Arbeiterbewegung und Staatsnotstand. Haltungen und Erwägungen von KPD, SPD und ADGB zu den Staatsstreichplänen der Regierung Schleicher


Hausarbeit, 2002

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Thematik
1.2 Materialgrundlage
1.2.1 Quellen
1.2.2 Fachliteratur

2 Präsidialsystem und Staatsnotstand

3 Die Arbeiterbewegung in der Notstandsplanung
3.1 Das Szenario
3.2 Maßnahmen gegen die Arbeiterschaft
3.3 Schleichers Einschätzung der Arbeiterschaft

4 Arbeiterbewegung versus Staatsnotstand
4.1 KPD
4.1.1 Massenstreiks gegen Staatsstreich, Regierung und Republik
4.1.2 Der Kampf gegen die „Sozialfaschisten“ hat Vorrang
4.2 SPD
4.2.1 Verbale Ablehnung und handlungspolitische Resignation
4.2.2 Abweichende Strömungen innerhalb der SPD
4.3 ADGB: Auf gleicher Linie mit der SPD

5 Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen

Fachliteratur

1 Einleitung

1.1 Thematik

In ihrer Arbeit über die Staatsnotstandsplanung der Regierungen Papen und Schleicher[1]bezeichnen Kolb und Pyta die Staatsstreichspläne des Reichskanzlers Kurt von Schleicher als „Möglichkeit einer späteren Wiederherstellung parlamentarischer Regierungsweise“[2], die unter der Kanzlerschaft Hitlers nicht mehr bestand.[3]

Handelte es sich aber bei den Notstandsplänen Schleichers um eine realistische Alternative zur Kanzlerschaft Hitlers? Um diese Frage einigermaßen beantworten zu können, muss neben der Untersuchung der Regierungspläne auch analysiert werden, wie mögliche Gegner planten, sich für den Fall des Notstandes zu verhalten.

Da ein potenzieller Gegner vor allem in der Arbeiterbewegung gesehen wurde[4], soll in der vorliegenden Hausarbeit untersucht werden, welche Haltung die Arbeiterbewegung zu den Staatsnotstandsplänen der Regierung Schleicher einnahm und ob sie Gegenmaßnahmen dazu erwog. Am Ende der Analyse soll dann eine Hypothese darüber aufgestellt werden, ob der Staatsstreich tatsächlich eine gangbare Alternative zur Kanzlerschaft Hitlers dargestellt hätte. Dafür sollen die Haltungen und Erwägungen von KPD und SPD als den beiden Reichstagsparteien der in sich nicht monolithischen Arbeiterbewegung und des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) untersucht werden. Dabei liegt der Schwerpunkt der Analyse bei den beiden Parteien.

Im folgenden soll zunächst in einer historischen Einführung erläutert werden, warum Schleicher sich im Januar 1933 zur Proklamation des Staatsnotstandes entschloss und was dies genau bedeutete (2). Darauf folgt eine Betrachtung der Rolle der Arbeiterbewegung in den Notstandsplänen (3). Mit den Kenntnissen über die Maßnahmen der Regierung gegen die Arbeiter für den Fall des Widerstandes können die Erwägungen der letzteren über Widerstandsaktionen besser eingeschätzt werden. Daran schließt sich dann die Analyse der Haltungen und Erwägungen der Arbeiterbewegung an (4). Darauf folgen schließlich die Schlussfolgerungen (5), sowie das Quellen- und Literaturverzeichnis (6).

1.2 Materialgrundlage

1.2.1 Quellen

Die vorliegende Arbeit stützt sich auf folgende Quelleneditionen:

Für die Staatsnotstandsplanung auf die Akten der Reichskanzlei, speziell auf die Akten der Kabinette Papen und Schleicher. Für die Untersuchung der Arbeiterbewegung wurden zugrunde gelegt die Quellen zur Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung im 20. Jahrhundert für den ADGB, die Akten des Parteivorstandes der SPD aus den Jahren 1932/33 und die Generallinie der KPD. Darüber hinaus wurde der Band über das Ende des parlamentarischen Systems der Weimarer Republik der Quellenreihe Ursachen und Folgen herangezogen.

An Quellen außerhalb einer Edition wurde die Dokumentation von Pyta über die Staatsnotstandsplanungen unter Papen und Schleicher, die in den Militärgeschichtlichen Mitteilungen erschienen ist, verwendet.

