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Die Entwicklung des städtischen Schulwesens im Spätmittelalter. Braunschweig, Lübeck und Breslau

Titel: Die Entwicklung des städtischen Schulwesens im Spätmittelalter. Braunschweig, Lübeck und Breslau

Examensarbeit , 2015 , 69 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Maria Hesse (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Mit dem Aufblühen der Städte im Verlauf des späten Hochmittelalters kam es zu entscheidenden Veränderungen in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Nicht mehr nur Herzöge und Fürsten bestimmten das Zusammenleben der Gemeinschaft, sondern zunehmend erkämpften sich und erhielten die Bewohner der Städte Rechte und Privilegien, was dazu führte, dass die Funktionsweise der Stadt und das Zusammenleben der Menschen den gemeinsamen Regelungen unterlag. Der Wille zur Selbstbestimmung und Unabhängigkeit wurde immer größer. Somit strebten die Bürger einer Stadt auch die Selbstbestimmung der Jugenderziehung an und versuchten zunehmend, sich von dem Bildungsmonopol der Kirche zu lösen. Es stellt sich hierbei die Frage, welche ausschlaggebenden Aspekte es im 13., 14. und 15. Jahrhundert gab, welche die Bürger einer Stadt dazu veranlasst haben, das Bildungsmonopol der Kirche in Frage zu stellen und anzutasten. Wer erteilte das Recht, eine Schule zu gründen? Wie ging dieser rechtliche Akt vonstatten und welche Auswirkungen brachte diese Veränderung in der Gesellschaft der Stadtbewohner mit sich? Auch ist die Frage zu klären, wie sich im Zuge dieser Veränderungen das Verhältnis von Kirche und Stadtverwaltung kennzeichnete. Diese und weitere Fragen sollen im Verlauf der vorliegenden Arbeit in Bezug auf die Städte Breslau, Lübeck und Braunschweig vergleichend untersucht und geklärt werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

1.2 Quellen- und Forschungsbericht

1.3 Aufbau und Methode der Arbeit

2. Städte als Motor zur Weiterentwicklung des Schulwesens im Spätmittelalter

2.1 Die „neue“ Stadtbevölkerung - der Wille nach Selbstbestimmung

2.2 Stadt und Bildung – ein Zusammenhang?

3. Städtische Schulen im Spätmittelalter

3.1 Die kirchen- und stadtpolitischen Voraussetzungen der Städte

3.1.1. Die Geschichte Braunschweigs im Hinblick auf die Gründung der ersten städtischen Schule zu Beginn des 15. Jahrhunderts

3.1.2 Lübeck im 12. und 13. Jahrhundert

3.1.3 Die Stadtgeschichte Breslaus

3.2 Ursachen und Auslöser für städtische bildungsinstitutionelle Bestrebungen

3.2.1 Braunschweigs Bestrebungen im 15. Jahrhundert und ihre Ursachen

3.2.2 Gründe für das bildungsinstitutionelle Bestreben der Lübecker Stadtbürger

3.2.3 Breslaus erste Schulgründung und deren Beweggründe

3.3. Vom Antrag zur Gründung – der rechtliche Ablauf einer Schulgründung

3.4. Exkurs: Schultypen in der Schullandschaft des Spätmittelalters

3.5 Städtische Schulen in Abgrenzung zu kirchlichen Bildungseinrichtungen – Pfarrschule und Domschule

3.6. Das Spannungsverhältnis zwischen Kirche und Stadt im Zuge der städtischen Schulentwicklung

3.6.1 Der Streit um die Schulfrage im spätmittelalterlichen Braunschweig

3.6.2 Die Lübecker Schulfrage

3.6.3 Die Situation des Breslauer Stadtrats und der Kirche im Zusammenhang mit der Schulfrage

4. Die Auswirkungen der sich verändernden Schulpolitik im Verlauf des Spätmittelalters – ein Ausblick

5. Braunschweig – Lübeck – Breslau: ein zusammenfassender Vergleich

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung des städtischen Schulwesens im Spätmittelalter am Beispiel der Städte Braunschweig, Lübeck und Breslau. Ziel ist es, die Motive der bürgerlichen Emanzipation vom kirchlichen Bildungsmonopol, die rechtlichen Abläufe von Schulgründungen sowie das Spannungsverhältnis zwischen städtischer Selbstverwaltung und kirchlicher Kontrolle vergleichend zu analysieren.

