung von Schrecken und Furcht. Peter Waldmann schreibt in seiner Arbeit Terrorismus, dass unter Terrorismus planmäßig vorbereitete, schockierende Gewaltanschläge aus dem Untergrund gegen eine politische Ordnung zu verstehen sind. Sie sollen vor allem Unsicherheit und Schrecken verbreiten, daneben aber auch Sympathie und Unterstützungsbereitschaft für Mitläufer erzeugen.

Es existieren verschiedene Erscheinungsformen von Terrorismus. Der Terrorismus lässt sich zunächst durch die Ideologie einordnen, aber er lässt sich auch strukturell voneinander abgrenzen, durch seine operative Wirkungsweise. Es existieren drei große Arten. Der nationale, der internationale und der transnationale Terrorismus. Al-Qaida lässt sich im transnationalen Terrorismus einordnen. Er zeichnet sich durch seine vollständige Entgrenzung, sowie seine universelle Ideologie aus.

Al-Qaida entstand zunächst aus einer Guerillabewegung heraus. Zur Entstehung von Al-Qaida kommen wir aber später. Guerillakämpfer sind grundsätzlich von Terroristen zu unterscheiden. Ziel der Guerillabewegungen ist es, ein Gebiet einzunehmen und zu führen, was möglichst langanhaltend ausgeübt werden soll. Die Bewegung versteht sich hierbei als das neue militärische Heer eines Teils eines Landes bzw. Staates. Guerillakriege entstehen nur in Gebieten, die ohnehin schon schwer von der Regierung zu kontrollieren sind. Oder in Regionen, welche sehr abgelegen sind. Guerillakämpfer hegen somit ein territoriales Interesse. Terroristen

im Gegensatz sind eher weniger in der Lage ein Teilgebiet eines Staates dauerhaft

zu halten bzw. zu besetzen oder zu kontrollieren. Das Einsetzen von Gewalt ist ein weiterer Unterschied. Gewalt wird von Guerillakämpfern eher als Strategie zur Kapitulation des Gegners eingesetzt. Vor allem wird hier die Art von körperlicher Gewalt eingesetzt. Wie oben schon genannt, ist Gewalt eine spezifische Form von Macht, eine Verletzungsmacht. Terroristen hingegen versuchen durch terroristische Anschläge Angst und Schrecken zu verbreiten. Hierbei werden viele Menschen getötet. Die extremste Form der Verletzungsmacht, ist die Tötungsmacht. Dass Terroristen eine solche Macht besitzen und viele Menschen auf einmal durch einen einzigen Anschlag töten können und dies auch gezielt wollen, ist sehr erschreckend. Das ist ein letzter großer Unterschied. Guerillakämpfer greifen „nur“ einzelne Menschen an, wie Politiker, Polizisten oder andere Personen des Staates. Terroristen verüben zusätzlich Anschläge auf die Zivilbevölkerung, um einen gewünschten psychologischen Effekt zu erzielen. Guerillakämpfer streben also primär auf die Zermürbung des Feindes und Terroristen auf den psychischen Zwang an.

Osama bin Laden - es wird kaum jemanden geben, der diesen Namen nicht kennt

- nannte sein erstes Terrortrainingslager die Löwengrube - „Masadah“. Aus diesem Lager heraus wollte er den Heiligen Krieg in andere Länder tragen. Schon bald wurde daraus die Idee eines weltweiten Jihad gegen die sogenannten Ungläubigen. Die erste und entscheidende Formierungsphase fand zwischen 1979 und 1988 statt. Wie oben schon erwähnt, entstand die Al-Qaida aus einem Guerillakrieg heraus. Der Krieg richtete sich gegen sowjetische Besatzer in Afghanistan. Osama bin Laden schloss sich mit anderen Organisationen, die der gleichen Ideologie folgten, zusammen. Bei einem Treffen am 11. August 1988 diskutierten führende Mujaheddin - Jihad-Kämpfer - über den Kampf aller Muslime gegen die „Gottlosen“

- den Westen. Dies gilt als Geburtsstunde der Al-Qaida. Sie erlangten schnell Anerkennung durch den Abzug der Sowjettruppen 1989. Darin sahen viele den Beleg für bin Ladens These: durch hohen Blutzoll können die Gotteskrieger weltweit Erfolg erlangen.

Finanzieren konnte sich der Guerillakrieg durch verschiedene Organisationen und Staaten. Im Vordergrund stehen hier der pakistanische Geheimdienst, Saudi- Arabien und die USA. Osama bin Laden war der Sohn eines saudischen

Multimillionärs. Er spendete nicht einfach nur Geld, er beteiligte sich unmittelbar am