1.2.2 Fachliteratur

Grundlegend für diese Hausarbeit ist das schon angesprochene Werk von Kolb und Pyta, dass nicht nur für die Behandlung der Notstandsplanung, sondern auch für die Analyse der Haltungen und Erwägungen der Arbeiterschaft genutzt wurde. Ebenfalls zur Bearbeitung des Gesamtkomplexes dienten die Arbeiten von Bracher und Hentschel zur Endphase der Weimarer Republik.

Des Weiteren wurde für die Bearbeitung der Staatsstreichspläne die Werke von Carsten zur Reichswehr, von Plehwe zur Kanzlerschaft Schleichers und von Schildt zur Politik Schleichers am Ende der Weimarer Republik, und für die Arbeiterbewegung die Arbeiten von Bahne zur KPD, von Matthias zur SPD sowie von Winkler zur gesamten Arbeiterbewegung am Ende Weimars herangezogen.

2 Präsidialsystem und Staatsnotstand

Um zu verstehen, warum Reichskanzler Kurt von Schleicher im Januar 1933 den Staatsnotstand ausrufen wollte, muss ein Blick auf die Funktionsbedingungen der seit Ende März 1930 gebildeten Präsidialkabinette geworfen werden

Die Präsidialkabinette zeichneten sich dadurch aus, dass der Reichskanzler nur vom Vertrauen des Reichspräsidenten abhängig war und die Kabinettsbildung unabhängig von den Mehrheitsverhältnissen im Reichstag erfolgte.[5]Dabei lassen sich zwei Typen von Präsidialkabinetten unterscheiden. Zum einen das tolerierte Präsidialkabinett,[6]so das „notdürftig“[7]tolerierte Kabinett Brünings. Die andere Variante stellt demnach das nicht tolerierte Kabinett dar,[8]so die „Regierung gegen die Parteien“[9]Franz von Papens.

Konnte die tolerierte Präsidialregierung den Reichstag wenigstens von Zeit zu Zeit zusammentreten lassen, musste der Kanzler, der nicht toleriert wurde, mit einem Misstrauensvotum und dem Sturz seiner Regierung rechnen, da er ja im Parlament über keine Mehrheit verfügte.[10]

Neben seiner Demission hatte ein im letzten genannten Fall regierender Reichskanzler zwei Möglichkeiten, ein Misstrauensvotum gegen seine Person zu verhindern: Zum einen das ständige Auflösen und Neuwählen des Reichstages, zum anderen dessen Auflösung mit Aussetzung oder Verschiebung der Neuwahlen über die im Artikel 25 der Weimarer Reichsverfassung festgelegten 60 Tage hinaus, was einen klaren Verfassungsbruch dargestellt hätte.[11]

Das Festhalten an einem nicht tolerierten Kabinett musste nun, da sich die erste der genannten Möglichkeiten nicht auf Dauer durchhalten ließ, auf die Zweite, den Verfassungsbruch und damit Staatsstreich, hinauslaufen.[12] Es ist hier darauf hinzuweisen, dass der Staatsstreich in den Quellen, und damit im historischen Kontext, nicht als solcher, sondern als Staatsnotstand bezeichnet wurde. Mit dem Staatsnotstand, dass meinte vor allem die durch die Blockademehrheit von KPD und NSDAP entstandene Arbeitsunfähigkeit des Reichstages, sollte die Aussetzung bzw. der Aufschub von Neuwahlen über die genannten 60 Tage hinaus legitimiert werden. Er war nicht in der Verfassung der Weimarer Republik verankert und daher im Grunde nur eine euphemistische Umschreibung für den von der Regierung beabsichtigten Staatsstreich.[13]

Anfang August und Dezember 1932 hätte es zum ersten Mal zur Proklamation des Staatsstreiches kommen können, als Reichspräsident Hindenburg bereit gewesen war, Reichskanzler Papen die nötigen Vollmachten zu erteilen.[14]Papen ließ die erste Gelegenheit jedoch verstreichen[15], und beim zweiten Mal konnte er sich nicht gegen Reichswehrminister Schleicher und dessen Vorhaben durchsetzen, der Regierung mit Hilfe einer Gewerkschaftsfront eine Tolerierungsmehrheit zu schaffen. Papen trat deshalb zurück und Schleicher wurde neuer Reichskanzler.[16]