  • Bürgerliche Autonomiebestrebungen im Bildungswesen
  • Rechtliche Legitimation städtischer Schulgründungen
  • Spannungsfelder zwischen städtischem Rat und kirchlichen Institutionen
  • Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf die Bildungsentwicklung
  • Vergleichende Analyse der Stadtgeschichten und Schulpolitiken

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Braunschweigs Bestrebungen im 15. Jahrhundert und ihre Ursachen

Seit dem 14. Jahrhundert versuchte die städtische Bevölkerung Braunschweigs, ihren Einfluss auf der kirchenpolitischen Ebene der Stadt zu erhöhen. Hierbei wurde besonderes Augenmerk auf das Pfarrwesen und somit die Pfarrkirchen gelegt. „[Die Pfarrkirche] war ursprünglich zentraler Ort der Seelsorge und blieb in dieser Funktion bestimmend […]. Eine unmittelbare Auswirkung kirchlicher Vorschriften der verschiedenen Lebensbereiche [somit auch in Bezug auf Bildung] sowie allgemein der kirchlichen Glaubenslehre auf breite Volksschichten konnte am ehesten auf dieser Ebene [der Pfarrkirche als kleinsten territorialen Einheit der Kirchenorganisation] sichergestellt werden.“55 Die Pfarrkirchen standen aufgrund ihrer seelsorgerischen Bedeutung für die Bevölkerung und der dadurch resultierenden möglichen starken Einflussnahme auf eben diese Bevölkerung durch die Kirchenherren häufig im Konfliktfeld zwischen "[…] ihren verfassungsmäßigen Grundlagen als Teil der Kirchenorganisation einerseits und den rechtlichen und politischen Kräfteverhältnissen im räumlichen Gebiet ihrer Gründung und Entfaltung andererseits […]“.56

Entscheidend war bei der Gründung einer Pfarrkirche die Rechtslage, die sich dann wiederum auf die Wahl des Pfarrherrn auswirkte. Die Gründer einer Pfarrkirche hatten häufig auch das Patronat und Präsentationsrecht und somit weitreichende Einflussmöglichkeiten auf die innere Gestaltung der Kirche. „Städtische Pfarrkirchen vor allem des späten Mittelalters sollten dem Vordringen des Bürgertums, das das Pfarrerwahlrecht für sich zu beanspruchen suchte, in besonderer Weise ausgesetzt sein.“57 Ein häufiger Kritikpunkt an der spätmittelalterlichen Kirchenorganisation vonseiten der städtischen Bevölkerung und der aufstrebenden Bürger stellt die mögliche Kumulation von Pfründen dar. Häufig hatten Pfarrherren mehrere Ämter inne, gehörten z.T. noch zum Kirchenpersonal der Stiftskirchen oder dergleichen und nahmen aus diesem Grund Stellvertreter in Anspruch, die sie in den kleineren Pfründen vertraten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung von Wissen als Machtfaktor ein und umreißt die Ablösung des kirchlichen Bildungsmonopols durch städtische Bildungsbestrebungen.

2. Städte als Motor zur Weiterentwicklung des Schulwesens im Spätmittelalter: Das Kapitel analysiert den Aufstieg des Bürgertums und den wachsenden Wunsch nach städtischer Selbstbestimmung sowie den Zusammenhang zwischen städtischer Entwicklung und Bildung.

3. Städtische Schulen im Spätmittelalter: Hier werden die politischen Voraussetzungen und Ursachen für städtische Schulgründungen in Braunschweig, Lübeck und Breslau sowie der rechtliche Ablauf der Gründungen detailliert untersucht.