Jihad. Trotz seines Vermögens teilte er sich die heruntergekommenen Unterkünfte und die kargen Mahlzeiten mit meist bettelarmen Gotteskriegern. Sein Vorbild war hierbei ein Mann namens Abdallah Azzam, ein pakistanischer Professor, der an der Universität im pakistanischen Islamabad lehrte. Azzam glaubte an die Ideologie, dass jede Idee ihre Vorkämpfer braucht, eine Avantgarde, die ohne Rücksicht auf ihr eigenes Wohlergehen diese Idee durchsetzt. Zusammen mit Azzam gründete bin Laden 1984 ein Rekrutierungsbüro für die Mujaheddin. Dieses Rekrutierungsbüro sollte die Mujaheddin mobilisieren, um die sowjetischen Besatzer zu besiegen. Unter den Freiwilligen waren auch Mitglieder des ägyptischen Islamischen Jihad, der terroristischen Organisation Danzig al-Jihad. Diese Terrorgruppe war 1981 an der Ermordung von Präsident Anwar as-Sadat beteiligt. Ihr Anführer, Ayman al-Zawahiri wurde ein enger Verbündeter von bin Laden und stieg später sogar zu seinem Stellvertreter auf. Er verfolgte das gleiche Ziel, nämlich das Konzept des Heiligen Krieges auf andere Länder zu übertragen. Al-Zawahiri wird bis heute als Ideengeber von 9/11, sowie als Chef-Ideologe betrachtet. Durch die Verbündung von Al-Qaida und Danzig al-Jihad gelang einiges an Know-how in die Al-Qaida. Sprengstoff, Waffenkunde, sowie Spionage von Verhaltensweisen wichtiger Mitglieder der Regierung gehörten zu der Ausbildung dieser Gruppierung. Dadurch, dass sie Gotteskrieger aus verschiedenen Ländern und Regionen rekrutierten, gelang ihnen eine transnationale Anhängerstruktur. Daraus entstanden hervorragende Bedingungen, um den bewaffneten Jihad in andere Länder zu tragen.

Am 26. Februar 1993 explodierte eine Autobombe im Tiefgeschoss des World Trade Centers. Das war der erste versuchte Massenmord der Al-Qaida. Sechs Menschen starben bei diesem Anschlag und tausend wurden verletzt. Wenn die Attentäter die Bombe anders platziert hätten, dann wäre wohl einer der Türme eingestürzt und hätte mehrere tausende Menschen in den Tod gerissen. Ziel dieser Aktion war es, die US-Amerikaner zu einem Rückzug aus dem kompletten Nahen- und Mittleren Osten zu bewegen. Dieses Ziel wurde mit dem Anschlag erfüllt. Am 23. August 1996 erklärte bin Laden der USA den Krieg. Somit erfolgte ein Strategiewechsel, was die Al-Qaida zu einer global orientierten terroristischen Organisation transformierte. Die Al-Qaida führte nun keine Guerillakriegsführung mehr, sondern eine operative Strategie des Terrorismus.

Durch die Taliban und Afghanistan erlang die Al-Qaida eine völlig neue Dimension.

Das Bündnis bestand aus fünfzehn Gruppen aus über fünfzig verschiedenen Staaten. Damit erreichte Al-Qaida die höchste Form der Transnationalisierung. Von Mullah Omar, dem Anführer der Taliban bekam bin Laden 2000 bewaffnete Jihadisten zur Verfügung gestellt, welche er gegen die Nordallianz einsetzte. Bin Laden pflegte über weit ausgebaute Kontakte, durch die er fünf Ausbildungszentren schaffen konnte. Die Finanzierung erfolgte über diverse Wohltätigkeitsorganisationen. Es wurden ca. 6000 Gotteskrieger ausgebildet. Vor allem wurden Experten im Bombenbau herangezogen. Mit dem Anschlag am 11. September 2001 zog die Al-Qaida die Weltaufmerksamkeit auf sich. Der Anschlag zeigte, dass die USA doch nicht so unverwundbar ist und führte zu weltweiten Ängsten vor weiteren Anschlägen. Wie oben schon erwähnt führte dieser Anschlag mit ca. 3000 Toten nicht nur zu einem enormen physischen Schaden, sondern auch zu einem psychischen. So einen Anschlag hat es bis dato noch nicht gegeben.

Osama bin Laden wurde am 02. Mai 2011 von Spezialeinheiten der Navy Seals im zweiten Stock seines Anwesens in Abbottabad, Pakistan erschossen. Die Militäroperation Neptun’s Spear wurde von US-Präsident Barack Obama befohlen. Bei der Aktion kamen vier weitere Personen ums Leben, darunter ein Sohn bin Ladens.

Es scheint, als wäre bin Laden ein sehr mächtiger Mann gewesen. Wenn man ihn mit den oben genannten Machtquellen vergleicht, wird deutlich, dass er auf jeden Fall Eigenschaften besaß, die ihn zu einem mächtigen Mann gemacht haben. Durch seine überzeugende Persönlichkeit hat er es geschafft, viele Menschen auf seine Seite zu ziehen und somit eine Armee von Gotteskriegern zu schaffen. Dadurch, dass er trotz seines Besitzes und Reichtums das Essen und die heruntergekommenen Unterkünfte mit den anderen Mujaheddin geteilt hat und sich nicht zu fein war, hat womöglich tiefen Respekt bei den Mitläufern ausgelöst, womit sie sich ihm unterwarfen. Eine seiner Stärken muss wohl Organisation und Kooperation gewesen sein, da er ohne diese nicht hätte ein transnationales Netzwerk über solche Dimensionen aufbauen können.

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Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Al-Qaida. Die Besonderheiten und Hintergründe der Terrororganisation
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Soziologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V414421
ISBN (eBook)
9783668651180
Dateigröße
885 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
al-qaida, terrorismus, 9/11
Arbeit zitieren
Isabella Schmid (Autor), 2017, Al-Qaida. Die Besonderheiten und Hintergründe der Terrororganisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414421

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