Januar 1933 zeichnete sich jedoch ein Scheitern der als „Querfront“ bezeichneten Pläne Schleichers ab.[17]Da ihm in der für Ende Januar einberufenen nächsten Reichstagssitzung nun selbst ein Misstrauensvotum drohte, entschloss sich Schleicher zur Rettung seines Kabinettes ebenfalls dazu, den Weg des Staatsnotstandes zu gehen.[18]In der Kabinettssitzung vom 16. Januar fasste er den Entschluss, den Reichspräsidenten um die nötigen Vollmachten zu bitten.[19]

Staatsnotstand bedeutete also die Aussetzung von Neuwahlen zum Reichstag oder deren Aufschub über die verfassungsgemäßen 60 Tage hinaus, und war damit ein Verfassungsbruch, weshalb synonym dazu auch der Begriff Staatsstreich verwendet werden kann. Reichskanzler Kurt von Schleicher entschloss sich zur Proklamation des Staatsnotstandes, um den Sturz seiner Regierung, die im Reichstag trotz seiner Bemühungen keine Mehrheit erhalten hatte, zu verhindern.

Wie sich die Regierung gegen möglichen Widerstand von Seiten der Arbeiterschaft eingestellt hatte und wie diese von Schleicher persönlich eingeschätzt wurde, soll im nächsten Kapitel behandelt werden.

3 Die Arbeiterbewegung in der Notstandsplanung

3.1 Das Szenario

Für den Fall der Ausrufung des Staatsnotstandes rechnete das Kabinett Schleicher wie die Vorgängerregierung Papens schlimmstenfalls mit einem politisch motivierten Generalstreik.[20]Hauptakteure eines solchen Streikes sah die Regierung in der KPD und der SPD, die unter Umständen als „Einheitsfront“ agieren würden, samt ihren Organisationen wie den Freien Gewerkschaften und der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO).[21]Auch eine mögliche Beteiligung der NSDAP wurde in Betracht gezogen, der entschiedene Gegner des Notstandes wurde aber in der Arbeiterbewegung gesehen.[22]Quellenmäßig belegt ist diese Lageeinschätzung unter anderem durch ein Gespräch Papens mit dem DVP-Vorsitzenden Dingeldey am 16. November 1932.23[23]

Wie einleitend schon erwähnt sah also die Reichsregierung in der Arbeiterbewegung den wichtigsten potenziellen Gegner eines Staatsstreiches. Sie rechnete im schlimmsten Fall mit einem politischen Generalstreik, vermutlich dachte sie dabei auch an den Kapp-Putsch vom März 1920. Die Abwehr eines solchen Streikes wurde damit zum Kern der gegen die Arbeiterschaft gerichteten Maßnahmen.

3.2 Maßnahmen gegen die Arbeiterschaft

Hinsichtlich des oben geschilderten Szenarios zielten die Planungen der Regierungen Papen und Schleicher darauf, den „politischen Streik zu einer stumpfen Waffe“[24]zu machen und durch die Verhängung hoher Strafen bereits „im Keime“[25]zu ersticken.

Den Kern der sich gegen die Arbeiterbewegung und ihre Organisationen richtenden Maßnahmen bildeten die zum „Schutz lebensnotwendiger Betriebe“ vor allem vom Reichsinnenministerium ausgearbeiteten Notverordnungen.[26]Der Begriff „lebensnotwendige Betriebe“ meinte „Betriebe, die der Versorgung der Bevölkerung mit Licht, Wärme oder Kraft dienen (...).“[27]Darüber hinaus wurde die Reichsregierung ermächtigt,[28]weitere Betriebe ebenfalls „für lebensnotwendig zu erklären“,[29]wodurch sie de facto eine Blankovollmacht erhielt.[30]

Wer nun in einem solchen für „lebensnotwendig“ erklärten Betrieb zur Arbeitsniederlegung oder Aussperrung aufrufen sollte, einen solchen durch finanzielle oder andere Art unterstützten wollte oder auch nur die Arbeit verlangsamen sollte, musste nach dem Willen der Regierung im Ernstfall mit einer Geld- oder Haftstrafe rechnen.[31]Sabotage sollte mit fünf Jahren Zuchthaus geahndet werden[32], und Paragraph vier der Notverordnung erlaubte es, verdächtige Personen in polizeilichen Gewahrsam zu nehmen: „Wer in den dringenden Verdacht einer Zuwiderhandlung gegen §1 oder §2[33]steht, kann im Interesse der öffentlichen Sicherheit in polizeiliche Haft genommen werden.“[34]