4. Die Auswirkungen der sich verändernden Schulpolitik im Verlauf des Spätmittelalters – ein Ausblick: Es wird die langfristige Entwicklung bürgerlicher Bildungsinitiativen und deren Bedeutung für die Gesellschaft thematisiert.

5. Braunschweig – Lübeck – Breslau: ein zusammenfassender Vergleich: Dieses Kapitel stellt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Fallstudien gegenüber und zieht Rückschlüsse auf die Rolle der jeweiligen Stadtgeschichte.

6. Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung des städtischen Schulwesens als ersten Angriff auf kirchliche Privilegien und als Fundament für spätere bildungspolitische Entwicklungen.

Schlüsselwörter

Spätmittelalter, städtisches Schulwesen, Bildungsmonopol, Kirche, Bürgertum, Braunschweig, Lübeck, Breslau, Selbstverwaltung, Autonomie, Schulentwicklung, Privileg, Stadtgeschichte, Pfarrschule, Domschule

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht, wie sich das städtische Schulwesen im Spätmittelalter entwickelte und wie die Städte Braunschweig, Lübeck und Breslau versuchten, sich vom kirchlichen Bildungsmonopol zu emanzipieren.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die Entwicklung der Stadtverfassungen, das Ringen um städtische Autonomie, die Rolle der Kirche als bisheriger Schulträger und die vergleichende Analyse spezifischer Stadtgeschichten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die politischen, gesellschaftlichen und rechtlichen Bedingungen zu ergründen, die den Bürgern die Gründung eigener städtischer Schulen ermöglichten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf der Analyse zeitgenössischer Quellen, insbesondere von päpstlichen Urkunden und Gründungsurkunden, kombiniert mit einer vergleichenden historischen Betrachtung der drei untersuchten Städte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Voraussetzungen, die Untersuchung der Ursachen und Auslöser für städtische Schulen, den rechtlichen Ablauf der Gründungen sowie die Analyse des Spannungsverhältnisses zwischen Rat und Kirche.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Bürgerliche Selbstverwaltung, kirchliches Bildungsmonopol, spätmittelalterliches Schulwesen, städtische Autonomie und päpstliche Privilegien sind die prägenden Begriffe.

Welche Bedeutung hatte das Papsttum für die Schulgründungen in Braunschweig?

Aufgrund der Exemtion der Braunschweiger Kirchen unterstanden diese dem päpstlichen Schutz. Daher mussten die Bürger für die Gründung städtischer Schulen direkt bei der Kurie ein päpstliches Privileg erwirken.

Warum wird im Fall Breslau der Schulweg als besonderes Argument in den Urkunden hervorgehoben?

In Breslau wurde der Schulweg nicht nur als weit, sondern aufgrund der Flusslage und der baufälligen Brücken als lebensgefährlich beschrieben, was die Dringlichkeit für eine neue, städtische Schule unterstrich.

Wie unterscheidet sich die Situation in Lübeck von der in Braunschweig?

Lübeck etablierte einen Stadtrat deutlich früher als Braunschweig, was bereits im 13. Jahrhundert einen anderen politischen Spielraum für städtische Bestrebungen gegenüber dem bischöflichen Einfluss schuf.

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Details

Titel
Die Entwicklung des städtischen Schulwesens im Spätmittelalter. Braunschweig, Lübeck und Breslau
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Autor
Maria Hesse (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
69
Katalognummer
V414470
ISBN (eBook)
9783668652125
ISBN (Buch)
9783668652132
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spätmittelalter Städtisches Schulwesen Breslau Lübeck Braunschweig Bildung Bürgerliche Selbstbestimmung Schule Unterricht
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Maria Hesse (Autor:in), 2015, Die Entwicklung des städtischen Schulwesens im Spätmittelalter. Braunschweig, Lübeck und Breslau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414470
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Leseprobe aus  69  Seiten
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