Für den Fall dass es trotz aller Strafandrohungen dennoch zu dem befürchteten Streik hätte kommen sollen, wurde die Regierung ermächtigt „(...) Notstandsarbeiten und Notstandsversorgung zu sichern (...), die zur Versorgung der Bevölkerung oder zur Weiterführung des Betriebes geeignet sind.“[35]Dazu wurde auch die Technische Nothilfe[36]von der Regierung Papen wieder reaktiviert.[37]Damit sollte während eines Streikes zumindest das Funktionieren der öffentlichen Versorgungseinrichtungen garantiert und der Streik entschärft werden.[38]

Die unter Papen entstandenen Pläne wurden vom Kabinett Schleicher übernommen und weiter ausgearbeitet. So wurde als weitere Maßnahme erwogen, Arbeitnehmern, die „sich an einem verbotenen Streik beteiligten (...) für volle Zeit ihren Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung“[39]zu streichen. Außerdem sollten „Organisationen und Parteien oder deren Mitglieder, die zu einem verbotenen Streik auffordern (...) zivilrechtlich für etwa entstandenen Schaden haftbar (...)“[40]gemacht werden.

Die gegen die Arbeiterschaft gerichteten Maßnahmen dienten also hauptsächlich dazu, die wirksamste Waffe der Arbeiter, den Generalstreik für den Ernstfall zu illegalisieren und die Arbeiterbewegung für möglichen Schaden haftbar zu machen, um einem Streik jede Attraktivität zu nehmen. Sie machen aber auch deutlich, wie intensiv sich die Regierungen Papen und Schleicher auf den Staatsstreich vorbereitet hatten, und auch, dass die Arbeiterschaft von der Regierung auf keinen Fall unterschätzt wurde.

3.3 Schleichers Einschätzung der Arbeiterschaft

Auch wenn Schleichers Regierung das Szenario und die Planungen der Vorgängerregierung übernahm und weiter ausarbeitete, so scheint doch Schleicher persönlich den Widerstandswillen der Arbeiterbewegung als weniger stark angesehen zu haben.

So ließ Schleicher der SPD Mitte Dezember 1932 durch den Major von Bredow ein Angebot unterbreiten, in welchen er von den Sozialdemokraten die Tolerierung der Auflösung des Reichstages und den Aufschub von Neuwahlen, also die Tolerierung des Staatsstreiches, forderte.[41]Als Gegenleistung bot Schleicher der SPD das Verbot der NSDAP, die Vereinigung des Reichsbanners mit dem Stahlhelm zu einem Reichskriegerbund, die Auflösung der anderen Wehrverbände, die Vereinigung der Gewerkschaften zu einer Einheitsgewerkschaft und die Aufnahme zweier Sozialdemokraten oder Gewerkschafter in die Regierung.[42]

Wegen der ablehnenden Haltung der SPD wurde dies nicht weiter verfolgt[43], es zeigt aber, dass zumindest aus Schleichers Sicht Möglichkeiten bestanden, die SPD für seine Pläne zu gewinnen.

Auch in der schon erwähnten Kabinettsitzung vom 16. Januar 1933 wurde deutlich, dass Schleicher kaum mit dem im vorangegangenen Kapitel beschriebenen Szenario rechnete: „Die Wirtschaft lehnt den Gedanken baldiger Neuwahlen ab. Auch in der Arbeiterschaft sei diese Stimmung sehr verbreitet. Bei dieser Sachlage halte er es für sehr erwägenswert, die Neuwahlen bis zum Herbst zu verschieben.“[44]

Es lässt sich also feststellen, dass Schleicher die Widerstandsbereitschaft der Arbeiterschaft geringer einschätzte, als es durch die Planungen seiner Regierung geschah. Die Frage, wie nun die Arbeiterbewegung tatsächlich zu den Notstandsplänen stand, soll im nächsten Kapitel behandelt werden.

4 Arbeiterbewegung versus Staatsnotstand

4.1 KPD

4.1.1 Massenstreiks gegen Staatsstreich, Regierung und Republik

Die Haltung und Widerstandsbereitschaft der KPD gegen die Staatsstreichspläne Schleichers kommen in einem Aufruf der „Roten Fahne“ vom 27. Januar 1933, in welchem die Arbeiterklasse zur Mobilisierung gegen die Pläne Schleichers aufgerufen wurde, exemplarisch zum Ausdruck.[45]

Wie aber sollte der aktive Widerstand gegen die Regierung aussehen? Da konkret erwogene Maßnahmen der KPD, welche sich ausschließlich und direkt auf den Notstand bezogen, quellenmäßig nicht belegt sind, ist es notwendig, die Kampfbereitschaft in die Gesamtpolitik der KPD in der Endphase der Weimarer Republik einzuordnen. Die für den hier betrachteten Zeitraum relevante politische Vorgehensweise wurde auf der dritten Parteikonferenz der KPD im Oktober 1932 beschlossen.[46]Der Regierung Papen-Schleicher[47]sagte sie dort den Kampf an[48], den sie auch gegen die Regierung Schleicher fortsetzte, wie es aus einem KPD-Flugblatt vom Dezember 1932 hervorgeht, in welchem zum Kampf gegen die „faschistische Generalsdiktatur“ aufgerufen wurde.[49]

Entscheidend für diese Untersuchung ist nun das von der Parteikonferenz beschlossene Kampfmittel: der Massen- oder Generalstreik[50], also das, was die Regierung ihrem Szenario zugrunde gelegt hatte. Zu diesem wurde die Arbeiterschaft auch in dem erwähnten Flugblatt motiviert: „Rüstet zum Massenstreik gegen die faschistische Generalsdiktatur (...).“[51]

Der Widerstand der KPD gegen Schleichers Staatsstreichspläne muss also als Teil des kommunistischen Kampfes gegen die Präsidialkabinette überhaupt gesehen werden. Daher ist das eingesetzte Mittel auch das, welches auch für den Kampf gegen die Regierung eingesetzt werden sollte, nämlich der Generalstreik, in den Quellen auch als Massenstreik bezeichnet. Darüber hinaus ergibt sich daraus aber auch, dass ein von der KPD gegen den Staatsnotstand erwogener Aufstand nicht zum Ziel hatte, einen Verfassungsbruch zu verhindern bzw. zum Scheitern zu bringen, um die Republik zu retten, sondern einen Teil des kommunistischen Kampfes zur revolutionären Umgestaltung Deutschlands darstellte.

Unabhängig jedoch von der Zielsetzung der KPD kann in Bezug auf die anfangs gestellte Frage festgestellt werden, dass die KPD erwog, die Proklamierung des Notstandes mit konkreten Maßnahmen, wie einem Massenstreik, zu begegnen. Damit ist auch klar, dass die KPD dem Notstandsgedanken ablehnend gegenüber stand. Hinsichtlich der oben getätigten Überlegungen über die Zielsetzung der KPD wäre aber zu überlegen, inwieweit die Kommunisten einen Staatsstreich der Regierung erhofften, um dann offensiv in ihrem Sinne gegen sie vorgehen zu können. Die KPD war somit zumindest theoretisch für den Ernstfall gerüstet, vielleicht auch deswegen, weil sie ihn dann für sich nutzen wollte.

[...]


[1]Zu den genauen bibliographischen Angaben siehe die Anmerkungen sowie das Quellen- und Literaturverzeichnis.

[2] E. Kolb/ W. Pyta: Die Staatsnotstandsplanung unter den Regierungen Papen und Schleicher. In: H. A. Winkler (Hrsg.): Die deutsche Staatskrise 1930-1933 (Schriften des Historischen Kollegs 26), München 1992, S. 155-181. Hier S. 181.

[3] Vgl. Kolb/ Pyta: Staatsnotstandsplanung, S. 181.

[4]Siehe dazu Kapitel 3.

[5]Vgl. Kolb/ Pyta: Staatsnotstandsplanung, S. 157.

[6]Ebd. S. 157.

[7]K. D. Bracher: Parteienstaat, Präsidialsystem, Notstand. Zum Problem der Weimarer Staatskrise. In: G. Jasper (Hrsg.): Von Weimar zu Hitler 1930-1933, Köln/ Berlin 1968, S. 58-71. Hier S. 66.

[8]Vgl. Kolb/ Pyta: Staatsnotstandsplanung, S. 157.

[9]Bracher: Parteienstaat, S. 66.

[10]Vgl. Kolb/ Pyta: Staatsnotstandsplanung, S. 157.

[11]Ebd. S. 158.

[12]Ebd. S. 158.

[13]Ebd. S. 164f.

[14]Ebd. S. 165-167. Für die Ausrufung des Notstandes benötigte der Reichskanzler die Notverordnungsvollmachten des Reichspräsidenten.

[15]Ebd. S. 160.

[16]Vgl. F. K. Von Plehwe: Reichskanzler Kurt von Schleicher. Weimars letzte Chance gegen Hitler, Esslingen 1983, S. 234-236.

[17]Vgl. A. Schildt: Militärdiktatur mit Massenbasis? Die Querfrontkonzeption der Reichswehrführung um General Kurt von Schleicher am Ende der Weimarer Republik (Campus Forschung 225), Frankfurt/ New York 1982, S. 173.

[18]Vgl. Plehwe: Reichskanzler Schleicher, S. 275f.

[19]Vgl. K. D. Erdmann (Hrsg.): Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik. Das Kabinett von Schleicher. 3. Dezember 1932 bis 30. Januar 1933, bearb. v. A. Golecki, Boppard 1986, S. 231-238.

[20]Vgl. Kolb/ Pyta: Staatsnotstandsplanung, S. 167.

[21]Ebd. S. 167-172.

[22]Ebd. S. 167.

[23]Vgl. K. D. Erdmann (Hrsg.): Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik. Das Kabinett von Papen. 1. Juni bis 3. Dezember 1932, Bd. 2: September bis Dezember 1932, bearb. v. K.-H. Minuth, Boppard 1989, S. 950.

[24]Kolb/ Pyta: Staatsnotstandsplanung, S. 167.

[25]Ebd. S. 167.

[26]Ebd. S. 167.

[27]Erdmann: AdR Papen 2, S. 1011.

[28]Wie bei allen Maßnahmen in Form einer Notverordnung.

[29]Erdmann: AdR Papen 2, S. 1011.

[30]Vgl. Kolb/ Pyta: Staatsnotstandsplanung, S. 167f.

[31]Vgl. Erdmann: AdR Papen 2, S. 1010.

[32]Ebd. S. 1011.

[33]Beide Paragraphen enthalten die genannten Straftatsbestände.

[34]Erdmann: AdR Papen 2, S. 1011.

[35]Ebd. S. 1011.

[36]Diese war zu Beginn der 1920er Jahre gegen Streiks eingesetzt worden.

[37]Vgl. Kolb/ Pyta: Staatsnotstandsplanung, S. 168.

[38]Ebd. S. 168.

[39]W. Pyta: Vorbereitungen für den militärischen Ausnahmezustand unter Papen/ Schleicher. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen 51 (1992), S. 385-428. Hier S. 425.

[40]Ebd. S. 425.

[41]Vgl. V. Hentschel: Weimars letzte Monate. Hitler und der Untergang der Republik, Düsseldorf 1978, S. 82.

[42]Vgl. F. L. Carsten: Die Reichswehr und die Diktatur. In: G. Jasper (Hrsg.): Von Weimar zu Hitler 1930-1933, Köln/ Berlin 1968, S. 169-196. Hier S. 179.

[43]Vgl. Hentschel: Weimars letzte Monate, S. 82.

[44]Erdmann: AdR Schleicher, S. 231.

[45]Vgl. S. Bahne: Die KPD und das Ende von Weimar. Das Scheitern einer Politik 1932-1935, Frankfurt 1976, S. 37.

[46]Vgl. E. R. Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789, Bd. 6: Die Weimarer Reichsverfassung, Stuttgart 1981, S. 278.

[47]Schleicher war im Kabinett Papen Reichswehrminister und besaß besonderen politischen Einfluss.

[48]Vgl. Huber: Verfassungsgeschichte, S. 278.

[49]Vgl. H. Michaelis/ E. Schraepler (Hrsg.): Ursachen und Folgen. Vom deutschen Zusammenbruch 1918 und 1945 bis zur staatlichen Neuordnung Deutschlands in der Gegenwart. Eine Urkunden und Dokumentensammlung zur Zeitgeschichte, Bd. 8: Die Weimarer Republik. Das Ende des parlamentarischen Systems. Brüning-Papen- Schleicher 1930-1933, Berlin o.J., S. 722.

[50]Vgl. Huber: Verfassungsgeschichte, S. 278.

[51]Michaelis: Ursachen und Folgen, S. 723.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Arbeiterbewegung und Staatsnotstand. Haltungen und Erwägungen von KPD, SPD und ADGB zu den Staatsstreichplänen der Regierung Schleicher
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V414474
ISBN (eBook)
9783668656970
ISBN (Buch)
9783668656987
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
arbeiterbewegung, staatsnotstand, haltungen, erwägungen, adgb, staatsstreichplänen, regierung, schleicher
Arbeit zitieren
Magister Artium Philipp Schneider (Autor), 2002, Arbeiterbewegung und Staatsnotstand. Haltungen und Erwägungen von KPD, SPD und ADGB zu den Staatsstreichplänen der Regierung Schleicher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414474

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